Schwul-Politisches Lexikon (4): Was ist eigentlich … die linksjugend [‘solid]?

linksjugend [‘solid], die

im Selbstverständnis sozialistische, antifaschistische, basisdemokratische, feministische, im Kern antikapitalistische, staatsfetischistische und zunehmend ökologistische Jugendorganisation der Partei Die Linke. Die l. zeichnet sich vor allem durch ein vereinfachtes, manichäisches Weltbild aus, in dem auf der Seite des Guten die Menschheit und auf der Seite des Bösen das Kapital steht. Polit-ideologisch  ist die l. nahe mit den Jusos verwandt, im Gegensatz zu denen, gibt sie sich allerdings radikaler, da die Welt grundsätzlich als von Kapitalverhältnissen durchdrungen gesehen wird, weshalb man sich mit Reformversuchen gar nicht erst abgeben kann. Die l. meint, für alle Probleme eine Lösung zu haben, negiert dabei aber konsequent historische Erfahrungen und ökonomische Grundweisheiten. Der Homosexualität steht die l. aufgeschlossen gegenüber, denn seitdem man mitbekommen hat, dass die Arbeiterklasse keine Lust hat die Revolution zu starten, wird deren historisch-revolutionäre Mission an allerlei Minderheiten delegiert. Geschlechtsrollen werden im Allgemeinen als einerseits kapitalistisch konstruiert betrachtet, andererseits wird Weiblichkeit tendenziell glorifiziert, Männlichkeit dagegen als strukturell patriarchal angesehen. Der weiße heterosexuelle Mann bildet dabei das Abziehbild des kapitalistischen Ausbeuters, dient also als Symbol des Weltübels schlechthin. Für schwule Männer auf der Suche nach Abenteuern und/oder Partnerschaft kann es innerhalb der l. zu Problemen kommen, denn das einfache ideologische Weltbild der l. macht es schwer, ein normales Beziehungs-, ja selbst Sexleben zu führen, da man immer damit rechnen muss, zu jeder Demo – gegen was auch immer – mitgeschleift zu werden, bzw. sich beständig langatmige Vorträge darüber anzuhören, schon Marx habe gewusst, dass demnächst – morgen, nächste Woche, nächstes Jahr aber ganz bestimmt – die Weltrevolution kommen wird. Unbedingt zu beachten ist, dass man, bevor man mit einem Mitglied der l. ins Bett geht, zu schwören hat, seine ganze Kraft für den Sieg des Sozialismus einzusetzen. Bei der Ejakulation ist zudem der Partei zu gedenken, die einem schließlich das alles gegeben hat.

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