Müllhalden stinken

Es ist gut drei Jahre her, dass ich das Forum „Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land“ als „Müllhalde der Männerrechtsbewegung“ bezeichnet habe. Seitdem ist innerhalb der maskulistischen Bewegung einiges geschehen. Die Anliegen von Männern werden mittlerweile – zumindest im Internet – verstärkt diskutiert und Kritik am Feminismus wird zunehmend salonfähig.

Die Müllhalde aber macht noch immer den gleichen Eindruck: ein riesiger Haufen voller Unrat, angefüllt mit Zorn und Hass auf alle, die anders sind als man selbst – und selbstredend schwulenfeindlich bis ins Mark. Der Gestank der Müllhalde hat sich dabei sogar noch verstärkt, denn mittlerweile werden die ersten Stimmen laut, welche die Strafbarkeit von Homosexualität und einen Genozid an Schwulen befürworten.

Zunächst konstatiert man, ganz klassisch, die Gefahr für Demokratie und Kinder, was es empfehlenswert erscheinen lässt, Homosexualität wieder strafbar zu machen:

WGVdL 2015 schwul 1

Wie aus dem gesamten Kommentar hervorgeht, ist der eigentliche Grund, warum „Steffen“ so ungehalten ist, aber weniger die Demokratie oder das Kindeswohl, sondern die Abneigung (und stille Faszination?) gegenüber „Kotstecherei“, also schwulem Sex. Eine reine Geschmacksfrage, also. Doch seit wann sind Geschmacksfragen eine Frage des Strafrechts?

Halten wie uns noch einmal praktisch vor Augen, was „Steffen“ verbieten will:

P538

Ich verstehe ja, dass das nicht jedermanns Sache ist und die meisten Männer Sex mit echten Frauen bevorzugen (anstatt sie nur als Magazin in der Hand zu halten – und bevor jemand fragt, nein, wir Homos halten beim Sex keine derartigen Magazine in der Hand).

Bitte schön, sollen Heteros doch ihren vaginalen Geschlechtsverkehr ausüben, mit all den Konsequenzen, die sich daraus ergeben! Ich möchte das nicht. Ich finde das eher langweilig. Aber propagiere ich deshalb die Strafbarkeit von Heterosexualität? Nein! Genausowenig wie mich meine Antipathie gegenüber Käse dazu veranlasst, Käse verbieten zu wollen. So ein großes Arschloch bin ich dann doch nicht.

Andere sind es dagegen schon:

WGVdL 2015 schwul 2

Da lacht der rechte Maskulist. Ein neues Killer-Aids-Virus zur Eliminierung der Schwulen. Ja, das bräuchte es! Warum? Darum! Man mag halt Schwule nicht. Mehr Grund braucht man nun wirklich nicht.

Und da fragen sich manche echt, warum die Männerrechtsbewegung immer noch so einen schweren Stand hat? Und warum Schwule, vor die Wahl gestellt, eher der Frauenbewegung hinterherlaufen?

Glücklicherweise versinkt die Müllhalde mehr und mehr in die Bedeutungslosigkeit. Seriöse Stimmen mehren sich und tragen die Aliegen von Männern selbstbewusst und auf der Grundlage von Ethik und Humanismus vor.

Die Müllhalde wird dagegen noch eine Weile weiter stinken. Bis sie irgendwann ihr natürliches Schicksal ereilen wird: Planierung und Einebnung. Und über den Rest wird dereinst eine Wiese wachsen auf der glückliche Männer sich in den Hintern penetrieren werden. Ohne Magazine mit Frauen drauf.

So wie es halt normal ist.

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34 Gedanken zu “Müllhalden stinken

  1. Steffens „Entweder-Oder“-Szenario ist irgendwie eine niedlich.
    Also nicht inhaltlich, da ist es natürlich eklig, aber ich meine, das daraus sprechende Selbstbild. Denn wer ist sein „wir“? Sind er und seine homohassenden Kumpels irgendeine geheime, gesetzgebende Instanz, von der ich noch nicht gehört habe?

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  2. Das diesel anti Kotstecherbewegung immer so auf die Kacke hauen muss… Total wiederlich…. Sind die eigentlich auch gegen Kotstechen bei Frauen?

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  3. Krass.
    Besonders Krass, dass das auch nicht eine Einzelmeinung ist, sondern da ein ganzes Rudel in die selbe Kerbe haut und sich gegenseitig in Schwulenhass zu überbieten versucht.
    Was geht die das an, was irgend welche zwei Menschen miteinander machen oder nicht machen?

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  4. Mein „Gefällt mir“ bezieht sich auf deine ätzende Kritik einer Abgrenzung zu Schwulen, die nicht nur Abneigung ausdrückt, sondern auch Vernichtungswillen. Insofern handelt es sich um eine Parallele zum Radikalfeminismus, der als radikal-konservativer Gynozentrismus alpha-Männer animiert, betas auszumerzen. Diese alphas sind wie Wachs in den Händen einer Frau. Der Widerspruch, dass das Kotstechen auch von sehr vielen Heteros praktiziert wird, fällt dann nicht mehr ins Gewicht.
    Sobald es betas an den Kragen gehen soll, sind zuerst die Schwulen dran und danach kommen die nächsten in der intrasexuellen Hierarchie. So lassen sich die betas leichter zu Kanonenfutter verarbeiten.
    Ansonsten hat das gelbe Forum et al. auch gute Gedanken zu bieten, zum Beispiel den, dass es sinnvoll ist, die Heteronormativität einer Gesellschaft zu unterstützen, damit alle eine Familie gründen können, wobei aber die reproduktiven Rechte neu austariert werden müssten. Das impliziert neben der Ablehnung der Homoehe auch die Verabschiedung des Konzepts alpha/beta.

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    • Ansonsten hat das gelbe Forum et al. auch gute Gedanken zu bieten, zum Beispiel den, dass es sinnvoll ist, die Heteronormativität einer Gesellschaft zu unterstützen, damit alle eine Familie gründen können,

      Kannst du etwas genauer ausführen, wie eine Schwächung von heteronormativem Druck es jemandem der eine Familie gründen will verunmöglicht das zu tun?

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      • Heteronormativität: Ausdruck für das Primat der Fortpflanzung. Wenn ich sage: Hetero soll alle anderen Beziehungsformen dominieren, dann meine ich: der Gedanke der Fortpflanzung soll die meisten Beziehungen dominieren. Möglichst viele Frauen und Männer sollen einen Familie gründen. Ich unterstütze den Fortpflanzungswillen. Ich will eine Umgebung, in der Männer Kinder haben und mit einer Partnerin eine Familie gründen wollen. Die aktuellen Beziehungen sind ein Spiegelbild der Ökonomie. Eine unendliche Vielfalt der Möglichkeiten und eine Bewertung nach ökonomischen Kriterien: alpha, beta, Status, Gewinn, etc. Genderismus ist eine 1:1 Umsetzung dieses Denkens in zwischenmenschliche Beziehungen: Beliebigkeit, Wählbarkeit, permanenter Wechsel, unbedingte Freiheit, etc. . Wieviel Männer und Frauen gibt es mittlerweile, die in diesem ökonomischen und geistigen Umfeld auf Famile und Kinder verzichten? Millionen? Besonders schlimm dran sind die männlichen „betas“, die zu klein, zu dick, zu arm, zu dumm, zu feige etc. sind. Wieviel sind das? 20% der Männer? Ehe war ursprünglich (noch vor der Pille und der Abschaffung des Schuldprinzips) Organisation der Reproduktion, d.h. es wurden Ressourcen verwaltet: Geld und Sex. Grundlegendes Prinzip: Monogamie. Vermeidung von Kuckuckskindern und Sicherung der Investitionskosten in die Familie. Jeder Mann, auch ein beta, konnte eine Frau finden. Ehe gewährleistet das alles nicht mehr. Die ursprüngliche Bedeutung ist weg und die Eheschließungen und Familiengründungen auf Talfahrt. Jetzt kommen Schwule und Lesben und wollen die Ehe hijacken, an einem Punkt, an dem sie nur noch ein Restglühen ausssendet. Schwule und Lesben sind nicht an Monogamie, Treue und Familiengründungen interessiert, sondern an der Hebung ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz. Ein absolut kurzsichtiger Gesichtspunkt. Korrekter wäre die Ausgestaltung der eingetragenen Partnerschaft. Schwule und Lesben spielen der Ökonomie und ihrer Eitelkeit in die Hände. Der Arbeitgeberverband hat das Betreuungsgeld scharf verurteilt. Er schei…auf die Familie von betas. Der Arbeitgeberpräsident selbst, ich vermute es, wird eine traditionelle Familie haben. Er ist alpha. Der Rest kann sehen, wie er klar kommt.

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        • Kurz gesagt. Du machst Homos für das von Dir konstatierte Versagen der Ökonomie und die Zögerlichkeit der Heteros verantwortlich, Familien zu gründen.
          Ich sehe immer noch nicht, wieso meine Ehe andere Männer daran hindern soll, eine Frau zu ehelichen und ihr Kinder zu machen.

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          • Eigentlich hatte ich auf das Nachtgewächs geantwortet. Ihr statement hätte mich schon interessiert. Nicht, dass deine Ansichten weniger spannend wären, aber ich kenne sie doch schon alle.

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          • Ist doch klar, Wenn ein normaler Hetero einen Schwulen anfasst, wird er selbst schwul! Hast du in der Schule nicht aufgepasst? Aber das passiert nur, wenn die Schwulen legal in einer Ehe leben können.

            Vielleicht sind Heteros auch einfach so geil auf die „Kotstecherei“, dass sie es einfach nciht mehr schaffen, ein Kind zu zeugen. Und natürlich werden sie durch die legale Ehe, so auf Analsex fixiert.

            Naja Scherz beiseite, von mir aus sollen alle machen, wozu sie Lust haben, so lange alle Beteiligten das wollen. Und da eine Ehe für den Staat finanziell von Vorteil ist, sollen die Leute heiraten wen sie wollen. Und auch die entsprechenden Vergünstigungen bekommen.

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          • @Adrian

            Ich halte meinerseits fest, dass es in Deutschland eine Ehe gibt, die nur Mann und Frau offen steht, welche die Reproduktionsrechte der Frau bevorzugt.

            Ich halte weiterhin fest, dass Deutschland die niedrigste Geburtenrate der Welt hat, somit niedriger ist als in Ländern, in denen die Ehe homosexuellen Paaren offensteht.

            Daraus folgere ich nicht, dass die exklusive Ehe nur für Heteropaare den Reproduktionswillen nicht steigert, sondern, dass ihre Ausgestaltung, die das Reproduktionsrecht des Mannes venachlässigt, den Reproduktionswillen verringert.

            Ich folgere also, dass eine weitere Schwächung des Reproduktionsrechts des Mannes, seinen Reproduktionswillen verringert. Die Homoehe schwächt das Reproduktionsrecht der Männer, weil sie die Bedeutung der Ehe mit einem Facebookstatus gleichsetzt und nicht als rechtlichen Rahmen versteht, der das Reproduktionsinteresse und -recht zwischen Männern und Frauen ausgleicht.

            Anstatt also die Ehe weiter in die Beliebigkeit absinken zu lassen, soll sie als Werkzeug aufgefasst werden, um die vorherrschende Macht der Frau im Widerstreit der Reproduktionsinteressen zu brechen. Die Ehe muss insofern einen geschichtlichen Bedeutungswandel durchmachen, der sie

            1. vom Versorgungsinstitut für die Frau und die Sicherung des Reproduktionsinteresses des Mannes durch Vermeidung von Kuckuckskindern und Wegnahme der Kinder seitens der Frau

            2. über die moderne Auffassung der abgemilderten Anspruchs der Versorgung der Frau, aber die Überbetonung des Reproduktionsinteresses der Frau

            3. hin zur postmodernen Auffassung führt, nämlich der völligen Aufgabe des Versorgungsgedankens für die Frau und Rücknahme der Überbetonung ihres Reproduktionsinteresses

            führt.

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          • Du bist also gegen die Homoehe, weil Heteros mit ihren Beziehungen nicht klar kommen?

            Fakt ist: solange Kinder nicht notwendiger oder hinreichender Bestandteil sind, damit eine Ehe legal ist;
            solange Kinder auch außerhalb von Ehen geboren werden und aufwachsen und das gesellschaftlich anerkannt ist;
            solange Sex von der Fortpflanzung entkoppelt ist;
            solange hast Du keinerlei Grundlage gleichgeschlechtlichen Paaren die Ehe zu verweigern, zumindest wenn Du von der Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz ausgehst.

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          • „Du bist also gegen die Homoehe, weil Heteros mit ihren Beziehungen nicht klar kommen?“

            Überspitzt könnte man das so sagen. Homesexuelle verwenden die Homoehe für ihr emanzipatives Interesse. Sie sind an der Reproduktion nicht interessiert. Das kann ich nachvollziehen.
            Heteros sind nicht in der Lage ihre Ehe-Institution zu verteidigen, indem sie sie auf ihre Kernfunktion zurückführen: Förderung und Ausgleich des Reproduktionsinteresses. Sie müssten konsequent alle Kinderlosen rausschmeissen (zu allererst Merkel). Dann würde die Ehe nicht auf die Heteronormativität als alleiniges Merkmal beschränkt und das Interesse der Homosexuellen an der Homoehe würde verschwinden.

            Solange die Heteros das nicht machen, zeigen sie ihr eigenes Desinteresse an der Reproduktion und überlassen es den Schwulen und Lesben den schleichenden Bedeutungsverlust der Ehe offiziell zu machen.

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        • Selbst wenn wir den Umstand außer acht lassen, dass es ziemlich menschenverachtend ist die individuellen sexuellen Präferenzen einer Gruppe, die weder für die gewandelte Einstellung zur Ehe, noch für die ökonomische Situation besonders verantwortlich ist, einem abstrakten Volkskörper unterordnen zu wollen – wäre es ineffizient uns Schwule und Lesben zu stigmatisieren. Auch wenn du das Rad zurückdrehen, und uns in heterosexuelle Scheinehen drängen könntest, würde ich davon keinen signifikanten Anstieg der Geburtenrate erwarten. Dazu sind wir mehrheitlich einfach zu wenig dazu motiviert mit dem anderen Geschlecht Sex zu haben.

          Wenn du schon zutiefst unethisch sein wolltest, dann solltest du, allein der Effizienz wegen, in Namen des Primats der Fortpflanzung, dein Augenmerk nicht auf uns wenige Schwule richten sondern auf die Bevölkerungsgruppe der Heterosexuellen. Die sind zum Einen wesentlich zahlreicher, und zum Anderen wesentlich stärker motiviert mit dem anderen Geschlecht Sex zu haben, was ja die Möglichkeit der sexuellen Fortpflanzung einschließt.

          Du solltest statt Schwule, die selbst verheiratet wahrscheinlich wenige Kinder produzieren, versuchen kinderlose Heteros beiderlei Geschlechts zu stigmatisieren und eventuell soziale Aufwertungen wie Ehrenmedaillen für kinderreiche Frauen einzuführen. Es gibt da durchaus historische Vorbilder. Google mal ‚Lebensborn‘, ‚Mutterkreuz‘ und ‚Hilfswerk Mutter und Kind‘ wenn du Inspiration dafür brauchst.

          So nun zum ernsthaften Teil:

          Was du unter dem Symbolgehalt der Ehe verstehst, ist deine persönliche Interpretation. Egal ob du die Ehe nun ganz romantisch und frei nach Khalil Gibran als das Zusammenkommen zweier göttlicher Funken, auf das ein Dritter entstehe, ganz völkisch als die Keimzelle des deutschen Volkes, oder ganz kirchlich als ein Zeugnis vor irgendeiner Gottheit zum Zusammenleben als Teil der Gemeinde siehst, ich will dir nicht hineinreden.

          Das Rechtsinstitut der Ehe, und um das geht es bei der Eheöffnung, hat sich nicht an deiner Interpretation, sondern an den Realitäten der Nutzung und der Gesetzeslage zu orientieren. Die tatsächliche Nutzung deckt sich nur sehr partiell mit den obigen Ideen. Bei der Gesetzeslage ist sogar die Bedingung der Verschiedengeschlechtlichkeit eher eine Sache der juristischen Präzedenz.

          Grundsätzlich: Um zu heiraten, braucht man die Ehefähigkeit. Dafür sollte man vor allem ehemündig und unverheiratet sein. Das Geschlecht oder die Zeugungsfähigkeit spielen keine Rolle. Männer können heiraten. Frauen können heiraten. Unfruchtbare können heiraten.

          Die Geschlechterkombination und die sexuelle Orientierung indirekt durch die (Un-)Fähigkeit, Kinder zu zeugen, spielen keine Rolle. Wenn ich eine Ehe eingehe, muss ich diesen Vertrag nicht durch einen Fruchtbarkeitstest oder durch die Zeugung von Kindern abschließen. Sie ist vorher schon vollständig vorhanden und gültig. Für den Vorgang ist es völlig irrelevant, ob dann noch Kinder folgen können.

          Weiterhin wirkt sich die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern nicht auf das Glück oder die Zeugungsfähigkeit von heterosexuellen Partnern aus. Auch die Anzahl der verfügbaren Ehemänner/Ehefrauen für Heiratswillige wird nicht signifikant durch gleichgeschlechtliche Ehen beeinflusst.

          Ausgehend davon ist es eine ungerechtfertigte Diskriminierung wenn gleichgeschlechtliche Paare keine Ehe eingehen können.

          Gegen die eingetragene Lebenspartnerschaft als abgegrenzte Sonderform gegenüber der Ehe sprechen weitere Argumente.

          1) Da der Gleichbehandlungsgrundsatz gebietet beide Formen in Rechten und Pflichten gleichzustellen, führt das zu zwei funktional identischen Sonderformen eines privatrechtlichen Vertrags. Das ist sehr unelegant.

          2) Durch die wahrgenommene Sonderstellung der heterosexuellen Partnerschaft, kommt es zu einer faktischen sozialen Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, die durch kein notwendiges Merkmal der Ehe gerechtfertigt werden kann.

          3) Artikel 6 GG. Die Ehe ist ein durch das Grundgesetz geschütztes Rechtsinstitut. Das heißt, dass eine mögliche zukünftige Regierung nicht mit einfacher Mehrheit wesentliche Merkmale der Partnerschaft zwischen Ehepartnern verändern kann. Gleichgeschlechtlichen Partner diesen Schutz zu verwehren, wäre, da wie oben erwähnt kein Merkmal der Ehe Verschiedengeschlechtlichkeit oder die Fähigkeit miteinander Kinder zu produzieren verlangt, eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung.

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        • @NSGewächs

          Ich hätte erwartet, dass du auf den wesentlichen Punkt in meiner Argumentation eingehst: Ehe als Organisation der Reproduktion. Sie versagt, weil die Reproduktionsrechte nicht gleichmäßig verteilt sind: immer weniger Eheschließungen, immer weniger Familien, immer weniger Kinder. Die Ehe schützt nicht Familie und Kinder, sie behindert sie.

          Deine Argumentation geht im Wesentlichen so: die Institution der Ehe fiel vom Himmel oder wurde, wie in der Bibel, durchs Wort erschaffen und im GG abgelegt. Dann ist es verständlich, dass du eine vergleichende Gewichtung des „Volkskörpers“ mit individuellen Interessen als Sakrileg betrachtest, weil diese Betrachtung außerindividuelle Kriterien einbindet. Als ob das GG eine Ansammlung von individuellen Rechten wäre, denen spiegelbildlich individuelle Pflichten gegenüberstünden. Die Perspektive geht auch aufs Ganze, den „Volkskörper“. Wenn du den Volkskörper (ein Ausdruck, den du wg. der Nazivergangenheit gewählt hast) ausblendest, weil diese Kategorie nach deiner Meinung menschenverachtend ist, dann musst du dich fragen lassen, ob es nicht auch menschenverachtend ist, alten Menschen ein menschenwürdiges Leben zu verweigern, weil nicht genug junge Menschen vorhanden sind, um sie zu versorgen.

          Du begehst die rhetorisch fragwürdige Handlung, das Endergebnis einer Argumentationskette, nämlich die Diskriminierung aufgrund deiner sexuellen Präferenz, als Totschlagargument gegen die Argumentationskette selbst zu gebrauchen. Es gibt überall Diskriminierungen, die durch Argumentationsketten abgesichert sind: Ein in Lohn und Brot stehender Arbeiter wird diskriminiert, weil er kein Anrecht auf Arbeitslosengeld erhält. Ein Kind wird diskriminiert, weil ihm der freie Zugang zu Alkohol verweigert wird. Du musst die Argumentationskette widerlegen, nicht nur das ungewollte Endergebnis ablehnen und dir dadurch die argumentative Arbeit ersparen.

          Neben der Widerlegung durch Empörung über das Ergebnis argumentierst du aber doch noch.

          Aus deinem richtigen Hinweis, dass die Homosexuellen die niedrige Geburtenrate (durch heterosexuelle Scheinehen) nicht heben können, folgerst du zwar nicht, dass Homoehen keine Bereicherung für die Ehe sind (wenn man sie unter reproduktivem Gesichtspunkt betrachtet). Aber sie seien auch kein Schaden, weil „sich die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern nicht auf das Glück oder die Zeugungsfähigkeit von heterosexuellen Partnern auswirkt.. und die Anzahl der verfügbaren Ehemänner/Ehefrauen nicht beinflusst wird.“

          Was die Zahl der verfügbaren Menschen betrifft, gebe ich dir recht. Dieses Argument hätte aber nur dann Sinn, wenn es als Argument gegen die Homoehe angeführt werden würde. Der andere Teil, der sich auf das Glück bezieht, ist, das musst du zugeben, nicht sehr überzeugend, weil erstens das Glück viel zu allgemein ist und zweitens kein Homogegner jemals das bedrohte Glück ins Feld führt. Hier wird eher von Symbolik und Bedeutung gesprochen, das Glück zur Folge haben könnte. Du müsstest also sagen: die Homoehe ändert nichts an der Symbolik der Ehe. Diese Aussage machst du nicht. Als letztes Argument führst du an, dass die biologische Zeugungsfähigkeit heterosexueller Menschen durch die Homoehe nicht beeinflusst wird. Auch dies wieder eine Argument, dass so von keinem Homoehe-Gegner angeführt wird. Meinst du das so: Heterosexuelle Menschen haben noch genauso Lust miteinander zu schlafen, auch wenn es Homoehen gibt? Wenn du das meinst, dann würdest du unterstellen, dass das Versagen der Ehe, die Reproduktion zu organisieren, daran liegt, dass die Menschen nicht mehr miteinander schlafen. Weil dies aber nicht die Schuld der Homoehe sei, könne man sie ruhig einführen. Dieser kindliche Gedanke ist wiederum bei keinem Homoehe-Gegner zu finden. Ich als Homoehe-Gegner glaube nicht, dass die abnehmende Zahl der Familien in der abnehmenden biologischen Zeugungsfähigkeit der Heterosexuellen begründet ist, sondern an der ungleichen Verteilung der Reproduktionsrechte zwischen Mann und Frau, was nur durch eine vermehrte Verpflichtung und Einschränkung von Frauen zu überwinden wäre, was wiederum nicht möglich ist, weil der Zeitgeist auf gender getrimmt ist, der die totale Entgrenzung des Weiblichen propagiert und der durch die Homoehe in dieser Entwicklung noch bestärkt wird. Die Homosexuellen sind nicht an einer gerechten Verteilung der Reproduktionsrechte und –pflichten interessiert, sondern im Gegenteil, an einer weiteren Aufweichung des Eheinstituts, weil sie den Reproduktionsgedanken aus der Ehe noch weiter entfernen werden, als er es jetzt schon ist.

          Aus meiner Sicht argumentierst du mit einem Strohmann, ähnlich wie Adrian.

          Dort, wo du auf meine Argumentationslinie eingehst, machst du es hämisch: „Es gibt da durchaus historische Vorbilder. Google mal ‘Lebensborn’, ‘Mutterkreuz’ und ‘Hilfswerk Mutter und Kind’ wenn du Inspiration dafür brauchst.“ Interessanter Weise hast du hier nur die Mutter, die Frau im Blick, welche gefördert, gelobt und verhätschelt werden soll, um den Geburtenverfall zu stoppen. Du bewegst dich in überholten Klischees. Dieses Klischee verbindest du mit der Ehe und daran willst du partizipieren. Warum nimmst du nicht einmal einen männlichen Blick ein und beurteilst die Sachlage? Das wäre progressiv.

          Aber du bietest auch andere Motiviationen im spöttischen Ton : Romantik, Zusammenkommen zweier göttlicher Funken, Keimzelle des deutschen Volkes, Zeugnis vor irgendeiner Gottheit.

          Du möchtest damit deinen Realitätssinn unter Beweis stellen, der keiner überflüssigen Symbolik oder eines Reproduktionsinteresses bedarf, um eine Ehe zu schließen. Deine Motivation für die Homoehe müsstest du allerdings näher herausstellen, wenn sie nicht in der Familiengründung, Romantik, Bund für das Leben begründet liegen soll. Schauen wir also auf das Wesen der Ehe, das du als Grund für die Eheschließung betrachtest:

          a.“Realitäten der Nutzung“.
          Du gehst eine Ehe ein im Sinne eines Wiederholungszwanges, als gesellschaftliche Tradition?

          b.“die Ehe ist an der Gesetzeslage orientiert.
          Du findest dein Glück, wenn es in einem gesetzlichen Korsett eingebunden ist?

          c. „Ehefähigkeit, Ehemündigkeit und Unverheiratet.“
          Die reine Möglichkeit treibt dich zu heiraten?

          d. Zeugungsunfähigkeit und Unfruchtbarkeit.
          Sind das gute Gründe, um zu heiraten?

          e. Eleganz des Rechts.
          Erlebst du in der elganten Rechtsgestaltung der Ehe einen Grund, um zu heiraten?

          f. Kinderlosigkeit.
          Ist ein Grund für das Bund des Lebens?

          Du siehst: bestehende Symbolik, Fortpflanzung, Familie, Beständigkeit etc., die eine Ehe motivieren könnten, verhöhnst du. Wenn man nachschaut, welche Motive du selbst anführst, um eine Ehe einzugehen, findet sich ausser Formalien nichts. Nada. Hohl. Absolute Leere. Das Einzige was du hast, ist deine gefühlte Diskriminierung, die dir die Ehe begehrenswert macht. Ansonsten verachtest du die Eheinstitution und deine gespielte Begeisterung für die Ehe entlarvt sich als Eitelkeit.

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          • Die Ehe war noch NIE die Grundlage für die Reproduktion.
            Natürlich bot sie früher die finanzielle Absicherung der Frau, während und nach der Schwangerschaft, sowie die „staatliche/gesellschaftliche Erlaubnis zum Sex“. Aber es ist eben genau das: ein Legalmachen und Absichern.

            Kinder wollte man deswegen nicht. Oder meinst du ernsthaft, einen Tag vor der Ehe sagt die Frau: „Ich will NIEMALS Kinder!!!11elf“ und einen Tag später sagt sie dann: „Oh ich will unbedingt sofort, jetzt, auf der Stelle Kinder, denn ich bin verheiratet.“
            Es mag sein, dass der Kinderwunsch auf Grund der erhöhten finanziellen Sicherheit, nach der Eheschließung ausgelebt wird. Oder aber dass die Ehe gezielt geschlossen wird, nach dem man schwanger wurde, um gezielt diese sicherheit herzustellen. Ich glaube aber, dass das heutzutage immer seltener wird.

            Und das gesellschaftliche Problem, dass die Leute zu wenig Kinder bekommen (und vor allem nicht die mit den guten Jobs und der guten Bildung) wird man meiner Meinung nach nicht dadurch lösen, in dem man die Ehe total wertvoll macht, und alle ausschließt die sich nciht reproduzieren können.
            (Im übrigen können natürlich, beim heutigen Stand der Technik, auch Homosexuelle problemlos Kinder kriegen/adoptieren. Demnach müssten weibliche Homosexuelle also schonmal auf jeden Fall heiraten dürfen. Theoretisch kann so ein „Lesbenpärchen“ sogar doppelt so schnell Kinder „produzieren“)

            Viel mehr muss man der Gesellschaft vermitteln, dass Kinder das Leben bereichern, und nicht die Karrierechancen zerstören.
            Das heißt es muss total unproblematisch sein, weiterzuarbeiten wenn man will. Aber genauso auch zu Hause zu bleiben.Und zwar für beide Elternteile.

            „a.”Realitäten der Nutzung”.
            Du gehst eine Ehe ein im Sinne eines Wiederholungszwanges, als gesellschaftliche Tradition?“
            Die meisten Menschen sehen ihre Ehe als Bestätigung ihrer Liebe und als deren öffentliches Bekanntmachen(Vielleicht wird sie in Zukunft durch den Facebookstatus aufgehoben?)

            „b.”die Ehe ist an der Gesetzeslage orientiert.
            Du findest dein Glück, wenn es in einem gesetzlichen Korsett eingebunden ist?“
            Man wird zumindestens nicht unglücklich, weil man etwas nicht darf/bekommt, was andere problemlos dürfen/bekommen.

            „c. “Ehefähigkeit, Ehemündigkeit und Unverheiratet.”
            Die reine Möglichkeit treibt dich zu heiraten?“
            Siehe a)
            Und nein, es treibt einen nicht zum heiraten. es verhindert es nur nicht

            „d. Zeugungsunfähigkeit und Unfruchtbarkeit.
            Sind das gute Gründe, um zu heiraten?“
            Das bezieht sich doch nur auf deine Argumentation. Laut der Aussage von „Nachtschattengewächs“ ist es eben keine Bedingung. Und sie spielen bei einer Eheschließung auch nur ganz selten eine Rolle. Und dann nur in der Form, dass sich die Parnter absichern wollen ( der Mann, bekommt sofort das geteilte Sorgerecht und die anerkannte Vaterschaft (ja das ist ein guter Grund zum Heiraten, aber sicher nciht allzuoft der Fall))

            „e. Eleganz des Rechts.
            Erlebst du in der elganten Rechtsgestaltung der Ehe einen Grund, um zu heiraten?“
            Eleganz des Rechts ist in meinen augen Blödsinn. Recht war noch nie „elegant“ sondern schon immer klein-klein.

            „f. Kinderlosigkeit.
            Ist ein Grund für das Bund des Lebens?“
            siehe a)

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          • @ Irenicus

            Ich halte deine Argumentation, die sich für Steigerung des Reproduktionswillens nicht interessiert, fest:

            1. Die Ehe war noch NIE die Grundlage für die Reproduktion.
            2. Deswegen bewirkt die Ehe keine Kinder
            3. Schwesigs Vorschlag Kinder 24 Stunden in Einrichtungen zu betreuen. befördert den Kinderwunsch (entgegen aller Empirie).
            4. Ehe ist eine Bestätigung der Liebe, kann aber auch durch den Facebookstatus ersetzt werden

            Also: Homosexuelle sollen heiraten, weil dies mit Kindern nichts zu tun hat, sondern nur die Sichtbarmachung ihrer Liebe ist. Soweit Kinder in diesem Zusammenhang vorkommen, sind sie in staatliche Einrichtungen abzugeben.

            Beindruckend.

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          • Ich halte meinerseits fest, dass es in Deutschland eine Ehe gibt, die nur Mann und Frau offen steht.

            Ich halte weiterhin fest, dass Deutschland eine der niedrigsten Geburtenraten der westlichen Welt hat, niedriger gar als in Ländern, in denen die Ehe homosexuellen Paaren offensteht.

            Daraus folge ich, dass die exklusive Ehe nur für Heteropaare den Reproduktionswillen nicht steigert.

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          • Deine Argumentation geht im Wesentlichen so: die Institution der Ehe fiel vom Himmel oder wurde, wie in der Bibel, durchs Wort erschaffen und im GG abgelegt.

            Ich habe die Geschichte der Ehe und ihre mögliche ursprüngliche gesellschaftliche Funktion deshalb nicht erwähnt, weil sie für die Diskussion keine Rolle spielt. Wenn wir die gesellschaftliche Funktion der Ehe in Hinblick auf die Frage der Eheöffnung betrachten wollen, dann ist es nicht interessant, was die Funktion der polygynen Ehe vor 1000 Jahren im Nahen Osten, der polyandrischen Ehe vor 100 Jahren in Tibet oder der monogamen Ehe vor 50 Jahren in Deutschland war, sondern wie sie aktuell genutzt wird. Und da spielt die Ehe als Grundlage der Reproduktion, angesichts der Anzahl kinderloser Paare und alleinerziehender Elternteile offensichtlich nur eine nachgeordnete Rolle. Der Fokus scheint mir eher auf der Funktion der Ehe als Unterstützungsgemeinschaft innerhalb der Kommune und eventuell als Instrument der postmortalen Vermögensdisposition zu sein.

            Die niedrige Geburtenrate in Deutschland als Funktion ungleich verteilter reproduktiver Rechte anzusehen, ist eine mögliche Interpretation. Die meisten die ich darüber schimpfen sehe, schieben es aber auf Individualismus und verschobene Wertvorstellungen. Hauptsächlich darauf, dass individuelle Entfaltung einen höheren Stellenwert bekommen hat.

            Dann ist es verständlich, dass du eine vergleichende Gewichtung des “Volkskörpers” mit individuellen Interessen als Sakrileg betrachtest, weil diese Betrachtung außerindividuelle Kriterien einbindet. Als ob das GG eine Ansammlung von individuellen Rechten wäre, denen spiegelbildlich individuelle Pflichten gegenüberstünden.

            Auch nicht. Es ist zwar richtig, dass ich keine Verpflichtung meinerseits dem deutschen Volk gegenüber anerkenne, aber das Staatsgebilde BRD hat durchaus Ansprüche an mich die ich anerkenne und die ich auch nach bestem Wissen und Gewissen erfülle. Zum Beispiel indem ich ordentlich meine Steuern zahle. Es gibt aber einige Dinge auf die auch die BRD keinen Anspruch hat. Dazu gehört unter Anderem meine sexuelle Selbstbestimmung. Die läuft unter Menschenrechte und ich könnte sie nicht einmal willentlich aufgeben wenn ich die Absicht hätte. Dazu gehört auch meine Zeugungsfähigkeit. Die BRD hat keinen Anspruch darauf, dass ich Kinder zeuge. Und eventuelle Kinder von mir wären, selbst wenn sie die letzten zeugungsfähigen/gebärfähigen Deutschen wären, mit Erreichen der Volljährigkeit eigenständige Rechtssubjekte, und wenn sie z.B. beschlössen ihre Arbeitskraft doch lieber der VR China zur Verfügung zu stellen und ihre Kinder dort aufzuziehen, dann wäre das zu akzeptieren. Es gibt keinen Anspruch des Volkes oder des Staates auf Kinder.

            Du begehst die rhetorisch fragwürdige Handlung, das Endergebnis einer Argumentationskette, nämlich die Diskriminierung aufgrund deiner sexuellen Präferenz, als Totschlagargument gegen die Argumentationskette selbst zu gebrauchen. Es gibt überall Diskriminierungen, die durch Argumentationsketten abgesichert sind: Ein in Lohn und Brot stehender Arbeiter wird diskriminiert, weil er kein Anrecht auf Arbeitslosengeld erhält. Ein Kind wird diskriminiert, weil ihm der freie Zugang zu Alkohol verweigert wird.

            Es ist wahrscheinlich hilfreich hier die Begriffe der gerechtfertigten und ungerechtfertigten Diskriminierung zu definieren. Tatsächlich diskriminieren wir, wie du richtig anführst von Gesetzes wegen in vielfältiger Weise. Zum Beispiel hat jeder Deutsche Vertragsfreiheit. Nichtsdestoweniger diskriminieren wir gegen Kinder und schwer Demente, indem wir deren Vertragsfreiheit einschränken. Wir tun das , weil mindestens eines ihrer Merkmale, die Unreife oder die mangelnde geistige Kapazität einer sinnvollen Nutzung der Vertragsfreiheit entgegenstehen. Ebenso ist es ein Merkmal des von dir angeführten in Lohn und Brot stehenden Arbeiters Arbeit zu haben. Das steht der notwendigen Bedingung für den Bezug von Arbeitslosenunterstützung, nämlich arbeitslos zu sein, entgegen. Wir haben es bei der Einschränkung der Vertragsfreiheit und der Verweigerung der Arbeitslosenunterstützung mit gerechtfertigten Diskriminierungen zu tun.

            Es wäre etwas Anderes, wenn wir die Vertragsfreiheit von Rothaarigen, Linkshändern, Leuten mit Heterochromie, Schwulen oder Rechts-Konservativen einschränken würden. Keines dieser Merkmale steht der sinnvollen Nutzung der Vertragsfreiheit im Wege. Nicht einmal bei Rechts-Konservativen. Sie trotzdem einzuschränken wäre eine ungerechtfertigte Diskriminierung. Warum kein Merkmal das Schwule/Lesben von Heterosexuellen unterscheidet dem Eingehen einer Ehe entgegensteht, habe ich eingehend erläutert. Daraus ergibt sich zwangsläufig dass eine Verweigerung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare eine ungerechtfertigte Diskriminierung ist.

            Ich als Homoehe-Gegner glaube nicht, dass die abnehmende Zahl der Familien in der abnehmenden biologischen Zeugungsfähigkeit der Heterosexuellen begründet ist, sondern an der ungleichen Verteilung der Reproduktionsrechte zwischen Mann und Frau, was nur durch eine vermehrte Verpflichtung und Einschränkung von Frauen zu überwinden wäre,

            Mir erschließt sich ehrlich gesagt nicht ganz, wie die reproduktive Selbstbestimmung von Frauen die Geburtenrate stark senkt. Wenn ich raten müsste, dann würde ich folgende Argumentation annehmen: Da die Mehrheit der geborenen Kinder nicht zu dem Zeitpunkt an dem sie geboren wurden geplant waren, reduzieren die einfache Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln und die Möglichkeit der legalen Abtriebung die Anzahl der Kinder, die vielleicht aufgezogen worden wären, und dadurch zum Bevölkerungswachstum beigetragen hätten. Abgesehen davon, dass Länder mit weniger günstigen Bestimmungen eine erhebliche Quote von illegalen Abtreibungen haben, die oft auch die Gebärfähigkeit der Frau in Mitleidenschaft ziehen, habe ich allerdings mit Abtreibung und Verhütung kein Problem. Als Naturalist komme ich nicht umhin festzustellen, dass nach gegenwärtigem Kenntnisstand, der Lieferant des Steaks dass ich gestern gegessen habe, zu Lebzeiten über eine erheblich höhere Empfindungsfähigkeit, und eine erheblich höhere Fähigkeit zum zielgerichteten Handeln verfügt hat, als ein Embryo in der 20-ten Schwangerschaftswoche. Ich stelle hier tatsächlich das Selbstbestimmungsrecht der Frau höher als das Lebensrecht des Embryos in diesem Stadium. Einen berechtigten Anspruch des Staates auf Kinder, der dem entgegenstehen könnte, erkenne ich, wie oben gesagt, nicht.

            was wiederum nicht möglich ist, weil der Zeitgeist auf gender getrimmt ist, der die totale Entgrenzung des Weiblichen propagiert und der durch die Homoehe in dieser Entwicklung noch bestärkt wird. Die Homosexuellen sind nicht an einer gerechten Verteilung der Reproduktionsrechte und –pflichten interessiert, sondern im Gegenteil, an einer weiteren Aufweichung des Eheinstituts, weil sie den Reproduktionsgedanken aus der Ehe noch weiter entfernen werden, als er es jetzt schon ist.

            Von daher erkenne ich auch in der Ehe keine Reproduktionspflicht, was ja auch dem gegenwärtigen Rechtsbrauch widerspräche. Es ist korrekt, dass die Ehe unter anderem als eine stabile Struktur zur Aufzucht von Nachwuchs verstanden wird, aber sie begrifflich darauf zu reduzieren, halte ich für unzulässig.

            Am Rande: Es wäre lieb wenn du anstatt ‚Gender‘ , in diesem Kontext der Bezeichnung für das soziale Geschlecht, konkret benennen würdest was du eigentlich meinst, also z.B. Gender-Mainstreaming als politisches Programm, Queer-Theorie als sozialphilosophische Betrachtungsweise oder Feminismus also politische Bewegung. Das Herumwerfen der Begriffe ‚GENDER!!!!!‘ oder Gender-Ideologie als beliebig mit neophoben Ängsten ausfüllbaren Kampfbegriffe ist nicht wirklich hilfreich.

            Dort, wo du auf meine Argumentationslinie eingehst, machst du es hämisch:

            Ich bin dabei auf das von dir verlangte ‚Primat der Fortpflanzung‘ eingegangen. Wenn du tatsächlich der Fortpflanzung ein generelles Primat über andere Punkte wie sexuelle Selbstbestimmung, Reisefreiheit, Freiheit der Partnerwahl, etc. einräumst. Dann ist die Lebensborn-philosophiue eine konseqeunte Fortführung des Gedankens. Es wäre dann aber zu überlegen, ob in Anbetracht der momentanen Wohlstandsverteilung ein polygames Modell in dem eine begrenzte Menge wohlhabender Alphas Harems von Frauen begattet, nicht effektiver für die Kinderproduktion und -aufzucht wäre. Das birgt allerdings die Gefahr sozialer Unruhen durch die weniger gut Situierten.

            Interessanter Weise hast du hier nur die Mutter, die Frau im Blick, welche gefördert, gelobt und verhätschelt werden soll, um den Geburtenverfall zu stoppen.

            Ich habe meine Zweifel daran, dass viele Frauen es als Förderung oder Verhätschelung ansehen würden, wenn man sie durch sozialen Druck in das Leben von glorifizierten Zuchtstuten treiben wollte. Partizipieren will ich an so etwas sicher nicht. Wenn so etwas wieder kommt, wandere ich aus. Wahrscheinlich hätte ich -Tags darum setzen sollen, aber ich nahm an dass Verweis auf nationalsozialistische Ideologie auf einem Schwulenblog und meine Formulierungen die Absicht hinreichend deutlich transportieren.

            Du möchtest damit deinen Realitätssinn unter Beweis stellen, der keiner überflüssigen Symbolik oder eines Reproduktionsinteresses bedarf, um eine Ehe zu schließen. Deine Motivation für die Homoehe müsstest du allerdings näher herausstellen, wenn sie nicht in der Familiengründung, Romantik, Bund für das Leben begründet liegen soll.

            Nicht ganz. Ich wollte damit deutlich machen, dass all diese Betrachtungsweisen für die Fragestellung ob die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet werden soll nicht relevant sind. Ebenso wenig relevant ist meine persönliche Motivation dafür heiraten können zu wollen. Ich habe argumentiert warum es ungerechtfertigt ist, die Ehe gleichgeschlechtlichen Paaren zu verweigern, nicht Gründe gesucht warum jemand heiraten sollte.

            Wenn meine persönliche Motivation für dich wichtig ist:

            Ich denke es würde mich befriedigen vom Home-Office aus halbtags zu arbeiten, und mit meinem Mann zusammen ein oder zwei Adoptiv- oder Pflegekinder aufzuziehen. Mit ihnen zu spielen, ihnen bei ihren Problemchen zu helfen, ihre Schulaufgaben mit ihnen zu machen und irgendwann zu sehen, wie sie ihren eigenen Weg machen. Ich denke, ich könnte sogar ein paar Jahre glücklich damit sein, nebenher den größten Teil des Haushalts zu führen, meinem Mann abends ein warmes Essen auf den Tisch zu stellen, und mir seine Probleme anzuhören. Und ich wäre zuversichtlich dass ich nicht sonderlich darunter leiden würde bis die Kinder aus dem Haus sind. Das hat sich bisher nicht ergeben, und vielleicht wird es das nie, aber ich möchte diese Möglichkeit auch für Andere haben, die vielleicht ihre Familie ganz anders gestalten würden.

            Es klingt auch ziemlich traditionell, und ich glaube nicht dass ich damit weit von der Motivation der meisten Heten entfernt bin. Zumindest hat mir noch keiner und keine gesagt, sie wollen jetzt zum Wohle des deutschen Volkes heiraten und Kinder produzieren.

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  5. > da eine Ehe für den Staat finanziell von Vorteil ist, sollen die Leute heiraten wen sie wollen. <

    Das müsstest du mit aber erst mal erläutern. In der *kinderlosen* Ehe sehe ich für den Staat überhaupt keinen Vorteil, er ist für ihn wg. gewährter Steuervorteile heute sogar ein Verlustgeschäft. Und die wurden einfach aus der ursprüngliche Form der Ehe, übernommen die es aber nicht mehr gibt.

    Die Ehe, wie sie einmal war, hieß: Zwei, Mann und Frau, bilden eine *Lebens*gemeinschaft. Als es keine Verhütungspille für die Frau gab war es so, dass ein Teil, nämlich die Frau, immer mal wieder für 9 Monate ausfiel. Und danach gab es kleine Knäuel, die darauf angewießen waren, dass mindestens einer von den beiden sich darum sorgte und kümmerte. Einer von den beiden war da mit einem hauseigenen Milchautomaten ausgestattet, der die Basics fürs Überleben schon mal erfüllte.

    Nun könnte man sich überlegen, wen von den beiden man in Kenntnis dieser Tatsachen zum Arbeiten schicken sollte und wer zu Hause bleiben sollte, um sich um die Kleinen zu kümmern. Ich spreche natürlich von Zeiten nach der Industrialisierung, obwohl sich die Problematik in bäuerlichen Kulturen ähnlich stellten. Es macht ja keinen Sinn, dass die Frau aufs Feld geht, wenn sie doch alle 2 Stunden zu Hause gebraucht wurde. Da ist es schon effektiver, wenn derjenige rausgeht, der auch den ganzen Tag dort bleiben kann.Zudem waren die allermeisten Arbeiten noch sehr viel härter, als es die kuscheligen Bürojobs mit Klimaanlage und eingebautem Kaffeautomaten heute sind. Männer sind damals dort verreckt, Frauen hätten es noch weit weniger Zeit überlebt.

    Die Leute waren ja früher nicht dumm, für die Heutigen würde ich für diese Aussage nicht mehr meine Hände ins Feuer legen. Und so wurde die Arbeitsteilung erfunden. Er geht Arbeiten, sie bleibt zu Hause und umsorgt die Kinder. Der Staat war daran interessiert, dass die Kleinen es schaffen würden, groß zu werden. Denn er brauchte zwei Dinge: 1) Neue Frauen, die wiederum Kinder gebären würden und 2) Neue Männer zum Schuften und als Kanonenfutter.

    Dafür war er bereit, als Gegenleistung Vergünstigungen zB in Form von Steuererleicherungen zu geben. Das ist der Hauptgrund. Der Staat war eben ein kluger Investor. Er hatte zwar keine Garantie, dass der Ehe auch Nachwuchs entspringen würde, aber das kleine Risiko nahm er in Kauf. Er machte es wie der Bauer. Der hat auch nicht die Garantie, dass *jedes* Saatkorn aufgeht, aber er kauft und säht es doch.

    Nun gab es noch ein kleines Problem. Die Frau war ja ohne den Mann mittellos. Würde der Hallodrie jedesmal, wenn ihm eine andere Frau besser gefällt, das Feld räumen, so müsste ja ER, der Staat nicht nur für die arme Frau aufkommen, sondern auch noch für den Nachwuchs. Das wollte er natürlich nicht. Und so kam es, dass der Staat die Ehe unter seinen besonderen Schutz stellte. Das ist natürlich euphemistisch, denn es hieß, dass der Mann nun lebenslang für Frau und Kind sorgen sollte. Der Frau, die an den Herd gekettet immer wieder dargestellt wird, steht also der Mann gegenüber, der an die Frau gekettet bleibt. Und dass sollte auch mal gesagt werden.

    Die Ketten für den Mann sind geblieben und gelten heute selbst dann, wenn die Frau sagt "Tschüss Liebling, da unten wartet mein neuer Stecher". Und das ist an Perfidie kaum noch zu überbieten.

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    • Der staatliche Vorteil einer Ehe ist einfach der, dass die beiden Partner finanziell füreinander verantwortlich sind.
      Das heißt, wird einer ein Pflegefall, muss der andere dafür zahlen.
      Würde einer Hartz IV bekommen, muss erstmal der Partner zahlen und nicht der Staat.
      Der finanzielle Vorteil in einem relativ starken Sozialstaat wie Deutschland ist dabei erheblich stärker, als der finanzielle Nachteil durch die Steuererleichterung.

      Zu deiner Kinderargumentation:
      Für Kinder und Nachkommen braucht es keine Ehe. Man kann auch unverheiratet Sex haben.
      Auch für die finanzielle Absicherung der Kinder, braucht man keine Ehe. Es macht die Sache höchstens ein bisschen einfacher, weil per se erstmal der Ehemann der Vater ist. Aber mit heutigen Mitteln kann man den auch so ganz gut nachweisen.

      Was die gebliebenen „Ketten für den Mann“ angeht, sehe ich nicht, was das mit der Legalisierung der Homo-Ehe zu tun hat, und gehe deshalb hier nicht weiter darauf ein.

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  6. Ohne deinen Beitrag hätte ich von der Müllhalde gar nichts gewußt. Jetzt weiß ich davon und gebe dir die Schuld daran, Adrian. :/
    Ganz ehrlich, bringt es Punkte, den irrationalen Unsinn von Verrückten wiederzukauen?

    Ich muss aber (nach dem Scanner der bisherigen Kommentare) zugestehen, dass es durchaus interessant ist, dass es Leute gibt, die die Homosexuellen für die geringe Geburtenzahl hierzulande verantwortlich machen. Ich sehe darin allerdings eher den Versuch einfacher Geister komplexere Zusammenhänge auf ein für sie überschaubares Format zu bringen. Ändert natürlich nichts daran, dass das Schwachsinn ist.

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    • Ich nehme an, du meinst mich mit dem „einfachen Geist“, der einen komplexen Zusammenhang auf ein ihm verständliches Format herunterbricht. Wenn du dich nicht dem Verdacht aussetzen willst, selbst Opfer dieser Vereinfachung zu werden, solltest du den von dir herausgelesenen Wirkzusammenhang: Homesexualität -> geringe Geburtenrate auf den von mir intendierten Zusammenhang: Homesexualität -> Homoehe -> Bedeutungsveränderung der Ehe -> Familien- und Geburtenrückgang erweitern und dann die Irrelevanz der Homoehe für die Bildung von Familien beweisen. Besser ist es aber, du lässt es, denn dies wurde schon von NSG eindrucksvoll unternommen, die über die Qualifizierung meiner Argumentation als „Schwachsinn“ deutlich herausgekommen ist.

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          • Ad hominem? Na meinetwegen. Solange du nicht erwartest, dass ich da mitmache.

            Ich möchte dir aber trotzdem empfehlen, persönliche Angriffe, zumindest dann wenn du vorhast in Zukunft irgendjemanden mal zu überzeugen, besser zu unterlassen. Es schwächt automatisch die eigene Position und man wird nicht mehr Ernst genommen.

            Und nur um dir vorauszugreifen: Die Annahme, dass die Anerkennung der Homoehe die Geburtenrate rückwirkend durch die Zeit beeinflussen könnte, ist und bleibt Unfug. Der dort gefallene Terminus „einfache Geister“ war nicht direkt auf dich gemünzt. So genau hatte ich mir die oberen Statements nämlich nicht angesehen. Da Kausalzusammenhänge in diesem Universum jedoch nur in eine Zeitrichtung funktionieren, ging ich davon aus, dass es offensichtlich sein müßte, warum das keinen Sinn ergeben kann. 🙂

            Was ist eigentlich mit deinem verlinkten Blog? Allzuviel scheint dort nicht zu stehen.

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  7. Ich habe eine einfache Frage: Am Ende schreibt der Verfasser des Blog-Eintrags, daß die sogen. Müllhalde „irgendwann ihr natürliches Schicksal ereilen wird: Planierung und Einebnung.“ Doch was ist an Planierung „natürlich“? Was ist an Einebnung „natürlich“?

    Ich verstehe ja, daß es Menschen gibt, die zwischen „natürlich“ und „wider-natürlich“ nicht so recht unterscheiden können – aber eine Planierung ist gerade nicht natürlich. Ebenso wenig eine Einebnung.

    Na gut, natürlich – nicht natürlich – wieder-natürlich, wer will da schon so genau unterscheiden, das ist vielleicht nicht so wichtig. Aber ich habe noch eine Frage: Was hat die sogen. Müllhalde mit der Männerrechtsbewegung zu tun? Was hat sie mit dem Maskulismus zu tun? Denn genau diesen Zusammenhang stellt der Verfasser des Blog-Beitrags her.

    Ich wäre dem Verfasser dankbar, wenn er mir diesen Zusammenhang genauer erklären könnte. Denn ich sehe hier wirklich keine Verbindung: Schwulen-Abneigung hat mit Männerrechtsbewegung genau so viel / wenig zu tun wie Schwulen-Zuneigung: rein gar nichts.

    Die Männerrechtsbewegung hat nur mit Männerrechten zu tun – das hört sich banal an, ist aber offenbar für so manchen Verfasser nur schwer zu begreifen. Vielleicht liegt das ja daran, daß so mancher Verfasser auf einer Müllhalde lebt. Ob ihn wohl irgendwann sein „natürliches“ Schicksal ereilen wird …?

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