Drei Lektionen für Schwule (die keiner hören möchte)

Also nun, wie lebt es sich für Schwule im Jahre 2017 in der westlichen Welt, in Deutschland? Fühlen wir uns gut aufgehoben, behütet, akzeptiert, toleriert? Oder verzweifeln wir, weil die Welt da draußen immer noch so furchtbar heteronormativ ist und alle, die einem begegnen, erst mal glauben man sei hetero?

Im Laufe meines (noch relativ) jungen schwulen Lebens, habe ich mich mit einer ganzen Reihen von Strategien beschäftigt, wie man es als Homo schafft, in einer Welt voller Heteros nicht den Verstand zu verlieren. Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Anerkennung einiger harter Realitäten der beste Weg ist, sich nicht in träumerischen Fantasien zu verlieren. Denn wer eine Utopie als Ziel formuliert, wird in den meisten Fällen enttäuscht werden und alsdann verbittert durchs Leben gehen.

Hier also eine paar Lektionen, die meines Erachtens jeder Schwule verinnerlichen und in sein Leben einplanen sollte:

1. Als Schwuler bist Du eine kleine Minderheit

Die überwältigende Mehrheit Deiner Mitmenschen sind heterosexuell und sie haben weder Interesse noch Neugier irgendwann einmal schwul zu werden. Und weil das so ist, musst Du Dich auch nicht wundern, dass nahezu alles in Deinem Umfeld sich an  Heteros richtet: Gespräche, Medien, Bücher, Filme, Theater. Außerhalb Deines schwulen Freundeskreises bist Du der Außenseiter. Das ist keine böse Verschwörung, die man mit Hilfe der Werke Judith Butlers besiegen könnte, sondern Teil biologischer Realität. Die Heteros können nichts dafür, dass sie so sind. Sie sind es gewohnt, dass fast alle hetero sind. Also behandeln sie Dich zunächst auch so. Und sie wollen Dir damit zumeist auch nichts böses. Aber sie haben halt kein gesteigertes Interesse Deine explizit schwule Perspektive zu hören. Weil sie nicht schwul sind.

2. Die meisten würden es bevorzugen, wenn Du hetero wärst

Das mag hart klingen, aber es stimmt. Trotz allem Gerede von Pluralismus und Diversität mögen die meisten Menschen klare, übersichtliche Verhältnisse. Und sie mögen es besonders gerne, wenn ihr Umfeld möglichst homogen ist. Und da die meisten Menschen hetero sind, wären sie zufrieden damit, wenn Du es auch wärst. Das würde ihren Umgang mit Dir ungemein erleichtern.

Das gilt im Übrigen auch für Deine Eltern. Klar, sie mögen Dich „akzeptieren“ und Dich und Deinen Freund zu Familienfeiern einladen und Deinen Partner gegenüber Bekannten ganz selbstverständlich als Deinen Partner vorstellen. Aber überleg mal: Wenn Du eines Tages mit einer Frau als Partnerin vorbeikommst, glaubst Du Deine Eltern wären enttäuscht und würden Dir vorhalten, dass der Rafael viel besser zu Dir gepasst habe? Glaubst Du sie würden Dich davon überzeugen wollen, dass Du in Wirklichkeit schwul wärest und dass das mit der Frau nur eine Phase sei, die vorübergeht? Nein, denn Deine Eltern sind Hetero. Und sie wünschen sich für ihre Kinder ein ganz normales heterosexuelles Leben. Mit Freundin, Heirat und Enkelkindern.

3. Du bist abhängig von der Gnade der Mehrheitsgesellschaft

Du kannst Dir Toleranz erkämpfen wollen soviel Du willst, Du kannst Auf Deine Rechte pochen wann immer Dir danach ist, Du kommst um einen Fakt nicht herum: Deine Rechte sind immer abhängig von der Gnade und dem Konsens der Mehrheitsgesellschaft. Wenn die Gesellschaft wollte, könnte sie Dich bereits morgen zerquetschen, sie könnte Dich bereits morgen wegen Deiner Homosexualität ins Gefängnis stecken. Und nichts und niemand wird Dir helfen, weder das Grundgesetz, noch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Denn das sind alles menschliche Konstruktionen, die immer nur im Lichte gesellschaftlicher Meinungen interpretiert werden. Kaum jemanden würde es kümmern, wenn eine Handvoll Homos im Gefängnis sitzt oder gesellschaftlich verachtet und marginalisiert ist. Denn für die überwältigende Mehrheit der Gesellschaft würde sich dadurch nichts, aber auch gar nichts, in ihrem Leben ändern.

Übertreib es also nicht. Versuche nicht mit brachialer Gewalt oder intolerantem Moralismus Deine schwulen Vorstellungen durchzusetzen. Und gib der heterosexuellen Gesellschat vor allem niemals das Gefühl, Du wolltest ihr persönliches Leben umstürzen. Das würden sie Dir nicht verzeihen.

 

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19 Gedanken zu “Drei Lektionen für Schwule (die keiner hören möchte)

  1. 2. Nope. Kein Heteromann braucht nen Konkurrenten wie dich auf dem Markt.
    Bei meinen Töchtern.. klar, ich würde mich irgendwann über Enkel freuen. Ob sie die aber Mit nem Kerl oder mit ner Frau oder alleine großziehen? Oder eben keine Lust auf Kinder haben? Ich will dass sie glücklich sind.

    Ich weiss, es ist für Schwule schwer zu glauben, aber für 99,9% aller meiner Kontaktpunkte mit Männern ist es gänzlich egal, ob sie schwul oder hetero sind. Mir isses viel wichtiger, dass sie ihre Grafiken rechtzeitig fertig bekommen, ihre Tickets ordentlich bearbeiten, leckeres Essen kochen, leckeres Bier zu Parties daheim haben…
    Ich streite gerne mit euch, dass „Schwulsein“ eben weniger und weniger ein komplettumfassendes Lebensding sein muss. Dass es eben nicht mehr so identitätsstiftend ist, wie es zur Zeit noch ist. Dass ihr ihr euch genausowenig Gedanken über eure sexuelle Orientierung machen müsst wie ich. Zwar hab ich die größere Auswahl an orientierungkompatiblen Menschen, dafür müsst ihr euch net mit weiblichem (Nicht-) Paarungsverhalten rumärgern.
    Solange irgendeine Gruppe für gleiche (und nicht etwa besondere) Rechte streitet, wird sie auch immer Mitstreiter außerhalb finden.

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  2. Ja, stimmt so. Und je mehr mit brachialer Gewalt und PC-Erzwingung Toleranz erzwungen werden soll, desto mehr steigt die Abneigung und, das ist wie ne allergische Reaktion.

    Es ist für Heteros auch enorm abstoßend für Schwule anziehend zu wirken, besonders, wenn man ne Vorgeschichte bei den regensburger Domspatzen hat.

    Wie schwulsein entsteht, ist inzwischen geklärt, und wenns der Herrgott so eingerichtet hat, ists halt so, und damit kann man leben. Aber wie gesagt. Je mehr Zwang (Medien, Filme Quotenschwule, PC) desto größer die allergische Reaktion. Wollte ich nur mal kurz loswerden.

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  3. „Es ist für Heteros auch enorm abstoßend für Schwule anziehend zu wirken, besonders, wenn man ne Vorgeschichte bei den regensburger Domspatzen hat.“

    Du assozierst Homosex mit sexueller Gewalt, das ist etwas ganz anderes.
    Mir schmeichelt es, wenn mich Homos attraktiv finden. Da is nix Abstoßendes dabei.

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  4. Natürlich wird die schwule „community“ aufheulen, denn die ist inzwischen so LINKS und GRÜN, dass sie Homophobie in allem sieht, was nicht schwul ist. Ähnlich ergeht es dem Feminismus.

    Ich bin ein älterer Jahrgang und habe das Aufblühen der schwulen Bewegung erlebt. Um es deutlich zu sagen: nie war es spannender und kreativer schwul zu sein. Ziel war es, frei schwul leben zu können. Ein Outing war die größte Herausforderung und immer mit psychischen Problemen verbunden…teilweise auch familiärer Ausgrenzung. Meine Mutter ging mit dem messer auf mich los und wollte sich und mich umbringen. Die Schande war es eigentlich, die ihr zusetzte, was wohl die Nachbarn denken könnten.

    Es hat Jahre gedauert, bis ich selbstbewusster wurde und inzwischen ist alles wundervoll mit meinen Eltern. Sie lieben meinen Freund und es war eine harte Zeit bis dahin. Gesellschaftlich hat sich viel getan und es gab Zeiten, wo ich ohne Angst Hand in hand mit meinem Freund durch die Straßen ging. Das hat sich geändert, seit dem immer mehr Muslime die Straßen (Ruhrgebiet) „beherrschen“. Schon lange sehe ich hier keine Schwulen mehr Hand in Hand. Und mit Schrecken sehe ich, dass sich besagte schwule Community sich mehr Sorgen um Rechts macht, als um die, die mir wirklich mein Leben wieder schwer machen. Das hatten wir alles schon mal…und heute fürchte ich wirklich um mein Leben.

    Erstaunlich ist aber in dem Zusammenhang, dass dies auch zunemhend kritisch denken Heten so sehen und es ist schon erstaunlich, wie selbstverständlich sie bei den westlichen Werten auch die Gleichberechtigung der Schwulen als großartige demokratische Errungenschaft verteidigen (dahingestellt, ob sie es auch alle immer so meinen).

    Was mir aber auch auffällt ist die Penetranz wie schwule Linke die Hetenwelt attakieren mit einer Ideologie (meist gepaart mit pervertiertem Feminismus) und sich als Bessermenschen aufspielen…was dann in einer gegenderten unerotischen Sülze mündet. Mit Hetenmännern hatte ich nie ein Problem, aber mit Lesben…

    Eines muss jeder Hete klar sein: Schwule entstehen aus dem Schoß einer Hetenmutter und sind daher nicht eine Parallelentwicklung oder gar andere ethnische Kultur. Niemand hat es sich ausgesucht. Auch wenn man alle auf eine schwule Insel verbannen würde (an sich keien schlechte Idee…Männer..:-) so würden dennoch immer wieder schwule Kinder in der Hetenwelt geboren…Schwulsein ist keine Behinderung oder Krankheit….und ich glaube, immer mehr begreifen das. Statt immer auf den heten draufzuhauen, sollten Schwule einfach lernen, sich selbstbewusst zu behaupten, mit einem gewissen Selbstverständnis. Jede Hete darf denken, was er/sie will, ich werde mich nicht moralisch schlechter oder unterlegener fühlen, aber ich werde auch niemanden aufdiktieren, dass man Schwulsein toll finden muss.
    Political Correctnes ist das falsche Mittel, da es das Ende des Humors ist (Andreas Thiel)…

    Zitat aus dem Film „Club der gebrochenen Herzen“: „….ihr seid so damit beschäftigt schwul zu sein, dass ihr nichts anderes mehr seid…“

    Und zum Abschluss mein Lieblingszitat aus dem Film „Shortbus“: “ Früher wollte ich die Welt verändern. Heute nur noch mit etwas Würde den Raum verlassen…“

    In diesem Sinne: vereinigt Euch..:-)

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  5. „Und nichts und niemand wird Dir helfen, weder das Grundgesetz, noch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. …. Kaum jemanden würde es kümmern, wenn eine Handvoll Homos im Gefängnis sitzt oder gesellschaftlich verachtet und marginalisiert ist. “

    Nö, da bist Du mMn zu pessimistisch. Zumindest die deutsche, hier in den letzten 30 – 40 Jahren sozialisierte Bevölkerung würde nach meinem Eindruck bei sowas überwiegend auf die Barrikaden gehen.

    Nach meinem Eindruck werden Schwule von der großen Mehrheit so ähnlich wie Linkshänder oder 2,10m-Männer angesehen: nicht der Regelfall, aber die Betroffenen haben es sich nicht ausgesucht (eben weil es biologisch bestimmt ist – man kann als Hetero nicht lernen, Männer erogen zu finden), und eigentlich ist es wurscht, es steckt nicht an und betrifft einen auch sonst nicht. Dieses Ignorieren ist eigentlich eine Anerkennung von Normalität, ich kann nur Dinge ignorieren, die ich für unauffällig halte.

    Der Gedanke ist heute absurd, Linkshändern die linke Hand auf den Rücken zu fesseln. Schwule wegen ihrer androphilen sexuellen Attraktion („Angezogenheit“) einzusperren würde als krasses Unrecht angesehen werden.

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  6. „Aber sie haben halt kein gesteigertes Interesse Deine explizit schwule Perspektive zu hören.“

    Ein sehr schöner Satz.

    „Mit Freundin, Heirat und Enkelkindern.“

    Gerade die Enkelkinder sind wichtig.

    „Und gib der heterosexuellen Gesellschaft vor allem niemals das Gefühl, Du wolltest ihr persönliches Leben umstürzen. Das würden sie Dir nicht verzeihen.“

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  7. Punkt 1: Du wirst es nicht glauben, aber wir alle gehören irgendwo zu Minderheiten. Ich bin zum Beispiel ein Nerd….
    Trotzdem interessiert mich, als Hetero, deine speziell homosexuellle Perspektive. Deswegen lese ich hier mit.
    Punkt 2: Den meisten ist es prinzipielll egal. Aber du gehörst halt zu einer Minderheit, und das kann zumindest kurzfristig irritieren. Die meisten werden nicht gerne irritiert.
    Punkt 3: das trifft einfach auf alle zu. Auch wenn es bei Homosexualität einen historischen Rahmen gibt… Aber genausogut kann ich nächste Woche für meine politische Aktivität eingesperrt werden, wenn die falsche Partei an die Macht kommt. Schau dir an was gerade unter Trump mit Ausländern passiert. Homosexualität ist auch nur eine weitere Möglichkeit. Vielleicht trifft es auch Linkshänder, Juden, ehemalige Prostituierte oder was weiß ich. Die meisten Deutschen wären aber dagegen. Das ist das einzige was in dieser Hinsicht zählt.

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