Böse Onkels

Es gibt Geschichten, die machen mich fassungslos und traurig. Dazu gehört die Episode um Barbara Eggert, der mittlerweile entlassenen Kolumnistin der „OWL am Sonntag„, die sich mit einem Rat mächtig in die Nesseln gesetzt hat.

Auslöser der ganzen Affäre, war die Frage eines Vaters, ob er seine beiden Töchter mit zur Hochzeit seines schwulen Bruders mitnehmen solle:

Wir haben zwei Töchter, die acht und sechs Jahre alt sind. Mein Bruder hat seit Jahren einen Freund. Unsere Kinder mögen ihren Onkel und seinen Freund sehr, wissen aber nicht, dass sie homosexuell sind. Tatsache ist, dass unsere Töchter noch keine Ahnung haben, was Homosexualität bedeutet. Die beiden Männer wollen demnächst heiraten und möchten, dass unsere Mädchen Blümchen streuen. Meine Frau und ich haben unseren Kindern beigebracht, dass die Ehe eine ernste Entscheidung zwischen Mann und Frau ist. Mein Bruder und sein Freund sind wunderbare Menschen, aber eine Ehe finde ich unpassend. Ich will nicht, dass unsere Kinder an dieser Hochzeit teilnehmen und sich in ihrem kindlichen Alter schon mit dem Thema der sexuellen Orientierung befassen. Für meine Frau und mich ist das ein Problem.

Bernhard, 43 Jahre

Eggert antwortete wie folgt:

Es ist für homosexuelle Paare sicherlich nicht einfach, eine gelungene Hochzeitsfeier zu organisieren, die der ganzen Familie gerecht wird. Aber bei allem Respekt, es muss nicht sein, sechs- und achtjährige Kinder einzuladen. Ich gebe Ihnen Recht, Ihre beiden Töchter würden durcheinander gebracht und können die Situation Erwachsener nicht richtig einschätzen, weil sie noch zu jung sind. Andere Kinder mögen vielleicht liberaler aufgewachsen sein, Ihre Töchter sind anders erzogen. Sagen Sie Ihrem Bruder ehrlich, wie Sie denken, und dass Ihre Kinder an der Feier nicht teilnehmen, weil Sie und Ihre Frau nicht möchten, dass die Kinder verwirrt werden. Ihre Töchter werden sich noch früh genug mit dem Thema Sexualität befassen.

Als ich die Frage des Vaters und die Antwort von Barbara Eggert zum ersten mal gelesen habe, wurde beides von mir mit einer Mischung aus Kopfschütteln und Belustigung aufgenommen. Bei längerem Nachdenken hat sich auch so etwas wir Traurigkeit eingeschlichen.

Denn es ist traurig, wenn ein Mensch seinen eigenen Bruder so wenig vertraut, dass er nicht persönlich mit ihm über seine Empfindungen zu sprechen wagt; es ist traurig, wenn ein Mensch nicht bereit ist, das Leben und die Beziehung seines Bruders zu akzeptieren und das nur, weil dieser einen anderen Mann liebt. Wäre ich der Bruder, ich wäre jedenfalls zutiefst enttäuscht, traurig und seelisch bis ins Mark getroffen.

Und Barbara Eggert macht es mit ihrer Antwort nicht besser, unterstützt sie doch den Vater in seinem Glauben, dass die Homosexualität des Onkels etwas sei, was man von den Kindern unbedingt fernhalten müsste. Es leuchtet mir absolut nicht ein, was so schwierig daran sein soll, Kindern das Konzept der Zuneigung und Liebe zwischen Paaren gleichen Geschlechts zu erklären. Es mag ja sein, dass das bei Kindern zunächst einmal Verwirrung stiften könnte, aber gehört das nicht auch zum Aufwachsen eines Kindes dazu, sich mit der Realität des Lebens auseinanderzusetzen, vor allem wenn dieses Realität Teil der Familie ist? Wie haben sich der Vater und Eggert das eigentlich vorgestellt: Soll der Onkel zukünftig von Besuchen seines Bruders und seiner Nichten absehen, weil diese sonst ob seines Ehemannes verwirrt werden könnten? Was für eine Familie ist das?

Und in was für einer Welt leben wir, indem die Hochzeit eines scwhulen Paares mit Sexualität gleichgesetzt wird? In was für einer Welt leben wir, in der Kolumnisten Eltern den Rat geben, Kinder vor schwulen Paaren zu schützen?

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4 Gedanken zu “Böse Onkels

  1. Mit der gleichen Logik könnte man ja auch argumentieren, Kinder von „normalen“ hetero-Hochzeiten fern halten zu müssen. Schließlich möchte man ja nicht, das sich die Kinder schon in den Alter mit sexueller Orientierung (in diese Fall halt die zwischen Mann und Frau) befassen müssen.
    Dadurch, das der Vater meint, das Thema „sexuelle Orientierung“ beinhaltet nur „homosexualität“, zeigt er, das er heterosexualität als selbstverständlichkeit voraussetzt und gar nicht wahrnimmt, das sie ebenfalls teil des themas ist (und seine Kinder dieser tagtäglich durch das Ehelebe mit seiner Frau aussetzt). Der Vater will wohl eher einfach, das seine Kinder nur die „richtige“ sexuelle Orientierung mitbekommen, sonst könnten sie sich ja evtl. später ein schlechtes Beispiel nehmen. Ist aber jetzt nur Spekulation.

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    • „Schließlich möchte man ja nicht, das sich die Kinder schon in den Alter mit sexueller Orientierung (in diese Fall halt die zwischen Mann und Frau) befassen müssen.“

      Doch, das ist sogar gut, damit das Kind möglichst auch hetero wird, man weiß ja, dass Sexualität durch Werbung und Nachahmung entsteht.

      Ich finde es auch extrem beschämend und dazu noch dumm. Wenn der Vater dem Kind ansonsten den Kontakt erlaubt, könnte der Bruder das Kind doch die ganze Zeit „verwirren“ indem er ihm von seinem Beziehungsstatus und seiner Sexualität erzählt. Dazu braucht es keine Verpartnerung.

      Außerdem habe ich noch nie erlebt, dass ein Kind verwirrt ist wegen sowas. Das verstehen die ziemlich schnell.
      Und selbst wenn, was genau ist so schlimm an Verwirrung? Kinder, je kleiner sie sind, sind fast 24 Stunden am Tag verwirrt. Babys sind verwirrt, dass der Schnuller fällt, wenn sie ihn fallen lassen, bis sie das Konzept der Schwerkraft erfasst haben. Kleinkinder sind verwirrt, wenn man Toast in den Toaster steckt und de rganz plötzlich hinaus geschossen kommt. Kinder sind verwirrt darüber, warum Eltern sich im TV und Radio so brennend für langweiligen Politikkram interessieren, anstatt Cartoons zu schauen usw.
      Warum dürfen Kinder nicht verwirrt sein?

      Diese Denkweise, Dinge einfach nur nicht sehen zu wollen und dann damit zufrieden zu sein, finde ich sowieso geisteskrank. Das ist so, als würde man sein Kind einem Pädophilen anvertrauen. Hauptsache, er spricht nicht darüber, dass er pädophil ist.

      @m

      „In einer Welt, lieber Schwulemiker, in der alle anderen nicht automatisch auch deiner Meinung sind. :)“

      Hier geht es aber nicht mehr nur um Meinung, sondern um gefährliches Schickanierung und versuchter Destabilisierung von Großfamilienstrukturen. Eine Wildfremde Zeitungstante will den Bruder und seinen Freund aus der Familie rausdrängen, indem sie dazu rät, ihm zu verbieten, über seinen Beziehungsstatus ehrlich zu sein wenn Kinder in der Nähe sind.
      Ich hätte der Frau als Frage geschickt, wie ich reagieren soll, wenn das Kind fragt, warum Onkel x und y zusammen wohnen und oft zusammen auftreten usw. ohne erklären zu dürfen, dass sie ein Paar sind oder wenn das Kind in den Medien oder im Alltag sonst wie mit dem Thema konfrontiert wird und nachfragt.

      Und es geht – mal wieder – darum, das Thema Sex auf den Tisch zu bringen. Gleichgeschlechtliche Verpartnerung = Pornosadomasosex. Da reicht es, wenn die Kinder so einen Schmuddelkram im Erwachsenenalter lernen, so wie es sich für sexuelle Aufklärung gehört.
      Und dann schreibt die Zeitung noch einen „Entschuldigungsbrief“ in dem sie sich entschuldigt, wenn sich jemand davon verletzt gefühlt hat. es tut nicht die Ansicht leid bzw. man gesteht nicht einen Denkfehler ein, sondern es tut leid, dass man diesen hypersensiblen Schwulen zuviel zugemutet hat, das hätte man ja wissen müssen, dass die nicht so viel abkönnen und sich durch das Aussprechen von reinen Tatsachen und Kinderschützeleien angegriffen fühlen. Was ja gleich noch extra verdächtig ist. Wieso sind Schwule so sehr gegen den Schutz von Kindern?

      Ich finde es auch am Erschreckensten dass man solche Sachen nicht zuerst mit dem Betroffenen, dem eigenen Bruder, sondern mit einer Zeitung bespricht.

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  2. Dieses „in Watte packen“ ist das Problem. Die Kinder merken am Ende doch, daß etwas nicht stimmt und dies könnte tatsächlich verstörend wirken. Ähnlich wirken Lügen, zum Wahren des Scheins.
    Der beste Rat wäre wohl gewesen „ab durch die Mitte“. Kinder sind aufgeschlossen und lernfähig und sehen ganz, ganz andere Probleme als dies die Erwachsenen tun. Wer meint, sie würden gleich alles übernehmen, was sie erleben, hat eine etwas paranoide Vorstellung.

    Die „Vollbemutterung“ mit Abschirmung jedes möglichen „problematischen“ Einflusses ist allgegenwärtig und geradezu epidemiehaft.
    Insofern ist plausibel, daß die geschasste Ratgeberin versicherte: „Ich bin der Meinung, dass der Text weder mit Homosexualität noch mit Homophobie etwas zu tun hat. Ich habe mich für dieses Thema persönlich auch nie interessiert“
    http://www.welt.de/vermischtes/article141407039/Mein-Text-hat-mit-Homophobie-nichts-zu-tun.html

    Ironischerweise ist der Protest gegen die „Homophobie“ von einer ähnlich gearteten paranoiden Bevormundungshaltung getragen, die auch schon den Rat zeitigte.

    Ein nicht unwesentlicher Unterschied bestand allerdings. Während die Ratgeberin sagen kann „Aber ich dränge den Menschen meine Meinung nicht auf“, können die Protestierenden dies kaum behaupten.

    Die Ratgeberin lernt aber offenbar dazu, was die neuen Realitäten betrifft: „…. und schiebt durch einem Nachsatz die Schuld dem ratsuchenden Vater zu: „Der Vater hat versäumt, die Kinder entsprechend aufzuklären.““

    „Bei längerem Nachdenken hat sich auch so etwas wie Traurigkeit eingeschlichen.“ und intensiviert.

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