Was Vitus Huonder gesagt hat

Eines vorneweg: Ich finde es unmöglich, dass sich die hiesigen Medien nicht mal die Mühe machen, in ihren Internetangeboten auf Originalquellen zu verlinken. Mich hat es keine drei Minuten gekostet, um die Internetseite des Bistums Chur aufzurufen, um das Manuskript de Rede Bischofs Huonders aufzurufen, um den Kontext der umstrittenden Passage einordnen zu können. Ich finde es im höchsten Maße unseriös von den Medien, lediglich Zitate wiederzugeben, und diese mit eigenen Interpretationen zu versehen, ohne auf die Originalquelle zu verweisen. Und es ärgert mich, dass ich hier auf einem Meinungsblog eine Arbeit erledige, die eigentlich die Aufgabe professioneller Journalisten sein sollte.

Falls sich nun einer wundert, warum ich größeren Ärger über die Medien als über die Rede Huonders verspüre, dem sei gesagt: Ich erwarte von der Römisch-Katholischen Kirche nichts anderes als die Ableitung menschlicher Ethik aus einem 2000 Jahren alten Buch, mutmaßlich inspiriert von einer (außer)kosmischen, allmächtigen Entität, die uns alle erschaffen haben soll und uns zugleich beständig überwacht, damit wir uns auch ja korrekt verhalten, zusammengetragen von Hirtenstämmen, die keine Ahnung von irgendetwas hatten, außer wie man Kamle und  Ziegen in der Wüste hütet.

Huonder Rede Fulda 1Huonder Rede Fulda 2

Nach diesem Rede ist mir nicht ganz klar, wie Huonder sich hinstellen und behaupten kann, er fände die Todesstrafe für Homosexuelle nicht angemessen. Das genau das lässt sich relativ leicht aus seiner Rede ableiten:

  1. Levitikus fordert die Todesstrafe für praktizierte männliche Homosexualität.
  2. Huonder bezeichnet Levitikus im Zusammenhang mit anderen Bibelstellen als „göttliche Ordnung“, „welche für den Umgang mit Sexualität gilt“.
  3. Huonder bezeichnet die Passage aus Levitikus als hinreichende Basis zur Beurteilung der Frage der Homosexualität, insbesondere ihrer Praxis.
  4. Anerkennung kann sich ein Menschen mit homophiler Neigung nur durch Heterosexualität oder Keuschheit erwerben.
  5. Alles andere widerspricht der göttlichen Ordnung zur Homosexualität, welche in Levitikus festgelegt ist

Sicher, man könnte argumentativ spitzfindig darauf hinweisen, dass die von Huonder gutgeheißene göttliche Ordnung, eben lediglich die Todesstrafe für praktizierte Homsexualität vorsieht, nicht für die homophile Neigung. Man möge mir verzeihen, dass mir diese Unterscheidung reichlich egal ist, da

a) wenn es einen Gott gibt, dessen Ordnungsrahmen die Todesstrafe für einvernehmlichen Sexualität vorsieht, ich diesen Gott nur für ein Arschloch halten kann, den man bekämpfen muss;

b) ich dieses Werturteil dann auch auf die Anhänger dieses Gottes übertragen muss;

c) weder Menschen noch Gott das Recht haben, über mich oder mein Leben zu bestimmen.

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6 Gedanken zu “Was Vitus Huonder gesagt hat

  1. „Nach diesem Rede ist mir nicht ganz klar, wie Huonder sich hinstellen und behaupten kann, er fände die Todesstrafe für Homosexuelle nicht angemessen.“
    Das ist eigentlich recht einfach. Vieles, was im alten Testament steht, wird durch das neue Testament revidiert. Vieles ist da in der Bergpredigt zu lesen (zu euren Vätern wurde gesagt, ich aber sage euch..)
    Was das alte Testament so alles verzapft ist schon beeindruckend. „Why can’t I own a Canadian“ macht das immer wieder schön deutlich.. und da hat es noch mehr..

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    • Ja, streng genommen hat der gute Bischoff sich zumindest das Haupt- und Barthaar geschnitten und sich dem Altar des Herrn mit einer Sehschwäche genähert.

      Bei uns Schwulen gehen sie aber davon aus, dass Paulchen die Verdammung der Homosexualität im NT bestätigt habe, weshalb sie es ok finden gegen uns zu hetzen.

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  2. Die in Leviticus geforderten Verhaltens- und Moralregeln und Rituale werden selbst von streng orthodoxen Juden nicht vollständig befolgt,
    Schlimmstenfalss können gleichgeschlechtliche Paare nicht erwarten, den kirchlichen Segen zu erhalten. Für mich als Atheisten eine vernachlässigbare Benachteiligung.

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