Die Welt ist im Klimawandel

The world is changed.

I feel it in the water.

I feel it in the earth.

I smell it in the air.

Much that once was is lost;

for none now live who remember it.

(Galadriel, Lord of the Rings)

Die „Zeit“ bringt einen reißerischen Aufmacher zum Klimawandel, dazu dienend, der Leserschaft Angst um die Zukunft zu machen. Der Tenor des Artikels ist eindeutig: Es wird furchtbar! Leid, Elend und Verderben werden uns in den nächsten Jahrzehnten erwarten, und nichts wird mehr so sein wie es war.

Beängstigend? Nicht für mich. Denn der Klimawandel lässt mich völlig kalt. Ich bin da sorgenlos und kann vor Entspanntheit ein Gähnen kaum unterdrücken. Und ehe man mich bezichtigt ein hartherziger Zyniker zu sein, dem das Wohl der Welt am Hintern vorbeigeht, lasse man mich die Gründe für diese Entspanntheit erklären.

Die Welt ist im Wandel. Wer sich die Erdgeschichte und die Geschichte der Menschheit ansieht, der wird bemerken, dass es kein statisches Klima gibt. Lebewesen passen sich an, oder sterben aus. Und wer hätte größeres Potential, als sich veränderten Umweltbedingungen anzupassen, als der Mensch?

Es gibt nichts, was wir gegen das Klima tun können. Selbst wenn die Horrorszenarien und die Ursachen des Klimawandels zutreffen, ist es aussichtslos, diese Ursachen zu bekämpfen. Gut zwei Milliarden Inder und Chinesen werden nicht ihre Fabriken schließen und zur Subsistenzwirtschaft zurückkehren. Die Umstellung auf umweltfreundliche Technologien ist ein kostspieliger Vorgang, den keine Volkswirtschaft leisten kann, ohne zunächst den wachsenen Hunger nach Wohlstand zu befriedigen. Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Und glaubt wirklich jemand, unserer Politiker, die nicht mal Flughäfen bauen oder die Rente sicher machen können, könnten die Erde retten?

Es gibt jetzt Probleme auf dieser Welt. Probleme die jetzt sofort unsere Aufmerksamkeit bedürfen: Hunger, Kriege und Krankheiten sind Geißeln die in der Gegenwart konkret und real sind, und deren schlimme Auswirkungen wir im hier und heute erleben. Die Zukunft kennt keiner.

Klimawandel birgt Potential. Wer weiß denn konkret was der Klimawandel eigentlich bringt? Sicher, es wird Veränderungen geben und einiges wird schlechter werden. Aber ist der jetzige Zustand der Erde das Optimum? Sibirien, die Sahara, die Antarktis, sind momentan alles nahezu unbewohnbare Gebiete. Vielleicht kann man dank Klimawandel ja bald am Südpol leben. Oder in Grönland.

Extreme Klimabedingungen sind an und für sich kein Problem. Der Mensch ist anpassungsfähig. Leben ist sowohl in den Wüsten Saudi-Arabiens als auch in der Kälte Alaskas möglich. Wir haben bereits heute die Technologie und die Möglichkeiten, die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern oder uns von diesen zu isolieren. Dereinst könnten Menschen sogar andere Planeten besiedeln. Die einzigste Gefahr besteht darin, dass Feministen alle Männer aus den Wissenschaften mobben, weil sie sich von sexistischen Shirts unterdrückt fühlen. In dem Fall könnte es in der Tat problematisch werden mit der Zukunft der Menschheit.

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Haarscharf an der Freiheit vorbei

Kritische Texte über Gender lese ich teils zustimmend, teils kopfschüttelnd, teils mit einer Mischung aus Zorn und hemmungslosen Amüsement. Zu letzterer Kategorie gehört ein Beitrag von Prof. Dr. Ulrich Kutschera, seines Zeichens Biologe, der auf der Webseite des Deutschen Arbeitgeberverbandes ein Elaborat verfasst hat, mit dem er den Kritikern der Genderkritik einen Bärendienst erweist.

Warum sich der Deutschen Arbeitgeberverband („Markt & Freiheit“) bemüßigt fühlt, Kutschera eine Plattform zu bieten ist nicht ganz klar; offenbar hat man sich in den Chefetagen der Republik aber dazu entschlossen, Partei im gesellschaftlichen Kulturkampf zu ergreifen, anstatt seinen eigentlichen Job zu tun und Profit zu erwirtschaften.

Kutscheras Beitrag könnte man unter anderen Umstände ignorieren, es gelingt mir aber aus zwei Gründen nicht: Erstens wegen der abgrundtiefen Nichtigkeit, an der sich seine Kritik entzündet, und zweitens wegen eines gar lustiges Details, welches unabsichtlich seine Reputation als Biologe – zumindest in meinen Augen – schmälert.

Anlass der Kritik ist folgende Postkarte welche das Bundesministerium für alle außer Männer (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) anlässlich eines Festaktes zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit verteilt hat.

Gleich geht's weiter
Kutschera schreibt hierzu:

Auf einem professionell hergestellten Foto ist ein dämlich-besorgt dreinblickender junger deutscher Mann zu sehen, der in demütiger Körperhaltung einen Blumenstrauß in der linken Hand hat. Durch die langen Haare und eine Mütze auf dem Kopf versinnbildlicht dieser „Jüngling im optimalen Testosteron-Alter“ das derzeitige politische Ideal des mitteleuropäischen Schoßhundes der Biospezies Homo sapiens: Intelligent-weißhäutig, und somit mit dem Potential zum gutverdienenden beamteten Lehrer ausgestattet, aber gleichzeitig mit einem sensibel-weichgespülten Wesen. Die maskulinen Züge des Mit-Zwanzigers sind kaum noch erkennbar.

Nun sind Eindrücke naturgemäß subjektiv, es ist allerdings auffallend, wie abfällig Kutschera über das Antlitz eines jungen Mannes schreibt, das – welch Ironie! – dem Kutscheras nicht nur ähnlich ist, sondern das man überdies zuhauf in sämtlichen Städten dieser Republik und der westlichen Welt antreffen kann. Ein Mann, der sympathisch erscheint und durchaus attraktiv ist, sicher noch nicht mit beiden Beinen im Leben steht – aber wer erwartet das schon, wenn man gerade Mitte zwanzig ist?

Seine Partnerin, eine gleichaltrige, ebenfalls kaukasische junge Frau mit Hochzeits-Schleier, hält, liebevoll herabblickend, eine schwere Motor-Kettensäge in den Armen, als wäre dieses grobe Holzfäller-Werkzeug ihr leibliches Baby. Bedingt durch die vom weißen Schleier verborgenen Haare wirkt die Dame, verglichen mit dem langmähnigen Jüngling an ihrer Seite, eher maskulin, aber die Tatsache, dass ein heteronormales Mann-Frau-Paar dargestellt ist, muss im genderisierten Deutschland 2015 lobend hervorgehoben werden.

Dass sich beim Anblick des Bildes, und der dargestellten Protagonisten, bei mir so gar kein moralisierender Eifer einstellen mag, mag meinen Habitus als homounnormaler Warmduscher ohne stark ausgeprägte maskuline Züge geschuldet sein, jenen Exemplaren also, die Kutscheras Wunschtraum eines echten Mannes augenscheinlich nicht entsprechen.

Mit der auf unserer „Gleich geht’s weiter“-Postkarte abgebildete junge Braut wird sich wohl nur eine kleine Minderheit Gender-vernebelter „Kampf-Emanzen“ identifizieren können – die Mehrzahl der evolutionär/physiologisch normal entwickelten Frauen wird in diesem Foto im wahrsten Sinne des Wortes „auf den Arm genommen“ bzw. zur Lachnummer gemacht. Eine große, schwere Motorsäge als Baby-Ersatz abzubilden und den im besten Mannesalter stehenden Jüngling zu einem weichgespülten Volldeppen zu erniedrigen, ist für normale Menschen verachtend – es zeigt daher eindrucksvoll, was die GM-Religion aus den ehemals arbeitsteilig-gleichberechtigten Männern und Frauen der Wirtschaftswunder-Jahre gemacht hat: Widernatürliche „Mann-Frauen“ mit reduziertem Arbeitsleistungs- und Reproduktionspotential (Kreativitäts- und Geburtenrückgang der Ureinwohner Deutschlands).

Was mich an diesen Äußerungen gleichsam vor Zorn beben lässt ist, ist die absolute Negation jedweder individuellen Freiheit zugunsten eines uniformen Idealbildes von Frau und Mann, von Männlichkeit und Weiblichkeit, und die anmaßende Kategorisierung als unnormal und „widernatürlich“ all jener Menschen, die dem subjektiven Ideal Kutscheras nicht entsprechen. Das halte ich für weitaus menschenverachtender als eine harmlose Postkarte mit dem Abbild zweier alltäglich aussehender, stinknormaler junger Menschen, welche für Gleichstellung der Geschlechter wirbt. Jedwede berechtigte Kritik, die man am Gender Mainstreaming, dem Feminismus und dem Konzept der Gleichstellung anbringen kann, wird damit einer biologistischen, autoritären Sicht auf Menschen geopfert, die in meinen Augen ebenso verwerflich ist, wie sämtliche Versuche einen neuen gendergerechten Menschen zu formen.

Zumal Kutschera, womit wir wieder zum amüsanten Teil des Beitrages zurückkommen, durchaus unbiologisch argumentiert und, ohne es zu merken, knietief ins Fettnäpfchen des sozialen, gesellschaftlichen konstruierten, Geschlechts gegriffen hat.

Erinnern wir uns, was Kutschera über den jungen Mann auf dem Bild geschrieben hat:

Durch die langen Haare und eine Mütze auf dem Kopf versinnbildlicht dieser „Jüngling im optimalen Testosteron-Alter“ das derzeitige politische Ideal des mitteleuropäischen Schoßhundes der Biospezies Homo sapiens […]

Bedingt durch die vom weißen Schleier verborgenen Haare wirkt die Dame, verglichen mit dem langmähnigen Jüngling an ihrer Seite, eher maskulin […]

Offensichtlich ist bei Kutschera eine leichte Abneigung gegen Männer mit langen Haaren zu spüren; offenbar machen in seinen Augen eben diese langen Haare Männer weniger maskulin, sondern eher unnormal, ja „widernatürlich“ gar.

Doch wie erreicht man bei Männern das Ideal einer schneidigen Kurzhaarfrisur? Korrekt! Indem man der Natur ins Handwerk pfuscht, indem man das natürlich wachsende, lange Haupthaar auf dem Kopf des Mannes zurechtstutzt, indem man eine ewigen Kampf gegen die Biologie des Haarwuchses führt – im Übrigen auch dem des Bartwuchses, den der junge Mann auf dem Bild durchaus aufweist.

Ausgerechnet die Kurzhaarfrisur als Inbegriff der Männlichkeit in einem Artikel zu erwähnen, der mit der Natürlichkeit und biologischer Konformität der Geschlechter argumentiert, ist dermaßen erheiternd, dass man mein Lachen noch hören wird, wenn die Spezies Homos sapiens längst vom Angesichts der Erde verschwunden sein wird.

Warum man für Analsex keine Kulturanthropologen braucht

Ingelore Ebbenfeld ist eine Sexualwissenschaftlerin und Kulturanthropologin, die sich eine neue Marktlücke erschließen möchte und sich daher der Jahrtausende alten, populären Ansicht angeschlossen hat, dass unsere Welt immer verdorbener und unmoralischer wird, was sich insbesondere im westlichen Verhältnis zur Sexualität widerspiegele. Wie erwartet, lässt sich der Gehalt an Originalität, Intellektualität und Scharfsinn bei einer derartig drögen Philippika nur in Spurenelementen messen:

Wir werden von einer sexuellen Welle überflutet.

Das ist Ansichtssache. Ich finde, dass dies nicht der Fall ist.

Im öffentlichen Raum spielt sich soviel Sexuelles ab, dass wir mehr oder weniger daran ersticken, obwohl wir uns angewöhnt haben, diese sexuellen Zeichen zu übersehen.

Wenn man erstickt, übersieht man die Symptome des Erstickens allerdings nicht. Das Gefühl zu ersticken ist höchst unangenehm und kaum zu ignorieren. Insofern handelt es sich hier um eine mehr als schrägen Vergleich.

Das ist so wie mit dem Straßenverkehr: Im Schilderwald einer Großstadt lernt man nur noch das zu sehen, was man braucht, der Rest wird nur am Rande wahrgenommen. Am Rande wahrgenommen heißt aber nicht, nicht wahrgenommen. Und keine Frage, diese öffentliche Sexualität, die uns Tag für Tag überflutet, verändert uns, auch unsere Sichtweise auf die Geschlechter.

Aha.  Und wie?

Wenn ich eine mit einem sexuellen Gestus beworbene Pizza kaufe, dann hat diese Pizza erst einmal nichts mit Sexualität zu tun.

Korrekt.

Aber wenn ich durch ein sexuelles Signal zum Kauf dieser speziellen Pizza verführt werde, was bedeutet das?

Das bedeutet, dass mich die Werbung so sehr angemacht hat, dass ich diese spezielle Pizza unbedingt kaufen wollte.

Nun, dass eine eigentlich neutrale Sache mit sexuellen Zeichen versehen wird, weil ich gezielt auf der sexuellen Ebene angesprochen werde soll, denn dort bin ich äußerst empfänglich. Das heißt, wenn es darum geht, Produkte an den Mann zu bringen, benutzt der Markt unsere sexuellen Vorstellungen, um Dinge, die gar nichts mit Sex zu tun haben, besser verkaufen zu können. Das geht vom Hamburger über das Auto bis zum Rasenmäher.

Ja, stimmt. So funktioniert Werbung. Seit Jahrtausenden. Und nun?

Obwohl Menschen verschieden veranlagt sind und wenngleich sie altersbedingt Veränderungen hinsichtlich der sexueller Leistungsfähigkeit und sexuellen Lust erfahren, wird so getan, als müssten sich alle Individuen auf dem selben sexuellen Niveau befinden.

Kaum vorstellbar. Ich erwarte zum Beispiel nicht, dass sich meine Oma auf dem selben sexuellen Niveau wie ich befindet. Und wenn ich zum Beispiel bei GayRomeo vorbeischaue, treffe ich dort ebenfalls auf eine Fülle von Menschen, die sich nicht auf dem selben sexuellen Niveau wie ich befinden.

Die Lust, die wir beim sogenannten Blümchensex verspüren, reicht nicht mehr aus, sondern muss immer mehr gesteigert werden.

Vielleicht ist das bei Frau Ebbenfeld so, aber mir würde Blümchensex momentan völlig ausreichen.

Es muss immer etwas Neues her.

Bei mir nicht.  Mein Interesse daran, was Neues auszuprobieren ist relativ gering. So stehe ich zum Beispiel immer noch nicht auf Frauen, BDSM oder Fisting, sondern immer noch so ziemlich auf das Gleiche, wie in den Zeiten, in denen ich meine Sexualität entdeckt habe.

Hier tritt das Individuum in einen Kreislauf ein, in dem es immer stärker unter Druck gerät.

Oder auch nicht. Ich fühle mich durch Sexualität nicht unter Druck gesetzt.

Ich bin der festen Überzeugung, Frauen waren immer bemüht, gut auszusehen und attraktiv zu erscheinen. Aber heutzutage erfahren sie diesbezüglich einen massiven Druck von außen, durch Bilder die ihnen täglich vermittelt werden.

Wer in Berlin lebt, weiß, dass das nicht stimmen kann, weil hier eine Fülle von Frauen (und Männer) leben, die offensichtlich dem vermittelten Bild superattraktiver Menschen nicht entsprechen und auch nicht den Anschein machen, nach diesem Bild zu streben. Was zuweilen bedauerlich ist.

Wobei aus dem Porno-Bereich bestimmte Körper-Standards mittlerweile Einzug in unseren Alltag gefunden haben, denen ein normaler Mensch, auch und gerade in seinem Alterungsprozess überhaupt nicht genügen kann.

Das kann nur jemand behaupten, der keine Pornos konsumiert, denn Pornos sind unglaublich vielfältig, nicht nur was Neigungen und Sexstellungen, sondern auch was Körperbilder angeht.

Wir erliegen also einem speziellen Jugendkult und zwar nicht nur auf der Ebene des Körpers, sondern auch auf der Sexuellen. Das Resultat: Wir sind nicht glücklich damit, wie wir sind, sondern unglücklich darüber, nicht so zu sein, wie wir sein sollten.

Ich nicht.

Ich würde die Frage nicht auf die Werbung beschränken: Medien allgemein zeigen uns beständig, wie wir zu sein haben und wie wir uns mehr Lust verschaffen können.

Ja, aber wenn einem das nicht gefällt, kann man es ja ignorieren. Das ist relativ simpel, denn mir gelingt es auch. Das was mir gefällt spricht mich an, was nicht, das ignoriere ich.

Dabei wird alles gezeigt, was man zeigen kann.

Was einem aber nur auffällt, wenn man den beständigen Drang verspürt, hinzuschauen.

Schamhaftes Verhalten ist passé. Zügelloses Sexualverhalten wird mehr und mehr üblich, zum Beispiel das einer Mylie Cyrus, die mit ihren Reizen wirklich nicht geizt und wer das kritisiert, gilt schon als prüde und verklemmt.

Wer ist Mylie Cyrus?

Zum Beispiel ist Nacktheit im Theater nichts Besonderes mehr. Auch Beine werden gespreizt, es werden Kunstpenisse eingesetzt, um diese anstelle echter zu masturbieren. Performance-Künstler schrecken mittlerweile vor nichts mehr zurück. Vorderhand soll durch ein solches Verhalten geschockt und sollen gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen werden, ich finde derlei einfach nur schamlos.

Das kann man schamlos finden, aber das ist halt nur eine Ansicht unter vielen. Ich finde das, was an unseren Theatern geboten wird, oftmals langweilig und uninspirierend, was der Grund dafür ist, dass ich nicht ins Theater gehe. Aber daraus entwickelt sich kein Drang, einen Kreuzzug zur Durchsetzung meines persönlichen Geschmacks zu starten.

Es gibt Teile in der Pop- und Hip Hop-Musik, die mich sprachlos machen.

Dann hätte diese Musik zumindest etwas Gutes…

Wer sich die Texte anhört oder das Verhalten der entsprechenden Musiker auf der Bühne sieht, mag derlei gar nicht weiter kommentieren.

Und das Schöne an einer freien Gesellschaft ist: Man muss diese Musik weder hören, noch kommentieren.

Es werden obszöne Gesten gezeigt und ein dermaßen rüdes Vokabular benutzt, das weit unter die Gürtellinie geht.

Ich bin erschüttert.

Hier wird keine kulturelle Haltung oder ein Protest mehr angezeigt, sondern es geht einfach nur um das Ausleben von Personen, die sich das alles erlauben können. Diese Menschen werden offiziell auch noch mit Auszeichnungen bedacht. Ich denke nicht, dass dies das richtige Zeichen ist.

Genau! Das richtige Zeichen wäre es, diese Auszeichnungen an hochseriöse Sexualwissenschaftler und Kulturanthropologen zu verteilen, die sich darüber echauffieren, dass es doch tatsächlich Menschen gibt, die Ausdrücke benutzen, welche hochseriösen Sexualwissenschaftlern und Kulturanthropologen nicht gefallen.

Allein die Sprache auf unseren Schulhöfen ist so von sexistischen und abfälligen Termini durchsetzt, dass ich mir schwerlich vorstellen kann, dies hätte keinen Einfluss auf das Verhältnis zwischen den Geschlechtern.

Klar. Alles hat irgendwie Einfluss. Fragt sich bloß welchen.

Es sind nicht nur Jugendliche die verroht sind, sondern auch und gerade Erwachsene. Sie sind es, die immer brutalere Filme produzieren, immer mehr zeigen und Pornos für lau ins Netz stellen: Niemals ist soviel Nacktheit, Intimität und rüdes Vokabular öffentlich ausgebreitet worden wie heute. Um das festzustellen, bedarf es keiner empirischen Studie.

Eine empirische Studie wäre aber ganz gut,  denn bereits Sokrates klagte:

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.
Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor
älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll.
Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten.
Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die
Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Aber alles was wir benutzen, wie wir sprechen, uns öffentlich bewegen und verhalten hat Auswirkungen auf unser Menschsein. Es macht zum Beispiel einen riesigen Unterschied, ob jemand sagt: Hör auf zu heulen oder hör auf zu weinen. Die Sprache zeigt das Verhältnis des Menschen zum anderen und seiner Welt. Veränderungen in diesem Bereich hinterlassen Spuren.

Mag sein. Aber, was folgt daraus?

Das öffentliche Sprechen über Sexualität fing in den 1960er und 1970er Jahren mit den Studien von Kinsey und Masters and Johnson an. Das völlig zurecht, wenn man bedenkt, welche Vorstellungen damals herrschten. Gleichzeitig wurden damit aber auch gewisse Standards gesetzt. Wer diesen Standards nicht genügt, gerät unter Leistungsdruck

Entschuldigung, das ist Blödsinn. Nur weil Mylie Cyrus Musik macht, gerate ich nicht unter den Leistungsdruck, ebenfalls Musik machen zu müssen. Und nur weil Peter aus der Nachbarwohnung Frauen bis zum Quietschen vögelt, muss ich das noch lange nicht selbst tun.

Das gilt auch für den seit einiger Zeit postulierten G-Punkt und die weibliche Ejakulation. Ich hoffe, diese propagierten Lustquellen versiegen ebenso schnell wie die in den 1970ern angepriesenen, die höchste Lust versprachen, nämlich der gemeinsame und der multiple Orgasmus.

Der multiple Orgasmus ist toll. Aber er ist anstrengend. Und kaum einer erwartet ihn. Ebenso ist es beim gemeinsamen Orgasmus. Vielleicht können wir daher irgendwann mal zu einer konstruktiven Aussage gelangen, die sich nicht darin erschöpft, moralisierend anzuprangern, was Ihnen persönlich nicht gefällt, Frau Ebbenfeld ? Wäre das denkbar?

Ich vergleiche Sex-Spielzeuge gerne mit Küchenmaschinen, nehmen wir zum Beispiel einen Eierkocher: Das Simpelste ist, Wasser in den Topf, auf den Herd stellen, Ei hinein und fertig. Wird das Ei durch den Eierkocher besser? Nein.

In gewisser Weise wird das Ei durch den Eierkocher durchaus besser, weil man es mit diesem Instrument schneller der Verwertung zuführen kann.

Beispielsweise wurden Sex-Kugeln bei Frauen zum Renner, nachdem sie in einem dreibändigen Softporno-Roman erwähnt wurden. Und, wen haben sie etwas gebracht?

Einigen Frauen haben diese einen Orgasmus gebracht, den sie ohne Sexkugeln nicht gehabt hätten.

Eindeutig feststellbar ist, dass [Analsex] zugenommen hat und bei Homosexuellen offensichtlich mehr oder weniger zur Regel geworden ist, was in der Vergangenheit nicht der Fall war. In den Kinsey-Studien, die ja Jahrzehnte zurückliegen, war Analsex eine Randerscheinung.

Will Frau Ebbenfeld mir jetzt Analsex madig machen?

Mittlerweile ist dieser aber in Pornofilmen Standard und über das Einsickern dieses Mediums in die Gesellschaft hat sich diese sexuelle Variante immer mehr durchgesetzt. Dadurch wird Analverkehr immer mehr zur Forderung von Männern.

Selbst wenn das so wäre, könnte der Sexualpartner den Wunsch nach Analverkehr durchaus verneinen, wenn er dies nicht möchte. Oder Analverkehr nur unter der Bedingung der passiven Gegenseitigkeit entsprechen.

Das bedeutet wiederum, dass die Sexualität in eine neue Sphäre geführt wird. Und jetzt wird so getan, als sei Analverkehr normal. Aber Analverkehr ist nicht das normalste auf der Welt.

Ich sag dazu einfach mal: Doch, ist es! Und jetzt, Frau Ebbenfeld, was sagen sie nun? Schnappen Sie nun empört nach Luft ob dieser dreisten Anmaßung, selbst über seine sexuellen Vorlieben zu bestimmen?

Was heißt denn „sich einigen“? Nehmen Sie eine junge Frau, die von ihrem Mann aufgefordert wird, Analsex mit ihm zu machen. Diese Frau will es eigentlich nicht, ist aber völlig verunsichert. Jetzt gibt der Mann nicht nach. Wer setzt sich nun ihrer Meinung nach durch, die Frau im Widerstand, oder der Mann, der es will?

Die Frau im Widerstand, denn sie braucht nur „Vergewaltigung“ zu rufen, und der Mann ist für den Rest seines Lebens ruiniert.

Abgesehen davon: Können wir bitte endlich mal von diesem Bild wegkommen, welches Männer nur als tumbe, rohe, emotionslose Sexmaniacs sieht, die Frauen lediglich als Sexpuppen benutzen und über deren Köpfe hinweg zu Sexualpraktiken nötigen, die Frauen gar nicht wollen?

Wie kann es dann sein, dass solche Praktiken vor Jahren überhaupt nicht als Möglichkeit diskutiert wurden und mittlerweile zum Standard gehören? Wer hat das durchgesetzt?

Tja, wie kann es sein, dass die Praktik des ehelosen Geschlechtsverkehrs vor Jahrzehnten überhaupt nicht als Möglichkeit diskutiert wurde? Wieso gibt es heute Pornos en masse? Und wie kann es sein, dass man wegen schwulem Sex nicht mehr ins Gefängnis gesperrt wird? Wer hat das alles durchgesetzt?

Niemand, Frau Ebenfeld! Das sind alles Folgen der individuellen Freiheit der Menschen, die in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen hat. Ich persönlich finde das ja gut. Und Sie?

Früher war Cunnilingus ebenfalls tabuisiert, wurde aber anders als Analverkehr praktiziert. Darüber gibt es Zahlenmaterial zum Beispiel in den Kinsey-Reporten. Ich bin der festen Überzeugung, wäre der Wunsch nach Analsex ebenso dringlich vorhanden gewesen, wäre er auch praktiziert worden. Ich glaube im Übrigen, das Argument, alles sei eine Frage des Agreements, greift zu kurz: Fisting ist heutzutage ein Agreement unter den Agierenden und deswegen soll es okay sein? So ein Quatsch.

Natürlich ist es okay, wenn die Beteiligten darauf verständigen. Da ist kein Quatsch, das ist die Freiheit, sein Leben selbst so zu leben, wie man es möchte. Egal ob Madame Ebbenfeld damit einverstanden ist, oder nicht.

Ein einfacher Kuss auf den Mund von jemanden, den man anhimmelt, in den man verliebt ist, kann beispielsweise hochgradig körperlich und bewegend sein. Er kann auf eine Art in die Psyche des Menschen eindringen, dass er mit einem hochgelobten Zungenkuss eines anderen Menschen überhaupt nicht zu vergleichen ist. Es kommt immer auf die eigene Empfindungswelt an. Das vermeintliche neue Lustvolle wird einem so lange eingeredet, bis sich für die eigenen, harmlosen Vorlieben geschämt wird.

Unsinn! Blödsinn! Schwachsinn! Menschen sind unterschiedlich. Menschen haben unterschiedliche Vorlieben. Ebbenfeld kann mir gerne einen historischen Zeitpunkt nennen, in dem Sexualität vielfältiger war als jetzt, und in der diese Vielfalt in einem größeren amße toleriert und akzeptiert wurde als im hier und heute.

„Die Frage ist doch: Warum sollten Menschen mit dem, womit sie die Natur ausgestattet hat, nicht glücklich sein können?“

Ja gute Frage. Mal überlegen: Die Natur hat mich mit Penis und Faust ausgestattet. Und meinen Mitmenschen mit einem Anus. Die Natur gestattet es mir, meinem Mitmenschen, Penis und/oder Faust in den Anus zu schieben. Und sie gestattet es mir ebenfalls, mir Penis und Faust in den Anus schieben zu lassen. Wenn wir beide es wollen. Und wenn es uns Spaß macht, machen wir weiter. Und es geht mir dabei komplett am Anus vorbei, ob Frau Ebbenfeld das okay findet.

Dieses Konzept des gegenseitigen Einvernehmens, des Individualismus und der Freiheit der Wahl sowie des Experimentierens ist allerdings so revolutionär simpel, dass es Sozialwissenschaftler und Kulturanthropologen mit Hang zur Bettenschnüffelei nicht befriedigen kann.

Warum es Geschlechter gibt

Der Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera von der Universität Kassel steht unter Beschuss progressiver, linker und feministischer Kreise, weil er sich kritisch gegenüber der Genderforschung geäußert hat.

Darf man das sagen? Im Jahr 2015? Dass mit der Geschlechterforschung „eine andere, quasi-religiöse Strömung unter der Tarnkappe des Gender Mainstreaming Fuß fasst und immer mehr, gleich einem Krebsgeschwür, sämtliche Fachgebiete erobern möchte“? Ja, findet Ulrich Kutschera.

Natürlich darf man das sagen. Auch im Jahre 2015. Zumal diese Aussage durchaus nicht falsch ist. Die Quasi-Religion, die sich innerhalb der Geschlechterforschung zunehmend austobt, ist die des postmodernen Feminismus, welche von der sozialen Konstruktion der Geschlechter und der Unterdrückung der Frau durch ein soziales System ausgeht, welches von Männern zu deren Vorteil erschaffen wurde. Die Prämisse ist also bereits von vornherein gesetzt, die Ergebnisse werden dieser Prämisse angepasst. Das ist alles, aber keine Wissenschaft.

Genau das beobachtet auch Kutschera:

Wenn er sich die Aktivitäten in der Geschlechterforschung anschaue, dann sei klar, das habe nichts mit Naturwissenschaft zu tun. „Naturwissenschaftler erforschen reale Dinge, die wirklich existieren“, sagte Kutschera. „Unsere Theorien basieren auf Fakten, während in der Sozialkunde eben vor sich hin theoretisiert wird in aller Regel, und Fakten wenig zählen.“

Nun mag man es bedauern, dass Kutschera zu einem Rundumschlag gegen die Sozialkunde an sich ausholt, dennoch gebe ich ihm im Kern recht. Innerhalb der Geschlechterforschung werden biologische Grundlagen zu Geschlechtern so gut wie gar nicht zur Kenntnis genommen. Dabei kann man Geschlecht überhaupt gar nicht ohne Biologie, ohne Evolutionsbiologie, ohne sexuelle Selektion, Fitness und Kosten betrachten. Dass die Geschlechter nur auf der Grundlage der Fortpflanzung existieren gilt in der Genderforschung weitgehend als Tabu. Stattdessen werden geschlechtliche und sexuelle Minderheiten wie Trans-, Inter- und Homosexelle als Beleg für eine soziale Konstruktion von Geschlechtlichkeit überhaupt angeführt; gilt der postmoderne Feminismus und seine Doktrin von der Unterdrückung der Frau vielfach als Leitbild der Geschlechterforschung.

„Das ist eine feministische Sekte, die uns da ihren Unsinn aufdrückt – und alle machen widerstandslos mit.“ Solche Aussagen weckten Widerspruch unter anderem beim Asta, der sich mit einem Brief an die Hochschulleitung wandte und eine Stellungnahme forderte.

Und die antwortete prompt:

„Die Universität Kassel legt in ihrem Entwicklungsplan dar, dass sie Gleichstellung und Diversity als zentrale Themen ihrer Entwicklung begreift“, heißt es in der Erklärung des Uni-Präsidiums. Man habe sich verpflichtet, „eine Organisationskultur zu pflegen, die von gegenseitiger Anerkennung und Teilhabe aller Mitglieder der Hochschule geprägt ist. Die Universitätsleitung wird mit Herrn Prof. Kutschera das Gespräch suchen, um ihn an diese Grundsätze zu erinnern.“

Man beachte zunächst, dass diese Grundsätze der Universität Kassel nichts mit Wissenschaft zu tun haben. „Gleichstellung und Diversity“ sind keine Bestandteile wissenschaftlicher Forschung, sondern politisch Leitlinien. Man kann nur hoffen, dass diese Stellungnahme ein reines Alibi ist, um die  Gegner Kutscheras zu besänftigen. Andernfalls könnte man auf die Idee kommen, dass sich an der Universität Kassel die Forschung politischen Leitlinien unterzuordnen habe.

„Den Lehrenden der Universität steht es grundsätzlich frei, sich an der öffentlichen Debatte zu beteiligen; dieses Recht respektiert die Leitung der Universität Kassel selbstverständlich“, heißt es in der Uni-Stellungnahme dazu. „Die Hochschulleitung ist zugleich der Auffassung, dass diese Debatte in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts stattfinden soll, auch des Respekts gegenüber anderen wissenschaftlichen Disziplinen.“

Glück gehabt. Die Unileitung versucht also tatsächlich lediglich , die Wogen zu glätten, erwartet von Kutschera aber Respekt gegenüber der Genderforschung.

Ich bin sicher, dass Kutschera gewillt ist, dies zu tun, wenn es denn Anlässe zu Respekt gäbe. Und, gibt es die? Laut Kutschera eher nicht:

Es sei allerdings „ungeschickt“ gewesen, „sich zuerst auf Interviews einzulassen, und erst im zweiten Schritt die Faktenlage in Buchform dazulegen“. Das werde er im kommenden Jahr nachholen. Das Buch zum „Gender-Paradoxon“ sei für Anfang 2016 geplant. „Damit werde ich die letzten Nägel in den Sarg der Gender-Ideologie schlagen.“

Und eben jene Kritik an der „Gender-Ideologie“ ist ja das, was den Asta überhaupt bewogen hat, Kutschera bei der Unileitung anzuschwärzen. Sind seine Thesen für sich progressiv gebende Genossen doch einfach zu provokant:

Es gebe etliche Studien, die zeigten, „dass Männer – unabhängig, ob sie jetzt in Arabien leben oder in Israel oder in Deutschland oder Russland – dass Männer über alle Kulturen hinweg deutlich jüngere, attraktive, fertile, nicht besonders wortgewandte Frauen bevorzugen. Männer sind quasi die Urviecher in uns, die Affen… Männer wollen einfach eine nette Frau, mit der man nicht viel diskutieren muss; jung, attraktiv, gut kochen muss sie können, Kinder großziehen.“ Das sei in allen Kulturen so.

Das so etwas provoziert ist eigentlich absurd, denn genau diese Ergebnisse kann man problemlos selbst erleben, wenn man raus auf die Straße geht. Diese Ergebnisse über die Partnerpräferenz bei Männern sind im Schnitt ebenso wahr, wie jene Erkenntnisse, dass Frauen ältere, erfahrene Männer bevorzugen; Männer die sich bewähren, die ihre evolutionäre Fitness beweisen, Männer die bereit sind Frauen zu beschützen und zu umsorgen und welche Ressourcen besitzen, die es Frau ermöglichen ihrem Nestbau- und Brutpflegetrieb nachzugehen.

Biologisch ist das absolut einleuchtend. Denn Geschlechter existieren zum Zwecke der Fortpflanzung. Zu nichts anderem.

Warum man Heteros schwul machen sollte – wenn man denn muss

Sollte man irgendwann herausfinden, was die Ursachen der sexuellen Orientierung sind, wird das die Menschheit beeinflussen und ganz sicher wird es Folgen für diejenigen Menschen haben, die selbst schwul bzw. lesbisch sind.

Machen wir uns nichts vor: Schon jetzt, in einer Zeit wo kein Mensch auch nur den blassesten Schimmer davon hat, warum manche Menschen eher auf Frauen und manche eher auf Männer stehen, gibt es genügend Personen, deren einziges Ziel es ist, die Homosexualität vom Antlitz der Erde zu tilgen. Im Allgemeinen begründen sie dieses Anliegen religiös, geben sich über alle Maßen menschenfreundlich, differenzieren zwischen dem guten Menschen und dessen böser sexueller Veranlagung und weisen einen dann in Therapien ein, in denen man unter Aufgabe seiner Menschenwürde so lange Gehirn gewaschen wird, bis man anschließend wie ein Zombie der Heterosexualität über die Erde wandelt.

Solche Aktionen zur Eliminierung des Homosexuellen haben allerdings den Vorteil, dass sie den Menschen in seiner physischen Existenz unangetastet lassen. Nicht alle sind so generös. Ob Islamisten, Nazis, Rastafaris, Rapper, Machos, es gibt genug Personen, die dem schwulen Menschen an sich kein Lebensrecht auf Erden zugestehen wollen und dieses mittels Scharia, Lynchjustiz, Klappmesser oder Springerstiefel durchzusetzen bereit sind.

Schwule vor sich selbst zu schützen ist sowieso ein Anliegen, dass von homophober Seite immer wieder gerne kolportiert wird. Homosexuelle erscheinen in dieser Sichweise nicht selten als erste Opfer ihrer sexuellen Orientierung: Aids, Depressionen, höhere Selbstmordraten – ach würden die Schwulen doch nur einsehen, dass ihnen ihr Schwulsein nur Kummer und Leid einbringt. Vom Kummer und Leid welches sie ihren Eltern zufügen gar nicht erst zu reden. Dass man Kinder unter diesen Umständen vor der Homosexualität schützen müsse, versteht sich dann von selbst.

Homosexuelle werden immer eine Minderheit bleiben und das alleine ist schon ein Garant dafür, dass es immer Vorurteile und Hass gegen sie geben wird, ganz gleich wie liberal unsere Gesellschaft sich entwickeln mag, ganz gleich wie viel Aufklärungsarbeit man leistet, ganz gleich ob irgendwann alle Eltern damit rechnen werden, dass ihr Kind sich als Homo herausstellen könnte. Homophobie kann man eindämmen, eliminieren wird man sie nie.

Und aprops Eltern: Jede Mutter, jeder Vater will ein heterosexuelles Kind. Niemand will ein lesbische Tochter oder eine schwulen Sohn. Und selbst diejenigen Eltern, welche die Homosexualität ihres Kinders nebst seiner Partnerschaft vollkommen akzeptieren, würden erleichtert aufatmen, sollte der Sohn dann irgendwann doch eine Frau mit nach Hause bringen. Es wäre absurd zu träumen, etwas anders anzunehmen.

Und weil das alles so ist, ist garantiert, dass die Erkenntnis der Ursachen der sexuellen Orientierung zwangsläufig zu Versuchen führen wird, Homosexualität zu verhindern. Ob das gelingt ist fraglich angesichts der Komplexität, welche den Mechanismen der Sexualität offenbar zugrunde liegt. Sollte es aber dennoch irgendwann gelingen, wird es Homosexualität als gesellschaftlich sichtbare Lebensweise nicht mehr lange geben. Sie wird erneut als Krankheit, als zu behandelndes Übel angesehen werden.

Doch bevor die Homosexualität endgültig eliminiert wird, werdeich Euch Heteros mein persönliches Versprechen geben:

Wenn Ihr, in ferner Zukunft, tatsächlich ein Business ins Leben ruft, dass aus uns Homos richtig authentische Heteros macht, bedenkt: Umgekehrt geht’s auch. Und ich für meinen Teil hätte ebenso wenig Bedenken, die Welt zu verschwulen, wie Ihr, sie zu heterosexualisieren.

Delfinismus

Wie ich kürzlich erfahren habe, hat der indische Staat Delfinen (Delphinidae) den Status als „nicht-menschlicher Personen“ anerkannt,  deren Rechte auf Leben und Freiheit respektiert werden müssen.

Als grundsätzlicher aufgeschlossener Mensch, möchte ich diese Anerkennung nicht von vornherein als absurd abtun, hätte dann aber doch einige grundsätzliche Fragen:

1.) Schließt das Recht auf Freiheit für Delfine, deren Recht auf individuelle Selbstbestimmung ein? Wenn dem so ist, wie gedenkt Indien dann mit den Delfinen zu verfahren, die sich des sexuellen Missbrauchs ihre Artgenossen schuldig gemacht, und sich damit an der individuellen Freiheit dieser vergangen haben?

2.) Wenn Delfine ein Recht auf Leben haben, wie gedenkt Indien ferner mit den Delfinen zu verfahren, die sich der Tötung ihrer Verwandten schuldig gemcht haben?

3.) Wie gedenkt Indien ferner mit den Delfinen zu verfahren, die sich im gegenseitigen Einvernehmen homosexuell betätigen? Haben diese Delfine mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen?

a) Wenn ja, wir verträgt sich das mit dem Postulat, das Delfine ein Recht auf Freiheit hätten?

b) Wenn nein, wie rechtfertigt Indien dann die Privilegierung von Delfinen gegenüber indischen Menschen, bei denen homosexuelle Betätigung mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden kann?

Gender Armani

Gender ist überall. So auch in den Worten des Modecäsaren Giorgio Armani, der kürzlich verlauten ließ, dass er es suboptimal findet, wenn sich schwule Männer allzu homosexuell kleiden würden:

„Ein homosexueller Mann ist zu 100 Prozent ein Mann. Er muss sich nicht homosexuell kleiden“, so Armani am Wochenende in einem Interview mit dem Magazin der britischen Zeitung „Sunday Times“.

Nun könnte man sich zunächst fragen, was denn eine „homosexuelle Kleidung“ sein soll. Federboa, Ledermütze, Chaps? Und inwiefern ein Mann weniger männlich wird, wenn er sich anders kleidet als – ja, wer eigentlich? Giorgio Armani?

Nur noch einmal zur Erinnerung. Als „Mann“ bezeichnet man

einen erwachsenen Menschen männlichen Geschlechts.

Und das männliche Geschlecht definiert sich folgendermaßen:

Das männliche Geschlecht ist bei der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung dasjenige Geschlecht, das die größere Menge an Keimzellen (Samenzellen) bereitstellt, mit denen die weiblichen Keimzellen (Eizellen) befruchtet werden und einen oder mehrere Nachkommen (Mehrlinge) entstehen lassen.

Kann man sich irgendeine Situation vorstellen, in der ein Kleidungstil diese Definition von Männlichkeit untergräbt? Nicht mal mit dem engsten Tanga, der einem die Samenstränge abschnürt und damit die Bereitstellung von Keimzellen unterbindet, dürfte das gelingen.

In einem stimme ich Armani allerdings zu. Niemand muss sich homosexuell kleiden.

Aber wir dürfen das! Und wenn Ihnen das nicht passt, Giorgio, dann bleiben Sie doch einfach zu Hause!