Luxemburg heiratsfrei

Der einzige offen schwul lebende Regierungschef der Welt, Xavier Bettel aus Luxemburg, hat seinen Freund, Gauthier Destenay, geheiratet.

Eigentlich eine schöne Idee. Aber zu kurz gedacht. Denn es ist zu beklagen, dass Bettel und Destenay diesen Entschluss von sich aus getroffen haben, und andere schwule Gruppen, die Antidiskriminierungsarbeit leisteten, nicht in die Planung einbezogen worden sind.

Außerdem ist es grotesk, dass ein weißes, cis-männlich-dominiertes Paar diese Heirat vollzogen hat. Bettel und Destenay missbrauchen ihre Hochzeit als Kurzzeit-Bühne für Inszenierung von farbenfroher Weltoffenheit und gefährden damit  die Beziehungsarbeit zu ihren Nachbar*innen und stellen sie auf die Probe, weil diese Heirat insbesondere Schwule und Lesben aus anderen Kulturkreisen ausschließt, die andere Diskriminierungserfahrungen gesammelt haben.

Das Konzept der Homo-Ehe ist etwas sehr Weißes und Westliches. Und es ist auch nicht die Krönung der Emanzipation, wenn alle wissen, wen Mensch liebt und begehrt.

Viele Migranten in Luxemburg fühlten sich aufgrund von Rassismus anders als die weiße Bevölkerung. Auf Grund dieser Erfahrungen sind Menschen mit Rassismuserfahrungen anders auf Familie und Community angewiesen als weiße Menschen. Die Hochzeit von Bettel und Destenay ist daher ein Ausblenden migrantischer Antidiskriminierungsarbeit in deren Lebensräumen.

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13 Gedanken zu “Luxemburg heiratsfrei

  1. Ich seh schon, du denkst dich da langsam so richtig rein 😉

    Ja, das ist doch das schöne an dieser „Logik“:
    Es ist egal, was du tust – du bist immer ein Unterdrücker ;-).

    Das Ganze ist die Übertragung der Beziehungsform des double binds in kommunikative Akte. Wobei die beteiligten Hirne durch stete Einübung immer korrumpierter werden und immer weniger bemerken.
    Insofern sollte man auch etwas aufpassen und keine Überdosis aus Forschergeist riskieren.

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  2. Man, was schwach…

    Bettel als weisser CIS-Mann in „herrschender Postition“ (da muss auch noch in jeden Satz irgendwo eingebaut werden). Dazu noch den Status seines überpriviligierten Freundes…
    Dann noch das die Medien hierüber berichten ohne doch auf die verzweifelte Lage von Migranten im allgemeinen von Rassismus betroffenen im besnonderen und von rassismus betroffenen Schwulen im speziellen hinzuweisen…. Da hilft nur eins, üben üben üben…

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  3. „Eigentlich eine schöne Idee. Aber zu kurz gedacht“

    Ein klassischer Fall des „Nicht-gut-genug“-Aktivismus.

    „Außerdem ist es grotesk, dass ein weißes, cis-männlich-dominiertes Paar diese Heirat vollzogen hat“

    Eine echte Macker-Hochzeit. Das nächste Mal bitte weit vorher „tuntiger“ werden, damit die Hochzeit politischer ist!
    Aber ansonsten wollen wir niemanden Geschlechterrollen vorschreiben

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  4. Ich wunder mich ein wenige warum Komiker, Kabarettisten und andere aus der Unterhaltungsindustrie, diese Leute auch noch unterstützen. Die machen sich doch selber arbeitslos. Bessere Comedy ist doch kaum möglich.

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  5. „…weil diese Heirat insbesondere Schwule und Lesben aus anderen Kulturkreisen ausschließt, die andere Diskriminierungserfahrungen gesammelt haben.“

    Was soll er machen? Stattdessen einen GoC (=Gay of Color) heiraten, um nicht rassistisch zu sein?
    Ich fürchte allerdings, das greift zu kurz, denn dann würde er ja kolonialistisches Verhalten reproduzieren.

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    • @aranxo: „Ich fürchte allerdings, das greift zu kurz…“.

      Fragen wir die queere Wissenschaft!

      Teunis, Sexual objectification and the construction of whiteness in the gay male community, 2007
      http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13691050601035597

      Zitat abstract:
      „This paper …. describes how sexual objectification is more than the outcome of racism in the gay male community…. The experiences of African American men, described in this paper, show the pervasiveness of sexual objectification. The sexual objectification of men of colour forces them to play specific roles in sexual encounters that are not necessarily of their own choosing.“

      Eine Heirat zwischen einem Weissen & einem PoC queer ist also höchstwahrscheinlich rassistisch und objektifizierend….

      Weiter, eine Meinung der website „Beendet Rassismus und Homophobie in der Gay Community“:

      „I’ve been thinking about invisible whiteness a lot lately. I think it is the single most important aspect of the race debate, because from invisible whiteness stems the most belligerent, ignorant, and hateful arguments most white gay men I interact with use to defend their “preferences. Because white people are seemingly blind to the fact that they are actually a race too, and that whiteness is a construct of our society that carries with it enormous privileges, whilst simultaneously installing a sense of entitlement and superiority in its members, they’ve grown accustomed to seeing each other simply as “human beings”.“

      Jemanden einfach nur als „menschliches Wesen“ wahrzunehmen ist nämlich rassistisch! Vor dem Hintzergrund der weissen Priviligiertheit. Aber weiter im Text:

      „What they think is right, must therefore be right for all humans. What they think is unfair, must be unfair for all humans. This magical ability to universalise their unique white experiences and apply them to the rest of the human race only serves to continue the colonialist experiment of white domination. ….. “

      https://endracismandhomophobia.wordpress.com/2014/03/30/invisible-whiteness-white-gay-consciousness-and/

      Schlimmer, *unerträglich* nämlich, scheint es aber zu sein, wenn man schwuler weisser, reicher Zionist ist, und homophobe Republikaner nicht scheut, wie wir von Pauline Park, gender rights advocate, erfahren:

      „Ian Reisner and Mati Weiderpass created something of a sensation in the lesbian, gay, bisexual and transgender (LGBT) community by hosting what they called a ‘fireside chat’ for Ted Cruz, but not perhaps of the kind they had hoped for. The openly gay millionaires may be learning the difference between fame and notoriety since the April 20 dinner that they organized to promote the presidential candidacy of the senator from Texas. The right-wing Republican’s strident opposition to LGBT rights — including his support for a federal constitutional amendment to ban same-sex marriage — has earned Reisner and Weiderpass the ire of LGBT activists and organizations, including the Lesbian and Gay Democratic Club of Queens, the Lambda Independent Democrats (LID) of Brooklyn, the Jim Owles Liberal Democratic Club, and the Stonewall Democratic Club of New York City, the last of these the largest and arguably the most influential of the LGBT Democratic clubs in New York.

      Cheered on by Queer Nation, these clubs and other LGBT groups have helped start a movement to boycott the Out Hotel and the Fire Island Pines properties owned by Reisner and Weiderpass …“

      http://www.paulinepark.com/2015/05/ted-cruz-israel-the-unbearable-whiteness-of-gay-zionists/

      @adrian, dies alles brachte eine nur kleine Recherche zum Thema „Whiteness“ zutage. Ich muss erst mal nach Luft schnappen.

      Ach, der soll ja auch bald entsorgt werden:

      „Fair is foul, and foul is fair“: Die Hexen aus Shakespeares Macbeth, I, I
      http://www.shakespeare-online.com/plays/macbeth_1_1.html

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