Sexualität ist sexistisch – Merkt Euch das!

Sexy Ad 1Sexualität ist böse. Sexualität ist Unterdrückung der Frau. Sexualität führt zu sexueller Belästigung und Vergewaltigung. Sagen Feministen. Und weil Feministen immer recht haben, dürfen sie auch die SPD beraten, die dann auch prompt über das ihr hingehaltene Stöckchen springt:

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will mit einer Gesetzesänderung geschlechterdiskriminierende Werbung verbieten. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Der Entwurf von Maas sieht vor, dass künftig Plakate oder Anzeigen unzulässig sein könnten, die Frauen oder Männer auf Sexualobjekte reduzieren. Im Streitfall würde ein Gericht die Entscheidung treffen.

Denn sich zum Sexualobjekt reduzieren zu lassen, ist furchtbar, weil Sex zu mögen und Sex haben zu wollen, voll böse ist, weil Feministen das halt so behaupten.

Das Nachrichtenmagazin berichtet, die Änderung des Gesetzes entspräche der Umsetzung eines Beschlusses der SPD-Parteispitze nach den sexuellen Übergriffen an Silvester in Köln. Die Partei will demnach ein „modernes Geschlechterbild“ in der Gesellschaft formen.

Und weil es die Aufgabe der Regierung ist, dem Volk vorzuschreiben, was für ein Geschlechterbild es gut zu finden hat, ist es zwingend notwendig, Sexy Ad 2halbnackte Weiber auf Werbeplakaten zu verbannen, weil sonst Menschen aus sexualrepressiven Staaten auf die Idee kommen könnten, Sexyness lädt zur sexuellen Belästigung ein, während man vor dem Kölner Hauptbahnhof auf eine Gelegenheit zum Taschendiebstahl wartet.

Damit also die hiesige Bevölkerung und die Neubürger lernen, dass man gefälligst keine Menschen vergewaltigt, muss in Deutschland die Sexualität aus der Öffentlichkeit getilgt werden. Denn wie jeder weiß, wird das Selbstbestimmungsrecht über sich, seine Körper und seine Sexualität vor allem in den Gesellschaften besonders hoch geachtet, in denen es keine sexualisiserte Werbung gibt. In Saudi-Arabien oder dem Iran beispielsweise, Ländern, an denen wir uns dringend ein Beispiel nehmen sollten.

Maas hat sich für den Entwurf von der Organisation Pinkstinks beraten lassen. Die Aktivisten fordern seit langer Zeit ein Verbot von sexistischen Inhalten in der Werbung.

Sexy Ad 3Und man kann davon ausgehen, dass in wenigen Jahren, Pinkstinks und andere Radikal-Feministen die Einführung der Scharia und der Burka fordern werden. Ganz im Sinne der Frau, um sie vor dem schrecklichsten Wesen dieses Planeten zu beschützen: dem Mann.

Equal Pay Day

Am Equal Pay Day wollen uns Feministen einreden, dass Unternehmer freiwillig mehr Lohnkosten an Männer zahlen, obwohl Frauen die gleiche Arbeit für weniger Geld verrichten.

Am Equal Pay Day wollen uns Feministen einreden, dass Menschen, denen es Spaß macht, sich zu schminken und tonnenweise nach Schuhen und Handtaschen zu shoppen, die gleichen Lebens- und Berufsentscheidungen treffen, wie Menschen, die im Stehen pinkeln und denen es Spaß macht, zuzuschauen wie sich 20 Feldspieler um einen Ball streiten. 

Am Equal Pay Day wollen uns Feministen einreden, dass sie für Gleichberechtigung und Gleichheit vor dem Gesetz eintreten, wenn sie doch nichts anderes wollen, als mehr Geld für weniger und gleiches Geld für ungleiche Arbeit.

Von der Wölfin im Schafspelz

Nanu, so denkt man sich, was ist denn jetzt los? Liest man da tatsächlich einen Artikel der sich kritisch mit dem Feminismus auseinandersetzt und das auch noch in der „Zeit“? Steht eine Zeitenwende bevor, in der Feminismus nicht mehr wie eine geheiligte Religion behandelt wird, die man nicht kritisieren darf?

Gemach, gemach. Ganz so revolutionär ist der Artikel von Meike Lobo nicht. Denn die klassisch-feministische Prämisse von der armen unterdrückten Frau und der bösen Männerwelt bleiben selbstverständlich unangetastet. Sonst wäre es kein Feminismus.

Spätestens die Ereignisse von Köln haben mit schonungsloser Deutlichkeit gezeigt, dass die Gesellschaft einen Feminismus braucht.

Man kann die Ereignisse von Köln aus verschiedenen Blickwinkeln lesen:

Erstens aus dem Blickwinkel, dass Männer aus dem islamisch-nordafrikanischen Kulturraum eine andere Einstellung zu Frauen haben, als der westlich-europäische Mann.

Zweitens, dass wir in Deutschland ein Integrationsproblem mit Männern aus dem islamisch-nordafrikanischen Kulturraum haben, bzw. bekommen werden.

Drittens, dass Frauen in Köln Gewalt erlebt haben, die für Männer seit Jahrtausenden normal ist (die meisten Gewaltopfer weltweit sind Männer).

Viertens, dass Männer eine Gefahr für Frauen sind.

Es sollte nicht überraschen, dass Lobo, als Feministin, sich für die vierte Perspektive entscheidet:

Der selbsternannte Postfeminismus, die Müdigkeit, sich mit feministischen Themen zu befassen, weil wir dieses ganze Geschlechterdings angeblich längst hinter uns haben, wurde durch die sexuellen Massenübergriffe gegen Frauen in der Silvesternacht als bequeme Selbsttäuschung entlarvt. Frauen werden immer noch durch Männer in ihrer Freiheit eingeschränkt, in einigen Situationen sicher stärker als in anderen, aber von einem allgemeinen Respekt vor der Unantastbarkeit der sexuellen Selbstbestimmung der Frau kann keine Rede sein.

Eben. Denn auch im liberalen Deutschland ist das Leben für Frauen eine einzige Zumutung, weil Männer ihnen weder Freiheit noch sexuelle Selbstbestimmung gönnen.

Man darf bezweifeln, dass der moderne Feminismus in seiner derzeitigen Form diesem Anspruch gerecht wird oder überhaupt gerecht werden kann. Sucht man nach einem Beispiel für die sprichwörtliche verbrannte Erde, dann ist die Frauenbewegung ein ziemlich geeignetes Terrain. Feministische Themen lassen die Kommentarspalten von Medien und Blogs zuverlässig mit Beschimpfungen überquellen. Diese offenbaren eine ungeheure Wut gegen die Bewegung, gegen ihre Positionen und die Menschen, die in ihrem Namen sprechen. Die Anfeindungen reichen dabei von harmlosen Beleidigungen bis hin zu Vergewaltigungs- und Todesdrohungen. Einhundert Jahre nach den ersten Protesten englischer Suffragetten, die für das Wahlrecht der Frauen eintraten, ist das eine erschütternde Bilanz.

Eigentlich nicht, denn immerhin besitzen Frauen einhundert Jahre nach den ersten Protesten englischer Suffragetten das Wahlrecht. Was nun die Anfeindungen angeht, die von harmlosen Beleidigungen bis hin zu Vergewaltigungs- und Todesdrohungen reichen, darf man Frau Lobo daran erinnern, dass dies zwar bedauerlich sein mag, aber keineswegs auf feministische Themen beschränkt ist. Für jedes kontroverses Thema werden sich asoziale Hohlköpfe finden, deren Argumentationsstil nicht über das Beschimpfen und Bedrohen hinausgeht. Auch Männer, die über kontroverse Themen schreiben, müssen das im Zeitalter des Internets erdulden. Mit Frauen und Feminismus hat das primär erst einmal nichts zu tun.

Die leichte Entflammbarkeit feministischer Diskussionen ist jedoch nicht allein das Resultat männlicher Angst vor dem Machtverlust.

Lobo outet sich hier erneut als lupenreine, klasssiche Feminstin, die die Welt in zwei Sphären einteilt: Hier die Männer mit der Macht und dort die armen, machtlosen Frauen. Und einen anderen Grund gegen Feminismus zu sein, als die „Angst vor dem Machtverlust“, kann es für Männer ja nicht geben, nicht wahr?

In Blogs und Medien findet sich neben den obligatorisch beleidigten Männerrechtlern immer öfter auch berechtigte, sachliche Feminismuskritik von Autoren und Autorinnen, die sich durchaus mit den Zielen der Frauenbewegung identifizieren können.

Was auch immer diese Ziele, in einem Zeitalter, in dem Frauen alle Rechte haben, sein sollen.

Der Grund für diesen scheinbaren Widerspruch liegt unter anderem darin, dass der Feminismus selbst allzu oft Ressentiments schürt, auch unter potenziellen Unterstützern. […]

Die Mitglieder der Frauenbewegung sägen mit dieser abschottenden Haltung an dem Ast, auf dem sie sitzen. Denn der Erfolg einer Gesellschaftsbewegung hängt nicht nur von ihrem Selbstverständnis, sondern in besonderem Maße auch von ihrer Außenwirkung ab. Feministinnen müssen deshalb lernen, Kritik ernst zu nehmen.

Und es ist eigenlich erstaunlich, dass man Feministen auf diese Umstand hinweisen muss.

Die grellen Stimmen des Feminismus finden nichts dabei, den wütenden Mob zu geben. In ihrer Empörung ist jemand, der vor Kameras ein Shirt mit Pin-up-Motiven trägt, praktisch das Gleiche wie jemand, der eine Frau vergewaltigt.

Und für die gemäßigte Feminstin Lobo sind die Ereignisse von Köln praktisch das Gleiche wie eine Verschwörung der Männerwelt  gegen die Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung der Frau.

Die moderne Frauenbewegung gefährdet aktiv die Unterstützung für die Opfer männlicher Gewalt, indem sie immer nichtigere Anlässe zu gewaltsamen Akten erklärt, etwa verbal violence nach verunglückten Dates. Der gefährliche Missbrauch des Themas Gewalt führt nicht etwa zu mehr Solidarität mit Opfern, sondern ganz im Gegenteil zu mehr Skepsis gegenüber Berichten über Gewalterfahrungen. Der Feminismus arbeitet damit der rape culture zu, die Opfern zu wenig Glauben schenkt und die Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung allzu oft als Lappalie abtut.

Und auch eine gemäßigte Feminstin wie Lobo impliziert nicht nur, dass Frauen exorbitant unter der Gewalt von Männern zu leiden haben (dabei sind die meisten Gewaltopfer von Männern andere Männer, und im Bereich häusliche Gewalt sind beide Geschlchter gleichermaßen Opfer), nein sie legitimiert gar die radikalfeministische These der Existenz einer „Rape Culture“, also einer Kultur, in der Frauen systematisch vergewaltigt werden und in der Vergewaltigung nicht oder nur sehr milde bestraft wird, weil die Opfer halt nur Frauen seien und damit als minderwertig gelten würden.

Gut möglich, dass sich hier, nach Jahrtausenden der Unterdrückung, eine Wuteruption Bahn bricht.

Jahrtausendelange Unterdrückung aller Frauen durch alle Männer in allen Gesellschaften. Wobei zu berücksichtigen ist, dass die Unterdrückung aller Frauen durch alle Männer so grausam und allumfassend gewesen ist, dass Frauen, obwohl sie die Hälfte der Bevölkerung in allen Gesellschaften stellen, erst in den letzten Jahrzehnten Anlass gesehen haben, etwas dagegen zu unternehmen…

Doch das lautstarke Zetern über die Zumutungen der Männerwelt scheint eher Programm als Ausrutscher zu sein. Was fehlt, sind Analysen, Ursachenforschung und die für alle verständliche Vermittlung der Mechanismen der Ungerechtigkeit.       

Wobei sich diese Analysen, Ursachenforschungen und die für alle verständliche Vermittlung der Mechanismen der Ungerechtigkeit, natürlich nur auf die Ungerechtigkeiten gegen Frauen zu beziehen haben, denn erstens haben Männer die Macht und zweitens sind sie eine Zumutung für Frauen.

Beobachtbar war das gerade auch nach den Übergriffen von Köln, als sich innerhalb kurzer Zeit das feministische Bündnis #ausnahmslos bildete, das nicht nur pauschal die Abschaffung von sexueller Gewalt, sondern auch – da die Täter überwiegend dem muslimisch geprägten Kulturraum entstammten – von Rassismus forderte. Eine Analyse sowohl der Auslöser als auch der strukturellen und kulturellen Ursachen der Übergriffe unterblieb auch hier, während paradoxerweise gleichzeitig die Wichtigkeit einer differenzierten Debatte betont wurde.

Und auch Lobo springt auf diesen Zug auf, indem sie Übergriffe von überwiegend dem muslimisch geprägten Kulturraum entstammenden Tätern zum Ausgangspunkt macht für die Wichtigkeit des Feminismus gegen die Zumutungen der Männerwelt.

Der Feminismus ist heute kaum mehr als die ständige Neuformulierung der immer gleichen Haltung: „Männer, Ihr macht die Welt schlecht für Frauen, hört auf damit.“ Mit seiner anklagenden, passiven Erwartungshaltung redet der Feminismus den Frauen ständig ein, dass sie kaum Einfluss auf den Verlauf ihres Lebens und die Erfahrungen, die sie in dieser Welt machen, nehmen können. Das ist das Gegenteil von empowerment. Vermutlich ohne es zu wollen, beschwört er immer wieder das Narrativ vom schwachen Geschlecht, das nur durch das gute Verhalten ehrbarer Männer frei sein kann, ein Prinzessinnen-Mythos in Reinkultur. 

Man mag mir verzeihen, aber hat Lobo nicht erst vor ein paar Zeilen diesem Mythos gefrönt? Und tut sie das nicht auch weiterhin?

Die Frauenbewegung lehnt jede Verantwortung der Frau für eine Verbesserung der Verhältnisse ab und verstärkt dadurch die weibliche Passivität. Er ist zu einer niemals endenden Arbeitsbeschaffungsmaßnahme geworden, die ihm selbst und den unterdrückten Frauen die Illusion vermittelt, es täte sich etwas, obwohl die Ursachen der Unterdrückung und Gefährdung von Frauen seit Jahrtausenden unangetastet bestehen bleiben.

Erste feministische Prämisse: Frauen werden auch heute, in Deutschland, unterdrückt.

Zweite feministische Prämisse: Die Ursachen der Unterdrückung und Gefährdung von Frauen liegen in dem, was radikale Feministen „Patriarchat“ nennen. Lobo verwendet dieses Wort hier nicht, teilt aber dessen grundlegenden Inhalt: Männer haben die Macht, die Männerwelt ist eine Zumutung, seit Jahrtausenden unterdrücken Männer Frauen.

Vielleicht ist das auch dem feministischen Selbsterhaltungstrieb geschuldet, denn eine unabhängige, selbstbestimmte Frau hat die Bewegung nicht mehr nötig. Doch so oder so: Eine Frau in einer ausbeuterischen Anstellung braucht nicht die Bestätigung ihrer Ohnmacht, sondern eine Ermutigung darin, diese Ohnmacht zu überwinden und selbst etwas zu tun, um die Welt mitzugestalten.

Und niemand hindert Frauen daran, ihre Ohnmacht zu überwinden und selbst etwas zu tun, um die Welt mitzugestalten. So ist es zum Beispiel kaum anzunehmen, dass irgendein Mann Frau Lobo daran gehindert hat, einen Artikel für die „Zeit“ zu schreiben (und damit Einfluss auf die gesellschaftliche Meinungsbildung zu nehmen) nur weil sie eine Frau sei, und sich gefälligt der Macht des Mannes unterzuordnen habe.

Doch nicht nur klagt der moderne Feminismus zu symptombezogen über die Benachteiligung der Frauen, er tut dies zu allem Überfluss auch noch auf sehr hohem Niveau. Natürlich gibt es Folgen der Geschlechterungerechtigkeit, die für die betreffenden Frauen so dramatische Auswirkungen haben, dass man ihre Behebung nicht aufschieben kann, bis das Problem an der Ursache beseitigt ist.

Und welche Folgen wären das?

Aber anstatt etwa häuslicher Gewalt oder der überwiegend schlechten Situation alleinerziehender Mütter den Kampf anzusagen, verbringt der moderne Feminismus viel Zeit damit, über social freezing, geschlechtergerechte Sprache und Vorstandsposten zu diskutieren. Es ist der gelangweilte, übersättigte Selbstverwirklichungsfeminismus privilegierter Frauen, die kaum noch echten Grund zum Klagen haben.

Das ist soweit korrekt, mit zwei Ausnahmen: häusliche Gewalt ist nicht geschlechterspezifisch und natürlich haben es alleinerziehende Mütter schlechter als nicht alleinerziehende Mütter. Allerdings sei daran erinnert, dass niemand Mutter werden muss, wenn die Situation erkennen lässt, dass derjenige, mit dem man ins Bett geht, (momentan) nicht an einem Leben als Vater mit Frau und Kind in einem Reihenhaus mit Labrador interessiert ist. Und ich betone das nur deshalb, um eine Lanze für die Selbstbestimmung und Selbstverantwortung der Frau zu brechen.

Magazine wie Edition F unterfüttern die „Ich will alles!“-Haltung mit einer mitunter befremdlichen Mischung aus Karriere- und Shopping-Tipps. Feminismus zwischen Business und Business-Mode. Die Prioritäten weiter Teile der Frauenbewegung sind derart befremdlich, dass sich schließlich eine ihrer bekanntesten Vertreterinnen, die englische Feministin Laurie Penny, von diesem Lager distanzierte. Zu wenig würde sich um die echten Probleme normaler Durchschnittsfrauen – Frauen also, die nicht übermäßig hübsch, schlank und gebildet sind – gekümmert und stattdessen zu sehr versucht, die kapitalistischen Ziele privilegierter Alphamänner zu kopieren.

Bezeichnend, dass Lobo hier keine Beispiele echter Probleme normaler Durchschnittsfrauen benennt; was andererseits aber auch gut für sie ist, denn ich bin relativ sicher, dass ich ihr bei Benennung dieser Probleme gleichermaßen würde darlegen können, dass Männer die gleichen oder ähnliche Probleme haben.

Die Imitation männlicher Lebensmodelle ist möglicherweise auch ein Grund dafür, dass sich auch immer mehr Frauen von der Bewegung abwenden. Der Feminismus hat jahrzehntelang versucht, ihnen einzureden, sie seien wie Männer und lediglich soziale Prägung hindere sie daran, auch so zu leben. Obwohl es zahlreiche Hinweise darauf gibt, dass die Geschlechter nicht gleich sind, lässt die Frauenbewegung angeborene Faktoren, die über reine Körperanatomie hinausgehen, bis heute kaum gelten. Der große Einfluss etwa der Geschlechtshormone, der unter anderem dazu führt, dass Wortfindungstests und Experimente zu räumlichem Denken bei Männern und Frauen unterschiedlich verlaufen, ist dem Feminismus nicht mehr als eine ärgerliche Marginalie, auf die er mit einem infantilen „Aber trotzdem!“ reagiert.

Wenn Lobo diese Analyse jetzt weiterführen würde, könnte sie möglicherweise auf die Idee kommen, dass eben diese angeborenen Faktoren ein Grund sein könnten, warum die Rollenverteilung der Geschlechter in den Jahrtausenden zuvor eben so gewesen ist, wie sie gewesen ist.

Aber Lobo wäre nicht Feminstin, wenn man stattdessen nicht lieber eine weitere Verschwörungstheorie über das Patriarchat erfindet:

Grund für diese Verleugnung ist die hartnäckige Abwertung des Weiblichen durch das Patriarchat. In unserer kapitalistischen Leistungsgesellschaft war lange kein Platz für ein Geschlecht, das zumindest ursprünglich sehr viel stärker in die Fortpflanzung eingespannt war als das andere. Frauen wurden über Jahrhunderte von Männern weggetätschelt, wenn es um gesellschaftliche Gestaltung, intellektuelle Zeitfragen und logische Probleme ging, weil man ihnen nicht zutraute, Teil der Lösung zu sein. Mehr als eine Milchbar auf zwei Beinen und die Verheißung sexueller Erleichterung hat man lange nicht in ihnen gesehen. 

Und ebenso polemisch könnte man behaupten, dass Frauen in Männern über die Jahrtausende nicht mehr als Arbeitssklaven gesehen haben, die sich für Frau und Kind zu opfern hätten.

Die Realität ist natürlich viel subtiler: Denn weder Frauen noch Männer können etwas dafür, dass es nun mal Frauen sind, die Kinder gebären können, sie stillen können, ein weitaus höheres Interesse am Aufwachsen und der Erziehung von Kindern zeigen, und dass sie körperlich schwächer sind als Männer. Dass dies möglicherweise der Grund ist, warum Männer und Frauen in Zeiten, in denen der Zugang zu Ressourcen gering, der Wohlstand niedrig, die Sterblichkeit hoch war und in der jeder Fick ein Baby bedeuten konnte, unterschiedliche gesellschaftliche Rollen auszufüllen hatten, weil dies für Gesellschaften so einfach effezienter gewesen ist, darauf sind Feministen bis heute noch nicht gekommen. Böse Männer die Frauen unterdrücken, klingt als Erklärung da irgendwie sexier.

Statt aber an einer Welt zu arbeiten, in der diese konstante Abwertung des Weiblichen aufhört, erklärt es der Feminismus kurzerhand für nichtexistent. Unter dem Deckmäntelchen der Chancengleichheit wird weiblicher Identität und Individualität ein männliches Lebensmodell übergestülpt.

Sol heißen? Männer können sich  in der kapitalistischen Ttetmühle des Patriarchats verwirklichen und Frauen tun derweil – was?

Es ist die ultimative Assimilation des Weiblichen: Willst du frei sein, lebe wie ein Mann. Doch trotz dieses feministischen Mantras nutzt ein Großteil der Frauen die Möglichkeiten, die sich durch die Öffnung der Arbeitswelt ergeben, nicht im selben Maße wie die männlichen Kollegen.

Denn Frau will lieber was anderes:

Der Erzfeind der Frauenbewegung ist heute nicht das Patriarchat, sondern die Frau, die ihr Leben der Kindererziehung widmet und sich mit einer Halbtagsstelle zufrieden gibt. Es ist die Frau, die durch ihr ganzes Sein zeigt, dass sie andere Interessenschwerpunkte, andere Lebensprioritäten, eine andere Weltsicht als die meisten Männer hat, kurz: dass die Geschlechter aufgrund ihrer unterschiedlichen biologischen Anlagen unterschiedlich funktionieren, also nicht gleich sind. Sie stellt den feministischen Makel dar, sie ist die Verräterin, die die Forderungen der Bewegung, die auf den behaupteten Nicht-Unterschieden der Geschlechter basieren, ins Wanken bringt. Diese Frau kann, ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Leistungen, nicht auf feministische Unterstützung hoffen.

Kurz gesagt: Erzfeind der Frauenbewegung ist bis heute die Frau, die genau das tut, was Frauen jahrtausendelang getan haben, als sie noch von Männern unterdrückt wurden. Ist das nicht putzig?

Der Feminismus möchte normative Signale vermeiden, die Frauen dazu bringen könnten, auf Beruf und Karriere zu verzichten, und verweigert der beruflich unehrgeizigen Mutter, die Kind und Haushalt mindestens ebenso viel Zeit widmet wie dem Beruf, daher jede Form von Anerkennung. Von der Ermutigung, eigene Wege zu gehen, bleibt letztlich nur die Abwertung des traditionell weiblichen Weges, weil die Frauenbewegung ausschließt, dass auch der traditionelle Weg ein selbstbestimmter sein kann.

Der traditionelle Weg, durch den Frauen seit Jahrtausenden von Männern unterdrückt worden, wohlgemerkt. Milchbar auf zwei Beinen und die Verheißung sexueller Erleichterung – war da nicht eben was?

Dass typische Frauentätigkeiten mitunter gar nicht als Arbeit, sondern als Selbstverständlichkeit gelten, etwa die Pflege alter und kranker Angehöriger in der Familie, oder aber schlecht bezahlt werden und kaum eine Lobby haben, ist daher auch die Schuld der Frauenbewegung.

Entschudigung, Frau Lobo, ich weiß, es macht Spaß sich in der weibliche Opferrolle zu suhlen, aber ist es nicht so, dass auch typische Männertätigkeiten nicht als Arbeit, sondern als Selbstverständlichkeit gelten? Die Straßenreinigung- und Müllbeseitigung? Die Klempnerei? Elektroinstallation? Der Güterverkehr? Die Energiewirtschaft? Und überhaupt die gesamte Aufrechterhaltung von Infrastruktur, Sicherheit und Ökonomie? Nahezu alles also, was die Gesellschaft zusammenhält und von der auch Frau profitiert, wenn sie sich Cappuchino schlürfend und Kinderwagen wiegend im Cafè Einstein darüber klagt, wie schwer es Frauen doch in unserer Gesellschaft hätten?

Während der wirtschaftlich relevante Lokführerstreik im Frühjahr 2015 über die gesamte Dauer flächendeckend medial begleitet wurde, fand der Streik der Kindergärtnerinnen (es sind bisher mehr als 95 Prozent Frauen, die diesen Beruf ausüben) im Vergleich fast im Verborgenen statt.

Das mag unter anderem daran liegen, dass der Ausfall von Zügen eben wirtschaftlich relevanter ist als der Ausfall von Kindergärtnerinnen. Letzterer lässt sich von Teilzeit arbeitenden Mamas und Großeltern nämlich einfacher kompensieren als der Komplettausfall von Zugverbindungen zwischen Wirtschaftszentren. Ist halt so.

Ähnlich erging es einem Streik der überwiegend weiblichen Pflegebranche, von dem nur erfuhr, wer gezielt danach suchte. Der Feminismus hat kaum etwas dafür getan, dass diese erzieherischen und pflegerischen Tätigkeiten mehr Wertschätzung erfahren, denn Wertschätzung hätte Frauen dazu ermutigen können, diese niederen Arbeiten auch weiter zu verrichten. Die Folge ist nicht etwa eine Welt, in der Frauen mehr Respekt für die überwiegend von ihnen geleistete Arbeit bekommen, sondern eine, in der diese Arbeit, ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Relevanz, im allgemeinen Ansehen ganz unten steht.

Und selbst wenn das so sein sollte, bleibt die Tatsache bestehen, dass niemand Frauen dazu zwingt, in die schlecht bezahlte und nicht gewertschätzte Pflegebranche zu gehen.

Solange die destruktiven Teile des Feminismus auch die lautesten sind, erzeugt ihr Schreien nach außen den Eindruck einer überwiegend undifferenzierten, aggressiven und bevormundenden Bewegung. Sie machen den Feminismus damit zu einem leichten Ziel für Feinde und zu einer unzitierbaren Quelle für Freunde. Diese Pseudofeministinnen bezeichnen zwar jede Kritik als antifeministisch, tatsächlich aber ist das Gegenteil der Fall. Viele Menschen, die die Ziele der Frauenbewegung grundsätzlich bejahen, möchten lieber nicht „offiziell“ als Unterstützer auftreten, um nicht mit der kreischenden Masse in einem Topf zu landen.

Wobei wir noch definieren müssten, was die Ziele der Frauenbewegung sein sollen. Aus Lobos Artikel geht bislang hervor, dass Frauen gerne gewertschätzt werden möchten, wenn sie als Mamas in der Pflegebranche arbeiten, und auf dem Weg von der Teilzeitarbeit nach Hause nichts von der „Rape Culture“ mitbekommen.

Echt mal Männer, das müsste doch zu schaffen sein, oder?

Millionen von Frauen weltweit leben in katastrophalen Verhältnissen, in denen sie ohne Aussicht auf Bildung in Abhängigkeiten leben und täglich Übergriffen wie denen von Köln ausgesetzt sind.

Für Männer ist dagegen alles paletti.

Diese Frauen brauchen den Feminismus und jeder feministisch interessierte Mensch sollte sich fragen, welchen sie bekommen sollen: einen lösungsorientierten, die Geschlechter versöhnenden oder einen unreifen, paranoiden, der die Frauen letztlich zusätzlicher männlicher Wut aussetzt.

Ich hätte dagegen eine dritte Alternative anzubieten: Das Einsetzen für das Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung aller Menschen, gemeinhin auch „Liberalismus“ oder „Humanismus“ genannt.

Eiderdaus, wäre das nicht toll?

Torte, es gibt Torte!

Ein schwules Paar geht in eine Konditorei und möchte eine Hochzeitstorte. Der Konditor weigert sich, weil seine religiöse Anschauung das Konzept der gleichgeschlechtlichen Ehe für sündhaft hält. Das Paar verklagt daraufhin den Konditor auf Schadenersatz…

Ich kann mir nicht helfen, es fällt mir schwer zu entscheiden, welche von beiden Parteien ich alberner finde.

Wenn mir und meinem Freund eine Hochzeitstorte verweigert würde, weil wir schwul sind, was würde ich tun? (Sehen wir mal davon ab, dass mir das nicht passieren würde, weil ich in Berlin lebe und daher weiß, welche Konditorei ich aufsuchen müsste, um garantiert nicht abgewiesen zu werden).

Aber nehmen wir mal an, mir würde so etwas geschehen. In meinem Kopf spielt sich das Szenario  – dramaturgisch verfeinert – in etwa so ab:

Adrian: „Guten Tag, verehrter Konditormeister, ich hätte gerne eine Hochzeitstorte.“

Konditor: „Vortrefflich! Soll die Torte denn für Sie bestimmt sein?“

Adrian: „Durchaus!“

Konditor: „Meine herzlichsten Glückwünsche! Wann ist es denn soweit?

Adrian: „An den Iden des September.“

Konditor: „Vortrefflich! Aber wieso haben Sie Ihre Zukünftige nicht mitgebracht?“

Adrian: „Weil es, mit Verlaub, keine Zukünftige gibt. Und wenngleich ich beabsichtigte eine Torte zu bestellen und keine Konversation über mein Privatleben zu führen gedachte, werde ich Ihnen meinen Zukünftigen dennoch vorstellen. Sag ‚Guten Tag‘, Rafael!“

Rafael: „Guten Tag!“

Konditor: „Einen Moment, bitte, verstehe ich recht, Sie sind homophil und gedenken zu heiraten?“

Adrian: „Eiderdaus, nicht wahr? Und ein solch Arrangement im Jahre 2020 in Berlin, der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland!“

Konditor: „Es tut mir leid, aber so etwas kann ich nicht unterstützen. Denn die Ehe, das  ist für mich etwas zwischen Mann und Frau.

Adrian: „Das ist wahrlich interessant, allerdings kann dies von mir aus gerne so bleiben. Denn ich gedenke, nicht Sie, sondern meinen geliebten Rafael zu ehelichen. Nicht wahr, Rafael?“

Rafael: „Fürwahr!“

Konditor: „Ich glaube, Sie missverstehen mich. Ich kann unter diesen Umständen keine Torte backen. Nicht für ein homophiles Paar, wie Sie beide eines sind.“

Adrian: „Ich verstehe durchaus, allerdings bin ich im Besitz der nötigen finanziellen Mittel. Gedenken Sie nicht, an diesen zu partizipieren? Ich war der Ansicht, eine derartige Übereinkunft läge im Interesse eines Konditors. Meine Finanzmittel im Tausch gegen ihre konditorischen Fähigkeiten. Es müsste auch keiner erfahren, dass Sie eine Torte für ein homophiles  Paar kredenzt haben. Sie können Ihrer Gattin ja berichten, Sie hätten heute eine Torte für ein reizendes junges heterophiles Paar gezaubert, welches den Bund der Ehe zu schließen beabsichtigt, damit die Frucht ihrer Leidenschaft nicht in Sünde auf die Welt kommt.“

Konditor: „Ich schätze es nicht, wenn man sich über mich lustig macht.“

Adrian: „Das bedaure ich zutiefst, allerdings diktiert mir meine Weltanschauung, mich über Menschen wie Sie zu mokieren.“

Konditor: „Bitte gehen Sie!“

Adrian: „Nur zu gerne. Zuvor aber noch einige Worte des Abschieds. Ihnen ist doch wohl bewusst, dass ich Sie auf der Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes für Gericht zitieren und Sie dort Ihrer Unterleibsbekleidung entledigen könnte? Ihnen ist doch ebenfalls bewusst, dass ich über die sozialen Netzwerke jeden homophil Veranlagten Deutschlands auf Ihr Etablissment aufmerksam könnte?“

Konditor: „Sie sind ja ein übler Mensch, ein ganz Übler!“

Adrian: „Au contraire, guter Mann! Weil ich nämlich beabsichtige, all dies nicht zu tun. Trotz Ihres flegelhaften Verhaltens halte ich Ihr Recht auf Meinungs-, Gewissens- und Vertragsfreiheit hoch, wenngleich Ihre Ansichten fürwahr abscheulich sind. Denn Toleranz, das ist meine Natur. Nicht wahr, Rafael“?

Rafael: „Fürwahr, das ist die Natur meines geliebten Adrian. Und eine der Gründe, weshalb ich gedenke, ihn zu ehelichen.“

Adrian: „Fürwahr! Und nun lass uns gehen, Rafael, um auf unserem Canapé die süßen Früchte der griechischen Liebe zu kosten. Eine Hochzeitstorte erhalten wir auch in einer anderen Lokalität.“

Rafael: „Fürwahr. Aber bitte bedenke, eine Torte mit Sahne.“

Adrian: „Sahne bekommst Du freilich, mein Lieber. Soviel Sahne wie es Dir beliebt.“

Und selbstverständlich haben wir die Torte woanders bekommen. Mit soviel Sahne, wie es uns beliebt.

Penny makes the World go nuts

Je mehr ich von Laurie Penny lese, umso bemerkenswerter finde ich, dass sie als Popstar eines neuen Feminismus herumgereicht wird. Muss man das verstehen?

Hat sich der Kampf um Gleichberechtigung nicht längst erledigt? Nein, hat er nicht! Arme Frauen, Frauen mit dunkler Hautfarbe, Menschen mit nicht-heterosexueller Orientierung sind immer noch stark benachteiligt.

Bevor wir uns die Frage stellen, wer stark benachteiligt wird, müssten wir zunächst einmal andere Fragen stellen: Benachteiligt gegenüber wem? In welchem Kontext? Unter welchen Umständen? Woran liegt das? Ist es veränderbar? Mit welchen Mitteln?

Und ich glaube, seit den Nullerjahren herrscht so eine merkwürdige Kultur, Betroffenen dafür ständig selbst die Schuld zu geben. Hey, du bist unglücklich? Dann musst du härter an dir arbeiten! Dann hast du es einfach noch nicht hart genug versucht!

Ich halte das für ein durchaus erfolgreiches Rezept, sein „Unglück“ zu analysieren und Fragen zu stellen, wie etwa: Unglücklich wegen was? Woran liegt das? Was kann ich daran ändern? Eine der interessantesten Fragen in diesem Zusammenhang finde ich übrigens folgende: Bin ich wirklich unglücklich oder vielleicht nur zu anspruchsvoll, selbstzentriert und verwöhnt? Hindere ich mich also selbst an meinem Glück?

Ich halte die Vorstellung des alten Feminismus von einer klaren Machtaufteilung zwischen den Geschlechtern für überholt. Also die Vorstellung, wonach Frauen machtlos sind, wenn Männer Macht haben – und umgekehrt, dass Männer automatisch an Macht verlieren, wenn Frauen mehr Macht haben. So funktioniert das nicht.

Nein, so funktioniert das in der Tat nicht. Liegt aber auch daran, dass die Analyse einer Gesellschaft alleine unter dem Gesichtspunkt von Machtverhältnissen ziemlich unterkomplex ist.

Nun, der Begriff Patriarchat meint wörtlich übersetzt ja nicht Herrschaft der Männer, sondern Herrschaft der Väter. Und die Reichen, die uns sozial kontrollieren, sind nicht per se alle Männer.

Schön, dass Penny das aufgefallen ist. Doch was meint sie damit, dass uns „die Reichen“ – Frauen und Männer – alle sozial kontrollieren? Ich fühle mich nicht sozial kontrolliert. Zumindest nicht von „Reichen“. Die sind mir ehrlich gesagt sogar ziemlich schnuppe, weil sie in meinem Leben keine Rolle spielen. Reich wäre ich natürlich gerne selber. Aber warum sollte ich dann jemanden sozial kontrollieren wollen? Im Gegenteil, einer meiner größten Antriebe für das Reichsein ist, dass wenn ich Geld wie Heu hätte, mich dann von der Gesellschaft soweit wie möglich isolieren könnte. Und meine Ruhe hätte.

Von daher haben es die meisten Männer oder Jungs nicht leichter als Frauen oder Mädchen. Sie haben nur andere geschlechtsspezifische Probleme. Ich glaube, der Feminismus wird immer besser darin, auch diese Probleme wahrzunehmen.

Eine wahrhaft bravouröse Leistung des Feminismus, mitzubekommen, dass auch Männer und Jungs Probleme haben, nach dem man sie jahrzehntelang als das Übel schlechthin dargestellt hat.

Gegen tolle Schuhe habe ich nichts einzuwenden!

Keine Überraschung, Penny, Du bist schließlich eine Frau!

Aber es gibt eine neue Art von Feminismus, der Leute zu besseren neoliberalen Subjekten machen und sie glauben machen will, Gleichberechtigung hieße, eine Karriere machen zu können, die Freiraum für Kinder lässt.

Wenn Frau eine Karriere machen und sich zum „neoliberalen Subjekt“ machen will, dann ist das ihr gutes Recht! Gleichberechtigung bedeutet nämlich gleiche Rechte und gleiche Chancen vor dem Gesetz. Gleichberechtigung bedeutet dagegen nicht, nur so zu leben, wie Laurie Penny das gefällt.

Das mag wichtig sein.

Ist es auch. Wenn man es selbst für wichtig hält.

Aber dieser Feminismus geht nicht an die Wurzel der Diskriminierung.

Welche Diskriminierung?

Er redet nicht über Verhütung, Abtreibungsrechte oder darüber, wie Arbeit verteilt ist. Er redet nicht über sexuellen Missbrauch, Rassen- und Klassenzugehörigkeit. Wenn wir alle wohlhabende weiße Frauen in Weltstädten sein könnten, wäre das okay. Aber so funktioniert keine echte Befreiung.

Nahezu alle Feministen sind wohlhabende weiße Frauen, die in Weltstädten leben. Und sie reden pausenlos über Verhütung, Abtreibungsrechte oder darüber, wie Arbeit verteilt ist. Sexueller Missbrauch und „Rape Culture“ ist auch immer wieder ein feministischer Klassiker. Und auch Rassen- und Klassenzugehörigkeit wird gerne als Gesprächsstoff genommen.

(…) das Interessante an Magersucht ist ja, dass – obwohl lange bekannt ist, dass Rollenerwartung und Essstörungen gerade bei jungen Frauen zusammenhängen – die Gesellschaft immer noch an einem krank machenden Frauenbild festhält. Als ich damals in der Klinik war, gab es dort viele Ärzte, die uns Patientinnen immer ermunterten, „gute Mädchen“ zu werden. Sie sagten, wir sollten uns hübscher anziehen, die Haare wachsen lassen, uns schminken und ein besseres Körpergefühl entwickeln. Dann würde alles besser werden. Wurde es bei mir aber nicht. Was mir half, war die Erkenntnis, dass es okay war, wütend zu sein. Dass nicht ich verrückt war, sondern dass die Gesellschaft es verbockt hatte.

Ich bin jetzt mal total unsensibel: Vorausgesetzt, man sieht Übergewicht nicht als Esstörung (aber wenn, dann wären Männer genau so betroffen) haben die meisten jungen Mädchen und Frauen keine Esstörung. Und noch weniger von ihnen muss man deswegen in eine Klinik einweisen. Ich weiß, ich weiß, seit den Nullerjahren herrscht so eine merkwürdige Kultur, Betroffenen ständig selbst die Schuld zu geben, aber das möchte ich auch gar nicht tun, sondern lediglich darauf hinweisen, dass die Magersucht von Penny möglicherweise nicht an „der Gesellschaft“ lag (denn wenn, wären ja viel mehr bis alle Frauen betroffen), sondern an ihrem persönlichen, familiären oder sozialen Umfeld.

(…) ich habe gerade wirklich das Gefühl, das so ungefähr jede Frau, die ich kenne, schwanger ist.

Das Gefühl haben viele junge Frauen, die ihre biologische Uhr immer lauter ticken hören…

Ein Baby zu haben, scheint heute eine Lifestyle-Wahl zu sein. Etwas, das man sich leisten können will wie eine neue Homme-Tasche oder Louis-Vuitton-Schuhe.

Und was ist daran falsch?

Ich glaube, es ist wichtig, Mutterschaft – wie einige Feministinnen in den Siebzigerjahren – wieder als Arbeit zu begreifen.

Okay. Und wer soll Frauen diese „Arbeit“ bezahlen? Man lasse mich raten: Männer vielleicht?

Ich höre die Leute so viel von Work-Life-Balance reden. Aber Freizeit für Frauen meint dann eben nicht: Einfach mal allein vor dem Fernseher abhängen und sich Fussel vom Bauchnabel puhlen. Freizeit für Frauen meint: Babys. Oder sich um den Ehemann kümmern.

Hindert irgendjemand Frauen daran, vor dem Fernseher abzuhängen oder sich Fussel vom Bauchnabel zu puhlen?

Die meisten Frauen leben eine Work-Work-Balance. Ihre Arbeit ist irgendwie nie zu Ende.

Ja, die armen Frauen. Immer am Arbeiten: Bücher schreiben, Vorträge halten, nach Schuhen shoppen. Und dann ist man auch noch ständig schwanger, was einem aber nicht mal als Arbeit anerkannt wird.

Warum gönnen wir uns nicht ein bisschen mehr Faulheit? Mehr Zeit für uns selbst?

Mach doch, Penny! Hör auf Bücher zu schreiben sowie Vorträge zu halten und Interviews zu geben und mach einfach mal nichts!

Ich denke, ich werde zu einer Revolution der faulen Frauen aufrufen!

Also, ich persönlich wäre dazu zu faul. Aber als Mann ohne Frau kann ich mir Faulheit auch leisten.