Anachronismus ist deutsch

Nach dem Urteil des Oberstes Gerichtshofes der USA wundern sich so manche Deutsche, warum ausgerechnet Amerika die Ehe vor Deutschland öffnet, sich also als deutlich progressiver entpuppt als es das Klischeebild vom konservativen, etwas hinterwäldlerischen Ami nahelegen würde. 

Um dieses Bild gerade zu rücken, sollte man sich vielleicht noch mal ins Gedächtnis rufen, dass die USA eine sehr diverse Gesellschaft sind; das dort 19969 die Stonewall-Riots stattfanden und der Bundesstaat Massachusetts bereits seit 2004 die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt.

Vor allem aber – und das ist bei einem Gerichtsurteil des Supreme Court entscheidend – haben die USA eine vernünftige Verfassung, in der klar und deutlich das Wesen der Regierung und die Rechte der Bürger aufgeführt sind, ohne dass man sich mit subjektiven Floskeln wie „Würde des Menschen“, anachronistischen Absurditäten wie einem Gottesbezug, oder positivistischen Kollektivrechten wie dem Schutz von Ehe und Familie auseinandersetzen muss.

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Ampelpampel

Nachdem Wien vorgeprescht ist, fühlen sich immer mehr deutschsprachige Städte bemüßigt, sogenante „Homo-Ampeln“ aufzustellen. Was zunächst als temporärer Marketingag im Zuge des Eurovision Song Contest begann, hat das Potential, zum neuen Gradmesser für „Toleranz“ zu werden, und es ist nicht auszuschließen, dass es den Ampeln an Straßen dereinst wie der Regenbogenfahne vor Rathäusern ergeht: Wer sie nicht präsentiert, wird sich dem Verdacht aussetzen, homophob zu sein.

Es ist erstaunlich, wie derartige Trivialitäten gehyped und ohne Diskussion mit fadenscheinigen Argumenten gepusht werden. Welche Art von Toleranz soll dadurch bei wem befördert werden? Jemand, der Lesben und Schwule bereits jetzt nicht leiden kann, wird sich bestätigt werden, dass diese „perverse Minderheit“ nun auch noch auf Kosten der Allgemeinheit die Straßenlandschaft „verschwult“.

Ein Gutes hat diese ganze Posse allerdings. Sie zeigt auf, dass die Homobewegung an ihr Ende gekommen ist. Man braucht sie nicht mehr. Nach der Öffnung der Ehe – die so oder so kommen wird – ist Schluss. Alles was danach kommt, wird nicht mehr sein als das selbstrefentielle Kreisen um das eigene Ego, die Imaginierung der eigenen subjektiven Befindlichkeiten als höchstwichtige gesellschaftliche Anliegen. Und es gibt Gründe anzunehmen, dass bereits der Kampf um die Eheöffnung nicht mehr ist als das.