Leidenschaftlich leidend

Repräsentanten der Katholische Kirche finde ich immer wieder faszinierend. Völlig losgelöst von jedweder Realität schwadronieren sie tagtäglich über die Bestimmung des Menschen im Angesicht Gottes, weigern sich aber beharrlich, endlich einmal die E-Mailadresse oder wenigstens die Telefonnummer Gottes zu veröffentlichen, damit sich der gemeine Mann auf der Straße beim Schöpfer rückversichern kann, ob er das, was die Katholische Kirche in seinem Namen behauptet, tatsächlich ernst meint.

Die ganze Erscheinungsform Roms ist grotesk. Auschließlich alte Männer, hierarchisch gegliedert und uniformiert, zölibatär lebend und anderen Menschen Moralpredigten haltend, während man über die eigenen Exzesse moralischer Perversion eine Mantel des Schweigens wirft. Noch viel grotesker ist allerdings, dass es Menschen gibt, die in der Katholischen Kirche tatsächlich eine moralische Instanz sehen.

Und besonders lustig wird es, wenn sich Angestellte Roms über Homosexualität äußern, so wie es kürzlich Kardinal Raymond Leo Burke in einem Interview mit der „Welt“ getan hat:

Wir sind alle entweder Mann oder Frau, maskulin oder feminin,

Fast alle…

und wahres Glück entspringt daraus, das wir unsere sexuelle Natur annehmen und entwickeln.

Was implizieren würde, dass katholische Kardinäle et. al. zutiefst unglücklich sein müssten, da sie ihre sexuelle Natur weder annehmen noch entwicklen. Zumindest offiziell.

Die homosexuelle Veranlagung ist eine Form des Leidens, das bestimmte Menschen befällt.

Ich kann mich eigentlich nicht beklagen. Ich bin ein Mann und stehe auf andere Männer. Männer passen besser zusammen und wahre Liebe gibt es eh nur unter Männern. Eigentlich müsste Burke das ohne Probleme nachvollziehen können, hat er sich doch freiwillig für ein Leben unter Männern entschieden, in einer patriarchalen Organisation, die Frauen explizit ausschließt und von sich fern hält. Der Unterschied zwischen Angestellten der katholischen Kirche und der Mehrzahl der Schwulen besteht letztlich nur darin, dass Schwule das Gebet durch Sex ersetzen.

Aber ich glaube nicht, dass Homosexualität genetisch ist. Es kommt sehr auf die Umwelt an. In meiner Gemeinde hatte ich homosexuelle Paare, die sehr unglücklich über ihr Sexualleben waren.

Wenn ich in der Gemeinde von Burke wäre, und mir tagtäglich anhören müsste, dass ich an einem Leiden leide, nur weil ich nicht auf Brüste und Vaginas stehe, dann würde ich irgendwann auch leiden.

Natürlich möchte man Tugenden wie Treue und Selbstaufopferung in allen stärken, aber das darf nicht zur Zustimmung zu solchen sexuellen Akten führen.

Wer sagt das? Gott? Seit wann hat der was zu sagen? Kann der Sexualität überhaupt beurteilen? E-Mail?

Eine eheliche Beziehung ist nur zwischen Menschen verschiedenen Geschlechts möglich.

Falsch! In allen Ländern und Regionen, die dunkelblau markiert sind, ist eine eheliche Beziehung zwischen Menschen gleichen Geschlechts möglich:

Aus kirchlicher Sicht kann es eine Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen nicht geben.

Mag ja sein, aber ausschließlich legislative Gewalt hat die Kirche nur über ein Territorium von 0,44 Quadratkilometern Fläche, mit einer Geburtenrate von 0,0 Kindern pro Frau und in dem keiner der leitenden Funktionäre verheiratet ist. 

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