Gottes Wort, das ist Gesetz (aber nur dann, wenn es mir genehm ist)

Nach der Öffnung der Ehe in den USA wiederholt sich in den Südstaaten die Geschichte. So wie nicht wenige Teile der Bevölkerung damals gegen die Aufhebung der Rassentrennung und die Legalisierung gemischtrassiger Ehen protestierten, entdecken Fundamentalisten jetzt wieder ihr „christliches Gewissen“ und schwören, die neue Rechtslage zur Ehe nicht zu akzeptieren.

Beispielhaft für diese Bigotterie sei hier Linda Barnette genannt, Sachbearbeiterin aus Mississippi, und unter anderem zuständig für die Ausstellung von Ehedokumenten. Als Angestellte des Staates hat sie lieber gekündigt, als homosexuellen Paaren die erforderlichen Lizenzen zu übergeben:

“My final authority is the Bible. I cannot in all good conscience issue marriage licenses to same-sex couples under my name because the Bible clearly teaches that homosexuality is contrary to God’s plan and purpose for marriage and family. I choose to obey God rather than man.”

Zunächst einmal ist zu betonen, dass Barnette in einem Regierungsjob nichts, aber auch gar nichts zu suchen hat, wenn sie „Gottes Gesetze“ für legitimer hält, als die der Vereinigten Staaten von Amerika. Die USA sind keine Theokratie, kein Land das auf der Basis des Christentums oder Gottes Wort gegründet wurde – im Gegenteil diktiert die Verfassung eine strikte Tennung von Staat und Religion und das Wort „Gott“ findet sich dort nicht ein einziges Mal. Selbstredend gibt es Religionsfreiheit, aber Religionsfreiheit heißt eben nicht, dass der eigene Glauben darüber zu bestimmen hat, wie andere Menschen zu leben haben. Wenn Barnette etwas gegen Homsexualität hat, soll sie halt keine Mösen lecken und keine Frau heiraten. Niemand zwingt sie dazu.

“I would be the one issuing the licence so it would be like I would be approving of this lifestyle and I do not.

Nein, Linda, Du bist Angestellte in einem Regierungsjob als Sachbearbeiterin. Als solche hast Du die Gesetze und Verordnungen des Bezirkes, des Bundesstaates Mississippi und der Vereinigten Staaten auszuführen. Das war der Deal, als man Dich eingestellt hat.

“I just believe that the Bible teaches that marriage is between a man and a woman, and I stand on that.

Wie so viele christlichen Fundamentalisten ist Barnett nichts anderes Heuchlerin, die ihre Bibel nie richtig gelesen hat. Selbstredend hat sie recht, dass in der Bibel – gelinde gesagt – nicht allzu vorteilhaft über Homosexualität gesprochen wurde. Aber das die Bibel lehrt, dass die Ehe etwas zwischen einem Mann und einer Frau sei ist – vorsichtig  ausgedrückt – fragwürdig. Denn welches ist die am meisten erwähnte Beziehungsform in der Bibel? Richtig! Die Polygamie. Ein Mann, mehrere Frauen.

Die Bigotterie und Heuchlerei wird auch durch die Worte eines Einwohners der Ortschaft deutliche, in der Barnette residiert:

“She’s given marriage licenses to people who have committed adultery and stolen and lied, and when their parents haven’t approved… it’s just crazy the way she’s thinking. That’s her job and she’s not there to judge people.”

Ehebruch, Diebstahl, Lügen, Ehe ohne Einverständnis der Eltern, alles gegen das „Wort Gottes“ in der Bibel. Und hat sich Barnette bislang daran gestört? Natürlich nicht! Sie hat brav ihre Ehelizenzen verteilt. Aber sie mag nun mal Homos nicht und nutzt ihren Glauben, um diese Antipathie zu rechtfertigen.

Gut, dass sie gekündigt hat. Kündigt ihnen allen! Mal schauen, ob Gott ihnen ein Gehalt zahlt.

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5 Gedanken zu “Gottes Wort, das ist Gesetz (aber nur dann, wenn es mir genehm ist)

  1. „Als solche hast Du die Gesetze und Verordnungen des Bezirkes, des Bundesstaates Mississippi und der Vereinigten Staaten auszuführen. Das war der Deal, als man Dich eingestellt hat.“

    Solche Argumentation hatten wir auch schon … war nach der Stunde null sehr beliebt in Deutschland. 🙂

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  2. Dear Dr. Laura:

    Thank you for doing so much to educate people regarding God’s Law. I have learned a great deal from your show, and try to share that knowledge with as many people as I can. When someone tries to defend the homosexual lifestyle, for example, I simply remind them that Leviticus 18:22 clearly states it to be an abomination. End of debate. I do need some advice from you, however, regarding some of the other specific laws and how to follow them:

    When I burn a bull on the altar as a sacrifice, I know it creates a pleasing odor for the Lord – Leviticus 1:9. The problem is my neighbors. They claim the odor is not pleasing to them. Should I smite them?

    I would like to sell my daughter into slavery, as sanctioned in Exodus 21:7. In this day and age, what do you think would be a fair price for her?

    I know that I am allowed no contact with a woman while she is in her period of menstrual uncleanliness – Leviticus 15:19-24. The problem is, how do I tell? I have tried asking, but most women take offense.

    Leviticus 25:44 states that I may indeed possess slaves, both male and female, provided they are purchased from neighboring nations. A friend of mine claims that this applies to Mexicans, but not Canadians. Can you clarify? Why can’t I own Canadians?

    I have a neighbor who insists on working on the Sabbath. Exodus 35:2 clearly states he should be put to death. Am I morally obligated to kill him myself?

    A friend of mine feels that even though eating shellfish is an abomination – Leviticus 11:10, it is a lesser abomination than homosexuality. I don’t agree. Can you settle this?

    Leviticus 21:20 states that I may not approach the altar of God if I have a defect in my sight. I have to admit that I wear reading glasses. Does my vision have to be 20/20, or is there some wiggle room here?

    Most of my male friends get their hair trimmed, including the hair around their temples, even though this is expressly forbidden by Leviticus 19:27. How should they die?

    I know from Leviticus 11:6-8 that touching the skin of a dead pig makes me unclean, but may I still play football if I wear gloves?

    My uncle has a farm. He violates Leviticus 19:19 by planting two different crops in the same field, as does his wife by wearing garments made of two different kinds of thread (cotton/polyester blend). He also tends to curse and blaspheme a lot. Is it really necessary that we go to all the trouble of getting the whole town together to stone them? – Leviticus 24:10-16. Couldn’t we just burn them to death at a private family affair like we do with people who sleep with their in-laws? (Leviticus 20:14)

    I know you have studied these things extensively, so I am confident you can help. Thank you again for reminding us that God’s word is eternal and unchanging.

    Your devoted fan,

    Jim

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  3. „Die USA sind keine Theokratie, kein Land das auf der Basis des Christentums oder Gottes Wort gegründet wurde – im Gegenteil diktiert die Verfassung eine strikte Tennung von Staat und Religion und das Wort “Gott” findet sich dort nicht ein einziges Mal.“

    Die USA wurden von gläubigen Christen gegründet. Natürlich spielte ihr Glauben für die Gründer eine große Rolle.

    Aber, und das ist ja gerade die großartige zivilisatorische Leistung, sie haben ihre Verfassung nicht so geschrieben, dass ihr Glaube untrennbar damit verbunden wurde. Natürlich sind ihre Moralvorstellungen darin eingeflossen. Aber das fantastische besteht darin, dass die Menschen damals ein Dokument geschaffen haben, das über ihren eigenen Horizont hinausging. Anders ist es nicht zu erklären, dass Sklavenhalter formulierten, alle Menschen seien gleich geschaffen (und man später, sich auf diese Freiheit berufend, die tatsächliche rechtliche Gleichstellung herstellte).

    Für diese Trennung gab es einen guten Grund: Gerade die strenggläubigen Christen waren in ihrer alten Heimat verfolgt worden.

    Die USA zeigen sich ein weiteres Mal als ein schillerndes Land voller Widersprüche, das aber gerade deswegen immer das Potential hat, sich zu erneuern.

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