Gott und die Moral – Ein kurzer Streifzug durch meine Welt des Glaubens

Ich habe mich in den letzten Jahren vermehrt mit Gott, Religion und dem Christentum beschäftigt, sehr laienhaft zwar, aber immerhin. Dabei tauchte dann zwangsläufig die Frage auf, ob ich ein gläubiger Mensch bin, ob ich an Gott glaube, oder ob ich Christ bin.

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Denn das kommt darauf an, wie man Glauben, Gott und Christentum definiert. Fangen wir z. B. mit letzterem an. Wenn ich es richtig verstande habe ist das Kernelement des Christentums der Glaube an Jesus Christus als menschgewordener Gottheit, der durch seinen Tod die Erlösung der Menschheit durch Beseitigung von Schuld und Sünde bewirkte.

Allerdings wirft dieser Glaubenssatz mehr Fragen als Antworten auf. Etwa, was denn überhaupt “Sünde” ist. Ziehe ich die Wikipedia zu Rate, steht dort geschrieben:

[Sünde] bezeichnet vor allem im christlichen Verständnis den unvollkommenen Zustand des von Gott getrennten Menschen und seine falsche Lebensweise.

Schön und gut, aber was ist denn nun eine “falsche Lebensweise”? Wer definiert das? Gott?

Vermutlich Gott, zumindest sind sich die großen Religionen alle darin einig, dass es einen Gott gibt, der die Erde, alle Lebewesen und damit auch den Menschen geschaffen hat. Nicht wenige Gläubigen sind sich darüber hinaus einig, dass Gott ein bestimmtes Bild vom Menschen und der richtigen Art zu leben im Kopf hatte, als er uns erschaffen hat. Das falsche Leben, also eines, welches Gott nicht will, dass wir es leben, wird als “Sünde” bezeichnet.

Nehmen wir einmal an, es gäbe einen solchen Gott mit einem solchem Bild vom Menschen. Dann stellt sich für mich die Frage. Wie will er, dass die Menschheit lebt. Was ist für ihn die richtige, gottgefällige Lebensweise?

Die zweite Frage ist sogar noch interessanter: Inwiefern ist es relevant, was Gott will? Die Frage mag schockierend , irritierend und blasphemisch klingen, in meinen Augen ist sie aber entscheidend für das Verständnis von Moral, von “richtig” und “falsch”.

Nehmen wir das Beispiel Homosexualität. Gemäß der überwiegenden Mehrheit christlicher Lehren ist Homosexualität eine Sünde, also etwas, das Gott nicht will. Daraus ableitend das Gott dies nicht will, ziehen nicht wenige Gläubige den Schluss, Homosexualität sei nicht moralisch. Aber warum? Weshalb wäre die Meinung Gottes, Homosexualität sei unmoralisch, relevanter als meine, die das nicht so sieht?

Wenn Gott tatsächlich der Meinung ist, dass Homosexualität unmoralisch sei, dass mein Leben also falsch ist, dann hätte ich gerne eine Bestätigung dieser seiner Meinung aus erster Hand, nicht durch ein von jahrhundertealtes von Menschen interpretiertes Buch.

Schön und gut, Gott tut mir also den Gefallen und erklärt mir, Adrian, jawohl, Homosexualität sei in der Tat sündhaft. Wäre die Sache für mich dann erledigt?

Keineswegs! Denn dann müsste Gott mir begründen, warum er Homosexualität für sündhaft hält. Ich würde ihn jedenfalls nicht so einfach gehen lassen. Ich würde ihn sich nicht auf den Standpunkt zurückziehen lassen, dass er nun mal Gott und deshalb alles was er sagt richtig sei. No, Sir! Auch Gott muss sich meine Achtung und meine Respekt verdienen, auch Gott muss sich dem kritischen Diskurs stellen. Dafür hat er der Menschheit immerhin das Denken mitgegeben.

Ich jedenfalls wüsste kein Argument was Gott gegen die Homosexualität vorbringen würde, welches nicht auch schon Menschen verwendet haben. Insofern würde auch Gott an meiner Meinung nichts ändern, die da lautet, dass Homosexualität vollkommen in Ordnung sei. Sollte Gott das anders sehen, fein, ich respektiere seine Meinung und werde weiterhin mein Leben leben. Mehr kann Gott von mir nicht erwarten. Und von meinem liberalen Standpunkt darf er auch gar nicht mehr erwarten, will er sich nicht als Diktator outen.

Das Gedankenspiel durchgehend, finde ich den Standpunkt, die Lehren Gottes, bzw. der Bibel, seien moralisch, weil sie von Gott kommen extrem unbefriedigend. Denn Gott kann doch nur dann der Maßstab für moralisches Handeln sein, wenn er selbst moralisch ist.

Was aber ist Moral? Ist diese nicht subjektiv? In gewissem Grade sicher, aber für mich definiert sich moralisches Handeln über folgende Kriterien:

1. Respekt und Achtung vor dem Leben anderer Menschen

2. Toleranz gegenüber anderen Meinungen und Lebensweisen

3. Fairness und Rücksichtnahme

Diese Kriterien sind sicherlich ausbaufähig (weitere Anregungen sind willkommen), aber ich denke, sie eignen sich gut, um als aufrechter Mensch mit Würde durchs Leben zu gehen und diese Welt zu einem Ort zu machen, in dem es sich gut leben lässt.

Fazit:

Glaube ich? – Ja, ich glaube: An das Gute im Menschen, an die Liebe, an Fairness, an die Freiheit des Menschen sein Leben selbst zu leben ohne anderen zu schaden oder ihnen etwas aufzuzwingen.

Glaube ich an Gott? – Ja und nein. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es etwas Größeres als uns Menschen gibt. Ich habe kein Problem an eine Gott zu glauben, der uns Menschen die Freiheit gegeben hat, selbst zu entscheiden was gut und richtig ist, der uns die Wahl lässt Fehler zu machen, der seine Meinungen durchdenkt, seine Handlungen abwägt und Vielfalt zulässt, einen Gott der gütig ist und der uns so liebt, wie Eltern ihre Kinder lieben – auch wenn sie erwachsen sind. Nicht glauben kann ich dagegen einen Gott, der genau weiß, was richtig und falsch ist und der uns Menschen ein starres Diktum vorgibt, wie man zu leben hat und der jeden, der diesem Diktum nicht folgt, der ewigen Verdammnis preisgibt. Ein solchen Gott würde ich verachten.

Bin ich Christ? – Da ich nicht an Jesus als Erlöser der Menschheit glaube, wohl eher nicht.

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