Warum vögeln Sex ist

In früheren Zeiten war es gang und gebe, homosexuellen Menschen die Fähigkeit zur Liebe und zu emotionalen, romantischen Gefühlen abzusprechen. Insbesondere Schwule wurden rein unter dem Gesichtspunkt einer ausschließlich perversen, triebhaften Lusterfüllung betrachtet.

Diese Definition lässt sich in Zeiten der Forderungen gleichgeschlechtlicher Paare nach Ehe und Familie immer schwerer aufrechterhalten. Was also tut man, wenn man homosexuellen Menshen nicht mehr die Fähigkeit zur Liebe abprechen kann? Korrekt, man dreht den Spieß um und behauptet das Gegenteil, nämlich, dass homosexuelle Menschen gar keine Sexualität hätten:

Sexualität ist auf der Zellebene die Verschmelzung von (weiblichem) Ovarium und (männlichem) Spermium und der daraus folgenden genetischen Neukombination im Prozess der Fortpflanzung.

Korrekt.

Sexualität ist damit identisch mit Heterosexualität.

Was auf der Ebene menschlichen Verhaltens Homo”sexualität” genannt wird, ist daher gar keine Sexualität, sondern Homoerotik. [Hervorhebung im Original, A.]

Nope. Denn, erstens, bezeichnet „Erotik

die sinnliche Anziehung zweier oder mehrerer Menschen.

Homosexualität ist aber nicht nur die sinnliche Anziehung zweier oder mehrere Menschen, sondern auch die Ausübung sexueller Praktiken mit einem oder mehrer Partner gleichen Geschlechts, wobei Sexualpraktik folgendermaßen definiert wird:

Als Sexualpraktik (sexuelle Praktiken) werden alle Handlungen bezeichnet, die subjektiv dem Erreichen sexueller Lust dienen und auf die sexuelle Befriedigung zielen.

Lässt man obige Definition von Sexualität bezüglich der biologischen Ebene als alleinige Definition von Sexualität – und damit Sex – gelten, wären sämtliche Praktiken, die nicht zur Fortpflanzung führen, kein Sex, einschließlich Vaginalverkehr mit Kondom und an nicht fruchtbaren Tagen der Frau, Cunnilingus, Fellatio, Rimmen und Analverkehr. Das sind gute Nachrichten für die überwältigende Zahl der Fremdgeher! Sie könne jetzt ehrlichen Gewissens behaupten, niemals Sex außerhalb der Ehe oder Beziehung gehabt zu haben!

Selbstredend ist das aber alles Unsinn, da Sexualität, zweitens, nicht nur auf der Eben der Fortpflanzung definiert wird, sondern auch eine zusätzliche Definition hat, die da lautet:

Im sozio- und verhaltensbiologischen Sinne bezeichnet der Begriff die Formen dezidiert geschlechtlichen Verhaltens zwischen Geschlechtspartnern. Bei vielen Wirbeltieren hat das Sexualverhalten zusätzliche Funktionen im Sozialgefüge der Population hinzugewonnen, die nichts mehr mit dem Genomaustausch zu tun haben müssen, so dass dann die handelnden Partner auch nicht unbedingt unterschiedlichen Geschlechts sein müssen.

Schachmatt, Professor Dr. Günther Buchholz!

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