Schwule Diebe

Zuweilen hat man den Eindruck, das eigentliche, unausgesprochene Anliegen der Römisch-Katholischen Kirche sei es, der Welt mitzuteilen, dass Gott alles ist, nur nicht anbetungswürdig; dass Gott vollkommen gaga ist, moralisch nicht tragbar; dass man sich von ihm abwenden müsse, will man auch nur eine Spur Integrität, Menschlichkeit und Anstand bewahren.

Andererseits ist Rom unverzichtbar: als Lachnummer par excellence. Bunt kostümierte alte Männer, die keinen Sex, keine Partnerschaft und keine Familie haben dürfen, fühlen sich regelmäßig bemüßigt, die Menschheit über Sexualität, Partnerschaft und Familie zu belehren. Dass das alles Realität und nicht Stoff für eine Satiresendung im Fernsehen ist, würde bei mir regelmäßig für Erheiterung sorgen, wenn es da draußen nicht Menschen gäbe, welche die Katholische Kirche, und das, was sie sagt, tatsächlich ernst nehmen und sie für eine unverzichtbare moralische Instanz halten würden.

In der jüngsten Ausgabe der offiziellen „Kirchenzeitung“, herausgegeben von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, werden in einem Kommentar Lesben, Schwule und geschiedene Heteros mit Einbrechern und Dieben verglichen. [Link zum Originaltext hier]

Unter der Überschrift „Ist das ZDK verzichtbar?“ kritisiert Siegbert Klein, Chef vom Dienst des kostenpflichtigen Wochenblattes, die Forderung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), auch homosexuelle Paare und geschiedene Heterosexuelle zu segnen […]. Der Begründung des ZdK, man müsse die „Lebenswirklichkeit“ akzeptieren, hält der Autor entgegen, dass man schließlich auch Verbrechen nicht tolerieren würde: „Die Zahl der Einbrüche und Diebstähle steigt Jahr für Jahr, während immer weniger Täter überführt werden können. So erleben viele Menschen heute ihre Lebenswirklichkeit.“

Intellektuell integere Menschen würden sich jetzt fragen, was homosexuelle Partnerschaften denn bitte schön mit Diebstahl zu tun haben. Vielleicht, weil Schwule den Frauen die Männer klauen?

Weiter heißt es in dem Kommentar von Siegbert Klein: „Wer etwas mitgehen lässt, muss sich anscheinend keiner Schuld bewusst sein. Machen doch alle. Damit die Zahlen nicht weiter stören, dringen wir darauf, dass Diebstahl nicht mehr bestraft wird und dass die Täter zu loben sind, weil sie vielleicht für die Playstation ihrer Kinder oder für eine Aufmerksamkeit für ihre Partnerin auf Beutezug gehen. Solches Handeln müsste die Gesellschaft eigentlich wertschätzen. Es ist vorbildlich. Sie schütteln energisch den Kopf?“

Man hätte die Ergüsse von Siegbert Klein auch kürzer fassen können: „Bla, bla, blablabla“ – oder ähnlich. Die Essenz der Aussage wäre dieselbe, unausgegoren, überflüssig, vollkommen absurd. Selbst Pferdeäpfel wären brauchbarer als diese Verlautbarung, da man erstere wenigstens noch zum Kompostieren verwenden kann.

Die Gleichsetzung von Diebstahl und Homosexualität aber gehört lediglich in den Abfalleimer.

Advertisements

2 Gedanken zu “Schwule Diebe

  1. „…. was homosexuelle Partnerschaften denn bitte schön mit Diebstahl zu tun haben. Vielleicht, weil Schwule den Frauen die Männer klauen?“

    LOL, du bist echt gut. Das könnte tatsächlich ein Hintergedanke sein!

    Was ich aber allerübelst an der Geschichte, die du da ausgegraben hast, finde:
    Wie kann man als Katholik Homosexualität mit Diebstahl gleichsetzen, wenn in deren obersten Gesetzen zwar Diebstahl, keinesfalls aber Homosexualität verboten wird (ich meine natürlich die 10 Gebote)?
    Das ist wieder so ein moralischer Relativismus, der verrät, dass sie ihre eigenen Werte nicht ernst nehmen und sie als billige Polemik einsetzen, wie´s grade passt.

    Gefällt mir

  2. Der Vergleich hinkt jedoch, denn fûr Diebe gibt es Gefängnisseelsorger die Seegen spenden, also sozusagen „embedet Priests“, für Schwule und Lesben gibt es das Angebot der „im Bett Priester“ sozusagen nicht…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s