Almdudelei

Andreas Gabalier, seines Zeichens Schlagersänger aus der Ostmark, mag Schwule nicht. Ich sage das frank und frei wie es ist, denn wer im Jahre 2015 noch Sätez sagt, wie die folgenden, der muss etwas gegen Schwule haben:

Ich kenne sogar drei schwule Pärchen, zwei beim Fernsehen, eins privat. Ich finde nur, dass man diese Sexualität nicht ganz so breit in der Öffentlichkeit austreten muss. Aus Respekt unseren kleinen Kindern gegenüber. Die sollten sich doch ihr eigenes Bild von Sexualität machen, wenn sie alt genug sind. Und nicht unbedingt auf dem Weg in den Kindergarten die Pudelnackerten auf den großen Plakatwänden sehen.

Vielleicht habe ich die Ostmark bislang unterschätz, aber wenn in diesem Land tagtäglich Pudelnackerte auf großen Plakatwänden zu sehen sind, die auch noch mit Homosexualität assoziiert werden können, wird es Zeit über einen Umzug nachzudenken.

Selbstredend übertreibt Gabalier maßlos, denn ich wette, dass man in Österreich in der Öffentlichkeit genau so oft mit Homosexualität konfrontiert wird, wie in Deutschland: nämlich fast gar nicht. Dass Homosexuelle ihre Sexualität immerfort öffentlich machen, ist eine der schamlosesten Lügen, zumal angesichts der Dichte alltäglicher Begegnungen sich abknutschender und befummelnder Heteropärchen.

Gabalier ist schwulenfeindlich, weil er von Homos erwartet, ihre Sexualität zu mäßigen, während er selbst keinerlei Problem hat, die Welt mit überbordener Sexualität zu konfrontieren und sie immerfort in der Öffentlichkeit auszutreten. Man schaue sich nur die Texte seiner schwülstigen Schlagerschmonzetten an:

Ich lass die sonne für dich scheinen
weil du mein herz mit liebe erfüllst
durch dich ist mei lebn vollkommen
weil ich mich in dir wiederfind

für mich bist du alles im leben
trag dich tiefin meinem herzen drin
berührst mich ich lebe und ich liebe dich
bedingungslos gebe ich mich deiner hin

liabst du mich so wie ich dich
ja dann halt mich ganz fest
ich werde da sein für dich
du bist und bleibst das leben für mich
mein herz schlagt nur für dich

durch dich hab ich gelernt zu lieben
ich vertrau mich dir an wie ein kind
bei dir fühl ich mich geborgen
wenn ich mich in deinen armen liegen find

wie der sommer seine sonne
die die herzen erwärmt brauch ich dich
so brauch ich dich
wie man einen menschen nur lieben kann
liebe i dich

Ja, ich weiß, Ihr habt vor kurzem gegessen, aber die Welt muss erfahren, was für ein Lustmolch und Sex-Advokat Gabalier ist:

wie du lachst und was du mit mir machst
in meine augen schaust mir grenzenlos vertraust
wie du gehst und dich bewegst
tag und nacht da könnte ich dich anschauen irgendwie

so was liabs so was liabs wie di
das gibts sicher nie nie mehr auf der welt
so was liabs so was liabs wie di
für immer du und i
du bist alles was ich will

nur bei dir fühl i mi daheim du gibst mir deine liebe
wie es sonst niemand kann
für alle zeit für immer du und i
und ich spür irgendwie dass ich mein herz verlier
i steh auf di

nichtnur weil du bist wie du bist
wenn du bei mir bist
sondern weil ich bin wie ich bin
wenn ich bei dir bin

Und bevor wir alle über dem Klo hängen, hier der abschließende Beweis, dass Gabalier ein homophober Heuchler ist, der Homos nicht gönnt, was er selbst für sich in Anspruch nimmt:

Auf an bankerl sitzt a mäderl und des hot a so a freid
mit ihre knackig siaßn wadln in an kurzn dirndlkleid
ihre rot lackiertn zecherl san von schneegleckerl umgebm
für an gstandnen liabm buam tät sie anfoch olles gebm

Und schon kummt a fescha kampl an dem bankerle vorbei frogt des mäderle du is des platzerl nebm dir noch frei
mit ihre aufidrahtn wimpern
sogt sie lochend owa kloar
kriagt zwa apfelrote wangerl und er flüstert ihr ins ohr

Fesche madl brauchn flotte buam hollero
zum zuwadruckn liabm und zum gspiarn
wei ma euch bussl wenns es brauchts vom kopf bis zu di fiaß
jo mei gott seids es feschn madln siaß

Des kloane mäderl war nix gschamig und setzt sich auf den buam drauf
und sie mocht des erste knopferl von ihrm engen bluserl auf
nimmt des rosarote spangerl aud die zopferlgflochtnen hoar
do fangt ihr herzerl an zum schlogn wei er flüstert ihr ins ohr

Fesche madl brauchn flotte buam hollero
zum zuwadruckn liabm und zum gspiarn
wei ma euch bussl wenns es brauchts vom kopf bis zu di fiaß
jo mei gott seids es feschn madln siaß

Da haben wir’s: Öffentlich zelebrierte Heterosexualität, jugendfrei, und für Kinderohren frei zugänglich, schamlos zelebriert von einem Hallodri, der sein Zipfel nicht in der Lederhose lassen kann.

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2 Gedanken zu “Almdudelei

  1. Die Welt hätte auch ganz gut ohne diesen Exkurs in die Untiefen des gemeinen Schlagers überleben können. Ganz ehrlich, das ist auch nur ein Idiot mit ein paar seltsamen Knoten im Schädel. Das kann man natürlich gerne argumentativ belegen, aber eine sonderlich weltbewegende Erkenntnis ist es nun auch nicht unbedingt.

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  2. Vielleicht wäre schwulenorientierte bayrische Volksmusik über ‚fesche buam‘ die ‚flotte buam‘ brauchen eine Marktlücke. 🙂

    Aber halbwegs ernsthaft: Nachdem der Gabalier sich schon beklagt hat wie schwer man es im Musikgeschäft habe, wenn man hetero ist, und wie ich die Mehrheit seines Publikums einschätze, denke ich die gelegentlichen Proteste gegen die Sichtbarkeit von Schwulen sind zu einem guten Teil Zielgruppenmarketing.

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