Apokalypse der Heterosexualität

Der „pelzblog“ macht sich Gedanken über eine Welt nach der Homo-Ehe. Es ist eine düstere, geradezu apokalyptische Welt, voller gleichgeschlechtlicher Eltern und künstlichen Gebärmuttern; eine Welt gesäubert von Heterosexualität und der klassischen Familie.

Warum das so sein sollte, bleibt freilich rätselhaft. Denn Heterosexualität und die klassischen Familie könnten ja nur unter zwei Bedingungen verschwinden:

1.) Wenn weder Frau noch Mann ein Interesse daran haben, mit dem anderen Geschlecht zu schlafen oder eine Beziehung zu führen

2.) Wenn weder Frau noch Mann Interesse daran haben, mit dem anderen Geschlecht eine Familie zu gründen.

Aber was hätten Homos damit zu tun? Was hätte die Öffnung der Ehe damit zu tun?

Um die Absurdität dieser Argumentation aufzuzeigen, stellen wir uns eine Welt vor, in der es die Ehe für alle, das Adoptionsrecht und künstliche Gebärmuttern gibt. In dieser Welt leben zwei Paare, nennen wir sie Sabrina und Martin, sowie Peter und Johannes. Sabrina und Martin lieben sich, Peter und Johannes auch. Beide Paare wohnen jeweils zusammen, wollen gerne heiraten und wünschen sich Kinder.

Was nun hindert, Sabrina und Martin daran, zu heiraten, Kinder zu haben und somit eine klassische Familie zu gründen? Die Tatsache, dass Peter und Johannes heiraten können? Dass Peter und Johannes ein Kind adoptieren können? Dass Peter und Johannes sich eine künstliche Gebärmutter kaufen können, mit der sie ein Kind in die Welt setzen?

Nein! Nichts von alledem würde Sabrina und Martin daran hindern. Das einzige, was sie an einer Heirat und einer Familiengründung hindern könnte, wären persönliche bzw. gesellschaftliche oder politische Umstände.

Als persönlichen Grund könnte man sich eigentlich nur das Szenario vorstellen, dass Sabrina oder Martin sich eigentlich gar nicht lieben. Das wäre aber nicht die Schuld von Peter und Johannes, es sei denn, Martin wäre in Johannes verliebt. In diesem Fall könnte man argumentieren, dass die Ehe für alle es Männern und Frauen erleichtert, der Heterosexualität zu entsagen, weil es ja ebenfalls akzeptiert ist, homosexuell zu heiraten und homsoexuell eine Familie zu gründen. Faktisch beträfe dies aber eh nur diejenigen die homo- oder bisexuell sind.

Natürlich könnte man weiter argumentieren, dass eine Gesellschaft ein Interesse daran habe, dass alle Frauen und Männer heterosexuell heiraten und heterosexuell Kinder bekommen. Dann allerdings wäre es unvermeidbar, Homosexualität an sich zu kriminalisieren, wenigstens aber, diese gesellschaftlich zu stigmatisieren, so das sich homo- und bisexuelle Menschen genötigt sehen, offiziell heterosexuell zu leben.

Die zweite Möglichkeit, Sabrina und Martin an einer Ehe und Gründung einer klassischen Familie zu hindern, wären gesellschaftliche oder politische Umstände. Welche könnten das sein? Nun, man könnte die Ehe für heterosexuelle Paare erschweren oder verbieten, man könnte eine finanzielle Mindestgrenze für die Elternschaft setzen, man könnte das Ehe und Scheidungsrecht zuungunsten eines Partners ausgestalten, man könnte Hetersexualität stigmatisieren.

Doch wären das zwangsläufige Folgen der Tatsache, dass Peter und Johannes heiraten, Kinder adoptieren und sich künstliche Gebärmuttern verschaffen können? Wo läge der Zusammenhang? Warum glaubt der „pelzblog“, die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung homosexueller Menschen müsse in einer Abwertung heterosexueller Menschen, derer Beziehungen und Familien münden? Was nimmt die Ehe für alle, nimmt das Adoptionsrecht, nehmen künstliche Gebärmuttern Sabrina und Martin weg?

Der „pelzblog“ versucht mit viel Aufwand und Geschwurbel sich um einen simplen Fakt herummogeln zu können. Denn letztendlich ist nur einer für die  schwindende Bedeutung der heterosexuellen Ehe und der klassischen Familie verantwortlich zu machen: Sabrina und Martin. Denn wenn beide weder Ehe noch Familie leben, wenn einer von beiden nicht mitspielt, dann würde es nichts nützen, wenn Peter und Johannes nicht heiraten und nicht adoptieren dürften und die einzige Gebärmutter die im Körper von Sabrina wäre.

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9 Gedanken zu “Apokalypse der Heterosexualität

  1. Also ich als Transhumanist finde das Konzept vom „artificial womp“ sehr reizvoll und halte es durchaus für jedes Paar ideal.
    think about it: es gäbe keinen Grund für Abtreibungen mehr und falls doch, kann man die Entscheidung gemeinsam treffen. Nichts mehr mit „mein Körper“ und der gleichen.
    Achja… Ich wollte aber gar nicht abschweifen, sry.

    pelz ist eben doch ein alter Reaktionär, soll’s ja auch noch geben.

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  2. Das „konservative“ Argument, Ehe sei für die Föderung von Nachwuchs für Staat und (damit es sich besser anhört) Gesellschaft da und deshalb könnten unproduktive Homos keine Ehe haben, ist scheinheilig.

    Wollte man den Nachwuchs fördern, dann böten sich ganz andere Mittel an: Ehegattensplitting weg und Kinderfreibetrag auf Einkommenssteuer so hoch, dass Kinder ein gutes Geschäft werden – und keine finanzielle Belastung.

    Ich hätte auch nie gehört, dass kinderlose Ehen je angezweifelt wurden, wie dies für die Homoehe jetzt geschieht, eine weitere Auffälligkeit.

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    • Das ist im Grunde genau das, was mir auch vorschwebt. Die Ehe als rechtlich privilegierte Institution ergibt so keinen Sinn, weil sie der Gesellschaft (oder dem 19. Jahrhundert-Nationalstaat, der Menschenmaterial für das große Schlachten braucht, der dir vorzuschweben scheint, wenn du davon sprichst, dass es eigentlich der Staat sei, der die Kinder braucht) keinerlei Nutzen bringt. Anders als eben die Kindererzeugung und -erziehung.
      Warum der Staat das nicht macht… Naja, schau dir unsere politische Klasse an, und was die so machen („Ausländermaut“, Vorratsdatenspeicherung) und was sie stattdessen alles nicht machen (Klimapolitik, der NSA auf die Finger hauen). Da muss man aufpassen, nicht vom Glauben an die Demokratie abzufallen…

      Das kinderlose Ehen angezweifelt werden…. Nun, rechtlich hat es das durchaus gegeben, ist allerdings schon eine Weile her: Renaissane, frühe Neuzeit, aber noch bis in’s 19. Jahrhunder hinein. Wenn die Frau dem Mann kein Kind „geschenkt hat“, so stellte das einen legitimen Scheidungsgrund dar, in einer Zeit, da Scheidungen noch extrem selten und mit enormem sozialen Ansehensverlust (v.a. für die Frau) verbunden waren.
      Dass Ehepaare ohne Kinder zwar nicht ihren Ehestatus verloren, aber sehr wohl soziale Stigmatisierung erfahren haben, gab es bis weit in die Nachkriegszeit hinein, auf dem Dorf auch heute noch. So absurd ist diese Idee also gar nicht. Jedenfalls kommt das Konzept der Ehe von da. Dass ein Wertewandel stattgefunden hat, lässt sich aber ebensowenig wegreden.

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      • Genau das mit dem „Menschenmaterial“ für den Krieg hatte ich tatsächlich im Sinn. Es ist tatsächlich so, dass die „Mutterliebe“ als Gefühl und Ideologie erst mit der industriellen Massengesellschaft konzipiert und in Szene gesetzt wurde, um den Bevölkerungsnachschub für die Expansion und natürlich auch für die Kriege zu sichern. Dies hat die Elisabeth Badinter in ihrer „Mutterliebe“ ganz toll herausgestellt, ein wahnsinnig gute Historiographie (die übrigens auch feministisch motiviert war, aber ironischerweise vom Feminismus nicht aufgegriffen wurde, der gegen die Ehe und „Mutterliebe“ nichts zu haben scheint).

        Die Kirchen haben sich den entstehenden Nationalstaaten von damals völlig angedient und sogar ihre Dogmen aus der Scholastik (wie zB vom gerechten Krieg) umgeschrieben, das 5. Gebot relativiert etc und im Sinne des Nationalismus die Leute aktiv zum Krieg aufgehetzt (Jesus war auch ein Nationalist!)! Zum Dank haben sie ja viele Vergünstigungen bis heute behalten (Steuern, die astronomischen „Ausgleichszahlungen“ wegen der Enteignungen Anfang des 19.Jh. bis heute, etc). Die Kirchen waren es auch, die die Institution der Ehe in die Nationalstaaten eingebracht haben.

        Es ist also sogar ein Aspekt des Laizismus, die staatliche Institution der Ehe in Frage zu stellen und aufzulösen. Statt dessen kann ein rein privater Kontrakt treten, was sozusagen auf eine „Privatisierung der Ehe“ hinauslaufen würde. Ich bin mir sicher, das wäre für die Menschen sehr viel besser!

        Für die „Homoehe“ bin ich trotzdem uneingeschränkt, da es hier um Gleichberechtigung geht. Solange die staatliche Ehe da ist, muss sie allen gewährt werden, d.h. den Homosexuellen.

        Etwas anders sieht es mit Ehen mit vielen Partnern aus. Ich meine nicht, dass diese feudalen Vielpartner-Ehen in eine demokratische, gleichberechtigte Gesellschaft passen.

        Dass kinderlose Ehen geächtet waren, Scheidungsgrund sein konnten, stimmt natürlich. Aber heutzutage redet niemand mehr von Sanktionen wegen Kinderlosigkeit (zB „denen wird das Splitting gestrichen“).

        Ich frage mich, ob es noch einen handfesten, materiellen etwa, Grund neben dieser ganzen Vorurteilsbeladenheit gibt, warum die Politik die „Ehe für Alle“ nicht durchwinkt und statt dessen auf die „Lebenspartnerschaft“ verweist. Bisher hatte ich aber gar keine Lust, dieses lange Lebenspartnerschafts-Ding da mir detailliert reinzuziehen (Uff), um Unterschiede zur Ehe zu finden, die von staatlichem Interesse sein könnten.

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        • Das Thema staatlicher Bevölkerungspolitik ist in der Tat sehr spannend. In China haben wir ja immer noch den umgekehrten Fall, wo der Staat die Geburten rigoros beschränkt.
          Im sogenannten Westen kann man aber erkennen, dass das Konzept von Menschen als kriegswichtiger Ressource spätestens seit 1945, teilweise auch schon früher so keine Gültigkeit mehr hat. Schaut man sich an, wie Sowjets, Nazis, Chinesen, Japaner mit ihren eigenen Soldaten umgegangen sind, so hat man dieses Konzept in Reinform. Die Opferzahlen waren immens.
          Schaut man sich dagegen die Kriegführung bei Amerikanern und Briten an, ergibt sich schon ein ganz anderes Bild. Verletztenbergung, medizinische Versorgung, Nachrungsmittelnachschub haben dort einen viel höheren Stellenwert gehabt, wohingegen keine Menschen als menschlicher Schutzschild eingesetzt wurden, was bei den vier erstgenannten Millionen von toten Zivilisten gefordert hat. Gleichwohl haben auch sie noch bewusst feindliche Zivilisten angegriffen. Eine sehr gut gemachte Übersicht über diese Zahlen findet sich hier: http://www.fallen.io/ww2/

          Aber das ist ja eigentlich nur ein Randthema.Das Konzept gleiches Recht für alle findet natürlich grundsätzlich meine Zustimmung. Allerdings frage ich mich, inwieweit es nicht der falsche Schritt ist, eine unsinnige Rechtsform auszuweiten, anstatt sie abzuschaffen. Ein Schritt ist notwendig, aber dieser geht in die falsche Richtung.
          Mein Eindruck ist aber auch, dass diese Frage allein darauf reduziert wird, Homosexuelle gleichzuberechtigen, es geht also allen um das „Homo“ in der Homo-Ehe, während höchstens die Konservativen vom Standpunkt der „Ehe“ her argumentieren. Ich glaube, die Diskussion ist überflüssig, denn dass Gleichberechtigung richtig ist, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Das ist auch so klar. Das scheint mir mal wieder so eine Verhinderungstaktik zu sein, um sich mit den unangenehmen Fragen nicht beschäftigen zu müssen.

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          • „Allerdings frage ich mich, inwieweit es nicht der falsche Schritt ist, eine unsinnige Rechtsform auszuweiten, anstatt sie abzuschaffen. Ein Schritt ist notwendig, aber dieser geht in die falsche Richtung.“

            Natürlich ist die „Ehe für alle“ eine vorzügliche Propaganda die Ehe an sich, also insbesondere die hetero-Ehe. Wie wird man als potentiell Heiratswilliger auch ein repressives Gesellschaftskonstrukt in etwas erkennen, wenn es die „progressiven“ Kräfte mit Nachdruck in Beziehung auf Homosexuelle gut heissen?!

            Sie haben ja auch recht damit, den Homosexuellen Gleichberechtigung zukommen zu lassen und das ist begrüssenswert — obgleich ich glaube, dass sie dies keinesfalls aus der Liebe zur Gleichberechtigung heraus motiviert sind.

            Überhaupt kommen mir Feminismus et al immer mehr als eine „fünfte Kolonne“ der christlichen Kirchen vor.

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    • Und dieser Text ergibt für Sie Sinn?

      Alleine schon im ersten Abschnitt: „Man kann nicht ‚den Homosexuellen geben, was die Heterosexuellen haben‘, ohne ‚den Heterosexuellen zu geben, was die Homosexuellen haben‘.“ Ich stimme dem nicht einmal zu, aber wenn das den stimmte, könnte man fragen: Ja und? Den Heteros das nicht geben wollen, was die Homos haben, heißt doch, dass das, was die Homos haben, schlecht ist.

      Das nächste Argument dreht sich dann um Polygamie. Und ganz ehrlich, wo ist da die Verbindung zur Homoehe? Und überhauptmal, generell sehe ich auch nicht was gegen Vielehe spricht. Gut, da braucht man dann sicher andere Regelungen. Die Ablehnung geschiet hier aber wieder wie selbstverständlich, nach dem Argument: „Hatten wir nie, brauchen wir nicht!“. Aber gut, weiter.

      Es wird weitergehend behauptet, dass beim Obsorgestreit (ich wusste nicht, dass dieses Wort noch benutzt wird) besondere Probleme auftreten. Allerdings sehe ich keine. In Fällen von Scheidung gilt für das Kind: A) Es kommt zu dem Elternteil mit dem es verwandt ist oder B) wenn es adoptiert wurde, gelten die Regelnungen, die es bestimmt schon in Adoptionsfällen für Heteropaare gibt. Eine Leihmutter oder ein Samenspender hat da erst einmal keinen Anspruch. Sicher hat aber ein Kind im Erwachsenenalter die Möglichkeit, den leiblichen Elternteil ausfindig zu machen. Dass Männer als Samenspender missbraucht werden können oder das ein biologischer Vater wenig Rechte hat, ist ein Problem, hat aber nichts mit der Homoehe zutun.

      Dann wird von Konkurrenz bei der Adoption lamentiert. Heteropaare hätten schlechter Chancen ein Kind zu adoptieren. Das ist natürlich schade, denn wie wir wissen hat ein Heteropaar natürlich ein größeres Recht auf ein Kind und deswegen sollen die weiterhin keine Konkurrenz fürchten müssen. Schlechtestes Argument im Text.

      Und dann wird noch behauptet die Rechte biologischer Kinder würden eingeschränkt. Bitte was?
      Mir reicht das jetzt hier.

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