Religionsfreiheit erklärt

Zunächst sollte man sich klar machen, dass Religion nur eine Meinung und ein Lebensstil ist. Sie ist nicht mehr als tausend andere Ansichten über die Beschaffenheit der Welt und den „korrekten“ Weg der Lebensführung. Religion hat daher ebensowenig Anspruch auf einen gesonderten Schutz oder eine gesonderte Stellung wie Vegetarismus oder die Verehrung von Bayern München. Religionsfreiheit als gesondertes Rechtsgut dürfte es demnach gar nicht geben; Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und ein Recht auf Privatsphäre reichen vollkommen aus.

Was aber kann unter dieser Maßgabe überhaupt als Religionsfreiheit gelten?

Religionsfreiheit ist es kein Schweinefleisch zu essen, weil Gott Schweine für unrein hält. Religionsfreiheit ist es auch, Homosexualität für einen sündhaften Lebensstil zu halten, weil Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat.

Dürfen religiöse Menschen nun für ihre Überzeugungen werben? Natürlich! Sie dürfen jederzeit dafür eintreten, dass Menschen auf den Genuss von Schweinefleisch und homosexuelle Betätigung verzichten.

Diese Religionsfreiheit gibt religiösen Menschen aber nicht das Recht, anderen den Verzehr von Schweinefleisch zu verbieten oder sich zu weigern Schweinefleisch zu verkaufen, wenn man in einer Metzgerei arbeitet. Es gibt ihnen auch nicht das Recht, die Vergabe von Heiratslizenzen an homosexuelle Paare zu verweigern, wenn sie im Standesamt arbeiten.

Kurz gesagt: Religion bestimmt das Leben der Religiösen. Sie haben aber keinen Anspruch darauf, dass jeder nach der Pfeife ihrer Religion, ihrer Meinung, ihrer Weltanschauung, tanzt.

Eigentlich nicht so schwer, oder?

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6 Gedanken zu “Religionsfreiheit erklärt

  1. In den USA gab es auch schon einige Fälle, die sich um das Problem drehten, dass muslimische Kellner und Flugbegleiterinnen wesentliche Teile ihrer Arbeit nicht machen wollten, weil im Islam anscheinend nicht nur der Genuss von Alkohol, sondern auch der Ausschank von Alkohol verboten ist. Ich würde ja sagen, dass man sich in dem Fall entweder eine andere Religion oder einen anderen Beruf suchen sollte, aber es gibt auch die Haltung, dass man Leute nicht zwingen dürfe sich zwischen ihrer Karriere und ihrer Religion zu entscheiden.

    Das wird mit zunehmender Religionsvielfalt sicher noch interessante Diskussionen geben.

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    • „aber es gibt auch die Haltung, dass man Leute nicht zwingen dürfe sich zwischen ihrer Karriere und ihrer Religion zu entscheiden.“

      Wenn zu dieser Karriere aber nun mal der Ausschank von Alkohol gehört?
      Ich lasse mich als Atheist auch nicht zum Priester firmen und weigere mich dann, die Messe zu lesen, weil ich nicht an Gott glaube. Dieser Religionsfreiheits-Quatsch geht mir auf die Nerven…

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      • Mir auch. Aber es fällt eben unter Glaubens- und Gewissenfreiheit.

        Wobei ich die derzeitige Regelung für Arbeitnehmer ganz in Ordnung finde, auch wenn ich Gebote von irgendwelchen Göttern für eine etwas seltsame Grundlage für Gewissensentscheidungen halte. 🙂

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        • „Aber es fällt eben unter Glaubens- und Gewissenfreiheit.“

          Aber auch das kann nicht bedeuten, einen Job nicht auszuführen. Wenn eine Tätigkeit sich nicht mit dem Gewissen vereinbaren lässt, sollte man kündigen.

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          • Als individuelle Entscheidung, ja. Da hast du völlig recht.

            Aber da einem der gleiche Grundsatz auch erlaubt z.B. die Herstellung von Kampfstoffen zu verweigern, halte ich es für eher gut, dass der Arbeitgeber versuchen sollte darauf Rücksicht zu nehmen. Da nehme ich auch in Kauf, dass es wohl mehrheitlich von Leuten genutzt wid, die sich ihr Gewissen beim Priester mit Jahrtausenden alten Regeln befüllen lassen.

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  2. Hm,das mit den Kampfstoffen sit ein interessanter Aspekt. Ich finde nciht so richtig ein Gegenargument.

    Bleibt die Frage, ob das nun Kündigung gegen Kampfmittel-Erstellungs-Verweigerer befürwortet, oder halt dummen Fundi-christen ermöglicht zu Hause zu bleiben.

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