„Bitte keine Frauen!“

Sind Schwule rassistisch? Natürlich sind sie es. So wie alle Menschen. Irgendwie:

Angesprochen auf ihre Suchkriterien auf Gay Dating Apps (die streng genommen einer Wunsch-Einkaufsliste ähneln) gaben 23 Prozent zu, explizit Afro-Amerikaner/Asiaten aus ihrer Suche ausgeschlossen zu haben. Der Grund? „Ist eine Präferenz“, war die ehrliche, wenn auch nicht weniger verletzende Antwort. „Es ist das absolute Recht eines jeden Menschen, klarzustellen, wen er sexuell attraktiv findet und wen eben nicht“, stellte ein Studienteilnehmer ohne Umschweife fest.

Das ist auch so. Wenn man Schwarze oder Asiaten nicht attraktiv findet, dann ist das kein Rassismus, sondern eine völlig legitime Präferenz.

Interessant und erschreckend ist aber die – selbstverständlich gelebte – Doppelmoral vieler der schwulen Studienteilnehmer. Ganze 18 Prozent, also beinahe ein Fünftel, gab an, es als Beleidigung zu empfinden, wenn ein Nicht-Weißer in seiner Dating-Suche angibt, „keine Weißen“ auf seinem Radar zu wollen. Denn das sei, bitteschön, ganz schlimmer Rassismus! „Weil die ja gar nicht die Person hinter der Hautfarbe kennen, und darum geht’s ja“, sagte ein Befragter tatsächlich – und gab aber auch gleichzeitig ein, selbst keine Männer mit anderer Hautfarbe daten zu wollen. Eine andere Reaktion auf das Ausschließen von Weißen: „Im Jahr 2015 nicht akzeptabel!“

Doppelmoral ist natürlich widerum nicht akzeptabel. Wenn man für sich selbst Präferenzen setzt, zeugt es nicht gerade von guter Kinderstube und  ethischem Bewusstsein, Präferenzen nicht auch bei anderen zu akzeptieren.

Es gibt aber auch gute Neuigkeiten: Mehr als die Hälfte der Befragten, nämlich ganze 64 Prozent, stellten klar, dass es für sie absolut unverzeihlich und unakzeptabel ist, wenn man Schwarze/Asiaten aus der Dating-Suche entfernt. Diese Männer zeigten sich auch geschockt ob der vielen rassistischen Sprüche, die im Rahmen der Umfrage gesammelt wurden.

Dass Menschen geschockt auf rassistische Sprüche reagieren, kann ich nachvollziehen. Aber wieso ist das eine gute Nachricht, wenn Menschen es als inakzeptabel empfinden, wenn andere für sich selbst die Präferenz setzen, nicht mit Schwarzen oder Asiaten ins Bett gehen zu wollen? Was geht die das denn an, auf wen man steht?

„Wir schreiben keinem vor, wen er attraktiv zu finden hat und wen nicht“, stellt Ian Howley, Studienleiter, klar. „Aber das erklärt nicht, dass man in der Öffentlichkeit solche Aussagen tätigen darf, zum Beispiel, dass man eine gesamte Art von Menschen unattraktiv findet. Das hat nichts mehr mit Präferenz, sondern mit Rassismus zu tun!“

Aber wenn es rassistisch sein soll, eine „gesamte Art von Menschen“ unattraktiv zu finden, dann müsste es doch auch sexistisch sein, eine gesamte Art von Menschen anderer Art unattraktiv zu finden –  nämlich Frauen. Werden Schwule also demnächst mit Studien konfrontiert, die feststellen, dass 100 Prozent der Schwulen sexistisch sind, weil sie Frauen aus der Dating-Suche entfernen?

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10 Gedanken zu “„Bitte keine Frauen!“

  1. Danke dafür. Ich wollte eigentlich auch einen ähnlichen Kommentar bei denen hinterlassen. Was ich an der Sache wirklich nicht verstehe, deren Argumentation ist zu Ende gedacht die freie Änderbarkeit der eigenen Sexualität, also die Schwulenheilung. Ein Schwulenmagazin sollte doch eigentlich hinreichend sensibilisiert sein?

    Den Unsinn habe ich allerdings auch im Kommentarbereich eines alten Blogeintrags der „Störenfriedas“ gefunden, dort hat eine Kommentatorin mehrfach und unwidersprochen lesbische Liebe aus politischen Gründen empfohlen.

    Im übrigen geht es mir genauso. Ich selektiere sexuell nicht nur ein Geschlecht aus, sondern natürlich auch nach Hautfarbe oder Gewicht. Der Umkehrschluß, ich würde alles bumsen, was blond, groß und dicke Hupen hat stimmt natürlich nic… äh naja. Jedenfalls muß für mehr als eine besoffene Nacht auch ein Mensch an den Geschlechtsmerkmalen hängen, den ich mag. Und eigentlich ist das ein grundlegendes, implizites Auswahlkriterium, das man normalerweise mit Ausstrahlung oä umschreibt.

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  2. Die Begriffe Rassismus (und analog Sexismus) werden inzwischen leider inflationär benutzt und begrifflich immer mehr aufgeweicht. Die frühere Kerndefinition war klar und plausibel. Es müssen zwei Merkmale vorliegen: 1. die Äußerung muß inhaltlich falsch sein. 2. Sie muß das Ansehen der Betroffenen herabsetzen oder ihnen sonstwie schaden.

    Die Äußerungen, um die es hier geht, sind aber gar keine Äußerungen über die Schwarzen, Blonden, Frauen oder andere Gruppen, sondern Äußerungen der Kontaktsuchenden über sich selber. Wer sagt, ich mag nur Blondinen, sagt etwas über sich selber aus, nichts über Blondinen. So eine Meinungs- oder Geschmacksäußerung ist keine objektive Äußerung über anderen Personen, die objektiv richtig oder falsch sein kann, sondern eine subjektive über sich selber.

    Etwas anderes ist es, wenn die Meinungs- oder Geschmacksäußerung mit scheinbar objektiven Begründungen verbunden wird (Beispiel: ich mag keine Blondinen, weil die alle doof sind), dann ist die Begründung ggf. klar sexistisch oder rassistisch.

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  3. „Werden Schwule also demnächst mit Studien konfrontiert, die feststellen, dass 100 Prozent der Schwulen sexistisch sind, weil sie Frauen aus der Dating-Suche entfernen?“

    Darauf läuft die innere Logik des Ganzen klar hinaus. Wie @Gerhard schrieb, ich sehe das genauso:

    „Was ich an der Sache wirklich nicht verstehe, deren Argumentation ist zu Ende gedacht die freie Änderbarkeit der eigenen Sexualität, also die Schwulenheilung.“

    Die Ideologie der „sozialen Konstruktion“ muss auf jeden Fall annehmen, dass die „freie Änderbarkeit der eigenen Sexualität“ immer gegeben ist, dies steckt schon in ihren Prämissen.

    Der „Rassismus“ wird ebenso strukturell und unausweichlich interpretiert: Weisse Männer sind schon aufgrund ihrer blossen Existenz Rassisten.

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  4. „Aber wieso ist das eine gute Nachricht, wenn Menschen es als inakzeptabel empfinden, wenn andere für sich selbst die Präferenz setzen, nicht mit Schwarzen oder Asiaten ins Bett gehen zu wollen? Was geht die das denn an, auf wen man steht? “

    Ich denke, das liegt daran, dass es da 1. hauptsächlich im Klischees geht (Asiaten = feminine, dünne, haarlose, unmännliche Männer) + 2. ist es völlig übertrieben, das explizit zu erwähnen. So als ob man an jeder Ecke von einem Asiaten angefallen wird oder ständig online von 50 Asiaten pro Tag angeschrieben wird wenn man sich nicht durch explizite Ablehnung davor „schützt“. Es würde doch auch reichen, einfach auf Nachrichten von Leuten, die einem nicht gefallen nicht zu antworten oder kein Date auszumachen, als so ein explizites „Hunde verboten“ Schild aufzustellen.
    Ich habe selber mal so gedacht und „Asiaten“ sind nach wie vor nicht meine bevorzugte Ethnie, aber es so pauschal auszuschließen, finde ich schon heftig, weil es durchaus auch unter Asiaten Exemplare geben kann, die für einen eine Ausnahme von der bisherigen Regel darstellen. Und da diese speziell Asiaten-Ablehnung so häufig ist, tun mir schwule Asiaten in so einem Kosmos schon ziemlich leid, wenn die sich durch Profile klicken und da ständig lesen müssen dass sie einen auf gar keinen Fall anschreiben dürfen und nicht mal versuchen dürfen, Kontakt aufzunehmen.

    Mit der „Ablehnung“ von Frauen ist das meiner Meinung nach nur bedingt gleichzusetzen.

    In schwuler Alltag wurde (u.a.) das mal angesprochen und für mich klingt das schlüssig.

    http://schwuler-alltag.de/post/108907284948/hengstverehrung-schwul-ist-nur-wer-sich-bueckt

    „Alle Profile, die Sätze, die mit “Keine…” oder “Gerne…” beginnen, enthalten, sind schwierig. Auf “Keine…” folgt in der Regel “…Spinner, Tunten und Faker”. Diese Leute schreiben auch an Banken “bitte keine Bankräuber”. Das Problem liegt nicht nur darin, dass Tuntenablehnung etwas Misogynes hat, sondern auch daran, dass eben klar sein sollte, wie effizient Aufrufe sind, dass sich niemand melden soll, der ja per Definition schon deppert ist (Spinner wie Faker).

    Auch beliebt sind sexuell-rassistische Anmerkungen wie “Keine Asiaten” oder Angst vor Alter wie bei “Keine Opis über 25” (ernsthaft?). Während es ja voll okay ist, dass einem nicht jede Optik zusagt, ist es a) doch relativ selten, dass man hierzulande auf einen Menschen asiatischer Abstammung stößt und meint, das proaktiv verhindern zu müssen. Noch dazu wirkt das einfach nur wie handelsüblicher (und damit sehr verwerflicher) Rassismus. Wer das Alter nach oben gerne einschränkt, gerät dank karmischer Strafe ab und an in läuternde Situationen wie der Folgenden: “Danke für die Message, aber ich bin 31. Bei dir steht da ‘ne Altersbegrenzung über 25.” “Ja, aber du siehst total heiß aus.” Zu dem Date kam es übrigens nicht. Kommen wir zur Inklusion.

    “Gerne muskulöse Türken, Araber” usw… Ich kann mir richtig vorstellen, wie die ganzen sportlichen Orientalen vor dem Rechner mit rot geweinten Augen mangels Zuspruch endlich aufhorchen und, einen Funken Hoffnung im Herzen, diesem Profilinhaber schreiben. Wer hätte gedacht, dass sich noch jemand mit genug Toleranz für die Leute am Rand der schwulen Gesellschaft findet. „

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    • „jemand mit genug Toleranz“

      Nun, dann müssen wir jetzt auch bei den Kindern in Bezug aufs Essen Toleranz einfordern — Toleranz gegenüber Spinat, Rattatui, Oliven und Fisch mit Gräten? Sonst werden das am Ende ja noch Rassisten, die sich nicht vorstellen können und gar kategorisch ausschliessen wollen, mit bestimmten Menschensorten (schwarz, gelb, dick, dünn) nicht ins Bett zu gehen…

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  5. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn Frauen verboten werden würde, Männer nicht reihenweise auszusortieren. Muss es als nächstes geächtet werden, wenn Frauen bei Singlebörsen angeben, dass sie keine Männer unter 1,85 m Körpergröße haben wollen?

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  6. Schöner Beitrag.
    100% Zustimmung.

    „gaben 23 Prozent zu, explizit Afro-Amerikaner/Asiaten aus ihrer Suche ausgeschlossen zu haben.“

    Da gibt es doch bestimmt auch ein Häkchen, genau solche Afro-Amerikaner/Asiaten zu bevorzugen, oder?
    Wie viele Prozent sind das denn?
    Hm
    Selbst wenn das größenordnungsmäßig nur die Hälfte derer wäre, die sie explizit ausschließen, also mal angenommene 11%. In Deutschland haben wir bei weitem keinen entsprechenden Bevölkerungsanteil, der einen solchen „Bedarf“ decken würde.

    Geht es in solchen Dating-Plattformen nicht darum, Menschen kennen zu lernen, die den eigenen Präferenzen entsprechen? Also z.b. Schwule?

    Was soll ein Afro-Amerikaner sich damit rumschlagen müssen, jemanden zu daten, der dann von seinem äußeren abgeturnt wird, nur weil er keine Möglichkeit hatte, das vorher angeben oder wissen zu können?
    Grade, wennn es doch möglicherweise/höchstwahrscheinlich gleichzeitig Leute gibt, die ihn genau deshalb „geil“ finden könnten?

    Ist nicht die Angabe jedes einzelnen „körperlichen“ Merkmals diskriminierend, wenn man anfängt, so zu argumentieren?
    Ageistisch, lookistisch, xyzistisch?
    Ist da nicht die einzig verbleibende logische Konsequenz. solche Platformen zu verbieten?

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