Warum sind Frauen so unzufrieden?

Wir erleben in der westlichen  Welt ein merkwürdiges Phänomen. Obwohl der Grad der Emanzipation von und der Möglichkeiten für Frauen immer weiter ansteigt, und Frauen mehr Alternativen zur Lebensführung offen stehen als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit, kommen diverse Umfragen und Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass Frauen weder besondrs glücklich sind, noch dass sie zufriedenenr durchs Leben gehen als ihre Geschlechtsgenossen der Zeit vor den gesellschaftlichen Umwälzungen in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Und gerade erklärte Feministen machen nicht gerade den Eindruck entspannter, selbstbewusster und zufriedener Persönlichkeiten, sondern erinnern vermehrt an hysterische Medusen, deren einziger Lebensinhalt das Beschämen und Anprangern von Männern und männlichem Verhalten ist, und die an jeder Ecke Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen wittern. Woran liegt das?

Um dieses Rätsel näher zu beleuchten möchte ich an dieser Stelle eine zutiefst „reaktionäre“ Spekulation in den Raum werfen:

Könnte es sein, dass die Unzufriedenheit junger, vorgeblich emanzipierter Frauen darin besteht, dass sie in ihrer fruchtbarsten Phase (etwa 18 bis 25 Jahre) keine Kinder haben? Ist das denkbar? Eine innere Leere durch Negierung der weiblichen Biologie? 

Immerhin, so etwas gab es noch niemals in der Evolutionsgeschichte irgendwelcher Lebewesen: Massenhaft fruchtbare Weibchen, die keinen Nachwuchs haben. Ist es absurd zu spekulieren, dass dies Folgen für die weibliche Psyche hat, dass sich dies negativ auf die allgemeine Zufriedenheit junger Frauen auswirkt?

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Penny makes the World go nuts

Je mehr ich von Laurie Penny lese, umso bemerkenswerter finde ich, dass sie als Popstar eines neuen Feminismus herumgereicht wird. Muss man das verstehen?

Hat sich der Kampf um Gleichberechtigung nicht längst erledigt? Nein, hat er nicht! Arme Frauen, Frauen mit dunkler Hautfarbe, Menschen mit nicht-heterosexueller Orientierung sind immer noch stark benachteiligt.

Bevor wir uns die Frage stellen, wer stark benachteiligt wird, müssten wir zunächst einmal andere Fragen stellen: Benachteiligt gegenüber wem? In welchem Kontext? Unter welchen Umständen? Woran liegt das? Ist es veränderbar? Mit welchen Mitteln?

Und ich glaube, seit den Nullerjahren herrscht so eine merkwürdige Kultur, Betroffenen dafür ständig selbst die Schuld zu geben. Hey, du bist unglücklich? Dann musst du härter an dir arbeiten! Dann hast du es einfach noch nicht hart genug versucht!

Ich halte das für ein durchaus erfolgreiches Rezept, sein „Unglück“ zu analysieren und Fragen zu stellen, wie etwa: Unglücklich wegen was? Woran liegt das? Was kann ich daran ändern? Eine der interessantesten Fragen in diesem Zusammenhang finde ich übrigens folgende: Bin ich wirklich unglücklich oder vielleicht nur zu anspruchsvoll, selbstzentriert und verwöhnt? Hindere ich mich also selbst an meinem Glück?

Ich halte die Vorstellung des alten Feminismus von einer klaren Machtaufteilung zwischen den Geschlechtern für überholt. Also die Vorstellung, wonach Frauen machtlos sind, wenn Männer Macht haben – und umgekehrt, dass Männer automatisch an Macht verlieren, wenn Frauen mehr Macht haben. So funktioniert das nicht.

Nein, so funktioniert das in der Tat nicht. Liegt aber auch daran, dass die Analyse einer Gesellschaft alleine unter dem Gesichtspunkt von Machtverhältnissen ziemlich unterkomplex ist.

Nun, der Begriff Patriarchat meint wörtlich übersetzt ja nicht Herrschaft der Männer, sondern Herrschaft der Väter. Und die Reichen, die uns sozial kontrollieren, sind nicht per se alle Männer.

Schön, dass Penny das aufgefallen ist. Doch was meint sie damit, dass uns „die Reichen“ – Frauen und Männer – alle sozial kontrollieren? Ich fühle mich nicht sozial kontrolliert. Zumindest nicht von „Reichen“. Die sind mir ehrlich gesagt sogar ziemlich schnuppe, weil sie in meinem Leben keine Rolle spielen. Reich wäre ich natürlich gerne selber. Aber warum sollte ich dann jemanden sozial kontrollieren wollen? Im Gegenteil, einer meiner größten Antriebe für das Reichsein ist, dass wenn ich Geld wie Heu hätte, mich dann von der Gesellschaft soweit wie möglich isolieren könnte. Und meine Ruhe hätte.

Von daher haben es die meisten Männer oder Jungs nicht leichter als Frauen oder Mädchen. Sie haben nur andere geschlechtsspezifische Probleme. Ich glaube, der Feminismus wird immer besser darin, auch diese Probleme wahrzunehmen.

Eine wahrhaft bravouröse Leistung des Feminismus, mitzubekommen, dass auch Männer und Jungs Probleme haben, nach dem man sie jahrzehntelang als das Übel schlechthin dargestellt hat.

Gegen tolle Schuhe habe ich nichts einzuwenden!

Keine Überraschung, Penny, Du bist schließlich eine Frau!

Aber es gibt eine neue Art von Feminismus, der Leute zu besseren neoliberalen Subjekten machen und sie glauben machen will, Gleichberechtigung hieße, eine Karriere machen zu können, die Freiraum für Kinder lässt.

Wenn Frau eine Karriere machen und sich zum „neoliberalen Subjekt“ machen will, dann ist das ihr gutes Recht! Gleichberechtigung bedeutet nämlich gleiche Rechte und gleiche Chancen vor dem Gesetz. Gleichberechtigung bedeutet dagegen nicht, nur so zu leben, wie Laurie Penny das gefällt.

Das mag wichtig sein.

Ist es auch. Wenn man es selbst für wichtig hält.

Aber dieser Feminismus geht nicht an die Wurzel der Diskriminierung.

Welche Diskriminierung?

Er redet nicht über Verhütung, Abtreibungsrechte oder darüber, wie Arbeit verteilt ist. Er redet nicht über sexuellen Missbrauch, Rassen- und Klassenzugehörigkeit. Wenn wir alle wohlhabende weiße Frauen in Weltstädten sein könnten, wäre das okay. Aber so funktioniert keine echte Befreiung.

Nahezu alle Feministen sind wohlhabende weiße Frauen, die in Weltstädten leben. Und sie reden pausenlos über Verhütung, Abtreibungsrechte oder darüber, wie Arbeit verteilt ist. Sexueller Missbrauch und „Rape Culture“ ist auch immer wieder ein feministischer Klassiker. Und auch Rassen- und Klassenzugehörigkeit wird gerne als Gesprächsstoff genommen.

(…) das Interessante an Magersucht ist ja, dass – obwohl lange bekannt ist, dass Rollenerwartung und Essstörungen gerade bei jungen Frauen zusammenhängen – die Gesellschaft immer noch an einem krank machenden Frauenbild festhält. Als ich damals in der Klinik war, gab es dort viele Ärzte, die uns Patientinnen immer ermunterten, „gute Mädchen“ zu werden. Sie sagten, wir sollten uns hübscher anziehen, die Haare wachsen lassen, uns schminken und ein besseres Körpergefühl entwickeln. Dann würde alles besser werden. Wurde es bei mir aber nicht. Was mir half, war die Erkenntnis, dass es okay war, wütend zu sein. Dass nicht ich verrückt war, sondern dass die Gesellschaft es verbockt hatte.

Ich bin jetzt mal total unsensibel: Vorausgesetzt, man sieht Übergewicht nicht als Esstörung (aber wenn, dann wären Männer genau so betroffen) haben die meisten jungen Mädchen und Frauen keine Esstörung. Und noch weniger von ihnen muss man deswegen in eine Klinik einweisen. Ich weiß, ich weiß, seit den Nullerjahren herrscht so eine merkwürdige Kultur, Betroffenen ständig selbst die Schuld zu geben, aber das möchte ich auch gar nicht tun, sondern lediglich darauf hinweisen, dass die Magersucht von Penny möglicherweise nicht an „der Gesellschaft“ lag (denn wenn, wären ja viel mehr bis alle Frauen betroffen), sondern an ihrem persönlichen, familiären oder sozialen Umfeld.

(…) ich habe gerade wirklich das Gefühl, das so ungefähr jede Frau, die ich kenne, schwanger ist.

Das Gefühl haben viele junge Frauen, die ihre biologische Uhr immer lauter ticken hören…

Ein Baby zu haben, scheint heute eine Lifestyle-Wahl zu sein. Etwas, das man sich leisten können will wie eine neue Homme-Tasche oder Louis-Vuitton-Schuhe.

Und was ist daran falsch?

Ich glaube, es ist wichtig, Mutterschaft – wie einige Feministinnen in den Siebzigerjahren – wieder als Arbeit zu begreifen.

Okay. Und wer soll Frauen diese „Arbeit“ bezahlen? Man lasse mich raten: Männer vielleicht?

Ich höre die Leute so viel von Work-Life-Balance reden. Aber Freizeit für Frauen meint dann eben nicht: Einfach mal allein vor dem Fernseher abhängen und sich Fussel vom Bauchnabel puhlen. Freizeit für Frauen meint: Babys. Oder sich um den Ehemann kümmern.

Hindert irgendjemand Frauen daran, vor dem Fernseher abzuhängen oder sich Fussel vom Bauchnabel zu puhlen?

Die meisten Frauen leben eine Work-Work-Balance. Ihre Arbeit ist irgendwie nie zu Ende.

Ja, die armen Frauen. Immer am Arbeiten: Bücher schreiben, Vorträge halten, nach Schuhen shoppen. Und dann ist man auch noch ständig schwanger, was einem aber nicht mal als Arbeit anerkannt wird.

Warum gönnen wir uns nicht ein bisschen mehr Faulheit? Mehr Zeit für uns selbst?

Mach doch, Penny! Hör auf Bücher zu schreiben sowie Vorträge zu halten und Interviews zu geben und mach einfach mal nichts!

Ich denke, ich werde zu einer Revolution der faulen Frauen aufrufen!

Also, ich persönlich wäre dazu zu faul. Aber als Mann ohne Frau kann ich mir Faulheit auch leisten.

Meyers Homosexualität

Vor über einhundert Jahren, zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches, definierte man Homosexualität noch etwas anders als heute. Das interessante am Eintrag aus “Meyers Großem Konversations-Lexikon”von 1907  ist für mich jedoch die für diese Zeit relativ nüchterne Abhandlung, die bereits die gesellschaftliche Bereitschaft hin zu einer zunehmenden Toleranz erkennen lässt :

Homosexualität (griechisch-lat.), die geschlechtliche Hinneigung zu Personen desselben Geschlechts, meist auf Grundlage einer angebornen perversen Empfindung, seltener als Folge von Ausschweifungen, so daß ungewöhnliche Reize zu Hilfe genommen werden, um die entnervte Geschlechtssphäre zu erregen. Die männlichen Homosexualen, oft sein entwickelte, ästhetisch hoch kultivierte Personen, kommen in allen Gesellschaftskreisen vor, ihre Neigung zum gleichen Geschlecht ist oft eine rein ideale, und viele leben keusch. Sie betonen, daß sie wohl biologisch, aber nicht ethisch als minderwertig zu betrachten seien. Sie erkennen sich gegenseitig an gewissen Sinnesempfindungen und Bewegungen, sie finden sich zusammen in gewissen Pensionaten, Bädern und halten zuweilen gemeinsame Vergnügungen unter der Maske von Karnevalsscherzen, Damenimitationen, Herrenabenden etc. ab. Ein preußischer Assessor, Ulrichs, schilderte die eigentümlichen Empfindungen und Schicksale dieser »Enterbten des Liebesglückes« in einer Broschüre und brachte für die Homosexualen den Namen Urninge auf (s. Urningsliebe). Die Gesetzgebung in Deutschland (§ 175 des Reichsstrafgesetzbuches) und Österreich belegt den Geschlechtsverkehr zwischen Männern mit Strafe, während er zwischen weiblichen Personen vor dem Gesetz nicht strafbar ist. Die weiblichen Homosexuellen sind wohl kaum seltener als die männlichen. Die Liebesbündnisse dieser Tribaden sind durch eine auffallende Neigung zur Eifersucht und durch den Umstand gekennzeichnet, daß auch im äußerlichen Verkehr der eine Teil mehr die Rolle eines Mannes spielt. In weiblichen Strafanstalten sind derartige Bündnisse nicht selten. Versuche, über die Zahl der Homosexuellen annähernd richtige Vorstellungen zu gewinnen, führten übereinstimmend zu dem Ergebnis, daß der Prozentsatz der Homosexuellen etwa 1,5–2 Proz. der Bevölkerung beträgt. Dazu kommen von etwa 4 Proz. Bisexuellen noch 0,7 Proz. überwiegend Homosexuelle. Durch Krafft-Ebing (»Psychopathia sexualis«) ist die H. dem psychiatrischen Verständnis näher gebracht worden; es läßt sich aber nicht leugnen, daß entnervte Genußmenschen das durch derartige Schriften erregte mitleidige Interesse dazu benutzen, sich als geborne Homosexuelle zu gebärden, um ihren unsaubern Lüsten frönen zu können. Neuerdings entwickeln Anhänger der Ansicht, daß die H. auf angeborner Grundlage beruhe, unter dem Namen »wissenschaftlich-humanitäres Komitee« eine lebhafte Agitation, um den § 175 des Deutschen Reichsstrafgesetzbuches zu beseitigen.