Ampelpampel

Nachdem Wien vorgeprescht ist, fühlen sich immer mehr deutschsprachige Städte bemüßigt, sogenante „Homo-Ampeln“ aufzustellen. Was zunächst als temporärer Marketingag im Zuge des Eurovision Song Contest begann, hat das Potential, zum neuen Gradmesser für „Toleranz“ zu werden, und es ist nicht auszuschließen, dass es den Ampeln an Straßen dereinst wie der Regenbogenfahne vor Rathäusern ergeht: Wer sie nicht präsentiert, wird sich dem Verdacht aussetzen, homophob zu sein.

Es ist erstaunlich, wie derartige Trivialitäten gehyped und ohne Diskussion mit fadenscheinigen Argumenten gepusht werden. Welche Art von Toleranz soll dadurch bei wem befördert werden? Jemand, der Lesben und Schwule bereits jetzt nicht leiden kann, wird sich bestätigt werden, dass diese „perverse Minderheit“ nun auch noch auf Kosten der Allgemeinheit die Straßenlandschaft „verschwult“.

Ein Gutes hat diese ganze Posse allerdings. Sie zeigt auf, dass die Homobewegung an ihr Ende gekommen ist. Man braucht sie nicht mehr. Nach der Öffnung der Ehe – die so oder so kommen wird – ist Schluss. Alles was danach kommt, wird nicht mehr sein als das selbstrefentielle Kreisen um das eigene Ego, die Imaginierung der eigenen subjektiven Befindlichkeiten als höchstwichtige gesellschaftliche Anliegen. Und es gibt Gründe anzunehmen, dass bereits der Kampf um die Eheöffnung nicht mehr ist als das.

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8 Gedanken zu “Ampelpampel

  1. Ach Adrian, du alter schwuler, sei doch glücklich, ich male mein Haus jetzt rosa an, du must mich jetz lieb haben,

    🙂

    PS: ich mag dich, du schreibst was du denkst, weiter so. Achso, ich denke immer noch nicht das Ihr mit der Ehe glücklich werdet. Aber von mir aus wäre es OK.

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  2. Homo-Ampeln. Herrlich. Aber irgendwie erscheint mir das zu kurz gedacht. Also nicht voll inkludierend. Was ist denn mit Transgenderampeln? Oder vielleicht Ampeln für Farbige oder für Migranten, oder für homosexuelle Migranten oder vielleicht für migrantisierte, schwarze, transsexuelle Lesben? Zugegeben, die Piktogramme könnten hier etwas schwierig zu interpretieren sein, aber das darf uns keinesfalls aufhalten.

    Was nun die Homoehe angeht, so sollte jeder in seinem Leben mindestens eine gehabt haben. 😉 Nein, im Ernst, schaden kann es nicht, nützen wird es wohl auch nicht viel, aber es mag durchaus einige Leute geben, für die es das letzte, ersehnte Zeichen ist, dass die Gesellschaft als solches sie akzeptiert. Ein Symbol eben.

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  3. „… der Kampf um die Eheöffnung nicht mehr ist als das.“

    Es geht aber auch ums Prinzip. Der ganzen Gesellschaft sollte das was angehen. Denn auch ihre Gleichberechtigung ist gefährdet…

    Es ist wohl nicht anzunehmen, dass die Ehe jetzt den grossen wirklichen konkreten Sprung nach vorne für alle Homos macht. Aber für die, die das wirklich wollen, ist´s doch gut!

    Amplen brauch´s dafür nicht.

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  4. In 40 Jahren, in Wien verbracht, habe ich 2-3 mal gleichgeschlechtliches Begehren in der Öffentlichkeit gesehen, also Handhalten, Küsse. Jeden Tag aber sehe ich oft aufdringliches heterosexuelles Begehren, muß es natürlich ertragen.
    Die irre Ideologie, die nun um Flaggen, Ampeln usw. kreist, die nur dazu da ist, um die eigene Toleranzfähigkeit zu verherrlichen oder andere Menschen, die dazu nicht bereit sind, auszuschließen oder zu beschuldigen, kann eigentlich nur Unbehagen auslösen. Wann sind „die Schwulen“ bereit, sich von dieser Vereinnahmung, die omnipräsent ist, zu lösen, sich davon zu emanzipieren und ihre Unterschiedlichkeit, Diversität zu leben? Die gesellschaftspolitischen Schüsse, die seit Jahren abgefeuert werden, können nur ins eigene Knie gehen.
    Die Befreiung aus der Geiselhaft von ideologisch Wahnsinnigen wird die Aufgabe der nächsten Jahre sein.
    Und es wäre befreiend, wenn jedes sagen wir zehnte öffentlich sichtbare Begehren gleichgeschlechtlich wäre.

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  5. Die Ampeln, wie sie zur Zeit ausgestaltet sind, sind eindeutig exkludierend und somit diskriminierend. Das Ampelmännchen zeigt entweder an „du kannst gehen, keine Gefahr“ oder „bleib stehen, Gefahr“. Völlig vergessen werden dabei die RollstuhlfaherInnen, die nicht gehen können. In der ganzen Republik stehen Abertausende von RollstuhlfahrerInnen, darunter auch Schwule, Lesben, und MigrantInnen, rat- und regungslos vor den Ampeln und wissen nicht weiter! Es wird allmählich Zeit, dass sich die Politik diesem dringenden Problem widmet und die Ampelpersonen inkludierend gestaltet!

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  6. […] In Deutschland schützt man sich noch vor solchen schwierigen Debatten und geht lieber auf Nummer sicher: zum Beispiel mit immer mehr Homo-Ampeln, die keinem Menschen wirklich helfen, es Stadtvätern aber erlauben, sich und ihre Toleranz selbst zu feiern, und für die man mit keinen Gegenstimmen rechnen muss, weil das ja homophob wäre. Eine Ausnahme bildet mal wieder der Schwulemiker. […]

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