Lesbentum als Weltanschauung

In Zeiten zunehmender Akzeptanz von Homosexuellen verliert die Homo-Bewegung zunehmend an Zugkraft. Die ersten klaren Anzeichen einer Identitätskrise sind bereits deutlich zu erkennen. Besonders hart trifft es hier die Lesbenbewegung die, anders als die Schwulen, nie verstanden hat, sich ein positives Selbstbild anzueignen, und die vielfach im Kielwasser des Feminismus mitgeschwommen ist.

Sind Lesben sichtbar? Nicht genug, darüber war sich das gesamte Podium, das sich auf Initiative der Wirtschaftsweiber NRW und der Magnus-Hirschfeld-Stiftung im Alten Pfandhaus in der Kölner Süßstadt eingefunden hatte, rasch einig. Im Alltag, in den Medien, in der Gesellschaft ist noch reichlich Luft nach oben für eine positive Wahrnehmung lesbisch lebender Frauen.

Es ist in der Tat auffallend, wie wenig lesbische Frauen wahrgenommen werden und dass im öffentlichen Bewusstsein „Homosexualität“ fast ausschließlich mit schwulen Männern assoziiert wird.

Was ist noch zu tun, damit mehr lesbische Frauen positiv wahrgenommen werden? Birgit Bosold setzt auf mehr Präsenz der Frauen in schwullesbischen Zusammenhängen: „Wir müssen unseren Platz in gemischten Organisationen reklamieren.“ Olympionikin Imke Duplitzer forderte die Lesben auf, sich ein Beispiel am guten Lebensgefühl zu nehmen, zu dem Männer ihr Schwulsein gemacht haben. „Wir müssen auch in der Öffentlichkeit zu uns stehen und sagen: Ja, das ist so und ist gut so.“

Und ist es nicht erstaunlich, dass Lesben erst jetzt darauf kommen, ihre Homosexualität als ein positives Lebensgefühl zu reklamieren? Was haben sie denn zuvor die ganze Zeit gemacht?

Ein kritischer Ansatz fehlte aber im Hinblick auf schwul-lesbische Bündnisse nicht. Schwule sollten sich wieder auf gemeinsame Ziele in einer nach wie vor patriarchalisch ausgerichteten Welt besinnen. „Solange ein Schwuler sich nur mit Heteromännern gleichmachen will, kann er nicht mein Bündnispartner sein“, kam es entschieden aus dem Publikum.

Es ist vermutlich genau diese Politisierung weiblicher Homosexualität, die Vergiftung durch den Feminismus als einer destruktiven, gegen Männer gerichteten Ideologie, die zum negativen Image von Lesben geführt hat. Die Assoziation von Lesben als unattraktiver, beständig wütender Frauen, die ja nur keinen Mann abbekommen haben, kommt nicht von ungefähr. Das kreative, das fröhliche, eben das „schwule“, das geht der Lebenbewegung völlig ab. Alles muss politisiert werden, alles muss in das Schema Diskriminierung von Frauen gepresst werden und Männer sind eh Schweine.

Eva Kreienkamp resümierte: „Es ist an jeder einzelnen Person, ihre Identität zu finden und damit nach außen zu gehen.“ Nur lesbische Frauen hätten „als Einzige ein klares Bewusstsein, wie es ist, sich als autonome Frauen zu bewegen.“ Das sehe sie als „Vorteil, der an die Welt gebracht werden muss.“

Und dieses Resümee beschreibt die Tragik der Lesbenbewegung vorzüglich: Die Lesbe als bessere Frau, als besserer Mensch. Lesbentum als Weltanschauung, als Bewusstsein.

So, liebe Lesben, werdet Ihr verlieren.

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2 Gedanken zu “Lesbentum als Weltanschauung

  1. ” Nur lesbische Frauen hätten “als Einzige ein klares Bewusstsein, wie es ist, sich als autonome Frauen zu bewegen.”

    Au-Backe. Ja-ja, alle sind Gehirngewaschen, einzig und alleine die Lesben nicht. Vielleicht ist es auch anders herum? Wer weiß…

    Ist ja eigentlich echt lustig… einfach mal so behaupten das man über den Dingen steht. Warum nur haben Polit-Lesben so ein schlechtes Image?

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  2. Ein Beispiel, wie diskriminierungsfrei die Welt sein kann: Egal, wer behauptet, er stehe über den Dingen und blicke im Gegensatz zu allen anderen durch, wird von mir als „eher unsympathisch“ und „nicht besonders helle“ wahrgenommen.

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