Heterosexualität und Prostitution

Von Schwulenfeinden wird Homosexualität ja in schöner Regelmäßigkeit mit anderen Übeln verglichen, bspw. Alkoholkonsum, Gewaltkriminalität und Prostitution. Gerade letzterer Vergleich ist dabei besonders putzig, wenn man sich vergegenwärtigt, was Prostitution eigentlich ist. So schreibt etwa die Wikipedia:

Prostitution (von lateinisch prostituere „nach vorn/ zur Schau stellen, preisgeben“) – früher Gewerbsunzucht – bezeichnet die Vornahme sexueller Handlungen gegen Entgelt.

Klarer Fall also, Sex gegen Geld. Nur was hat das mit Homosexualität zu tun? Offenbar kennen sich unsere homophoben Freunde nicht so gut in den Sexualbeziehungen von Schwulen aus, denn Sex gegen Geld ist da die absolute Ausnahme. Wenn zwei schwule Männer scharf sind, und sich gegenseitig anziehend finden (zuweilen ist das auch gar nicht mal nötig), dann wird halt gevögelt. Worin soll also der Sinn bestehen, das noch unnötig mit Geld zu verkomplizieren, wenn sowieso alle beide Sex wollen?

Bei genauerer Betrachtung ist es weniger die Homosexualität, als vielmehr die Heterosexualität, die untrennbar mit Prostitution verknüpft ist, ein Umstand der natürlich damit zu tun hat, dass Frauen und Männer andere Prioritäten setzen, was den Sex angeht. Wenn der Sexualtrieb der Frauen geringer ist, als der der Männer, dann ist es logisch, dass es zu einem Tauschgeschäft zwischen den Geschlechtern kommt, dass also der Mann der Frau etwas dafür bieten muss, um mehr Sex zu bekommen, als Frau ohne eine Gegenleistung anbieten würde.

Die Realität bestätigt das. Im Verhältnis gibt es weitaus mehr Bordelle für heterosexuelle Männer, als für schwule Männer, von Bordellen für heterosexuelle Frauen ganz zu schweigen. Schwule Männer und heterosexuelle Frauen brauchen ja auch keine Bordelle, weil sie Sex ohnehin überall kostenlos bekommen können. Sex gegen Geld ist also eine überwiegend heterosexuelle Domäne und nicht nur das. Polemisch könnte man sogar behaupten, dass die Sexualbeziehung zwischen Frau und Mann an sich gar nichts anderes ist als Prostitution.

So schrieb bereits Anfang der 70er Jahre die unnachahmliche Esther Vilar:

„Die Frau kontrolliert ihren Sex, weil sie für Sex all das bekommt, was ihr noch wichtiger ist als Sex.“

und

„Für eine Frau gibt es wichtigere Dinge als einen Orgasmus, zum Beispiel den Kauf von einem Paar auberginefarbenen Lackstiefelchen.“

Ausführlicher wird die Beziehung Sex und Geld in heterosexuellen Beziehungen von Arne Hoffmann in seinem epochalen Werk „Sind Frauen bessere Menschen?“ beschrieben:

Angenommen, beide sind noch Single, wollen einander kennen lernen und gehen zusammen aus. Beide haben ihren Spaß, aber natürlich ist es seine Aufgabe, die Finanzierung des Abends zu gestalten – je teurer das Restaurant, desto häufiger zahlt der Mann. Man nennt das „romantisch“ oder „Kavaliersverhalten“. „Würde ein Mann bei unserer ersten Verabredung von mir erwarten, dass wir die Rechnung teilen, würde ich kein zweites Mal mit ihm ausgehen“, ist ein oft gehörtes Statement, wie die Paarpsychologin, Susan Jeffkers bestätigt. Für einen gemeinsamen Kinobesuch mit Benzinkosten (klar, dass er sie abholt), Abendessen und ein paar Drinks können dann locker 150,- DM zusammenkommen. Mit anderen Worten: Der Mann darf, je nach Einkommenshöhe, schon einmal ein Viertel seines Wocheneinkommens dafür aufwenden, dass sie sich überhaupt mit ihm abgibt. Wenn eine Frau sich atemberaubend fortschrittlich dünkt, dann ist sie schon einmal bereit, die Hälfte zu übernehmen – ihre Hälfte. Mehr nicht.“[1] […]

Das angeblich so romantische Geschlecht scheint sich für den Marktwert von Zärtlichkeiten durchaus zu interessieren. Natürlich bleibt das nicht unbemerkt. So stellte die amerikanische Sexualforscherin Shere Hite für eine ihrer Studien Männern die folgende Frage: „Hatten Sie je Geschlechtsverkehr mit einer Prostituierten? Was empfanden Sie dabei, für Sex zu bezahlen? Die Antworten brachten eine, wie Hite es nennt, „überraschende Meinung zutage, was die Beziehung zwischen Mann und Frau anbetrifft: Die häufigste Reaktion war: ‚Man zahlt doch sowieso immer.““[2]

So gesehen, gibt es zwischen Heterosexualität und Prostitution also eine Symbiose, die weitaus offenkundiger ist und faktenreicher begründet werden kann, als es bei der Homosexualität der Fall ist. Wobei ich das nicht wertend verstanden wissen möchte. Denn prinzipiell ist Prostitution nichts schlimmes, und eben nicht mehr als ein simples Tauschgeschäft. Allerdings muss man zugeben, dass in heterosexuellen Beziehungen die Frauen dabei weitaus besser wegkommen. Denn, so Arne Hoffmann:

Das Verrückte an diesem Geschäft ist, dass die Frauen dabei beides bekommen. Den Lohn der [männlichen] Arbeit und den Sex.[3]

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[1] Zitiert nach, Arne Hoffmann „Sind Frauen bessere Menschen“, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH, Berlin 2001, Seite 393 ff

[2] Zitiert nach, ebenda, Seite 395 ff

[3] Zitiert nach, ebenda, Seite 397

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2 Gedanken zu “Heterosexualität und Prostitution

  1. „Die Frau kontrolliert ihren Sex, weil sie für Sex all das bekommt, was ihr noch wichtiger ist als Sex.“

    Was anscheinend problemlos möglich ist, da kein oder kaum ein Trieb vorhanden ist.

    „Für eine Frau gibt es wichtigere Dinge als einen Orgasmus, zum Beispiel den Kauf von einem Paar auberginefarbenen Lackstiefelchen.“

    Spricht nicht für die Intensität des weiblichen Orgasmus.

    Gefällt mir

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