Schöne neue queere Welt – Ohne Männer gegen Männer

Der Begriff “queer” hat seine politische Karriere dem Umstand zu verdanken, dass die gewöhnliche Schwulen- und Lesbenbewegung, die von der politischen Linken fest für den Umsturz des kapitalistischen Systems eingeplant war, sich für diesen Umsturz als vollkommen unbrauchbar erwiesen hat. Homosexuelle haben beeindruckende Emanzipationserfolge hinter sich – doch der Kommunismus ist immer noch nicht da, mehr noch, Schwule und Lesben passen sich diesem System an, arbeiten an seiner Aufrechterhaltung und ziehen gar bürgerlich-faschistisch in Reihenhäuser samt Ehepartner und Schäferhund.

Dass frustriert den gewöhnlichen Linken, dem seit seiner politischen Pubertät beigebracht wurde, dass innerhalb der westlich-kapitalistischen  Welt grundsätzlich alles schlecht ist. Da aber selbst dem linientreuen Linken tief im Inneren bewusst ist, dass dem bei weitem nicht so  ist, man sich diese Erkenntnis aber nicht eingestehen kann, muss er zur Wahrung seiner politischen Integrität auf einen Trick zurückgreifen.

Dieser Trick besteht darin, einen gesellschaftlichen Zielzustand zu postulieren, der absolut nicht zu erreichen ist, und gleichzeitig als Ursache für die Nichterreichung dieses Zieles, die Machtausübung der herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse auszumachen.

Folgendes Beispiel soll illustrieren, was damit gemeint ist:

Der Begriff der Heteronormativität hat durchaus seine Berechtigung, nämlich genau dann, wenn man damit die Ansicht anprangert, ein Mann oder eine Frau müssten sich in jedem Fall zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen, und alles andere sei ein krankhafte, naturwidrige Form menschlicher Sexualität. Im Zuge der aufkommenden feministischen und queeren Bewegung wird diesem Begriff allerdings vermehrt eine darüber hinausgehende Bedeutung zugeschrieben, nämlich als Kritik an dem Umstand, dass die Mehrheit der Menschen auf diesem Planeten heterosexuell empfindet, wobei diese Empfindung allerdings keine Empfindung sei, sondern lediglich ein Machtmittel (von wem auch immer) um Herrschaft (über wen eigentlich?) auszuüben.

Die Absurdität dieser Behauptung ist im Grunde genommen offensichtlich, denn natürlich ist Heterosexualität ein unverzichtbarer Bestandteil eines jeden höheren Organismus, um die Erhaltung der eigenen Art zu sichern. Das schließt selbstredend andere Formen der Sexualität nicht aus, es erlaubt sogar eine mannigfache Praktizierung homosexueller Liebe, aber die Heterosexualität als reines Konstrukt zur Aufrechterhaltung von Herrschaft zu definieren, ist nicht nur zutiefst unwissenschaftlich, sondern auch eine Verletzung der Würde und Integrität jedes andersgeschlechtlich liebenden Menschen.

Und mehr noch: Wenn Heterosexualität ein gesellschaftliches Konstrukt ist, dann muss dies selbstredend, und logisch gar nicht anders denkbar, auch für die Homosexualität gelten, es sei denn man vertritt die Ansicht, alle Menschen seien im Grunde genommen homosexuell und würden nur durch finstere Mächte daran gehindert, diese Sehnsüchte auszuleben.

Noch absurder wird der queere Zirkus, wenn er sich auf die These versteift, Geschlechter gäbe es nicht, und zwischen denen, welche die Herrschenden (wer auch immer) als “Geschlechter” definieren, sei kein Unterschied auszumachen, der sich nicht durch gesellschaftliche Konstruktionen erklären ließe. Und bevor man hier mir mit den ersten Einwänden bezüglich der Unterscheidung zwischen “sex” und “gender” kommt: In gewissen Kreise ist man mittlerweile tatsächlich schon an dem Punkt angekommen, an dem das physische Geschlecht und nicht lediglich die simple Geschlechtsrolle als gesellschaftliche Konstruktion begriffen wird.

Es scheint in linken queer-feministischen Kreisen jedenfalls en vogue zu sein, Begrifflichkeiten zu verwischen und Unterschiede und Kategorien als nicht existent zu betrachten, eben weil man damit eine solide Basis hat, sich beständig an den bestehenden Verhältnissen abarbeiten zu können und seinem Dasein wenigstens ein wenig Sinn zu geben.

Ein herausragendes Beispiel für diese Attitüde liefert uns eine gewisse Daniela S., die zwar biologisch eine Frau ist, aber die das ganze als allzu einengend sieht und sich bemüßigt fühlt, dem Zentralorgan der Linkspartei, ihre Weltsicht zu erklären:

ND: Wie darf ich Dich ansprechen?

Daniela: Ich bin lieber DER Daniela. Aber es ist mir egal, wie Du mich nennst.

[…]

Du bist keine Frau?

Die Zuordnung als Frau lehne ich ab.

Bist Du ein Mann?

Auch. Es gibt Momente, wo ich sehr männlich nach außen wirke und auch mit einem Bart herumrenne. Das verwirrt. Diese Irritation mag ich. Es verunsichert Menschen, wenn ihre verinnerlichten Kategorien wie die von Mann und Frau plötzlich nicht mehr anwendbar sind, einfach nicht stimmen.

Aus dieser völlig erklärlichen Verunsicherung der Menschen leitet Daniela S. messerscharf ab, dass Geschlechter Konstruktionen sind. Aber auf welcher Grundlage? Genau wie ein Mensch mit Schimpansenohren nicht die Unterschiede zwischen Mensch und Schimpanse aufzuheben vermag, macht eine Frau mit Bart die Kategorien “Mann” und “Frau” obsolet. Und der größte Witz daran: Frau S. weiß das selbst, denn auch die Ablehnung der zweigeschlechtlichen Kategorien hindert sie nicht daran, ein ganz bestimmtes Geschlecht auszugrenzen:

Du arbeitest in der linksalternativen Projektkneipe »Olga« im Stadtzentrum mit. Hat die mit der Queer-Szene zu tun?

Seit fast vier Jahren gibt es hier einmal im Monat den Frauen, Mädchen, Transgender Abend. Männer haben da keinen Zutritt.

Den gesellschaftlichen Zuweisungen zu einem Geschlecht steht Frau S. also eher kritisch gegenüber, es sei denn es geht gegen Männer. Dann hat man plötzlich keine Probleme mehr, auf Grundlage einer Eigenschaft, die man andernfalls als Konstrukt begreift, anderen Menschen auszugrenzen. Selbst dem “Neuen Deutschland” kommt das ein wenig inkonsequent vor:

Ein Kneipenabend ohne Männer und Queer-Denken mit dem Fokus auf Feminismus. Ist das nicht auch eine Abgrenzung – vom Männlichen?

Aber Daniele S. wäre keine links-queere Feministin, wenn sie nicht Ahnung von Dialektik hätte und sich getreu dem Motto von Pippi Langstrumpf die Welt so machen würde, wie sie ihr gefällt:

Das Fundament dieser Gesellschaft sind männlich dominierte Machtstrukturen. Die treffen vor allen Dingen Frauen. Aber eben nicht nur. Männer sind durch ihre funktionellen Rollenzuschreibungen genauso betroffen. Queer-Feminismus wehrt sich gegen patriarchale Herrschaft und Heteronormativität. Der Frauen-, Mädchen- und Transgenderabend ist ein wichtiges Symbol. Er zeigt, dass es möglich und nötig ist, sich gesellschaftliche Freiräume zu nehmen und zurückzuerobern. Und er zeigt, dass kein Mensch festgeschriebenen gesellschaftlichen Vorstellungen und Vorurteilen entsprechen muss.

Abgesehen von dem Gerede von “Patriarchat” und “männlich dominierte Machtstrukturen” ist das alles nicht mal unbedingt unsympathisch. Aber was nützt ein Kampf gegen Diskriminierung und feste Rollenzuschreibungen, der es als grundlegend ansieht, zur Lösung des Problems selbst auf Rollenzuschreibungen und Diskriminierung zurückzugreifen?

Willkommen sind nur Frauen oder Transmenschen. Nur durch diesen Ausschluss können ansonsten alltägliche und als normal wahrgenommene Ausschlüsse in der Gesellschaft sichtbar gemacht werden.

Also noch mal: Daniela S. findet die Kategorie der Zweigeschlechlichkeit und starre Rollenzuweisungen eher lächerlich, findet es aber völlig normal, das Geschlecht und das Konstrukt “Mann” auszuschließen. Muss man das verstehen, oder braucht es dafür linke Gesinnung?

Gehören linkes politisches Engagement und Queer als gesellschaftspolitisches Aktionsmodell zusammen?

Es gibt und gab immer auch schwule Nazis.

Und ich wette, tolerant und differenziert wie die Linke nun mal ist, habe ich mich mit diesem Beitrag bereits für diese Label qualifiziert…

Identitätsfindungen sind unabhängig von politischen Ausrichtungen. Aber es gibt eine feministische Queer-/Transszene, die sich im linken Spektrum verorten lässt. Definitiv hat die aber nichts mit der parteipolitischen linken Szene zu tun. Selbst wenn Queerthemen parteipolitisch erwähnt werden, so ist das nur Makulatur und weitestgehend inhaltslos.

Natürlich, weil es absolut unmöglich ist, den Begriff “queer” auch nur ansatzweise mit Inhalt zu füllen, der nicht mit  lautem Lachen oder fassungslosem Kopfschütteln quittiert wird:

Gibt es überhaupt Geschlechter? Ich vermute, wenn es sie gibt, gibt es so viele, dass es unmöglich, ja absurd wäre, sie benennen und einordnen zu wollen. Allein die Frage nach der Anzahl der Geschlechter zeigt, dass in spezifischen Geschlechterkategorien gedacht wird. Diese Gesellschaft zeichnet sich durch einen Kategorisierungswahn aus. Die beste Voraussetzung für Ausgrenzung, Diskriminierung und Machtausübung.

Was natürlich absolut folgerichtig ist, denn die Tatsache, dass bspw. ich auf das Geschlecht mit dem Penis stehe , zwingt mich geradezu, die Geschlechter ohne Penis auszugrenzen und Macht über sie auszuüben.

Aber gemach, das alles ist bald Vergangenheit, denn in der schönen neuen Queer-Welt wird es keine Kategorisierungen mehr geben, jeder wird jeden und alles gleichermaßen attraktiv finden und keines der unzähligen Geschlechter wird mehr diskriminiert werden. Außer natürlich Männer. Aber die haben es ja auch nicht anders verdient.

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10 Gedanken zu “Schöne neue queere Welt – Ohne Männer gegen Männer

  1. Lesbische Nazis gabs und gibt es natürlich nicht… weil nur wenn Männer etwas zusammen machen ist das rechtes Nazizeug

    Viel Erfolg dabei das Image von Männerhasserin loszuwerden, Feminismus.

    Was soll überhaupt „zurückerobern“ bedeuten? War die Erde früher eine reiner Frauenplanet?

    Das ist mitunter sowas von an den Haaren herbeigezogen. Dauer bestimmt auch nicht mehr lange und Männer werden beschuldigt die fliegenden weißen Einhörner, die natürlichen Verbündeten von Lesben UND Frauen, ausgerottet zu haben. Fakten? Beweise? Pffft… alles nur patriarchale Unterdrückungswerkzeuge. Die Realität ist so wie ich es gerne hätte. Und wenn diese sich partou nicht einstellen will, liegt das natürlich auch an den Machenschaften geheimer (natürlicher rechter) Männerbünde.

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  2. Schwule Nazis. Ich sehe gerade vor meinem geistigen Auge, wie due Village People YMCA singen und einer der Kerle eine SS-Uniform trägt. Am besten noch der Schwarze. Sorry wenn es schwulenfeindlich ist, das ist nicht meine Absicht, aber schwule Nazis.

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  3. @Adrian

    Wäre es dir vielleicht möglich, dass du das Label „links“ und „Linke“ nicht so pauschal abwertend verwendest, wie du es gerade tust?

    Ich bin selber Linker und habe mit diesem TEIL der Linken nichts zu tun und will mit ihnen auch nichts zu tun haben. Die Gründe diese Ablehnung habe ich oft genug dargestellt und das auch auf deinem Blog:

    „Der Genderismus wird von mir so genannt, weil er eine Mischung aus gender-studies und Poststrukturalismus ist.
    Und das heißt immer *Relativismus* – Schleifung von Vernunft, Rationalität und universellen Menschenrechten.
    Die sollen dekonstruiert werden – Projekt Gegenaufklärung.“

    Es ist außerdem unfair, wenn du auf der einen Seite gegen die LINKE allgemein (also auch gegen MICH) wetterst und dann meine Argumentation in meinem Kommentar auf deinem Blog vom März 2015 aufgreifst:

    „Das gesamte Konzept “diversity” ist reiner Genderismus und politisch nicht ohne Generalunterstellung von “Homophobie” und “Heteronormativität” zu haben (lies doch mal die Reaktionen bei den Grünen und bei queer).

    Die dumme Kehrseite der Ideologie ist, der Mehrheitsgesellschaft zu unterstellen, IHRE sexuelle Orientierung sei ein Produkt eines gesellschaftlichen Zwangs.
    Und reversibel, beseitigt man die Zwangsverhältnisse.
    Von daher ist die Anerkennung von “Gleichwertigkeit” sexueller Orientierungen Augenwischerei – Heterosexualität kann gar nicht gleichwertig sein.
    Ich wiederhole mich immer wieder: Das hat die katholische Kirche im Kern auch über Schwule und Lesben gesagt: “Schwul sein ist heilbar!”

    Das aus der Ideologie hervorgehende politische Konzept ist (selbst gewendet) Schrott und wird nach hinten losgehen.
    Statt eine Mehrheit für die Rechte von Minderheiten zu gewinnen und konsequent auf dem AGG aufzubauen, hat sich eine selbsternannte progressive Elite dazu aufgeschwungen, der Mehrheit die moralische Keule zu zeigen.“

    2012 schrieb ich auf deinem Blog zur „Heteronormativität“:

    „Die Geschlechterrolle ist in der Tat eine kulturell/gesellschaftlich geprägte und produziert produzierende (- aber keine konstruierte, diese Objektivierung geht viel zu weit).
    Die Geschlechtsidentität ist es hingegen nicht.
    Und diese verweist wiederum auf den biologischen Geschlechterdualismus (der ist einfach Fakt) und auf die Tatsache, dass Geschlechtsidentität für 99,6% der Bevölkerung kein Problem darstellt.

    Aus dem gesagten lässt sich jedoch keine “natürliche” Homophobie ableiten.
    Sondern es sind stumpf Mehrheitsverhältnisse – wenn 95-97% der Gesellschaft heterosexuell sind und monosexuell leben, dann sind diese schlicht Norm setzend.
    Und definieren wirkmächtig, was als “normal” zu gelten hat – das ist “normativ”.

    Jedoch ist “Norm” ebenso ein kulturell-politisch wandelbarer Begriff.“

    D.h. du bist mit deiner Kritik an diesem TEIL der Linken nicht alleine und du findest die argumentative Kritik wenigstens EINES Linken durchaus nachvollziehbar.
    Also wäre es m.E. auch angemessen, wenn du in deinem Kampf gegen Links ein wenig mehr differenzieren würdest.

    Schönen Gruß, crumar

    Quellen:
    https://gaywest.wordpress.com/2015/03/17/dulden-heist-beleidigen/
    https://gaywest.wordpress.com/2012/01/25/ist-homophobie-normal/

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    • Allianz gegen die Heteromänner-Gesellschaft, die geschichtlich nicht unbedingt im Kollektiv ein Freund der Schwulen waren/sind. im Zuge der Frauenbewegung haben sich die schwulen Männer halt angeschlossen, da sich viele ebenfalls unter der Knute der „Männer“ bzw. des Staates wähnten bzw. waren.

      Es gibt schwule Männer, die sich „schwer tun“ mit traditionellem Rollenverhalten oder sich sogar gerne teils weiblich präsentieren, es gab und gibt in der schwulen Subkultur auch immer Läden, wo Drag Queens auftraten und auch auf dem CSD fällt auf, dass manche gerne weibliche und männliche Attribute kombinieren, z.B Bartstoppeln mit Perlenkette, deutet für mich zumindest auf ein Auf die Schippe nehmen von männlichen und weiblichen Zuordnungen im optischen Bereich hin bei diesen Individuen.
      Alles Dinge, die einem das Leben in einer traditionellen Gesellschaft oder Peer Group sehr schwer machen können, auch deshalb vielleicht dieser Zusammenschluß.

      Allerdings bezweifle ich, dass der Durchschnittsschwule so schrecklich politisch ist und sich über Feminismus den Kopf macht. Und „Die Schwulen“ und der „LSVD“ sind auch zwei verschiedene paar Schuhe.

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