Trump – eine kurze Analyse

Meines Erachtens macht der Sieg Trumps dreierlei deutlich:

Erstens die Identitätskrise der Linken und Linksliberalen, die sich auf Grund ihres postkommunistischen Traumas zunehmend von ihrem Kernklientel fortbewegt haben und die „Anliegen“ von Kleinstminderheiten, der ökologisch korrekten wohlhabenden Mittelschicht und das Eintreten für gendersensible Sprache für wichtiger erachten, als die Sorgen, Nöte und Interessen der „Arbeiterschaft“ und der sprichwörtlichen „kleinen Leute“, also der Mehrheit der Bevölkerung.

Zweitens einen Bruch zwischen klassisch liberal geprägten Menschen mit den Linken/Linksliberalen, die sich mit den Auswüchsen linker Political Correctness, Sprachvorschriften, Denktabus und der zunehmenden linken Irrationalität im Bereich Gender, Feminismus, Rassismus, Kulturrelativismus und Islam immer weniger anfreunden können (hierzu zähle ich mich).

Drittens das Unvermögen linker/linksliberaler und liberaler Kreise, in gesellschaftlichen Kategorien jenseits materialistischer Parameter zu denken: Wohlstand, Wissenschaft und rationales Denken sind nicht alles. Nicht wenige Menschen sehen in Zeiten von Globalisierung und Masseneinwanderung offenbar ihre Identität bedroht, ihre Werte, ihre Kultur, ihre „Heimat“ i. w. S.

Aus all diesen Dingen resultieren Trump, Brexit, Marine Le Pen und AfD.

Insofern ist es nicht überraschend, dass an sich liberal gesinnte, hedonistische, schwule Hippies wie ich, ein zynisches Grinsen angesichts des Wahlsiegs von Trumps nur schwer unterdrücken können, schon gar nicht, wenn privilegierte Mittelschichter aus grünen Öko-Milieus, Universitäten und Redaktionsstuben – deren ganzes Leben darin besteht, jeden der nicht so denkt wie sie, zu bevormunden, zu verspotten, auf sie herabzublicken, und die ihren Moralismus wie ein Schild vor sich hertragen – mal nicht das bekommen haben, von dem sie offenbar glauben, dass es ihnen zusteht.

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10 Gedanken zu “Trump – eine kurze Analyse

  1. „haben und die „Anliegen“ von Kleinstminderheiten, der ökologisch korrekten wohlhabenden Mittelschicht und das Eintreten für gendersensible Sprache für wichtiger erachten, als die Sorgen, Nöte und Interessen der „Arbeiterschaft“ und der sprichwörtlichen „kleinen Leute“, also der Mehrheit der Bevölkerung.“

    Diese Einschätzung halte ich für genauso falsch, wie die von Schoppe hier:

    https://jungsundmaedchen.wordpress.com/2016/11/06/warum-sind-die-linken-feministisch/

    Es geht nicht um „wichtig“ oder „unwichtig“. Meiner Meinung nach hat der Zusammenbruch des Sozialismus gar keine Identitätskrise herbeigeführt, sondern die Linken sind nach wie vor von den Ideen der Gleichheit und der Abwehr autoritärer Strukturen beseelt.

    Der Unterschied ist folgender:

    1. Der Zusammenbruch des Sozialismus hat vielen klar gemacht, daß es eine Arbeiterschaft im marxistischen Sinne nicht mehr gibt. Gäbe sie es, dann hätte ihre Lebenslage politische Interessen erzeugen müssen, die dafür Sorge getragen hätten, daß alles irgendwie anders kommt.

    2. Es geht nicht nur um die Arbeiterschaft. Es geht auch um den generellen Kampf gegen den Imperialismus, die ausgleichende Gerechtigkeit gegenüber der durch Kolonialismus verwüsteten Welt, um den Aufstand gegen eine eingebildete Überlegenheit des weißen, europäischen Mannes etc.. Und Arbeiter und Frauen sind nur einige unter anderen Themen dieser generellen Opposition gegen Fremdherrschaft und autoritäres Gehabe.

    3. In Wahrheit sind die also die Linken übergelaufen vom Marxismus in das von der zeitgenössischen Philosophie propagierte Paradigma des Multikulturalismus, der seinerseits einen Kulturrelativismus impliziert.

    Trump, Brexit, Marine Le Pen und AfD zeigen daher in Wahrheit, daß im Hintergrund ein Kulturkampf läuft. Es geht um die Frage, ob es aufgrund der Geschichte einer Zivilisation eine lokale Leitkultur gibt oder nicht.

    Buchholz und Ulfig haben diese Leitkulturdebatte bereits angestoßen.

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    • „Der Zusammenbruch des Sozialismus hat vielen klar gemacht, daß es eine Arbeiterschaft im marxistischen Sinne nicht mehr gibt“

      Genau das ist doch das postkommunistische Trauma: Die Obsoletheit des Sozialismus/Kommunismus und dessen Niederlage gegen den „Kapitalismus“.

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  2. bezüglich Brexit:
    Hier kommt meines Erachtens noch folgender Aspekt hinzu:
    Großbritannien gilt als Nettozahler. Von den EU-Beiträgen landen dennoch wiederum Milliarden auch in Großbritannien. Dies wird gerne herausgestellt. Allerdings, von den Milliarden Fördermitteln, die Großbritannien zur Förderung der regionalen Wirtschaft in abgehängten Regionen zur Verfügung gestellt werden, schafft man es nicht, dauerhafte, werthaltige Arbeitsplätze zu schaffen. Und das merken die Leute vor Ort. Deswegen macht für diese die Hin- und Herschieberei der Steuern auch keinen Sinn. Das dürfte auch ein Grund der EU-Müdigkeit sein.

    Man kann das Gefühl bekommen, dass es sinnvoller wäre, diese Fördermittel ohne bürokratischen Überbau direkt den Leuten vor Ort in die Hand zu drücken.

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  3. Knapp und Präzise. Gefällt mir sehr! Kompliment! (und das von mir, einem bekennenden Homophoben. 😦
    …ich hab‘ in meinem Blog deutlich mehr Worte gebraucht und es nicht so schön auf den Punkt gebracht.
    Und das Thema BREXIT? Nur weil ich das heute erst gepublished hab:
    https://pboeblog.wordpress.com/2016/12/05/brexit-es-kummt-da-komet-oder-vielleicht-kummta-a-ned/
    …und ich werd‘ mal hier ganz sicher noch weiter lesen…. 🙂

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      • Yup. :-/
        Ich hab einfach ein Problem damit wenn mir Menschen ihre sehr persönlichen Präferenzen (ganz gleich ob das die Sexualität betrifft, oder ihre bevorzugten Sexualpraktiken (i.e. BDSM) oder ihren Glauben, oder auch nur „mit aller Intensität“ ihr Lieblingsparfum glauben aufs Aug drücken zu müssen – weil das immer irgendwie den Beigeschmack hat:
        „Sag‘, dass du das gut findest, sag‘ dass du auch Toleranz dafür forderst!“
        Ich empfinde das als aufdringlich.
        Als ein Eindringen in „meine(!)?)“ Privatsphäre. Nicht sicher ob ich das damit verdeutlichen kann…. Hmmm

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