Penny makes the World go nuts

Je mehr ich von Laurie Penny lese, umso bemerkenswerter finde ich, dass sie als Popstar eines neuen Feminismus herumgereicht wird. Muss man das verstehen?

Hat sich der Kampf um Gleichberechtigung nicht längst erledigt? Nein, hat er nicht! Arme Frauen, Frauen mit dunkler Hautfarbe, Menschen mit nicht-heterosexueller Orientierung sind immer noch stark benachteiligt.

Bevor wir uns die Frage stellen, wer stark benachteiligt wird, müssten wir zunächst einmal andere Fragen stellen: Benachteiligt gegenüber wem? In welchem Kontext? Unter welchen Umständen? Woran liegt das? Ist es veränderbar? Mit welchen Mitteln?

Und ich glaube, seit den Nullerjahren herrscht so eine merkwürdige Kultur, Betroffenen dafür ständig selbst die Schuld zu geben. Hey, du bist unglücklich? Dann musst du härter an dir arbeiten! Dann hast du es einfach noch nicht hart genug versucht!

Ich halte das für ein durchaus erfolgreiches Rezept, sein „Unglück“ zu analysieren und Fragen zu stellen, wie etwa: Unglücklich wegen was? Woran liegt das? Was kann ich daran ändern? Eine der interessantesten Fragen in diesem Zusammenhang finde ich übrigens folgende: Bin ich wirklich unglücklich oder vielleicht nur zu anspruchsvoll, selbstzentriert und verwöhnt? Hindere ich mich also selbst an meinem Glück?

Ich halte die Vorstellung des alten Feminismus von einer klaren Machtaufteilung zwischen den Geschlechtern für überholt. Also die Vorstellung, wonach Frauen machtlos sind, wenn Männer Macht haben – und umgekehrt, dass Männer automatisch an Macht verlieren, wenn Frauen mehr Macht haben. So funktioniert das nicht.

Nein, so funktioniert das in der Tat nicht. Liegt aber auch daran, dass die Analyse einer Gesellschaft alleine unter dem Gesichtspunkt von Machtverhältnissen ziemlich unterkomplex ist.

Nun, der Begriff Patriarchat meint wörtlich übersetzt ja nicht Herrschaft der Männer, sondern Herrschaft der Väter. Und die Reichen, die uns sozial kontrollieren, sind nicht per se alle Männer.

Schön, dass Penny das aufgefallen ist. Doch was meint sie damit, dass uns „die Reichen“ – Frauen und Männer – alle sozial kontrollieren? Ich fühle mich nicht sozial kontrolliert. Zumindest nicht von „Reichen“. Die sind mir ehrlich gesagt sogar ziemlich schnuppe, weil sie in meinem Leben keine Rolle spielen. Reich wäre ich natürlich gerne selber. Aber warum sollte ich dann jemanden sozial kontrollieren wollen? Im Gegenteil, einer meiner größten Antriebe für das Reichsein ist, dass wenn ich Geld wie Heu hätte, mich dann von der Gesellschaft soweit wie möglich isolieren könnte. Und meine Ruhe hätte.

Von daher haben es die meisten Männer oder Jungs nicht leichter als Frauen oder Mädchen. Sie haben nur andere geschlechtsspezifische Probleme. Ich glaube, der Feminismus wird immer besser darin, auch diese Probleme wahrzunehmen.

Eine wahrhaft bravouröse Leistung des Feminismus, mitzubekommen, dass auch Männer und Jungs Probleme haben, nach dem man sie jahrzehntelang als das Übel schlechthin dargestellt hat.

Gegen tolle Schuhe habe ich nichts einzuwenden!

Keine Überraschung, Penny, Du bist schließlich eine Frau!

Aber es gibt eine neue Art von Feminismus, der Leute zu besseren neoliberalen Subjekten machen und sie glauben machen will, Gleichberechtigung hieße, eine Karriere machen zu können, die Freiraum für Kinder lässt.

Wenn Frau eine Karriere machen und sich zum „neoliberalen Subjekt“ machen will, dann ist das ihr gutes Recht! Gleichberechtigung bedeutet nämlich gleiche Rechte und gleiche Chancen vor dem Gesetz. Gleichberechtigung bedeutet dagegen nicht, nur so zu leben, wie Laurie Penny das gefällt.

Das mag wichtig sein.

Ist es auch. Wenn man es selbst für wichtig hält.

Aber dieser Feminismus geht nicht an die Wurzel der Diskriminierung.

Welche Diskriminierung?

Er redet nicht über Verhütung, Abtreibungsrechte oder darüber, wie Arbeit verteilt ist. Er redet nicht über sexuellen Missbrauch, Rassen- und Klassenzugehörigkeit. Wenn wir alle wohlhabende weiße Frauen in Weltstädten sein könnten, wäre das okay. Aber so funktioniert keine echte Befreiung.

Nahezu alle Feministen sind wohlhabende weiße Frauen, die in Weltstädten leben. Und sie reden pausenlos über Verhütung, Abtreibungsrechte oder darüber, wie Arbeit verteilt ist. Sexueller Missbrauch und „Rape Culture“ ist auch immer wieder ein feministischer Klassiker. Und auch Rassen- und Klassenzugehörigkeit wird gerne als Gesprächsstoff genommen.

(…) das Interessante an Magersucht ist ja, dass – obwohl lange bekannt ist, dass Rollenerwartung und Essstörungen gerade bei jungen Frauen zusammenhängen – die Gesellschaft immer noch an einem krank machenden Frauenbild festhält. Als ich damals in der Klinik war, gab es dort viele Ärzte, die uns Patientinnen immer ermunterten, „gute Mädchen“ zu werden. Sie sagten, wir sollten uns hübscher anziehen, die Haare wachsen lassen, uns schminken und ein besseres Körpergefühl entwickeln. Dann würde alles besser werden. Wurde es bei mir aber nicht. Was mir half, war die Erkenntnis, dass es okay war, wütend zu sein. Dass nicht ich verrückt war, sondern dass die Gesellschaft es verbockt hatte.

Ich bin jetzt mal total unsensibel: Vorausgesetzt, man sieht Übergewicht nicht als Esstörung (aber wenn, dann wären Männer genau so betroffen) haben die meisten jungen Mädchen und Frauen keine Esstörung. Und noch weniger von ihnen muss man deswegen in eine Klinik einweisen. Ich weiß, ich weiß, seit den Nullerjahren herrscht so eine merkwürdige Kultur, Betroffenen ständig selbst die Schuld zu geben, aber das möchte ich auch gar nicht tun, sondern lediglich darauf hinweisen, dass die Magersucht von Penny möglicherweise nicht an „der Gesellschaft“ lag (denn wenn, wären ja viel mehr bis alle Frauen betroffen), sondern an ihrem persönlichen, familiären oder sozialen Umfeld.

(…) ich habe gerade wirklich das Gefühl, das so ungefähr jede Frau, die ich kenne, schwanger ist.

Das Gefühl haben viele junge Frauen, die ihre biologische Uhr immer lauter ticken hören…

Ein Baby zu haben, scheint heute eine Lifestyle-Wahl zu sein. Etwas, das man sich leisten können will wie eine neue Homme-Tasche oder Louis-Vuitton-Schuhe.

Und was ist daran falsch?

Ich glaube, es ist wichtig, Mutterschaft – wie einige Feministinnen in den Siebzigerjahren – wieder als Arbeit zu begreifen.

Okay. Und wer soll Frauen diese „Arbeit“ bezahlen? Man lasse mich raten: Männer vielleicht?

Ich höre die Leute so viel von Work-Life-Balance reden. Aber Freizeit für Frauen meint dann eben nicht: Einfach mal allein vor dem Fernseher abhängen und sich Fussel vom Bauchnabel puhlen. Freizeit für Frauen meint: Babys. Oder sich um den Ehemann kümmern.

Hindert irgendjemand Frauen daran, vor dem Fernseher abzuhängen oder sich Fussel vom Bauchnabel zu puhlen?

Die meisten Frauen leben eine Work-Work-Balance. Ihre Arbeit ist irgendwie nie zu Ende.

Ja, die armen Frauen. Immer am Arbeiten: Bücher schreiben, Vorträge halten, nach Schuhen shoppen. Und dann ist man auch noch ständig schwanger, was einem aber nicht mal als Arbeit anerkannt wird.

Warum gönnen wir uns nicht ein bisschen mehr Faulheit? Mehr Zeit für uns selbst?

Mach doch, Penny! Hör auf Bücher zu schreiben sowie Vorträge zu halten und Interviews zu geben und mach einfach mal nichts!

Ich denke, ich werde zu einer Revolution der faulen Frauen aufrufen!

Also, ich persönlich wäre dazu zu faul. Aber als Mann ohne Frau kann ich mir Faulheit auch leisten.

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16 Gedanken zu “Penny makes the World go nuts

  1. Wie lange verharren schwule Verbände und Politiker eigentlich noch in ihrer Position als besonders willfährige Steigbügelhalter staatsfeministischer Androphobie/Denkfaulheit/Ignoranz/Arroganz?

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  2. Boey, ich denke nachdem das Gender Pay Gap nicht mehr zieht, muss was neues her. Es hat sich mittlerweile schon rumgesprochen, dass Frauen unter 30 teilweise mehr verdienen als ihre männlichen Kollegen. Ebenso ist bekannt das alle Frauen zusammen im Jahr über 2,5 Monate weniger Stunden in der Erwerbsarbeit verbringen als alle Männer zusammen und es somit schon mal Unsinn ist (obwohl, für jeden ist das noch nicht klar ^^), dafür dann trotzdem das gleiche Geld zu erwarten. Und nachdem nun in breiter Öffentlichkeit das Gehalt von Erzieherinnen diskutiert wurde, legen wohl jetzt auch mehr Leute den Kopf schief, wenn ihnen mal wieder jemand was vom „Frauenberufe“ werden schlecht bezahlt vorschwatzen will.

    Die nächste Schose wird die unbezahlte Arbeit… ganz ungeachtet dessen das Frauen heutzutage schon ca. 80% der privaten Kosumentscheidungen treffen und das obwohl sie weniger Geld erwirtschaften.

    Das wird noch interessant. Vor allem bin ich gespannt wie dann noch Unterhaltszahlungen an den verlassenen Partner gerechtfertigt werden sollen. Oder wer bestimmt, wie sauber etwas sein muss?

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  3. Es gibt zwei Arten, den Missstände unserer Zeit auf den Grund zu gehen: Die klassisch Marxistische, die sich immer wieder in Elegien über ‚das System‘ ergeht. Doch die ist m. E. nur noch beschränkt tauglich, da die ‚ursprüngliche Akkumulation‘ aus heutiger Sicht nicht viel mehr als ein ideologisches Konstrukt ist. Und dann gibt es da noch die ökonomische Herangehensweise, die sich u. a. aus dem ‚Prozess der schöpferischen Zerstörung‘ (Joseph A. Schumpeter) nährt sowie weiteren Theorien (z. B. Francis Fukuyama und seiner Theorie, wonach der technologische Wandel die bestehenden, sozialen Beziehungen zerreist) nährt. Zweitere liegt mir erheblich näher: Ich will mich nicht ständig auf ein Phantom berufen müssen, dass wahlweise aus international operierenden Konzernen, den Reichen, dem Patriarchat oder einem orwell’schen Staat besteht. Mir liegt das Pragmatische erheblich näher. Für Ideologien ist mir die Zeit einfach zu schade.

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  4. Ich hab mal ein bisschen reingelesen, was sie so schreibt. In meinen Augen ist Penny nichts anderes, als eine weitere unausgeglichene Frau mit einer gewissen Intelligenz, die jetzt irgendwen für ihr seelisches Durcheinander verantwortlich machen will. In meiner persönlichen Sammlung habe ich auch alles mögliche: Schizoid, hysterisch, Helfersyndrom und Borderline. Ich habe noch keine Frau getroffen, die von Anfang an normal war.

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  5. „Ich glaube, es ist wichtig, Mutterschaft – wie einige Feministinnen in den Siebzigerjahren – wieder als Arbeit zu begreifen.
    Adr: Okay. Und wer soll Frauen diese “Arbeit” bezahlen? Man lasse mich raten: Männer vielleicht?“

    – Äh, genau diese Ansicht von Penny würde ich gerade gut finden. Kindermachen ist für die Gemeinschaft viel wichtiger als Dax-Vorstand zu sein.
    Merkwürdige Mischung, dieses Penny-Buch. Sie hat private Probleme (Eßstörung, Ticken der Bio-Uhr), die sie versucht, zu politisieren. Gleichzeitig die üblichen Parolen.
    Sie hat Potenzial, nutzt es aber nicht.

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          • Frauen haben einen energiefressenden Fortpflanzungsapparat; Männer nicht. Logischerweise ist der Beitrag des Mannes dann, die Frau und die Kinder mit Ressourcen zu versorgen.
            Deswegen stehen Frauen ja so auf Männer mit Status und Kohle.

            In einer Gesellschaft, wo Frauen unbedingt selber arbeiten und Karriere machen wollen, ist das natürlich nicht mehr notwendig. Allerdings sieht die Realität bekanntlich anders aus: Die meisten Frauen, Radfems vorneweg, wollen gar keine „toten“ Macht- und Geldjobs.

            „Aber warum sollte ich für fremder Leute Kinder zahlen?“
            – Geht´s jetzt um die Herdprämie und die Kita? Ganz einfach: Weil die Kinder der anderen Deine Rente zahlen; außerdem später Deine Infrastruktur aufrechterhalten.
            Willst Du in 30 Jahren zum Arzt gehen können?

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    • „Kindermachen ist für die Gemeinschaft viel wichtiger als Dax-Vorstand zu sein.“

      Für was für eine Gemeinschaft?
      Aber wenn die Feministen so reden, ist alles in Ordnung…. Feminismus für Alle.

      Das mit der bezahlten Hausarbeit kursiert schon seit Jahren, vermutlich ist das schon häufiger gefordert worden.

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      • „Für was für eine Gemeinschaft?“
        – Ja, welche denn wohl? Wohnst Du in einer Hütte in Sibirien mit Internetanschluß? Dann dürfte es nicht allzu schwer sein, darauf zu kommen, daß Du von anderen Menschen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert bist.

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      • „warum Kindermachen so wichtig für die Gemeinschaft ist.“

        Reine Ideologie.

        „warum soll ich für das Kindermachen anderer Leute bezahlen?“

        Weil das Gesetz es so festlegt. Eigentlich nicht einzusehen, da „Kindermachen“ eben nicht ein politisches, sondern ein privates Ding ist, eine Lebensentscheidung.

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        • http://sendvid.com/s1hlxg8n

          Dieser 5 Minuten Videoausschnitt richtet sich an Personen, die trotz des heute vorherrschenden Hedonismus – der nicht selten zu einer lang anhaltenden Pubertät führt – sich zutrauen mal für einen Augenblick, so wie große verantwortungsvolle Menschen, zu denken.

          Unter 30-jährige Personen sollten vielleicht ihre Eltern kontaktieren, damit diese das kurze Video ansehen können, um zu entscheiden, ob es für ihr Kind geeignet ist.
          Dort werden Prognosen dargestellt, die beunruhigend wirken könnten.

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