Das Wohl der Frauen ist das höchste Gut

Der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg fühlt sich schon lange seiner Rolle als paternalistischem Volkserzieher verpflichtet. Insofern kann es kaum überraschen, dass dessen politische Vertreter nur unser Bestes im Sinne haben. Und „unser Bestes“ bedeutet naturgemäß, nur das Beste für Frauen:

Künftig soll jede Werbung unterbunden werden, in der Frauen als „(willens)schwach, hysterisch, dumm, unzurechnungsfähig, naiv“ dargestellt werden. Frauen dürfen auch nicht „ohne Anlass lächelnd inszeniert“ sein oder „zu körperbetont bekleidet“ gezeigt werden. Werbung, „die vermittelt, dass Frauen hilfsbedürftig, fürsorglich, mit großer Freude im Haushalt beschäftigt, konsumsüchtig, abhängig, verführerisch, schön“ sind, ist ebenso tabu wie jede Abbildung, die dem Betrachter nahelegt, dass es besser ist, wenn man weniger wiegt oder eine glattere Haut hat.

Ein lobenswerter Schritt auf dem Weg zur vollständigen Gleichberechtigung und Emanzipation von Frauen! Doch warum geht man nicht noch einen entscheidenden Schritt weiter und führt eine Mode- und Sittenpolizei  für Frauen im Allgemeinen ein, so wie es in einigen islamischen Ländern Standard ist? Denn Werbung ist ja nur eine Seite des Schrecken, welches Frauen täglich ertragen müssen. Zuviele echte Frauen geben sich und anderen Frauen ein schlechtes Beispiel, indem sie sich falsch verhalten, ohne Anlass lächeln, sich körperbewusst kleiden, dem Konsum frönen. Einige Frauen sollen sogar verführerisch und schön sein! Kann man das tolerieren?

Nein! Aus diesem Grund unterstütze ich die Maßnahmen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg nachdrücklich und schlage außerdem vor, in der Werbung und in der Öffentlichkeit nur noch lächelnde, verführerische, schön Männer zu erlauben, die sich körperbewusst kleiden und Freude am Konsum haben. Ein solches Opfer ist mir das Wohl der Frauen wert.

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10 Gedanken zu “Das Wohl der Frauen ist das höchste Gut

  1. Wenn man das konsequent durchsetzt darf man Frauen eigentlich gar nicht mehr darstellen.
    Ich würde da gerne mal Beispielbilder von den Frauen sehen die das fordern die können da doch nur eine Burka an haben 🙂

    Aber wie im letzten Absatz schon steht hoffe ich das da dann überwiegend Männer auf den Plakaten sind weil denen das mit den Frauen zu heikel wird.
    Wäre dann auch nur eine frage der zeit bis die sich beschweren und eine Werbeplakatquote für Frauen einführen.

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  2. Endlich mal ein konstruktiver Vorschlag!

    >Ein solches Opfer ist mir das Wohl der Frauen wert.
    Hm, böse Zungen behaupten, der Vorschlag wäre nicht ganz so selbstlos, wie es den Anschein hat ;-).

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  3. Warum macht ihr keine erboste Kampagne darüber, dass Männer in der Werbung, Film und Gesellschaft zu sehr in klassischen Geschlechtsrollen gezeigt werden, immer am arbeiten oder bei lebensgefährlichen Tätigkeiten wie Rennfahren. Fordert, dass Männer nur noch, tatenlos, willensschwach, lächeldn, dumm, hysterisch und bei der Hausarbeit gezeigt werden dürfen. fordert, dass Männer nicht mehr als Umwerber, Ernährer oder Ansprecher von Frauen dargestellt werden dürfen (nur noch umgekehrt), weil ihr konsequent gegen einengende und belastende Geschlechtsstereotypen vorgehen wollt oder so. Setzt euch ein Verbot für Unterwäschewerbung mit Cristiano Ronaldo ein, weil falsche Körpertypen vermittelt werden und eine Sexualisierung stattfindet.
    Nervt doch einfach mal zurück, wenn das mit dem Ignorieren nicht klappt.

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    • > fordert, dass Männer nicht mehr als Umwerber, Ernährer oder Ansprecher von Frauen dargestellt werden dürfen

      Aber wenn man genau mit diesem „nicht mehr dürfen“ nichts am Hut hat, soll man es dann wirklich spiegeln? Was soll das Resultat sein? Dass die andere Seite merkt, wie absurd ihre Forderungen sind? Die sind so merkbefreit, die raffen es auch dann nicht. Die merken doch nicht mal, wenn man sich nur noch über sie lustig macht.
      Und _das_ ist das eigentliche Problem

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      • Um etwas deutlich zu machen? Wie nervig und unnötig das ist? Einfach die Argumentation spiegeln.

        „Die merken doch nicht mal, wenn man sich nur noch über sie lustig macht.“

        Umso besser, macht ihnen das Leben schwer. Sucht, ob bei ihnen irgendetwas zu finden ist, was auf ein reaktionäres, nicht dekonstruiertes Männerbild oder Sexismus hindeutet (z.B. dass von Männern weiterhin irgendwelche ritterlichen oder männlichen Tugenden erwartet werden) und dann bezichtigt sie der Dinge, derer sie euch bezichtigen. Jammert herum und bringt sie in die Täterposition.

        „Vielleicht, weil uns für erboste Kampagnen die mentalen Zutaten fehlen?“

        Aha und warum? Es waren doch auch Männer, die Souh Park und Die Simpsons erfunden haben.

        „Theoretisch hast du ja Recht. Das Problem ist nur: Wenn jemand auf einer derart peinliche Art rumnervt, dann muss die optimale Reaktion nicht sein, sich genau so peinlich und bescheuert zu benehmen.
        Nicht allen Menschen fehlt das Peinlichkeits-Gen …“

        Doch, weil er dann merkt, wie nervig, störend und ungerecht das ist.

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        • „Weil man dafür eine ziemliche Verbissenheit und Humorfreiheit braucht? Und ein derart schräges Weltbild, das manche damit überfordert sind? “

          Dann guck mal auf allesevolution auf die Beiträge von uepsilonnikus, der hat das super drauf. Mir ist er jedenfalls innerhalb seiner vier Beiträge, die ich von ihm gelesen habe, härter auf die Eierstöcke gegangen als RedPill, ddbz und PetPanther zusammen in mehreren Jahren. Den könntet ihr als Creative Director nehmen.

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          • >Um etwas deutlich zu machen? Wie nervig und unnötig das ist? Einfach die Argumentation spiegeln.

            Also, erboste oder schwachsinnige Kampagnen“ lehne ich ja ab – sympathisiere immer noch etwas mit der Spassguerilla. (Werd halt auch nie erwachsen …)

            Der einzige Fall, wo ich es passend fand, den Unfug zu spiegeln, war die „don’t be that girl“-Aktion. Die fand ich sinnvoll und durch die Bilder auch gar nicht schlecht umgesetzt. Gespiegelt, aber mit Versstand.

            >Umso besser, macht ihnen das Leben schwer. Sucht, ob bei ihnen irgendetwas zu finden ist,

            Das wenigstens kann man im privaten Umfeld gut umsetzen – und zwar so, dass man dabei auch seinen Spaß hat. Hab vor kurzem mal wieder im Beisein einer verwirrten Radfem darauf hingewiesen, welche Gruppen heute die reaktionärsten Geschlechterbilder propagieren. Von wegen „wer fordert weiße Ritter und erklärt, wie hilflos und arm dran die Frauen sind? Und wie war das, was kann man noch mal als reaktionäres Geschlechterbild bezeichnen?“

            Herrlich, hatte meinen Spaß. Der verkniffene Gesichtsausdruck, während das Kopf-Display anzeigte „ich sollte sofort den Raum verlassen, wenn hier solche Typen so miese Sprüche klopfen“. Erstaunlicherweise ist sie nach über 10 Minuten betroffenem Schweigen nicht gegangen. Und bald hab ich sie auch soweit, dass sie rafft, warum ich sie für die größte Sexistin halte. (So was muss man step by step rüberbringen, sprach der Didaktiker.)

            >uepsilonnikus, der hat das super drauf. … RedPill, ddbz und PetPanther … Den könntet ihr als Creative Director nehmen.

            Diesen creative-director-Vorschlag nehme ich dir übel! Ich verstehe aber ohnehin nicht, dass noch irgend jemand mit dbbz diskutiert, egal ob über die Existenz von gender oder sonstwas. Ist doch Zeitvergeudung, genau wie bei ein paar anderen Kommentatoren dort.
            Man muss auch mal akzeptieren, dass manche Leute ihren Verstand nicht benutzen wollen. Zu den Menschenrechten gehört auch das Recht, dumm sterben zu wollen. Ich werde den Teufel tun und so jemand dabei stören.

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  4. @Atacama
    >Warum macht ihr keine erboste Kampagne …

    Vielleicht, weil uns für erboste Kampagnen die mentalen Zutaten fehlen? Weil man dafür eine ziemliche Verbissenheit und Humorfreiheit braucht? Und ein derart schräges Weltbild, das manche damit überfordert sind?

    >Fordert, dass Männer nur noch, tatenlos, willensschwach, lächeldn, dumm, hysterisch und bei der Hausarbeit gezeigt werden dürfen.
    Ok, das ist so schön absurd, dass es schon wieder was hat: Gleichberechtigung ist, wenn alle dümmlich-debil gucken dürfen. Nicht schlecht.
    Weiß aber nicht, ob dieser Ansatz schon der Weisheit letzter Schluss ist …

    >Nervt doch einfach mal zurück, wenn das mit dem Ignorieren nicht klappt.

    Theoretisch hast du ja Recht. Das Problem ist nur: Wenn jemand auf einer derart peinliche Art rumnervt, dann muss die optimale Reaktion nicht sein, sich genau so peinlich und bescheuert zu benehmen.
    Nicht allen Menschen fehlt das Peinlichkeits-Gen …

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