Überraschungsei des Tages: Nicht alle Kulturen sind gleich

Die Berliner Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) hat eine Studie zur politischen und gesellschaftlichen Werten von Flüchtlingen (aka Migranten, aka Moslems) veröffentlicht, die für die hiesigen Forscher überraschenderweise überraschende Ergebnisse zutage treten ließ:

Die in Deutschland gelandeten Flüchtlinge bekennen sich mehrheitlich zur Demokratie, offenbaren aber „erhebliche politische Verständnisdefizite“

Einerseits haben die Forscher eine hohe Integrationsbereitschaft der Befragten ermittelt: „Die meisten Flüchtlinge möchten Deutschland als neue Heimat annehmen. Sie sind bereit, dafür ernsthaft in Sprache und Bildung zu investieren.“ Andererseits seien auch viele Einstellungen festgestellt worden, die „stark von dem in Deutschland vorherrschenden Meinungsbild abweichen“, wie es in einer am Freitag verbreiteten Zusammenfassung heißt: „In anti-liberalen Einstellungen zu (Homo-)Sexualität, Ehe und Partnerschaft, ja selbst zu Wohn- oder Lebensformen wie einer WG zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Flüchtlingen und der deutschen Mehrheitsgesellschaft.“ Manche Ansichten der Flüchtlinge erinnerten „stark an die muffigen 50er Jahre in Deutschland“. Die komplette Studie will die 2008 gegründete private Hochschule am Montag vorstellen.

Zu den von der Universität als „völlig überraschend“ bezeichneten Erkenntnissen der Studie gehört auch, dass Flüchtlinge sich die politischen Verhältnisse in Deutschland und das soziale Zusammenleben „zum Teil ganz anders vorstellen, als es von den meisten Deutschen vermutet wird“.

Zunächst einmal sei gesagt, dass selbst diese pessimistische Ergebnisse zeigende Studie, in meinen Augen noch zuviel Optimismus ausstrahlt, indem sie nämlich behauptet, Migranten aus islamischen Gesellschaften würden sich mehrheitlich zur Demokratie bekennen, und seien bereit, „dafür ernsthaft in Sprache und Bildung zu investieren.“ Hier möchte ich kurz anmerken, dass die in Deutschland größte Gruppe von Migranten – Menschen aus der Türkei – auch in der dritten Generation noch erhebliche Defizite sowohl in Sprache als auch Bildungsanstrengungen aufweisen, und auch deren Bild von Demokratie – nimmt man die Begeisterung für den Halbdiktator Erdogan als Maßstab – nicht besonders stark ausgeprägt ist. Es kommt halt immer darauf an, was man unter „Demokratie“ und „Bildung“ versteht.

Dass nun Migranten aus islamischen Ländern nicht die Werte vertreten, die im Allgemeinen in westlichen Ländern vertreten werden, kann eigentlich niemanden überraschen, der auch nur einen Hauch Ahnung hat von Soziologie, Geschichte, Religion, Politologie oder Gesellschaftsstrukturen überhaupt. Der Glaube, aus islamischen Ländern würde überwiegend linksliberale Intellektuell anreisen, die für eine offene, säkulare Gesellschaft mit individueller Freiheit eintreten, ist dermaßen naiv – ja, ich möchte bereits sagen „dumm“ – dass es mir schwer fällt, angesichts einer derartigen Torheit nicht mit dem Kopf auf meine Schreibtischplatte zu schlagen.

Ein Leserkommentar im „Tagesspiegel“ bringt dies sehr gut auf den Punkt:

Wen kann so etwas überraschen? Glauben die Leute ernsthaft, islamische Gesellschaften sind deshalb so repressiv, weil alle, die von dort herkommen, grüne Hippies sind?

Glauben die Leute ernsthaft, Gesellschaften, in denen Schwule mit Gefängnis oder Tod bestraft werden, seien in Wirklichkeit schwulenfreundlich?

Glauben die Leute ernsthaft, Gesellschaften, in denen Frauen weniger Rechte haben, seien in Wirklichkeit Paradiese der Gleichberechtigung?

Glauben die Leute ernsthaft, islamische Gesellschaften seien so gut wie unsere?

Ich denke, es ist nicht allzuweit hergeholt zu sagen, dass wir mit den nach Deutschland kommenden Migranten aus dem Nahen Osten und dem Maghreb erhebliche Schwierigkeiten haben werden, was Integration in unsere Gesellschaft angeht. Es kann mit ihnen, meiner Meinung nach, überhaupt nicht leichter sein, als mit Menschen aus der Türkei, da die Türkei bereits die modernste aller islamischen Gesellschaften ist (und allein das sollte einen beunruhigen).

Nach dem jetzigen Stand sind das Anwachsen von Parallelgesellschaften und Zustände wir in Frankreichs Banlieus kein übertreibenees Zukunftsszenario für Deutschland.

Ich sehe jedenfalls kein Argument, warum es anders sein sollte.

Und die Schildkröte kotzte, und erbrach die Welt

„DschinDschin“ vom Blog „Mann und Welt“ hat als Reaktion auf meine Frage, welche Beweise er für sein Gottes- und spitituelles Weltbild vorlegen kann, in einem Beitrag geantwortet, den ich gerne kommentieren möchte.

Gegenfrage: Wo sind die Belege für die Aussagen, die diverse Religionen machen? Und unter Belegen verstehe ich verifizierbare Daten und Fakten und nicht Aussagen noch älterer Texte.

Nun ja, es gibt keine Belege dafür.

Wir sind uns einig, dass es keinen Gottesbeweis gibt und auch keinen geben kann. Was aber nichts bedeutet, denn niemand von uns ist in der Lage zu beweisen, dass er beseelt und nicht nur eine intelligente Maschine ist. 

Nicht in dem Sinne, dass etwas überhaupt hundertprozentig bewiesen werden kann. Das ist wissenschaftlich nicht möglich. Nicht mal die Theorie der Gravitation lässt sich hundertprozentig und zweifelsfrei beweisen. Dennoch lassen sich genügend Belege sammeln um mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen, dass die Theorie der Gravitation als „bewiesen“ gilt. Zur Vereinfachung der Diskussion möchte ich mich auf folgende Definition von „Beweis“ bzw. „Beleg“ stützen: die als fehlerfrei anerkannte Herleitung der Richtigkeit bzw. der Unrichtigkeit einer Aussage aus einer Menge von Axiomen, die als wahr vorausgesetzt werden, und anderen Aussagen, die bereits bewiesen sind – unter Vorbehalt möglicher Widerlegungen.

Insofern kann Gott durchaus bewiesen werden, vorausgesetzt man einigt sich darauf, was mit „Gott“ überhaupt gemeint ist. Geht man von einer Entität aus, die das Universum erschaffen hat und Prozesse des Universums, der Erde, des Lebens und der Menschen steuert ist ein Gottesbeweis sogar relativ simpel, weil Gott unter diesen Umständen mathematisch und physikalisch messbar wäre.

Was uns selbst so klar vor Augen steht, unser Innenleben, das ist dem Mitgeschöpf völlig verborgen.

Das kommt darauf an, was mit „Innenleben“ gemeint ist. Unsere Organe sind dem Mitgeschöpf nicht verborgen, im Gegenteil haben wir ein ziemlich genaues Bild von den Vorgängen in unserem Organismus. Auch wenn mit „Innenleben“ unsere Gefühle gemeint sind, gibt es Disziplinen, wie zum Beispiel die Psychologie, die uns ein recht genaues Bild davon geben, was in menschlichen Mitgeschöpfen vor sicht geht.

Es sieht nur die Hülle und deren Reaktionen und glaubt, dass eine Seele darin wohnt.

Ich glaube das nicht, denn es gibt keinen Beleg für eine Seele.

Wissen können wir es nicht.

Korrekt, allerdings gibt es keinerlei Grund anzunehmen, dass es eine Seele gibt, solange deren Existenz nicht bewiesen ist.

Auch die Mathematatik ruht auf Axiomen, auf als wahr empfundenen Annahmen. Und so treffe ich für mein Weltbild als Axiom folgende Annahme: Es gibt einen Gott.

Auf der Grundlage eines subjektiven Weltbildes kann man für sich allerdings auch die Annahme treffen, dass unser Universum von einer gigantischen unsichtbaren Schildkröte ausgespien wurde, die Magenschmerzen bekam, nachdem sie ein anderes größeres Universum gegessen hat.

Dann definiere ich: Gott ist mindestens eine Person, so wie ich eine menschliche Person verstehe, aber darüber hinaus noch viel mehr. Er ist totaliter aliter also total anders, von mir nicht zu verstehen, da er in Dimensionen hineinreicht, die mir als vierdimensionalen Weisen (drei Dimensionen der Raum plus die Zeit) nicht zugänglich sind.

Ebenso wie die Schildkröte.

Definition: Diese von der Schöpfung getrennte Personalität nenne ich einen Geist.

Und ich nenne die von der Scildkröte ausgehenden Verdauungsgase Geist.

Definition: Eine Schöpfung = Werk entsteht durch die Handlung eines Handelnden, der nicht Teil der Schöpfung ist, von ihr unabhängig und frei, bei seinem Werk nur beschränkt, durch die der Schöpfung innewohnenden Regeln.

Beleg bitte.

Definition: Eine bewußte Schöpfung = bewußtes Werk ist eine Handlung, bei welcher der Handelnde seines Tuns bewußt ist und ein Ziel verfolgt, ein definiertes Ergebnis erwartet, oder sein Handeln approximativ anpasst, um eine Entwicklung zu ermöglichen.

Beleg bitte.

Annahme: Die Welt, das Universum ist eine bewußte Schöpfung.

Oder die Welt, das Universum ist das Produkt eines unglücklichen Verdauungsvorgangs der Schildkröte. Diese Annahme ist ebenso plausibel, wie jede andere, wenn man eine Annahme auf der Grundlage einer Annahme trifft, und einen Beweis präventiv damit ausschließt, dass der Schöpfer (Gott, die Schildkröte) dem Menschen nicht zugänglich ist, da er in einer Dimension hineinreicht, die der Mensch nicht erkennen kann.

Begleitaussagen: Der Schöpfungsbericht der Bibel schließt mit den Worten: Und er sah, dass es gut war!

Zusammenhang?

Daraus lässt sich die Übereinstimmung des Willens des Schöpfers mit seinem Werk schließen.

Nein, denn aus einer nicht belegbaren Annahme lässt sich keine belegbare Schlussfolgerung ziehen. Es bleibt eine pure Annahme.

Daraus ist zu folgern, das alles was ist, nach dem Willen des Schöpfers gut ist.

Eine mit einem subjektiven Werturteil versehene Folgerung, basierend auf einer Schlussfolgerung, die auf einer Anahme beruht.

Die Tatsache, dass der Mensch den Regeln dieser Welt unterworfen ist, was sich daran zeigt, dass seine Existenz an die gleichen Bedingungen geknüpft ist, wie alle anderen Lebewesen, die Tatsache, dass der Mensch Opfer von Fressfeinden werden kann, man denke an die Pestepidemien, an die hohe natürliche Kindersterblichkeit, die nur durch Kulturleistungen reduziert werden kann, nicht durch Beten oder religiöse Rituale, beweist, dass Gott keine Unterschiede macht.

Bestimmte Arten von Bakterien können in siedendheißen Wasser oder in eisiger Kälte überleben. Menschen nicht. Es gibt Krankheiten, die Menshen befallen, andere Lebewesen aber nicht. Das sind beobachtbare Tatsache. Wie kann man daraus schließen, dass Gott keine Unterschiede machen würde?

Natur- und Sozialwissenschaften zeigen, dass die Welt Regeln gehorcht. Auch künstliche Systeme, wie Unternehmen oder die Volkswirtschaft gehorcht Regeln, Regeln die sich aus dem einem System innewohnenden Eigenschaften ergeben.
Der Versicherungsgedanke ist genial, weil er Risikosteuung erlaubt. Unser Sozialsystem ist letztlich ein Versicherungssystem auf Gegenseitigkeit.

Relevanz?

Ein „Paradies“ ist nur möglich, wenn ich die Individualität der Biomasse abschaffe. Ansonsten beruht das Leben darauf, dass Einer den Anderen frisst. Es ist ein System des Wettbewerbs, das Konkurrenz und Entwicklung ermöglicht. Das grazile Wesen der Gazellen und die Geschwindigkeit des Geparden bedingen einander.

Relevanz?

Der Mensch als kleiner Gott: Die Fähigkeit des Menschen, losgelöst von einem festen Reiz-Reaktions-Handeln (Instinkthandeln) Konzepte zu entwickeln, in einen virtuellen Raum aufzubauen, zu planen und zu phantasieren, die Handlung vor deren Durchführung zu simulieren, geistig zu sein, macht den Mensche zu einem kleinen Abbild Gottes, gibt ihm eine Ahnung göttlicher Freiheit.
Er löst sich damit aus der göttlichen Schöpfung und wird selbst zu einem Schöpfer.

Dass ist eine mögliche Interpretation, wenn man der Folgerung der Schlussfolgerung der Annahme folgt, dass Gott existiert, wofür es aber keinen Beleg gibt.

Da er damit aber ein unvollkommenes und fehlbares Geschöpf ist, kann diese Freiheit zum Bösen führen, und der Mensch braucht Regeln, die nun aber kulturell vermittelt werden, d.h. durch Lernen = Erziehung.

Doch was ist das Böse?

Die Vertreibung aus dem Paradies ist die Metapher für dieses Problem. Durch die Erkenntnisfähigkeit wird der Mensch in ganz kleinem Rahmen gottgleich und ist damit aber auch von Gott getrennt. Die kindliche Unschuld, sofern es so was überhaupt gibt, ist verloren. Vielleicht sollten wir eher von der  tierischen Naivität sprechen.

Aber wo ist der Beleg dass es Gott gibt, und dass all diese Annahmen und Interpretationen überhaupt zutreffen?

Annahme: Gott und Jahwe sind verschiedene Personen.

Annahme: Die Schildkröte und der Frosch sind verschiedene Personen.

Während Gott, der Schöpfer, an seiner Schöpfung zu erkennen ist, an der Harmonie der Regeln und der Abläufe in der Welt,

Beleg bitte.

ist Jahwe der Gott der Menschen, der Gott der Gebote und der Strafen, der sich dann bei Hiob selber ad absurdum führt, als er sich über die von ihm erlassenen Gebote erhebt, der König, der die von ihm erlassenen Gebote nicht erfüllt.

Die Schildkröte ist der Schöpfer, der Frosch der Gott der Menschen.

Hypothese: Jahwe ist ein kulturelles Konstrukt, der von Menschen kodifizierte Regeln des Zusammenlebens und des Überlebens durch Bezug aufs Göttliche legitimiert. Regeln können funktional sein, sofern sie die dem System immanenten Gesetzmäßigkeiten abbilden und helfen, sinnvoll Ziele zu erreichen. Regeln können aber auch disfunktional sein, wenn sie der Schöpfung entgegenstehen und dadurch unnötig Leid erzeugen.

Okay.

Wäre Homosexualität eine Kulturfolge, das heißt eine Folge von Lernen, wäre eine Regel sinnvoll, welche dieses Lernen verbietet, wenn das Ziel ist, Fortpflanzung zu sichern.

Wenn…

Da Homosexualität aber aus dem Wesen des Menschen selbst erwächst, es Teil der Natur=Schöpfung ist, sind Regeln, welche Homosexualität verdammen disfunktional, als wolle man einem Fisch verbieten, im Wasser zu leben.

Okay.

Wer Gottes Wille begreifen will, muss ernsthafte Wissenschaft betreiben, welche die Regeln des Kosmos zur Basis macht, wozu auch Mathematik insbesondere auch Logik gehören. Vor allem aber die Beobachtung des Lebens und der Natur selber.

Okay.

Wie sich ein Künster in seinen Werken offenbart, so auch Gott in seiner Schöpfung.

 

Oder die Schildkröte.

Jesus steht Gott näher, als Jahwe.

Wer ist Jesus und inwiefern ist er relevant?

Durch seinen Opfertod erlöst Jesus den Menschen vom Urteil durch das Gesetz (Jahwe) und macht ihn frei für die Begegnung mit Gott.

Beleg bitte.

Indem Jesus die Gesetze nicht auflöst, erhält er dem Menschen das geistige Korsett, das dieser für ein für sich und die Umwelt verträgliches Leben benötigt, nimmt ihm aber durch die Möglichkeit der Gnade die unerbittliche Schärfe, wodurch es dem Menschen möglich wird, disfunktionale Regeln zu brechen, z.B. restriktive Ernährungsregeln.

Beleg bittte.

Dass Paulus hier neue Regeln einführt beweist nichts, denn die Texte firmieren ja unter Paulus, und Paulus ist kein Prophet und nicht Wesensgleich mit Jesus. Er legt seine Schlussfolgerungen, seine Meinungen dar, Menschenwerk eben. Und selbst Paulus sagt, dass das Gesetz (Jahwe) für den Menschen gemacht sei und nicht der Mensch für das Gesetz.

Wer ist Paulus und inwiefern ist er relevant??

Der Kern christlichen Denkens ist die Nächstenliebe, welche in dem Satz kulminiert: Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst. Dabei geht es nicht nur darum, keinen unnötigen Schaden zu erzeugen, sondern vielmehr darum, wo möglich, Nutzen zu stiften.

Was hat das Christentum mit einem Gott zu tun, der von Menschen nicht zu verstehen, da er in Dimensionen hineinreicht, die einem als vierdimensionalen Weisen (drei Dimensionen der Raum plus die Zeit) nicht zugänglich sind.

Also kommen wir zu Jesus’s Rezor bezüglich Homosexualität:

Okay.

Wem schadet es, wenn zwei Menschen in Liebe und gegenseitigem Einvernehmen ihre sexuelle Neigung ausleben? – Niemand! –  Also, erledigt! – Ach, es entstehen keine Kinder? Nun, dann ist auch das Leben der Mönche und Nonnen sündig! Denn wenn Gott gewollt hätte, dass wir keusch leben, hätte er uns keine Sexualorgane wachsen lassen und keine Libido geschenkt! – Nicht wahr?

Nicht unbedingt. Es könnte auch sein, dass Gott manche Menschen mit Homosexualität strafen wollte, oder Menschen testen wollte, ob sie ihre Homosexualität ausleben. Es könnte sein, dass Homosexualität die Folge des menschlichen Abkehr von Gott ist.

Es könnte aber auch sein, dass Homosexualität in Wirklichkeit ein unverdautes Reststück aus dem Erbrochenen der Schildkröte ist.

Oder es könnte sein, dass Homosexualität ein Phänomen ist, das noch nicht hinreichend geklärt wurde.

Wenn Du, „DschinDschin“, aber eine Schlussfolgerung auf der Annahme aufbaust, dass Gott existiert, dann bringe bitte Belege für Gott. Andernfalls sind Deine Ausführungen nichts weiter als eine bloße Geschichte, kurzwilig zwar, aber als Erklärung für die Welt ebenso relevant wie mein Märchen von der Schildkröte.

Jeder kann sich Geschichten ausdenken. Dazu gehört nur ein wenig Phantasie.

Es braucht schon mehr, um mich zu überzeugen.

Beschneidung – Das letzte Wort (?)

Beschneidung in Deutschland ist aus mindestens drei Gründen falsch:

Erstens ist es eine Verletzung der körperlichen Unversehrtheit des Kindes.

Zweitens ist es eine Verletzung des Grundsatzes der Gleichberechtigung der Geschlechter, da es weiterhin verboten ist, Mädchen zu beschneiden.

Drittens ist es eine Diskriminierung auf Grund von Weltanschauungen, da nur bestimmte Weltanschauungsträger ihre Söhne beschneiden dürfen, andere aber nicht.

Zur Ethik und Recht:

Zunächst einmal Religion nichts anderes als eine Weltanschauung unter vielen. Religionsfreiheit ist demnach ein überflüssiges Rechtskonstrukt. Religion bräuchte keinen gesonderten Schutz. Ein gesonderter Rechtsstatus wird bestimmten Religionen nur deshalb eingeräumt, weil bestimmte Religionen sehr alt sind, und seit Jahrhunderten Extrawürste bekommen. Würde ich eine Religion gründen und postulieren, dass diese es notwendig mache, meinem Kind den kleinen Zeh zu amputieren, würde man mich bestenfalls auslachen und schlimmstenfalls ins Gefängnis sperren. Daran erkennt man, dass der Staat selbst nicht an Religionsfreiheit glaubt, sondern diese nichts anderes als die Bevorzugung bestimmter Weltanschauungen darstellt, an die man sich gewöhnt hat.

Zweitens sollte eigentlich jedem ethisch denkenden Menschen klar sein, dass es nicht richtig sein kann, ein Kind dauerhaft und irreversibel, ohne dessen Einwilligung und unter Zufügung schlimmster Schmerzen zu verstümmeln. Nur die Vorschusslorbeeren die eine Gesellschaft traditionellen Religionen zuweist, macht aus einem derartig eindeutig widerlichen Akt ein diskussionswürdiges Thema. Nur Religion schafft es, dass Menschen nichts daran finden, einem kleinen Säugling etwas wegzuschnippeln, während dieser vor Schmerzen brüllt – und das im Namen eines unsichtbaren Zauberers im Himmel. Das alles ist so grotesk und bescheuert, man möchte kotzen – sorry für die Ausdrucksweise.

(zuerst veröffentlicht als Kommentar bei „Erzaehlmirnix„)

Religionsfreiheit erklärt

Zunächst sollte man sich klar machen, dass Religion nur eine Meinung und ein Lebensstil ist. Sie ist nicht mehr als tausend andere Ansichten über die Beschaffenheit der Welt und den „korrekten“ Weg der Lebensführung. Religion hat daher ebensowenig Anspruch auf einen gesonderten Schutz oder eine gesonderte Stellung wie Vegetarismus oder die Verehrung von Bayern München. Religionsfreiheit als gesondertes Rechtsgut dürfte es demnach gar nicht geben; Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und ein Recht auf Privatsphäre reichen vollkommen aus.

Was aber kann unter dieser Maßgabe überhaupt als Religionsfreiheit gelten?

Religionsfreiheit ist es kein Schweinefleisch zu essen, weil Gott Schweine für unrein hält. Religionsfreiheit ist es auch, Homosexualität für einen sündhaften Lebensstil zu halten, weil Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat.

Dürfen religiöse Menschen nun für ihre Überzeugungen werben? Natürlich! Sie dürfen jederzeit dafür eintreten, dass Menschen auf den Genuss von Schweinefleisch und homosexuelle Betätigung verzichten.

Diese Religionsfreiheit gibt religiösen Menschen aber nicht das Recht, anderen den Verzehr von Schweinefleisch zu verbieten oder sich zu weigern Schweinefleisch zu verkaufen, wenn man in einer Metzgerei arbeitet. Es gibt ihnen auch nicht das Recht, die Vergabe von Heiratslizenzen an homosexuelle Paare zu verweigern, wenn sie im Standesamt arbeiten.

Kurz gesagt: Religion bestimmt das Leben der Religiösen. Sie haben aber keinen Anspruch darauf, dass jeder nach der Pfeife ihrer Religion, ihrer Meinung, ihrer Weltanschauung, tanzt.

Eigentlich nicht so schwer, oder?

Gott als Arbeitgeber

In den USA spielt sich momentan eine Posse ab, die ich mit einer Mischung aus Ärger und Amüsement zur Kenntnis nehme. Im Bundesstaat Kentucky weigert sich eine Angestellte des öffentlichen Dienstes, Kim Davis, seit mehreren Wochen, Ehelizenzen auszustellen, obwohl genau dies Teil ihres Jobs ist. Sie tut dies auf der Basis ihres religiösen Anschauung, welche es nicht erlaube, eine Ehe zwischen Personen gleichen Geschlechts gutzuheißen. Mittlerweile hat das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten bestimmt, dass Davis Ehelizenzen ausstellen muss. Sie weigert sich dennoch standhaft und beruft sich weiterhin auf die Autorität von Gott, der sie unterstellt sei.

Nun mag man sich wundern, warum man die Dame nicht einfach entlässt. Immerhin weigert sie sich nicht nur, ihren Beruf nachzugehen, nein sie stellt sich sogar explizit gegen ihren Arbeitgeber und gegen die Gesetze des Landes für das sie tätig ist, sondern auch gegen die Bürger der USA. Sie scheint offenbar nicht zu begreifen, dass sie nicht für Gott arbeitet, sondern für die Regierung Kentuckys und der Vereinigten Staaten von Amerika. Gott zahlt ihr kein Gehalt, es sind die Steuer zahlenden Bürger. Und genau diesen verweigert sie Ehelizenzen. Im Grunde genommen ein ungeheuerlicher Vorgang.

Dummerweise werden Angestellte des öffentlichen Dienstes in Kentucky gewählt, so dass man Davis nicht einfach entlassen kann. Man muss sie entweder abwählen oder sie durch ein Verfahren wegen Amtsmissbrauch aus ihrer Position entfernen. Letzteres ist allerdings ein langwieriger, mühevoller Prozess, zu dem sich der konservative Südstaat Kentucky bislang nicht durchringen konnte. 

Diese Geschichte macht einmal mehr deutlich, wie absurd das Konzept der Religionsfreiheit als Philosophie ist; absurd in dem Sinne, dass der eigene Glaube wichtiger als alles andere sei, solange man nur Gott als Autorität zitieren kann. Man stelle sich vor, ein Jude würde in einer Metzgerei arbeiten und sich auf der Basis seiner Religion weigern, Schweinefleisch zu verarbeiten. Oder man denke sich eine Muslima in einem Bekleidungsgeschäft, die Gotts Autorität anruft um ihr „Recht“ durchzusetzen, keine Dessous zu verkaufen.

Wenn das alles akzeptabel sein soll, erfinde ich demnächst meine eigene Religion. Und diese wird besagen, dass mein Gott es mir während meiner Arbeitszeit vorschreibt, jede Stunde eine Pause von 45 Minuten einzulegen.

Kim Davis ist übrigens bereits zum vierten Mal verheiratet. Dagegen hatte Gott offensichtlich nichts zu sagen.

Carsten, ich will kein Kind von Dir!

Konservative Mitglieder der evangelischen Kirche dürfen aufatmen. Denn endlich wurde mit Carsten Rentzing ein Landesbischof ins Amt berufen, der etwas gegen Homosexuelle hat. Was er natürlich bestreitet. Denn natürlich hat niemand etwas gegen Homosexuelle. Nur etwas gegen gelebte Homosexualität. Und gegen homosexuelle Pfarrer. Im Pfarrhaus. Weil Gott das nicht will. Oder so.

Die Welt: Herr Rentzing, was haben Sie gegen homosexuelle Paare?

Carsten Rentzing: Gegen homosexuelle Paare habe ich überhaupt nichts.

Unsinn! Wenn Rentzing nichts gegen homosexuelle Paare hätte, würde er sich dafür einsetzen, dass diese in der evangelischen Kirche ebenso wie heterosexuelle Paare behandelt werden.

Die Bibel sagt, dass die homosexuelle Lebensweise nicht dem Willen Gottes entspricht.

Verharmlosung! Die Bibel sagt, dass Menschen, die der homosexuellen Lebensweise frönen, getötet werden sollen.

Diese Aussagen der Bibel machen es mir persönlich schwer, jemandem zu raten, dass er seine Homosexualität leben solle. Dies anzusprechen, müssen wir Christen uns vorbehalten.

Wenn Rentzing nichts gegen homosexuelle Paare hätte, diese Ansicht aber mit dem Willen Gottes und er Bibel für unvereinbar hält, würde er Atheist werden, oder sich einen Gaubensinterpretation wählen, die nichts gegen Homosexuelle hat. Tut er aber nicht. Also hat er was gegen Homosexuelle.

Ich versuche, den Begriff der Sünde in diesem Zusammenhang zu vermeiden, weil man damit schnell beim moralischen Verwerfen bestimmter Lebensweisen ist. Und genau darum geht es nicht! Aber wenn wir homosexuelle Beziehungen in Pfarrhäusern uneingeschränkt zuließen – und dagegen richten sich die kritischen Stimmen –, würde die Kirche das Signal setzen, dass Homosexualität aus Gottes Sicht in Ordnung wäre.

Es geht also nicht um das moralische Verwerfen der Homosexualität, andererseits aber darf man nicht den Eindruck erwecken, dass Homosexualität okay ist, weil das Gott ärgerlich machen würde. Denn dieser findet Homosexualität nun mal verwerflich. Denn Gott ist eine richtige Bitch. Ärgert man den, schickt er eine Flut und bringt jeden Menschen um. Ist halt so.

Die Welt: Sie ist vor Gott nicht in Ordnung?

Rentzing: Das sage ich nicht. Ich maße mir nicht an, Gottes Willen zu definieren. Ich muss aber umgekehrt sagen, dass man auf der Basis der Bibel nicht erklären kann, Homosexualität sei vor Gott in Ordnung.

Rentzing maßt sich also nicht an, Gottes Willen zu definieren, ist sich aber sicher, dass Gott Homosexualität nicht in Ordnung findet. Um das logisch zu finden, muss man offensichtlich Theologie studiert haben.

Die Kirche kann nicht Aussagen treffen, die vor dem Wort der Bibel keinen Bestand haben.

Unsinn! Natürlich kann sie das. Wann hat die evangelische Kirche denn zuletzt eine Debatte über die Sündhaftigkeit von Shrimps, Tattoos oder der Gesichtsrasur geführt? Und wieso hat die evangelische Kirche nichts gegen Frauen in Führungspositionen, wenn es in der Bibel doch eindeutig heißt, dass das Weib in der Gemeinde zu schweigen habe?

Deshalb hielte ich es für falsch, durch die uneingeschränkte Zulassung homosexueller Partnerschaften im Pfarrhaus das Signal zu setzen, dass Gott der Herr die homosexuelle Lebensweise für die Bestimmung dieser Menschen hält.

Man sollte Nachsicht mit Renzing haben. Denn allzuviel ist vom evangelischen Glauben nicht mehr übrig. Aber eine Gruppe, die man diskriminieren und über die man sich moralisch erheben kann, braucht man halt. Sonst ergibt Religion keinen Sinn. Mit Frauen geht das nicht mehr, bei Geschiedenen ist auch nicht so angesagt und vorehelicher Sex macht einfach zu viel Spaß.

Homosexuell aber, das sind wir fast alle nicht. Also bietet es sich geradezu an, mit dem Finger auf deren Verfehlungen zu zeigen, während man selbst seine Hände in Unschuld wäscht und Gott als Entschuldigung für seine Antipathien vorschiebt.

Was Vitus Huonder gesagt hat

Eines vorneweg: Ich finde es unmöglich, dass sich die hiesigen Medien nicht mal die Mühe machen, in ihren Internetangeboten auf Originalquellen zu verlinken. Mich hat es keine drei Minuten gekostet, um die Internetseite des Bistums Chur aufzurufen, um das Manuskript de Rede Bischofs Huonders aufzurufen, um den Kontext der umstrittenden Passage einordnen zu können. Ich finde es im höchsten Maße unseriös von den Medien, lediglich Zitate wiederzugeben, und diese mit eigenen Interpretationen zu versehen, ohne auf die Originalquelle zu verweisen. Und es ärgert mich, dass ich hier auf einem Meinungsblog eine Arbeit erledige, die eigentlich die Aufgabe professioneller Journalisten sein sollte.

Falls sich nun einer wundert, warum ich größeren Ärger über die Medien als über die Rede Huonders verspüre, dem sei gesagt: Ich erwarte von der Römisch-Katholischen Kirche nichts anderes als die Ableitung menschlicher Ethik aus einem 2000 Jahren alten Buch, mutmaßlich inspiriert von einer (außer)kosmischen, allmächtigen Entität, die uns alle erschaffen haben soll und uns zugleich beständig überwacht, damit wir uns auch ja korrekt verhalten, zusammengetragen von Hirtenstämmen, die keine Ahnung von irgendetwas hatten, außer wie man Kamle und  Ziegen in der Wüste hütet.

Huonder Rede Fulda 1Huonder Rede Fulda 2

Nach diesem Rede ist mir nicht ganz klar, wie Huonder sich hinstellen und behaupten kann, er fände die Todesstrafe für Homosexuelle nicht angemessen. Das genau das lässt sich relativ leicht aus seiner Rede ableiten:

  1. Levitikus fordert die Todesstrafe für praktizierte männliche Homosexualität.
  2. Huonder bezeichnet Levitikus im Zusammenhang mit anderen Bibelstellen als „göttliche Ordnung“, „welche für den Umgang mit Sexualität gilt“.
  3. Huonder bezeichnet die Passage aus Levitikus als hinreichende Basis zur Beurteilung der Frage der Homosexualität, insbesondere ihrer Praxis.
  4. Anerkennung kann sich ein Menschen mit homophiler Neigung nur durch Heterosexualität oder Keuschheit erwerben.
  5. Alles andere widerspricht der göttlichen Ordnung zur Homosexualität, welche in Levitikus festgelegt ist

Sicher, man könnte argumentativ spitzfindig darauf hinweisen, dass die von Huonder gutgeheißene göttliche Ordnung, eben lediglich die Todesstrafe für praktizierte Homsexualität vorsieht, nicht für die homophile Neigung. Man möge mir verzeihen, dass mir diese Unterscheidung reichlich egal ist, da

a) wenn es einen Gott gibt, dessen Ordnungsrahmen die Todesstrafe für einvernehmlichen Sexualität vorsieht, ich diesen Gott nur für ein Arschloch halten kann, den man bekämpfen muss;

b) ich dieses Werturteil dann auch auf die Anhänger dieses Gottes übertragen muss;

c) weder Menschen noch Gott das Recht haben, über mich oder mein Leben zu bestimmen.