Und die Schildkröte kotzte, und erbrach die Welt

„DschinDschin“ vom Blog „Mann und Welt“ hat als Reaktion auf meine Frage, welche Beweise er für sein Gottes- und spitituelles Weltbild vorlegen kann, in einem Beitrag geantwortet, den ich gerne kommentieren möchte.

Gegenfrage: Wo sind die Belege für die Aussagen, die diverse Religionen machen? Und unter Belegen verstehe ich verifizierbare Daten und Fakten und nicht Aussagen noch älterer Texte.

Nun ja, es gibt keine Belege dafür.

Wir sind uns einig, dass es keinen Gottesbeweis gibt und auch keinen geben kann. Was aber nichts bedeutet, denn niemand von uns ist in der Lage zu beweisen, dass er beseelt und nicht nur eine intelligente Maschine ist. 

Nicht in dem Sinne, dass etwas überhaupt hundertprozentig bewiesen werden kann. Das ist wissenschaftlich nicht möglich. Nicht mal die Theorie der Gravitation lässt sich hundertprozentig und zweifelsfrei beweisen. Dennoch lassen sich genügend Belege sammeln um mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen, dass die Theorie der Gravitation als „bewiesen“ gilt. Zur Vereinfachung der Diskussion möchte ich mich auf folgende Definition von „Beweis“ bzw. „Beleg“ stützen: die als fehlerfrei anerkannte Herleitung der Richtigkeit bzw. der Unrichtigkeit einer Aussage aus einer Menge von Axiomen, die als wahr vorausgesetzt werden, und anderen Aussagen, die bereits bewiesen sind – unter Vorbehalt möglicher Widerlegungen.

Insofern kann Gott durchaus bewiesen werden, vorausgesetzt man einigt sich darauf, was mit „Gott“ überhaupt gemeint ist. Geht man von einer Entität aus, die das Universum erschaffen hat und Prozesse des Universums, der Erde, des Lebens und der Menschen steuert ist ein Gottesbeweis sogar relativ simpel, weil Gott unter diesen Umständen mathematisch und physikalisch messbar wäre.

Was uns selbst so klar vor Augen steht, unser Innenleben, das ist dem Mitgeschöpf völlig verborgen.

Das kommt darauf an, was mit „Innenleben“ gemeint ist. Unsere Organe sind dem Mitgeschöpf nicht verborgen, im Gegenteil haben wir ein ziemlich genaues Bild von den Vorgängen in unserem Organismus. Auch wenn mit „Innenleben“ unsere Gefühle gemeint sind, gibt es Disziplinen, wie zum Beispiel die Psychologie, die uns ein recht genaues Bild davon geben, was in menschlichen Mitgeschöpfen vor sicht geht.

Es sieht nur die Hülle und deren Reaktionen und glaubt, dass eine Seele darin wohnt.

Ich glaube das nicht, denn es gibt keinen Beleg für eine Seele.

Wissen können wir es nicht.

Korrekt, allerdings gibt es keinerlei Grund anzunehmen, dass es eine Seele gibt, solange deren Existenz nicht bewiesen ist.

Auch die Mathematatik ruht auf Axiomen, auf als wahr empfundenen Annahmen. Und so treffe ich für mein Weltbild als Axiom folgende Annahme: Es gibt einen Gott.

Auf der Grundlage eines subjektiven Weltbildes kann man für sich allerdings auch die Annahme treffen, dass unser Universum von einer gigantischen unsichtbaren Schildkröte ausgespien wurde, die Magenschmerzen bekam, nachdem sie ein anderes größeres Universum gegessen hat.

Dann definiere ich: Gott ist mindestens eine Person, so wie ich eine menschliche Person verstehe, aber darüber hinaus noch viel mehr. Er ist totaliter aliter also total anders, von mir nicht zu verstehen, da er in Dimensionen hineinreicht, die mir als vierdimensionalen Weisen (drei Dimensionen der Raum plus die Zeit) nicht zugänglich sind.

Ebenso wie die Schildkröte.

Definition: Diese von der Schöpfung getrennte Personalität nenne ich einen Geist.

Und ich nenne die von der Scildkröte ausgehenden Verdauungsgase Geist.

Definition: Eine Schöpfung = Werk entsteht durch die Handlung eines Handelnden, der nicht Teil der Schöpfung ist, von ihr unabhängig und frei, bei seinem Werk nur beschränkt, durch die der Schöpfung innewohnenden Regeln.

Beleg bitte.

Definition: Eine bewußte Schöpfung = bewußtes Werk ist eine Handlung, bei welcher der Handelnde seines Tuns bewußt ist und ein Ziel verfolgt, ein definiertes Ergebnis erwartet, oder sein Handeln approximativ anpasst, um eine Entwicklung zu ermöglichen.

Beleg bitte.

Annahme: Die Welt, das Universum ist eine bewußte Schöpfung.

Oder die Welt, das Universum ist das Produkt eines unglücklichen Verdauungsvorgangs der Schildkröte. Diese Annahme ist ebenso plausibel, wie jede andere, wenn man eine Annahme auf der Grundlage einer Annahme trifft, und einen Beweis präventiv damit ausschließt, dass der Schöpfer (Gott, die Schildkröte) dem Menschen nicht zugänglich ist, da er in einer Dimension hineinreicht, die der Mensch nicht erkennen kann.

Begleitaussagen: Der Schöpfungsbericht der Bibel schließt mit den Worten: Und er sah, dass es gut war!

Zusammenhang?

Daraus lässt sich die Übereinstimmung des Willens des Schöpfers mit seinem Werk schließen.

Nein, denn aus einer nicht belegbaren Annahme lässt sich keine belegbare Schlussfolgerung ziehen. Es bleibt eine pure Annahme.

Daraus ist zu folgern, das alles was ist, nach dem Willen des Schöpfers gut ist.

Eine mit einem subjektiven Werturteil versehene Folgerung, basierend auf einer Schlussfolgerung, die auf einer Anahme beruht.

Die Tatsache, dass der Mensch den Regeln dieser Welt unterworfen ist, was sich daran zeigt, dass seine Existenz an die gleichen Bedingungen geknüpft ist, wie alle anderen Lebewesen, die Tatsache, dass der Mensch Opfer von Fressfeinden werden kann, man denke an die Pestepidemien, an die hohe natürliche Kindersterblichkeit, die nur durch Kulturleistungen reduziert werden kann, nicht durch Beten oder religiöse Rituale, beweist, dass Gott keine Unterschiede macht.

Bestimmte Arten von Bakterien können in siedendheißen Wasser oder in eisiger Kälte überleben. Menschen nicht. Es gibt Krankheiten, die Menshen befallen, andere Lebewesen aber nicht. Das sind beobachtbare Tatsache. Wie kann man daraus schließen, dass Gott keine Unterschiede machen würde?

Natur- und Sozialwissenschaften zeigen, dass die Welt Regeln gehorcht. Auch künstliche Systeme, wie Unternehmen oder die Volkswirtschaft gehorcht Regeln, Regeln die sich aus dem einem System innewohnenden Eigenschaften ergeben.
Der Versicherungsgedanke ist genial, weil er Risikosteuung erlaubt. Unser Sozialsystem ist letztlich ein Versicherungssystem auf Gegenseitigkeit.

Relevanz?

Ein „Paradies“ ist nur möglich, wenn ich die Individualität der Biomasse abschaffe. Ansonsten beruht das Leben darauf, dass Einer den Anderen frisst. Es ist ein System des Wettbewerbs, das Konkurrenz und Entwicklung ermöglicht. Das grazile Wesen der Gazellen und die Geschwindigkeit des Geparden bedingen einander.

Relevanz?

Der Mensch als kleiner Gott: Die Fähigkeit des Menschen, losgelöst von einem festen Reiz-Reaktions-Handeln (Instinkthandeln) Konzepte zu entwickeln, in einen virtuellen Raum aufzubauen, zu planen und zu phantasieren, die Handlung vor deren Durchführung zu simulieren, geistig zu sein, macht den Mensche zu einem kleinen Abbild Gottes, gibt ihm eine Ahnung göttlicher Freiheit.
Er löst sich damit aus der göttlichen Schöpfung und wird selbst zu einem Schöpfer.

Dass ist eine mögliche Interpretation, wenn man der Folgerung der Schlussfolgerung der Annahme folgt, dass Gott existiert, wofür es aber keinen Beleg gibt.

Da er damit aber ein unvollkommenes und fehlbares Geschöpf ist, kann diese Freiheit zum Bösen führen, und der Mensch braucht Regeln, die nun aber kulturell vermittelt werden, d.h. durch Lernen = Erziehung.

Doch was ist das Böse?

Die Vertreibung aus dem Paradies ist die Metapher für dieses Problem. Durch die Erkenntnisfähigkeit wird der Mensch in ganz kleinem Rahmen gottgleich und ist damit aber auch von Gott getrennt. Die kindliche Unschuld, sofern es so was überhaupt gibt, ist verloren. Vielleicht sollten wir eher von der  tierischen Naivität sprechen.

Aber wo ist der Beleg dass es Gott gibt, und dass all diese Annahmen und Interpretationen überhaupt zutreffen?

Annahme: Gott und Jahwe sind verschiedene Personen.

Annahme: Die Schildkröte und der Frosch sind verschiedene Personen.

Während Gott, der Schöpfer, an seiner Schöpfung zu erkennen ist, an der Harmonie der Regeln und der Abläufe in der Welt,

Beleg bitte.

ist Jahwe der Gott der Menschen, der Gott der Gebote und der Strafen, der sich dann bei Hiob selber ad absurdum führt, als er sich über die von ihm erlassenen Gebote erhebt, der König, der die von ihm erlassenen Gebote nicht erfüllt.

Die Schildkröte ist der Schöpfer, der Frosch der Gott der Menschen.

Hypothese: Jahwe ist ein kulturelles Konstrukt, der von Menschen kodifizierte Regeln des Zusammenlebens und des Überlebens durch Bezug aufs Göttliche legitimiert. Regeln können funktional sein, sofern sie die dem System immanenten Gesetzmäßigkeiten abbilden und helfen, sinnvoll Ziele zu erreichen. Regeln können aber auch disfunktional sein, wenn sie der Schöpfung entgegenstehen und dadurch unnötig Leid erzeugen.

Okay.

Wäre Homosexualität eine Kulturfolge, das heißt eine Folge von Lernen, wäre eine Regel sinnvoll, welche dieses Lernen verbietet, wenn das Ziel ist, Fortpflanzung zu sichern.

Wenn…

Da Homosexualität aber aus dem Wesen des Menschen selbst erwächst, es Teil der Natur=Schöpfung ist, sind Regeln, welche Homosexualität verdammen disfunktional, als wolle man einem Fisch verbieten, im Wasser zu leben.

Okay.

Wer Gottes Wille begreifen will, muss ernsthafte Wissenschaft betreiben, welche die Regeln des Kosmos zur Basis macht, wozu auch Mathematik insbesondere auch Logik gehören. Vor allem aber die Beobachtung des Lebens und der Natur selber.

Okay.

Wie sich ein Künster in seinen Werken offenbart, so auch Gott in seiner Schöpfung.

 

Oder die Schildkröte.

Jesus steht Gott näher, als Jahwe.

Wer ist Jesus und inwiefern ist er relevant?

Durch seinen Opfertod erlöst Jesus den Menschen vom Urteil durch das Gesetz (Jahwe) und macht ihn frei für die Begegnung mit Gott.

Beleg bitte.

Indem Jesus die Gesetze nicht auflöst, erhält er dem Menschen das geistige Korsett, das dieser für ein für sich und die Umwelt verträgliches Leben benötigt, nimmt ihm aber durch die Möglichkeit der Gnade die unerbittliche Schärfe, wodurch es dem Menschen möglich wird, disfunktionale Regeln zu brechen, z.B. restriktive Ernährungsregeln.

Beleg bittte.

Dass Paulus hier neue Regeln einführt beweist nichts, denn die Texte firmieren ja unter Paulus, und Paulus ist kein Prophet und nicht Wesensgleich mit Jesus. Er legt seine Schlussfolgerungen, seine Meinungen dar, Menschenwerk eben. Und selbst Paulus sagt, dass das Gesetz (Jahwe) für den Menschen gemacht sei und nicht der Mensch für das Gesetz.

Wer ist Paulus und inwiefern ist er relevant??

Der Kern christlichen Denkens ist die Nächstenliebe, welche in dem Satz kulminiert: Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst. Dabei geht es nicht nur darum, keinen unnötigen Schaden zu erzeugen, sondern vielmehr darum, wo möglich, Nutzen zu stiften.

Was hat das Christentum mit einem Gott zu tun, der von Menschen nicht zu verstehen, da er in Dimensionen hineinreicht, die einem als vierdimensionalen Weisen (drei Dimensionen der Raum plus die Zeit) nicht zugänglich sind.

Also kommen wir zu Jesus’s Rezor bezüglich Homosexualität:

Okay.

Wem schadet es, wenn zwei Menschen in Liebe und gegenseitigem Einvernehmen ihre sexuelle Neigung ausleben? – Niemand! –  Also, erledigt! – Ach, es entstehen keine Kinder? Nun, dann ist auch das Leben der Mönche und Nonnen sündig! Denn wenn Gott gewollt hätte, dass wir keusch leben, hätte er uns keine Sexualorgane wachsen lassen und keine Libido geschenkt! – Nicht wahr?

Nicht unbedingt. Es könnte auch sein, dass Gott manche Menschen mit Homosexualität strafen wollte, oder Menschen testen wollte, ob sie ihre Homosexualität ausleben. Es könnte sein, dass Homosexualität die Folge des menschlichen Abkehr von Gott ist.

Es könnte aber auch sein, dass Homosexualität in Wirklichkeit ein unverdautes Reststück aus dem Erbrochenen der Schildkröte ist.

Oder es könnte sein, dass Homosexualität ein Phänomen ist, das noch nicht hinreichend geklärt wurde.

Wenn Du, „DschinDschin“, aber eine Schlussfolgerung auf der Annahme aufbaust, dass Gott existiert, dann bringe bitte Belege für Gott. Andernfalls sind Deine Ausführungen nichts weiter als eine bloße Geschichte, kurzwilig zwar, aber als Erklärung für die Welt ebenso relevant wie mein Märchen von der Schildkröte.

Jeder kann sich Geschichten ausdenken. Dazu gehört nur ein wenig Phantasie.

Es braucht schon mehr, um mich zu überzeugen.

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Carsten, ich will kein Kind von Dir!

Konservative Mitglieder der evangelischen Kirche dürfen aufatmen. Denn endlich wurde mit Carsten Rentzing ein Landesbischof ins Amt berufen, der etwas gegen Homosexuelle hat. Was er natürlich bestreitet. Denn natürlich hat niemand etwas gegen Homosexuelle. Nur etwas gegen gelebte Homosexualität. Und gegen homosexuelle Pfarrer. Im Pfarrhaus. Weil Gott das nicht will. Oder so.

Die Welt: Herr Rentzing, was haben Sie gegen homosexuelle Paare?

Carsten Rentzing: Gegen homosexuelle Paare habe ich überhaupt nichts.

Unsinn! Wenn Rentzing nichts gegen homosexuelle Paare hätte, würde er sich dafür einsetzen, dass diese in der evangelischen Kirche ebenso wie heterosexuelle Paare behandelt werden.

Die Bibel sagt, dass die homosexuelle Lebensweise nicht dem Willen Gottes entspricht.

Verharmlosung! Die Bibel sagt, dass Menschen, die der homosexuellen Lebensweise frönen, getötet werden sollen.

Diese Aussagen der Bibel machen es mir persönlich schwer, jemandem zu raten, dass er seine Homosexualität leben solle. Dies anzusprechen, müssen wir Christen uns vorbehalten.

Wenn Rentzing nichts gegen homosexuelle Paare hätte, diese Ansicht aber mit dem Willen Gottes und er Bibel für unvereinbar hält, würde er Atheist werden, oder sich einen Gaubensinterpretation wählen, die nichts gegen Homosexuelle hat. Tut er aber nicht. Also hat er was gegen Homosexuelle.

Ich versuche, den Begriff der Sünde in diesem Zusammenhang zu vermeiden, weil man damit schnell beim moralischen Verwerfen bestimmter Lebensweisen ist. Und genau darum geht es nicht! Aber wenn wir homosexuelle Beziehungen in Pfarrhäusern uneingeschränkt zuließen – und dagegen richten sich die kritischen Stimmen –, würde die Kirche das Signal setzen, dass Homosexualität aus Gottes Sicht in Ordnung wäre.

Es geht also nicht um das moralische Verwerfen der Homosexualität, andererseits aber darf man nicht den Eindruck erwecken, dass Homosexualität okay ist, weil das Gott ärgerlich machen würde. Denn dieser findet Homosexualität nun mal verwerflich. Denn Gott ist eine richtige Bitch. Ärgert man den, schickt er eine Flut und bringt jeden Menschen um. Ist halt so.

Die Welt: Sie ist vor Gott nicht in Ordnung?

Rentzing: Das sage ich nicht. Ich maße mir nicht an, Gottes Willen zu definieren. Ich muss aber umgekehrt sagen, dass man auf der Basis der Bibel nicht erklären kann, Homosexualität sei vor Gott in Ordnung.

Rentzing maßt sich also nicht an, Gottes Willen zu definieren, ist sich aber sicher, dass Gott Homosexualität nicht in Ordnung findet. Um das logisch zu finden, muss man offensichtlich Theologie studiert haben.

Die Kirche kann nicht Aussagen treffen, die vor dem Wort der Bibel keinen Bestand haben.

Unsinn! Natürlich kann sie das. Wann hat die evangelische Kirche denn zuletzt eine Debatte über die Sündhaftigkeit von Shrimps, Tattoos oder der Gesichtsrasur geführt? Und wieso hat die evangelische Kirche nichts gegen Frauen in Führungspositionen, wenn es in der Bibel doch eindeutig heißt, dass das Weib in der Gemeinde zu schweigen habe?

Deshalb hielte ich es für falsch, durch die uneingeschränkte Zulassung homosexueller Partnerschaften im Pfarrhaus das Signal zu setzen, dass Gott der Herr die homosexuelle Lebensweise für die Bestimmung dieser Menschen hält.

Man sollte Nachsicht mit Renzing haben. Denn allzuviel ist vom evangelischen Glauben nicht mehr übrig. Aber eine Gruppe, die man diskriminieren und über die man sich moralisch erheben kann, braucht man halt. Sonst ergibt Religion keinen Sinn. Mit Frauen geht das nicht mehr, bei Geschiedenen ist auch nicht so angesagt und vorehelicher Sex macht einfach zu viel Spaß.

Homosexuell aber, das sind wir fast alle nicht. Also bietet es sich geradezu an, mit dem Finger auf deren Verfehlungen zu zeigen, während man selbst seine Hände in Unschuld wäscht und Gott als Entschuldigung für seine Antipathien vorschiebt.

Gott und die Moral – Ein kurzer Streifzug durch meine Welt des Glaubens

Ich habe mich in den letzten Jahren vermehrt mit Gott, Religion und dem Christentum beschäftigt, sehr laienhaft zwar, aber immerhin. Dabei tauchte dann zwangsläufig die Frage auf, ob ich ein gläubiger Mensch bin, ob ich an Gott glaube, oder ob ich Christ bin.

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Denn das kommt darauf an, wie man Glauben, Gott und Christentum definiert. Fangen wir z. B. mit letzterem an. Wenn ich es richtig verstande habe ist das Kernelement des Christentums der Glaube an Jesus Christus als menschgewordener Gottheit, der durch seinen Tod die Erlösung der Menschheit durch Beseitigung von Schuld und Sünde bewirkte.

Allerdings wirft dieser Glaubenssatz mehr Fragen als Antworten auf. Etwa, was denn überhaupt “Sünde” ist. Ziehe ich die Wikipedia zu Rate, steht dort geschrieben:

[Sünde] bezeichnet vor allem im christlichen Verständnis den unvollkommenen Zustand des von Gott getrennten Menschen und seine falsche Lebensweise.

Schön und gut, aber was ist denn nun eine “falsche Lebensweise”? Wer definiert das? Gott?

Vermutlich Gott, zumindest sind sich die großen Religionen alle darin einig, dass es einen Gott gibt, der die Erde, alle Lebewesen und damit auch den Menschen geschaffen hat. Nicht wenige Gläubigen sind sich darüber hinaus einig, dass Gott ein bestimmtes Bild vom Menschen und der richtigen Art zu leben im Kopf hatte, als er uns erschaffen hat. Das falsche Leben, also eines, welches Gott nicht will, dass wir es leben, wird als “Sünde” bezeichnet.

Nehmen wir einmal an, es gäbe einen solchen Gott mit einem solchem Bild vom Menschen. Dann stellt sich für mich die Frage. Wie will er, dass die Menschheit lebt. Was ist für ihn die richtige, gottgefällige Lebensweise?

Die zweite Frage ist sogar noch interessanter: Inwiefern ist es relevant, was Gott will? Die Frage mag schockierend , irritierend und blasphemisch klingen, in meinen Augen ist sie aber entscheidend für das Verständnis von Moral, von “richtig” und “falsch”.

Nehmen wir das Beispiel Homosexualität. Gemäß der überwiegenden Mehrheit christlicher Lehren ist Homosexualität eine Sünde, also etwas, das Gott nicht will. Daraus ableitend das Gott dies nicht will, ziehen nicht wenige Gläubige den Schluss, Homosexualität sei nicht moralisch. Aber warum? Weshalb wäre die Meinung Gottes, Homosexualität sei unmoralisch, relevanter als meine, die das nicht so sieht?

Wenn Gott tatsächlich der Meinung ist, dass Homosexualität unmoralisch sei, dass mein Leben also falsch ist, dann hätte ich gerne eine Bestätigung dieser seiner Meinung aus erster Hand, nicht durch ein von jahrhundertealtes von Menschen interpretiertes Buch.

Schön und gut, Gott tut mir also den Gefallen und erklärt mir, Adrian, jawohl, Homosexualität sei in der Tat sündhaft. Wäre die Sache für mich dann erledigt?

Keineswegs! Denn dann müsste Gott mir begründen, warum er Homosexualität für sündhaft hält. Ich würde ihn jedenfalls nicht so einfach gehen lassen. Ich würde ihn sich nicht auf den Standpunkt zurückziehen lassen, dass er nun mal Gott und deshalb alles was er sagt richtig sei. No, Sir! Auch Gott muss sich meine Achtung und meine Respekt verdienen, auch Gott muss sich dem kritischen Diskurs stellen. Dafür hat er der Menschheit immerhin das Denken mitgegeben.

Ich jedenfalls wüsste kein Argument was Gott gegen die Homosexualität vorbringen würde, welches nicht auch schon Menschen verwendet haben. Insofern würde auch Gott an meiner Meinung nichts ändern, die da lautet, dass Homosexualität vollkommen in Ordnung sei. Sollte Gott das anders sehen, fein, ich respektiere seine Meinung und werde weiterhin mein Leben leben. Mehr kann Gott von mir nicht erwarten. Und von meinem liberalen Standpunkt darf er auch gar nicht mehr erwarten, will er sich nicht als Diktator outen.

Das Gedankenspiel durchgehend, finde ich den Standpunkt, die Lehren Gottes, bzw. der Bibel, seien moralisch, weil sie von Gott kommen extrem unbefriedigend. Denn Gott kann doch nur dann der Maßstab für moralisches Handeln sein, wenn er selbst moralisch ist.

Was aber ist Moral? Ist diese nicht subjektiv? In gewissem Grade sicher, aber für mich definiert sich moralisches Handeln über folgende Kriterien:

1. Respekt und Achtung vor dem Leben anderer Menschen

2. Toleranz gegenüber anderen Meinungen und Lebensweisen

3. Fairness und Rücksichtnahme

Diese Kriterien sind sicherlich ausbaufähig (weitere Anregungen sind willkommen), aber ich denke, sie eignen sich gut, um als aufrechter Mensch mit Würde durchs Leben zu gehen und diese Welt zu einem Ort zu machen, in dem es sich gut leben lässt.

Fazit:

Glaube ich? – Ja, ich glaube: An das Gute im Menschen, an die Liebe, an Fairness, an die Freiheit des Menschen sein Leben selbst zu leben ohne anderen zu schaden oder ihnen etwas aufzuzwingen.

Glaube ich an Gott? – Ja und nein. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es etwas Größeres als uns Menschen gibt. Ich habe kein Problem an eine Gott zu glauben, der uns Menschen die Freiheit gegeben hat, selbst zu entscheiden was gut und richtig ist, der uns die Wahl lässt Fehler zu machen, der seine Meinungen durchdenkt, seine Handlungen abwägt und Vielfalt zulässt, einen Gott der gütig ist und der uns so liebt, wie Eltern ihre Kinder lieben – auch wenn sie erwachsen sind. Nicht glauben kann ich dagegen einen Gott, der genau weiß, was richtig und falsch ist und der uns Menschen ein starres Diktum vorgibt, wie man zu leben hat und der jeden, der diesem Diktum nicht folgt, der ewigen Verdammnis preisgibt. Ein solchen Gott würde ich verachten.

Bin ich Christ? – Da ich nicht an Jesus als Erlöser der Menschheit glaube, wohl eher nicht.