Blogstöckchen: “Was anders wäre”

Einer meiner Lieblingsheteros, der Blogmaster von „Alles Evolution“, hat mir ein Blogstöckchen zugeworfen, welches ich galant aufgefangen habe. Es geht dort um Frauen, Männer und Geschlechtertausch.

1. Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du eine Frau wärst?

Dazu müsste man erst mal evaluieren, was es heißt eine Frau zu sein. Wäre ich so wie jetzt auch, nur mit einem weiblichen Körper? Wenn das der Fall wäre, fände ich das aller Voraussicht nach ziemlich cool. Das Angebot an verfügbaren, willigen Männern würde enorm zunehmen. Ich würde mich also ziemlich ungeniert durch die Gegend vögeln. Später würde ich aller Voraussicht einen hübschen wohlhabenden Mann heiraten und mindestens zwei Kinder gebären. Das übliche halt. Zuvor müsste ich allerdings meinen Kleiderschrank neu bestücken. Ich habe nämlich überhaupt keine BHs.

Ansonsten finde ich diese Frage extrem schwierig zu beantworten. Ich bin nun mal ein Mann und damit biologisch und sozial vorgeprägt. Was weiß ich, welche Interessen und Verhaltensweisen  ich unter dem Einfluss weiblicher Hormone und einer Erziehung als Tochter und Sozialisation als Frau an den Tag legen würde?

2. Was tust du nur deshalb, weil du ein Mann bist?

Auf die Männertoilette gehen. Im Stehen pinkeln. Mich rasieren. Mir meine Brust epillieren. Fitness.

Ansonsten fällt es schwer, mir etwas auszumalen, was ich spezifisch nur deshalb tue, weil ich ein Mann bin. Ich wühle mich weder bemüßigt, bei männlichen Statuskämpfe zu verfallen, noch gesellschaftlich „meinen Mann“ zu stehen. Ich mach halt mein Ding. Adrianesk.

3.Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du ein Mann bist?

Auf die Frauentoilette gehen.

 4. Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Das Klischee, dass man als Mann auf Frauen zu stehen hat, und Frauen besonders liebt und nett behandeln sollte. Das Klischee, dass man etwas leisten muss, um als Mann anerkannt zu werden. Das Klischee, dass Männer immerfort hart, rauh und emotionslos sein müssten.

5. Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Männer zu gehören.

Der gute alte Dreier. Wenn sie kommen, kann man es selbst als Mann gut einrichten, ebenfalls zu kommen. Für eine Frau wäre das schwieriger.

6. Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Ich würde sagen, ziemlich oft. Im Geschäftsleben. Im drögen Alltag. Im Grunde genommen finde ich die meisten Menschen irgendwie schräg, unabhängig vom Geschlecht.

Fazit

Was mich angeht, bin ich gerne ein Mann. Aber eben ein schwuler Mann. Ich liebe Männer, ich brauche Männer. Die Vorstellung, als heterosexueller Mann durchs Leben zu gehen, ist für mich geradezu grotesk. Man stelle sich den Grad der Verantwortung vor, den gesellschaftlichen Druck “seinen Mann zu stehen”, die Rollenerwartung, das ewige Gezänk im Geschlechterkrieg und natürlich die Tatsache, dass man dann nichts mehr von anderen Männern wissen will.

Das alles brauche ich nicht wirklich. Wenn schon hetero, dann natürlich als Frau. Abgesehen davon, dass das Leben als Frau leichter ist, kann man am Privileg – ja, ich betrachte es tatsächlich so, auch wenn es albern klingt -, Männer zu lieben und mit ihnen zu schlafen, festhalten.

Was natürlich umgekehrt die Frage aufwirft, was mir meine Männlichkeit tatsächlich bedeutet, wenn ich auch keine Probleme damit hätte, als heterosexuelle Frau durchs Leben zu gehen. Ich denke darauf gibt es zwei mögliche Antworten:

a) meine Männlichkeit bedeutet mir nichts, weil ich ja bereits zugegeben habe, mir auch ein Leben als Frau vorstellen zu können

b) meine Männlichkeit ist so sehr gefestigt, dass ich sie ohne größere Probleme in Frage stellen kann

Wie ich es auch drehe und wende, letztendlich komme ich immer wieder zu folgendem Fazit: Das Geschlecht, das ich lieben, mit dem ich leben, mit dem ich in Bett gehen will, ist mir letzendlich wichtiger, als mein eigenes.

Ich werfe das Blogstöckchen nun mal zu „#auschfrei„.

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6 Gedanken zu “Blogstöckchen: “Was anders wäre”

  1. „komme ich immer wieder zu folgendem Fazit: Das Geschlecht, das ich lieben, mit dem ich leben, mit dem ich in Bett gehen will, ist mir letzendlich wichtiger, als mein eigenes.“

    Dann frage ich mich, ob du nicht vielleicht *doch* (paraphrasierend) „Probleme damit hättest, als heterosexuelle Frau durchs Leben zu gehen.“….

    Denn ich kann mir nicht gut vorstellen, daß eine Frau ihr eigenes Geschlecht so entschieden unter das von ihr geliebte Geschlecht stellen würde, wie du im Fazit….

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