Ist Oralsex vegan?

Den CSD braucht niemand mehr. Die Stadt Freiburg im Breisgau beweist das einmal mehr aufs Deutlichste:

Der Freiburger CSD bietet an diesem Wochenende nur veganes Essen an, gaben die Organisatoren kürzlich auf ihrer Facebook-Seite bekannt. „Alle angebotenen Speisen und Getränke sind ohne tierische Inhaltsstoffe“, heißt es. […]

„Weil wir Herrschaft grundsätzlich ablehnen, bekämpfen wir auch die Unterdrückung bzw. Ausbeutung von Tieren. Einen veganen CSD sehen wir hierfür als Mindestbeitrag und als politisches Statement.“

Vor einem Jahr war Veganismus noch kein Mindestbeitrag um für die Rechte von LGBTI zu kämpfen. Doch da der CSD nunmehr nicht mehr ist als eine Party und die gängigen politische Themen fade werden, versucht man eben, neue politische Quellen anzuzapfen.

Freiheit hieß einmal, dass jeder Mensch so leben darf wie er möchte, ohne anderen zu schaden. Es hieß Toleranz gegenüber anderen Meinungen und Lebensweisen. Wer seine Wurst essen will durfte dies tun, wer lieber an einem Sellerie kauen wollte, konnte dies gleichermaßen. Jetzt aber soll die richtige Gesinnung vorgeschrieben werden. Was die Veranstalter des CSD natürlich bestreiten, denn wenn auf einer Veranstaltung, bei der es nicht mal um Veganismus geht, alle vegan essen müssen, dann ist das keine Einschränkung individueller Freiheit, sondern was ganz anderes:

Leiden müsse aber niemand: Die Catering-Firma biete leckere „Fritten, Falaffel bis hin zum veganen Döner“. Weiter heißt es, dass die vegane Ernährung nicht ausgrenze, „weil auch Fleischesser*innen und Vegetarier*innen vegan essen können und umgekehrt nicht“.

Wieso umgekehrt nicht? Natürlich können Veganer auch Fleisch und vegetarisch essen, sie wollen bloß nicht. Und das ist ihr gutes Recht. So wie es das gute Recht der Fleischesser und Vegetarier ist, nicht vegan essen zu möchten, und statt Fritt*innen, Falaffel*innen und Döner*innen lieber oder zusätzlich Fleisch*innen und Wurst*innen zu wollen. Warum wird hier nur eine Seite berücksichtigt?

Tierrechte sind der neuste Coup einer übersättigten, egalitären Zivilisation, die vor lauter Langeweile und Wohlstandsmief immer neue Anlässe sucht, sich zu „engagieren“, sich zu empören und sich moralisch über andere zu erheben. Wenn Lesben und Schwule in Freiburg mit Veganismus auf einem CSD hausieren gehen, darf man sie beglückwünschen: Sie haben offiziell eingestanden, keinerlei gesellschaftlichen Probleme mehr mit ihrer Homosexualität zu haben.

Und das ist doch zumindest eine gute Nachricht.

Advertisements

13 Gedanken zu “Ist Oralsex vegan?

  1. Ich habe ein wenig mit mir gerungen, ob ich eine Diskussion in dieser Richtung anstoßen will. Werde es jetzt einfach tun.

    „Tierrechte sind der neuste Coup einer übersättigten, egalitären Zivilisation, die vor lauter Langeweile und Wohlstandsmief immer neue Anlässe sucht, sich zu “engagieren”, sich zu empören und sich moralisch über andere zu erheben.“
    Das kann man über jede Bewegung sagen, welche sich vornimmt oder vorgenommen hat, die Welt zu verbessern. Man könnte das über die Schwulenbewegung sagen, über die Frauenbewegung und auch über die Bewegung, die sich für die Rechte von Schwarzen eingesetzt hat. Alle konnten erst stattfinden,als keine anderen Probleme mehr im Weg standen (dein angesprochenes „Übersättigt-sein“) und alle boten Gelegenheit, sich zu empören und sich moralisch auf ein Potest zu stellen. Der Unterschied zum Veganismus und diesen Bewegungen ist der, dass mittlerweile die meisten Menschen glauben, dass Frauen und Schwarze gleiche Rechte vedienen und das wird hoffentlich auch bald bei den Homosexuellen der Fall sein. Allerdings glaubt erst eine Minderheit, dass Tiere Rechte verdienen.

    „Freiheit hieß einmal, dass jeder Mensch so leben darf wie er möchte, ohne anderen [Menschen] zu schaden.“
    Das stimmt und das heißt es auch noch heute. Deswegen darf man auch keine Wurst aus Menschenfleisch essen. Die Frage die man sich aber mal stellen muss und die hat es schon in sich, ist: Haben Tiere tatsächlich nicht die gleichen Rechte verdient wie Menschen?

    Gefällt mir

    • „Haben Tiere tatsächlich nicht die gleichen Rechte verdient wie Menschen?“

      Welche Rechte denn? Das Wahlrecht? Das Recht auf Nahrung? Auf Wohnung? Auf Meinung und Gewissenfreiheit? Das Recht auf Freiheit, Leben und körperliche Unversehrtheit?

      Erzähl mal der Hyäne, dass ein Gnu Rechte hat.

      Tierrechte sind nicht einfach nur eine Erweiterung von Rechte für Menschen. Sie werfen fundamentale rechtsphilosophische und ethische Schwierigkeiten auf, die letzlich unüberwindbar sind:
      Wie sollen Tiere Rechte artikulieren und einfordern? Möchtest Du für das Gnu das Recht auf Leben einfordern? Und was ist mit der Hyäne? Hat die nicht auch ein Recht auf Leben? Wessen Recht auf Leben wiegt schwerer? Wieso darf eine Hyäne Fleisch essen und seine Beute qualvoll töten und Menschen nicht? Oder dürfen Hyänen das auch nicht? Und wenn ja, wer bringt es ihnen bei, dass sie es nicht dürfen? Welche Tiere sollen Rechte haben? Die Hyäne? Das Haushuhn? Die Wanderratte? Der Schweinefinnenbandwurm? Die Kopflaus?

      Gefällt 1 Person

      • Ein Fisch benötigt natürlich kein Bedingungsloses Grundeinkommen, aber er braucht ein sauberers Gewässer und den Platz sich frei bewegen zu können. Und kein anderes Tier neben dem Menschen verschmutzt Gewässer oder sperrt Tiere ein.
        Bei Tierrechten geht es zunächst einmal um das Recht von Tieren gegenüber dem Menschen. Das ergibt auch Sinn, denn wie du schon sagst, versteht eine Hyäne das Konzept von Ethik wahrscheinlich eher nicht.
        Aber du hast Recht, natürlich kann man sagen, dass es unethisch ist, Hyänen weiter Gnus töten zu lassen. Und das wird auch gemacht. Es gibt den Ansatz auch die Natur komplett von Gewalt zu befreien. Vielleicht mit Genetik oder Nanotechnologie, spielt eigentlich keine Rolle. Man verändert die Umwelt, damit kein Tier mehr leiden muss.
        Als nächstes sind dann natürlich die Pflanzen dran. Ich bin überzeugt, dass ab einem gewissen technischen Fortschritt, keine Nahrungsaufnahme in dem Sinne mehr nötig ist, d.h auch Pflanzen müssen nicht mehr sterben. Wenn es bis dahin überhaupt noch etwas gibt, das man Pflanzen nennen kann.

        Aber das geht mir ein wenig zu weit in eine hypothetische Zukunft. Worauf ich hinaus will, ist, dass die aufgeworfenen ethischen Schwierigkeiten nur unüberwindbar sind, wenn man die Natur als unveränderliche Konstante betrachtet, was sie nicht ist.

        Und für den Anfang reicht es, wenn man sich selbst Gedanken macht, was man isst. Das hat man einer Hyäne vorraus, die hat keine Wahl über ihre Ernährung. Immer vorrausgesetzt natürlich man gesteht sich ein, dass jedes Tier leben darf.
        Das Raubtiere töten müssen ist Schade, aber man hat (noch) keinen Einfluss darauf, auf die eigene Ernährung schon.

        Gefällt mir

      • „Welche Rechte denn? Das Wahlrecht? Das Recht auf Nahrung? Auf Wohnung? Auf Meinung und Gewissenfreiheit? Das Recht auf Freiheit, Leben und körperliche Unversehrtheit?“

        Das Recht auf artgerechte Haltung unter Betreuung von Menschen und Schutz vor Misshandlung, selbst wenn es ums Schlachten geht, dass die nicht 30 Stunden ohne Unterbrechung und ohne Wasser durch Europa gekarrt werden, nicht ohne Betäubung kastriert werden uvm.

        Selbst z.b geistig „unterentwickelte“ Hühnervögel haben Gefühle, Interesse an der Umwelt, Bedürfnisse usw. Mir bereitet es Bauchschmerzen, die als Legehühner oder in Massenzuchtbetrieben zu halten.
        Und ich vermute mal, einem Huhn wäre es auch lieber, in der Natur zu leben, selbst wenn das Risiko besteht, von einem Marder gefressen zu werden.

        Sieh dir mal in einer ruhigen Minute den Film Earthlings an, Adrian.

        In Anbetracht dessen, wie sehr wir angewiesen sind auf Tiere (und Pflanzen) finde ich das Verhalten von uns oft sehr respektlos und wenig wertschätzend, wie auch überhaupt das Verhältnis zu Nahrungsmitteln.

        Gefällt mir

  2. Sehr schön geschrieben, danke!

    „Wieso umgekehrt nicht?“ „Warum wird hier nur eine Seite berücksichtigt?“

    Es ist ja genau andersrum als im Original behauptet. Wer bei seiner Pommes mit Ketchup die Currywurst wegläßt, isst vegan, ist vielleicht Veganer. Aber nur wer beim Schnitzel vom ausgrenzen faselt, kommt auf die Idee, daß anderen den Döner vorzuenthalten mehr Freiheit bedeutet. Und so verscherzt sich eine Bewegung für einen vielleicht tatsächlich besseren Ernährungsstil jedwede Sympathie.

    Herrschaftsfrei mit Fleischfrei gleichzusetzen ist nur eines: Hirnfrei.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s