Ich trage eine Fahne

Der „pelzblog“ ist zu bedauern.  Er musste am gestrigen Mittwoch ins Rathaus Berlin-Pankow, an dem, in Vorbereitung der Berliner „Pride Week“, die Regenbogenfahne gehisst wurde, so wie an (fast allen) Rathäusern Berlins, und das seit Jahren.

Dort hat der Regenbogen schlussendlich Einzug gehalten. Es gibt keine wichtigeren Minderheiten als die Buchstabenmenschen. Es gibt keine größeren Probleme als die der Buchstabenmenschen.

Man kann sich den „pelzblog“ buchstäblich vorstellen: Grummelnd im Rathaus, vorbeiziehend an der Regenbogenfahne, verbittert bis ins Mark, dass für keine andere gesellschaftliche Gruppe geflaggt wird. Und insbesondere für ihn nicht. Aber wie soll denn auch für andere geflaggt werden?

Menschen mit Behinderung?

Haben keine Fahne.

Menschen mit Migrationshintergrund?

Haben keine Fahne.

Entsorgte Väter?

Haben keine Fahne.

Kinder die dementsprechend ohne Vater/Vaterfigur aufwachsen?

Haben keine Fahne.

Gewalt gegen Männer?

Dafür gibt es keine Fahne. Wird übrigens gerne gegen schwule Männer ausgeübt. Meist von heterosexuellen Männern.

Selbstmordrate bei Männern?

Dafür gibt es keine Fahne. Die Rate ist unter schwulen Männern übrigens besonders hoch.

Drogensüchtige?

Dafür gibt es keine Fahne. Die Rate ist unter schwulen Männern übrigens besonders hoch. Tatsache ist, dass es die Homo-Bewegung in einer beispiellosen PR-Aktion geschafft hat, die Anliegen einer Minderheit von drei bis höchstens zehn  Prozent zum Anliegen nahezu der gesamten Politik zu machen. Bei Lichte betrachtet ist das selbstredend absurd, zumal die Gesellschaft uns ohne Probleme in die Gosse schieben und zerquetschen könnte, was vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft auch wieder geschehen wird. Bis dahin könnten Männerrechtler, und die, die sich dafür halten, von uns Homos lernen, wie man seine Anliegen offensiv und kreativ in die Gesellschaft einbringt. Als erstes bräuchte man ein Symbol. Zum Beispiel eine Fahne. Denn ohne die, kann nicht geflaggt werden.

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3 Gedanken zu “Ich trage eine Fahne

  1. Lol… Man sieht, lieber Adrian, von Schwulen lernen heisst siegen lernen…
    Ich kann natürlich den Pelz auch verstehen, die eigenen Probleme sind immer die wichtigsten, was sind da schon ein paar blöde Menschenrechte von Schwulen, die sich übrigens auch noch als Gruppe super organisieren, während andere Männer der Männerbewegung meist solange kein Gehör schenken wie sie selbst nicht betroffen sind… Da wurmt es natürlich an so einer Regenbogenfahne vorbei zu gehen, da ist es eine persönliche Niederlage wenn ein paar Schwule mehr Aufmerksamkeit erregen wie man selbst… So ist es aber wenn man Egoist ist und sich nur um sich selbst dreht, da sind Menschenrechte von anderen nichts mehr wert… Sieht man z. B. Auch bei Wizorek und der Apotheke, die ja auch verwüstet werden darf, weil sich der Apotheker erdreistet nach eigenem Gewissen zu handeln und somit Wizorek zwingt eine Straße weiter zu gehen um in Kreuzberg die Pille danach zu erstehen. Menschenrechte und Solidarität sind nur solange gut, wie ich profitiere und sich das Universum um mich dreht…

    Das es sich bei der Pride Weekend um eine Traditionsveranstaltung handelt, die erst mal nichts mit Buchstabenmenschen, sondern mit Anerkennung zu tun hat, egal…

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  2. Hm, irgendwie hast du nebenbei Tucholsky widerlegt:
    „Jeder Mensch hat eine Leber, eine Milz, eine Lunge und eine Fahne; sämtliche vier Organe sind lebenswichtig. Es soll Menschen ohne Leber, ohne Milz und mit halber Lunge geben; Menschen ohne Fahne gibt es nicht.“
    Na gut, dann gibt es also doch ein paar ohne Fahne.

    Weiterhin Recht hat Tucho aber mit den Sätzen direkt davor:
    „Der Mensch ist ein politisches Geschöpf, das am liebsten zu Klumpen geballt sein Leben verbringt. Jeder Klumpen haßt die anderen Klumpen, weil sie die anderen sind, und haßt die eigenen, weil sie die eigenen sind. Den letzteren Hass nennt man Patriotismus.“

    Ok, ist irgendwie ein bisschen ot, aber fiel mir gerade so ein ;-).

    Q: Tucholsky, der Mensch (1931)

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