Drei Lektionen für Schwule (die keiner hören möchte)

Also nun, wie lebt es sich für Schwule im Jahre 2017 in der westlichen Welt, in Deutschland? Fühlen wir uns gut aufgehoben, behütet, akzeptiert, toleriert? Oder verzweifeln wir, weil die Welt da draußen immer noch so furchtbar heteronormativ ist und alle, die einem begegnen, erst mal glauben man sei hetero?

Im Laufe meines (noch relativ) jungen schwulen Lebens, habe ich mich mit einer ganzen Reihen von Strategien beschäftigt, wie man es als Homo schafft, in einer Welt voller Heteros nicht den Verstand zu verlieren. Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Anerkennung einiger harter Realitäten der beste Weg ist, sich nicht in träumerischen Fantasien zu verlieren. Denn wer eine Utopie als Ziel formuliert, wird in den meisten Fällen enttäuscht werden und alsdann verbittert durchs Leben gehen.

Hier also eine paar Lektionen, die meines Erachtens jeder Schwule verinnerlichen und in sein Leben einplanen sollte:

1. Als Schwuler bist Du eine kleine Minderheit

Die überwältigende Mehrheit Deiner Mitmenschen sind heterosexuell und sie haben weder Interesse noch Neugier irgendwann einmal schwul zu werden. Und weil das so ist, musst Du Dich auch nicht wundern, dass nahezu alles in Deinem Umfeld sich an  Heteros richtet: Gespräche, Medien, Bücher, Filme, Theater. Außerhalb Deines schwulen Freundeskreises bist Du der Außenseiter. Das ist keine böse Verschwörung, die man mit Hilfe der Werke Judith Butlers besiegen könnte, sondern Teil biologischer Realität. Die Heteros können nichts dafür, dass sie so sind. Sie sind es gewohnt, dass fast alle hetero sind. Also behandeln sie Dich zunächst auch so. Und sie wollen Dir damit zumeist auch nichts böses. Aber sie haben halt kein gesteigertes Interesse Deine explizit schwule Perspektive zu hören. Weil sie nicht schwul sind.

2. Die meisten würden es bevorzugen, wenn Du hetero wärst

Das mag hart klingen, aber es stimmt. Trotz allem Gerede von Pluralismus und Diversität mögen die meisten Menschen klare, übersichtliche Verhältnisse. Und sie mögen es besonders gerne, wenn ihr Umfeld möglichst homogen ist. Und da die meisten Menschen hetero sind, wären sie zufrieden damit, wenn Du es auch wärst. Das würde ihren Umgang mit Dir ungemein erleichtern.

Das gilt im Übrigen auch für Deine Eltern. Klar, sie mögen Dich „akzeptieren“ und Dich und Deinen Freund zu Familienfeiern einladen und Deinen Partner gegenüber Bekannten ganz selbstverständlich als Deinen Partner vorstellen. Aber überleg mal: Wenn Du eines Tages mit einer Frau als Partnerin vorbeikommst, glaubst Du Deine Eltern wären enttäuscht und würden Dir vorhalten, dass der Rafael viel besser zu Dir gepasst habe? Glaubst Du sie würden Dich davon überzeugen wollen, dass Du in Wirklichkeit schwul wärest und dass das mit der Frau nur eine Phase sei, die vorübergeht? Nein, denn Deine Eltern sind Hetero. Und sie wünschen sich für ihre Kinder ein ganz normales heterosexuelles Leben. Mit Freundin, Heirat und Enkelkindern.

3. Du bist abhängig von der Gnade der Mehrheitsgesellschaft

Du kannst Dir Toleranz erkämpfen wollen soviel Du willst, Du kannst Auf Deine Rechte pochen wann immer Dir danach ist, Du kommst um einen Fakt nicht herum: Deine Rechte sind immer abhängig von der Gnade und dem Konsens der Mehrheitsgesellschaft. Wenn die Gesellschaft wollte, könnte sie Dich bereits morgen zerquetschen, sie könnte Dich bereits morgen wegen Deiner Homosexualität ins Gefängnis stecken. Und nichts und niemand wird Dir helfen, weder das Grundgesetz, noch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Denn das sind alles menschliche Konstruktionen, die immer nur im Lichte gesellschaftlicher Meinungen interpretiert werden. Kaum jemanden würde es kümmern, wenn eine Handvoll Homos im Gefängnis sitzt oder gesellschaftlich verachtet und marginalisiert ist. Denn für die überwältigende Mehrheit der Gesellschaft würde sich dadurch nichts, aber auch gar nichts, in ihrem Leben ändern.

Übertreib es also nicht. Versuche nicht mit brachialer Gewalt oder intolerantem Moralismus Deine schwulen Vorstellungen durchzusetzen. Und gib der heterosexuellen Gesellschat vor allem niemals das Gefühl, Du wolltest ihr persönliches Leben umstürzen. Das würden sie Dir nicht verzeihen.

 

Von Vorder- und Hinterladern

Ursula von der Leyen hat es sich zum Ziel gesetzt, die Bundeswehr attraktiver für Schwule und Lesben zu machen. Warum, erschließt sich mir nicht, da mir in meiner Armeezeit bereits die Aussicht attraktiv genug gewesen ist, mit Männern gemeinsam zu duschen und sich in vertrauter Intimität Zimmer und Panzer zu teilen.

Ja, liebe Leser, falls Ihr es noch nicht wusstet. Ich, schwul, war bei der Bundeswehr. Ganze neun Monate. Panzergrenadier, Panzerfaustschütze, Kürassier-Kaserne, Panzergrenadierbataillon 411, Viereck, Mecklenburg-Vorpommern („Waldmeer, Sandmeer, gar nichts mehr“). Nun mag es für manche nicht überraschend sein, dass dort, wo sich Männer tummeln, statistisch gesehen, auch ein paar Schwule tummeln werden, da Schwule zu etwa 99,999 Prozent dem männlichen Geschlecht angehören.

Für den Blogger Danisch ist das aber offenbar eine Neuigkeit, und seine Äußerungen dazu sind gleich auf mehreren Ebenene genial putzig und verdienen es daher, ordentlich seziert zu werden.

Zunächst sei konstatiert, dass Danisch offenbar annimmt, dass erst durch die Pläne des Bundesverteidigungsminsteriums Schwule in die Armee einziehen werden:

Wenn ich mir das jetzt aber vorstelle, dass da homosexuelle Leute mit dabei sind, es da auf den Zimmern gar rundgeht, oder das sogar zum Rekrutierungsgrund wird, dann glaube ich nicht, dass da noch irgendwas ordentlich funktionieren kann. Das artet dann in Beziehungsstress und Anmache aus.

Ich wiederhole es gerne noch mal: Schwule waren schon immer mit dabei, vom antiken Griechenland bis hin zur modernen israelischen Armee. Sicherlich, sie waren nicht immer gerne gesehen, und ganz im Geiste der heterosexuellen Furcht vor Anmachen, oftmals aus den Armeen des Landes ausgeschlossen – zumindest offiziell, denn existent waren sie natürlich.

Diese Praxis hat sich mittlerweile geändert und die meisten westlichen Staaten haben ihr Streitkräfte für Schwule geöffnet. Einen guten Überblick über die aktuelle Situation von LGBT im Militär gibt dabei die englischsprachige Wikipedia

Sexual orientation and military service

nebst einer Karte welche die rechtliche Situation für LGBT und Frauen im Militär widerspiegelt:

lgbt-und-militaerlgbt-und-militaer-2

Noch witziger als Danischs Implikation, dass Schwule aus der Bundeswehr nun einen Sexclub machen, ist allerdings sein interessante Interpretation männlicher Heterosexualität:

Als ich Grundwehrdienst hatte (genau 30 Jahre her, Juli 1985 bis September 1986) und das noch ein reiner Männerverein voller Männer im hormonell wüstesten Saft war, beruhte das ganze noch auf gewissen Abwehrmechanismen. Man hatte grundsätzlich ein paar Pinups im Spind und in den Zimmern und auf der Wache lagen statt ordentlicher Zeitungen immer nur die übelsten Sexpostillen aus dem Mannschaftsheim.

Warum? Viele (vor allem Frauen) regen sich ja immer darüber auf, wenn in Werkstätten usw. solche PinUps rumhängen, aber eigentlich ist das nur ein wichtiges Sozialmittel. Zeigt nämlich allen, lass die Finger von mir, ich bin nicht schwul. Damit ist die Situation geklärt, die ganze Problematik aus der Welt geschafft und der Raum frei für die ganz normale sex-neutrale Kameradschaft, ohne die es da im Feld und Kampf einfach nicht geht.

Was lernen wir daraus? Heterosexuelle Männer hängen sich Poster nackter Frauen nicht etwa deshalb auf, weil sie auf Frauen und Titten stehen, sondern weil sie anderen Männern davon abhalten wollen, mit ihnen zu kopulieren. Das ist insbesondere dann einleuchtend, wenn man als Hetero ständig mit der Angst durchs Leben geht, dass dort draußen Massen von Schwulen lauern, die es gar nicht abwarten können, einen anzumachen, weil man selbst so unglaublich sexy ist, dass kein Homo widerstehen kann.

Danisch sei an dieser Stelle beruhigt: Wie der Artikel in der Wikipedia und die obige Karte zeigen, sind Schwule bereits seit einiger Zeit ganz offiziell in allen Ländern der zivilisierten Welt zum Militärdienst zugelassen. Der Schagkraft und Dominanz westlicher Armeen hat das bislang keinen Abbruch getan. Und auch von Sexorgien mit oder sexuellem Missbrauch an heterosexuellen Kameraden hört man recht selten (wobei man ersteres durchaus bedauern mag).

Und vermutlich wird es Heterosexuelle dann auch relativ schnell abstoßen. Ich glaube, das geht schief.

Danischs Ansichten mögen verständlich sein, legt man sein Alter zugrunde. Mittlerweile hat sich aber bereits einiges getan und es ist kaum anzunehmen, dass sich eine Mehrheit junger Männer davon abhalten lässt, zum Militär zu gehen, weil dort auch Schwule ganz offiziell Ihr Dasein fristen dürfen. Das war bereits zu meiner Zeit (Jahre 2001/2002) nicht  mehr so. Wir haben uns auf unsere Stube sogar ein Poster mit nem nackten Typen an die Zimmertür gehängt. Einfach so.

Warum vögeln Sex ist

In früheren Zeiten war es gang und gebe, homosexuellen Menschen die Fähigkeit zur Liebe und zu emotionalen, romantischen Gefühlen abzusprechen. Insbesondere Schwule wurden rein unter dem Gesichtspunkt einer ausschließlich perversen, triebhaften Lusterfüllung betrachtet.

Diese Definition lässt sich in Zeiten der Forderungen gleichgeschlechtlicher Paare nach Ehe und Familie immer schwerer aufrechterhalten. Was also tut man, wenn man homosexuellen Menshen nicht mehr die Fähigkeit zur Liebe abprechen kann? Korrekt, man dreht den Spieß um und behauptet das Gegenteil, nämlich, dass homosexuelle Menschen gar keine Sexualität hätten:

Sexualität ist auf der Zellebene die Verschmelzung von (weiblichem) Ovarium und (männlichem) Spermium und der daraus folgenden genetischen Neukombination im Prozess der Fortpflanzung.

Korrekt.

Sexualität ist damit identisch mit Heterosexualität.

Was auf der Ebene menschlichen Verhaltens Homo”sexualität” genannt wird, ist daher gar keine Sexualität, sondern Homoerotik. [Hervorhebung im Original, A.]

Nope. Denn, erstens, bezeichnet „Erotik

die sinnliche Anziehung zweier oder mehrerer Menschen.

Homosexualität ist aber nicht nur die sinnliche Anziehung zweier oder mehrere Menschen, sondern auch die Ausübung sexueller Praktiken mit einem oder mehrer Partner gleichen Geschlechts, wobei Sexualpraktik folgendermaßen definiert wird:

Als Sexualpraktik (sexuelle Praktiken) werden alle Handlungen bezeichnet, die subjektiv dem Erreichen sexueller Lust dienen und auf die sexuelle Befriedigung zielen.

Lässt man obige Definition von Sexualität bezüglich der biologischen Ebene als alleinige Definition von Sexualität – und damit Sex – gelten, wären sämtliche Praktiken, die nicht zur Fortpflanzung führen, kein Sex, einschließlich Vaginalverkehr mit Kondom und an nicht fruchtbaren Tagen der Frau, Cunnilingus, Fellatio, Rimmen und Analverkehr. Das sind gute Nachrichten für die überwältigende Zahl der Fremdgeher! Sie könne jetzt ehrlichen Gewissens behaupten, niemals Sex außerhalb der Ehe oder Beziehung gehabt zu haben!

Selbstredend ist das aber alles Unsinn, da Sexualität, zweitens, nicht nur auf der Eben der Fortpflanzung definiert wird, sondern auch eine zusätzliche Definition hat, die da lautet:

Im sozio- und verhaltensbiologischen Sinne bezeichnet der Begriff die Formen dezidiert geschlechtlichen Verhaltens zwischen Geschlechtspartnern. Bei vielen Wirbeltieren hat das Sexualverhalten zusätzliche Funktionen im Sozialgefüge der Population hinzugewonnen, die nichts mehr mit dem Genomaustausch zu tun haben müssen, so dass dann die handelnden Partner auch nicht unbedingt unterschiedlichen Geschlechts sein müssen.

Schachmatt, Professor Dr. Günther Buchholz!

Carsten, ich will kein Kind von Dir!

Konservative Mitglieder der evangelischen Kirche dürfen aufatmen. Denn endlich wurde mit Carsten Rentzing ein Landesbischof ins Amt berufen, der etwas gegen Homosexuelle hat. Was er natürlich bestreitet. Denn natürlich hat niemand etwas gegen Homosexuelle. Nur etwas gegen gelebte Homosexualität. Und gegen homosexuelle Pfarrer. Im Pfarrhaus. Weil Gott das nicht will. Oder so.

Die Welt: Herr Rentzing, was haben Sie gegen homosexuelle Paare?

Carsten Rentzing: Gegen homosexuelle Paare habe ich überhaupt nichts.

Unsinn! Wenn Rentzing nichts gegen homosexuelle Paare hätte, würde er sich dafür einsetzen, dass diese in der evangelischen Kirche ebenso wie heterosexuelle Paare behandelt werden.

Die Bibel sagt, dass die homosexuelle Lebensweise nicht dem Willen Gottes entspricht.

Verharmlosung! Die Bibel sagt, dass Menschen, die der homosexuellen Lebensweise frönen, getötet werden sollen.

Diese Aussagen der Bibel machen es mir persönlich schwer, jemandem zu raten, dass er seine Homosexualität leben solle. Dies anzusprechen, müssen wir Christen uns vorbehalten.

Wenn Rentzing nichts gegen homosexuelle Paare hätte, diese Ansicht aber mit dem Willen Gottes und er Bibel für unvereinbar hält, würde er Atheist werden, oder sich einen Gaubensinterpretation wählen, die nichts gegen Homosexuelle hat. Tut er aber nicht. Also hat er was gegen Homosexuelle.

Ich versuche, den Begriff der Sünde in diesem Zusammenhang zu vermeiden, weil man damit schnell beim moralischen Verwerfen bestimmter Lebensweisen ist. Und genau darum geht es nicht! Aber wenn wir homosexuelle Beziehungen in Pfarrhäusern uneingeschränkt zuließen – und dagegen richten sich die kritischen Stimmen –, würde die Kirche das Signal setzen, dass Homosexualität aus Gottes Sicht in Ordnung wäre.

Es geht also nicht um das moralische Verwerfen der Homosexualität, andererseits aber darf man nicht den Eindruck erwecken, dass Homosexualität okay ist, weil das Gott ärgerlich machen würde. Denn dieser findet Homosexualität nun mal verwerflich. Denn Gott ist eine richtige Bitch. Ärgert man den, schickt er eine Flut und bringt jeden Menschen um. Ist halt so.

Die Welt: Sie ist vor Gott nicht in Ordnung?

Rentzing: Das sage ich nicht. Ich maße mir nicht an, Gottes Willen zu definieren. Ich muss aber umgekehrt sagen, dass man auf der Basis der Bibel nicht erklären kann, Homosexualität sei vor Gott in Ordnung.

Rentzing maßt sich also nicht an, Gottes Willen zu definieren, ist sich aber sicher, dass Gott Homosexualität nicht in Ordnung findet. Um das logisch zu finden, muss man offensichtlich Theologie studiert haben.

Die Kirche kann nicht Aussagen treffen, die vor dem Wort der Bibel keinen Bestand haben.

Unsinn! Natürlich kann sie das. Wann hat die evangelische Kirche denn zuletzt eine Debatte über die Sündhaftigkeit von Shrimps, Tattoos oder der Gesichtsrasur geführt? Und wieso hat die evangelische Kirche nichts gegen Frauen in Führungspositionen, wenn es in der Bibel doch eindeutig heißt, dass das Weib in der Gemeinde zu schweigen habe?

Deshalb hielte ich es für falsch, durch die uneingeschränkte Zulassung homosexueller Partnerschaften im Pfarrhaus das Signal zu setzen, dass Gott der Herr die homosexuelle Lebensweise für die Bestimmung dieser Menschen hält.

Man sollte Nachsicht mit Renzing haben. Denn allzuviel ist vom evangelischen Glauben nicht mehr übrig. Aber eine Gruppe, die man diskriminieren und über die man sich moralisch erheben kann, braucht man halt. Sonst ergibt Religion keinen Sinn. Mit Frauen geht das nicht mehr, bei Geschiedenen ist auch nicht so angesagt und vorehelicher Sex macht einfach zu viel Spaß.

Homosexuell aber, das sind wir fast alle nicht. Also bietet es sich geradezu an, mit dem Finger auf deren Verfehlungen zu zeigen, während man selbst seine Hände in Unschuld wäscht und Gott als Entschuldigung für seine Antipathien vorschiebt.

Akzoleranz – oder so

Der „pelzblog“ hat mir in seiner Antwort auf meine Frage bestätigt, dass er Homosexuelle nicht akzeptieren könne. Das hat mich nicht sonderlich überrascht. Überrascht hat mich dann allerdings doch, dass „pelz“ offenbar eine sehr eigentümliche Definiton des Begriffes „Akzeptanz“ pflegt, die möglicherweise ursächlich verantwortlich für unseren Disput ist.

Zunächst zitiert „pelz“ die Wikipedia

Akzeptanz (von lat. „accipere“ für gutheißen, annehmen, billigen) ist eine Substantivierung des Verbes akzeptieren, welches verstanden wird als annehmen, anerkennen, einwilligen, hinnehmen, billigen, mit jemandem oder etwas einverstanden sein.

Es wird deutlich, dass Akzeptanz auf Freiwilligkeit beruht. Darüber hinaus besteht eine aktive Komponente, im Gegensatz zur passiven, durch das Wort Toleranz beschriebenen Duldung. Akzeptanz drückt ein zustimmendes Werturteil aus und bildet demnach den Gegensatz zur Ablehnung (Aversion).

Daraus schließt „pelz“ messerscharf:

Homosexualität zu akzeptieren, heißt in der letzendlichen Schlussfolgerung eben nichts anderes als homosexuell zu werden. Wenn jetzt Homosexuelle Heterosexualität akzeptieren, ist das dann wohl ein neues Spiel: Der heitere Sexualitätentausch!

Eine meisterhafte argumentative Vernichtung meinerseits. Denn gebraucht man das Wort „Akzeptanz“ tatsächlich in diesem Sinne, wäre es in der Tat unsinnig, sich Akzeptanz für Homosexualität zu wünschen, da dies eine implizite Bitte an Heteros um Änderung ihrer sexuellen Orientierung implizieren würde.

Das Problem ist allerdings, dass niemand im öffentlichen Diskurs den Begriff „Akzeptanz“ in diesem Sinne verwendet. Denn wenn man dies täte, könnte man in letzter Konsequenz nur das akzeptieren, was man selbst entweder selbst tut oder selbst ist.

Stellen wir uns das anhand einiger anderer Beispiele vor:

  • Als Weißer kann ich Schwarze lediglich tolerieren, aber nicht akzeptieren, denn Schwarze zu akzeptieren, heißt in der letzendlichen Schlussfolgerung eben nichts anderes, als selbst schwarz zu sein.
  • Als jemand der Käse nicht mag, kann ich Menschen, die Käse gerne essen, lediglich tolerieren, aber nicht akzeptieren, denn Menschen, die Käse gerne essen, zu akzeptieren, heißt in der letzendlichen Schlussfolgerung eben nichts anderes, als selbst zum begeisterten Käseesser zu werden.
  • Als Mann kann ich Weiblichkeit und/oder Frauen lediglich tolerieren, aber nicht akzeptieren, denn Weiblichkeit und/oder Frauen zu akzeptieren, heißt in der letzendlichen Schlussfolgerung eben nichts anderes, als selbst weiblich zu werden bzw. Frau zu sein.
  • Als Kinderloser kann ich die Tatsache, dass meine Schwester Kinder hat, lediglich tolerieren, aber nicht akzeptieren, denn ihre Eigenschaft als Elternteil zu akzeptieren, heißt in der letzendlichen Schlussfolgerung eben nichts anderes, als selbst Vater zu werden.

Ich bin sicher, man findet noch tausende weitere Beispiele, welche die Absurdität dieser Definition mehr als ausreichend verdeutlichen (Beispiele dürfen gerne in den Kommentaren dargelegt werden).

„pelz“ widemet sich nun dem Begriff der Toleranz, wiederum aus der Wikipedia

Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Umgangssprachlich ist damit heute häufig auch die Anerkennung einer Gleichberechtigung gemeint, die jedoch über den eigentlichen Begriff („Duldung“) hinausgeht.

und fragt darauf aufbauend:

Warum also werden Homosexuelle aggressiv, wenn man ihnen Toleranz aber keine Akzeptanz gewährt?

Hier könnte man z. B. schlussfolgern, dass die extreme Ablehnung einer gegenteiligen Sexualität auf homosexueller Seite viel ausgeprägter ist als auf heterosexueller Seite. Die Personen, die als Homosexuelle andere – Normalsexuelle – ständig mit Vokabeln wie „homophob“ usw. beschimpfen müssen, erwecken in mir den Verdacht der Heterophobie allein aufgrund ihrer Aggressivität.

Zunächst einmal bezeichnen die meisten Homosexuellen die Normalsexuellen nur dann als homophob, wenn es Gründe gibt anzunehmen, dass hinter ihren Ansichten und Taten Homophobie steckt, wenn die Normalsexuellen also erkennen lassen, dass sie nicht bereit sind, Homosexuellen so zu behandeln, wie sie Normalsexuelle behandeln bzw. als Normalsexuelle selbst behandelt werden möchten.

Anschließend komme ich zu der großen Ehre, im „pelzblog“ zitiert zu werden:

In einem Blogbeitrag des Schwulemikers Adrian sind die folgenden Worte zu lesen:

„So wie ich jeden Tag Euch Heteros sehen muss. Eure Händchenhalterei. Eure Küsserei. Eure Beziehungen. Eure Konflikte. Tag für Tag. Auf der Straße, bei der Arbeit, in den Medien. Kein Entrinnen, kein Entkommen – Heterosexualität allerorten. Immer! Überall!

Aber ich bezeichne es nicht als Belästigung. Denn ich respektiere Euch Heteros. Akzeptiere Euch. Euer Leben. Eure Liebe. Eure Menschlichkeit.“

Es folgt die bereist bekannte messerscharfe Analyse, in diesem Fall meiner Psyche:

Anhand dieser Worte werden mehrere Dinge deutlich:

Er hat sehr wohl eine tief innewohnende Ablehnung gegenüber der Heterosexualität. Worte, die auf -erei enden, werden durch diese Wortendung grundsätzlich negativiert oder sind von Anfang an negativ belegt: Herumzickerei, Spinnerei, Faulenzerei usw. Dieses sprachliche Konstrukt negativiert Wörter.

Kein Entrinnen, kein Entkommen – Heterosexualität allerorten. Immer! Überall!

Stellt für mich die Beschreibung von etwas Bedrohlichem dar: Man will normalerweise etwas entkommen, das man als Bedrohung ansieht. So heilig, wie er tut, ist es um seine Wahrnehmung der Heterosexualität also nicht bestellt. Es wirkt eher wie gelebter Verfolgungswahn, da er es sogar in Worte fasst.

Man erinnere sich an den Kontext dieses Zitats, welches im Zusammenhang einer Äußerung von „pelz“ gefallen ist, der sich von Werbeplakaten zum Stuttgarter CSD belästigt fühlte:

Ich weiß, es ist gemein und bösartig von mir. Ich belästige aber niemanden mit solcher Werbung. Man will nicht alles sehen.
Bald müssen wir aber alles sehen.
Die Bildungspläne werden schon dafür sorgen.

Meine Antwort darauf war demnach eine polemische Reaktion, in der Hoffnung, „pelz“ darzulegen, dass wenn er sich schon von Plakten mit Homos belästigt fühlt, ich mich doch erst Recht von der allgegenwärtigen Normalsexualität belästigt fühlen könne. Was ich, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, anschließend aber verneint habe:

Aber ich bezeichne es nicht als Belästigung. Denn ich respektiere Euch Heteros. Akzeptiere Euch. Euer Leben. Eure Liebe. Eure Menschlichkeit.

Was „pelz“ aber nicht gelten lässt:

Daher steht die Aussage „Aber ich bezeichne es nicht als Belästigung.“ im diametralen Gegensatz zu seiner vorherigen Auslassung über die Küsserei und der Wahrnehmung, er müsse der Heterosexualität entkommen. Ich glaube allerdings tatsächlich, dass die erste Aussage seine Meinung eher trifft, als die politisch korrekte Aussage am Ende. Er hat sich schon zuvor über „heterosexuelle Belästigung“ in Kommentaren geäußert.

Ich habe allerdings gezeigt, dass er Heterosexualität gar nicht akzeptieren kann, weil es eben nicht seiner Sexualität entspricht.

Und ich habe oben dargelegt, dass eine derartige Auslegung des Begriffs „Akzeptanz“ absurd ist, und auch nirgendwo im gesellschaftlichen Diskurs so verwendet wird.

Nun stellt sich aber eine weitere Frage: Ist Homosexualität angeboren oder  nicht? Ist sie es nicht, könnte er problemlos akzeptieren. Er wird allerdings keinen Bedarf darin sehen, da er sich mit seiner Sexualität wohlfühlt. Genau so ergeht es mir auch. Daher müssen wir beide die Sexualität des anderen nicht akzeptieren, wir sollten sie tolerieren.

Es tut mir leid, „pelzblog“ kann sich auf den Kopf stellen, ich werde die Normalsexualität auch weiterhin akzeptieren. Selbst gemäß seiner Definition. denn ich hätte – jenseits meiner polemischen, zuweilen zynischen, zumeist aber scherzhaften Sticheleien – keinerlei ethischen oder moralischen Bedenken, Normalsexualität für mich selbst anzunehmen. Ich sehe bloß keinen Grund dazu, eben weil ich mich mit meiner Homsoexualität wohlfühle –

und Männer einfach zu wunderbar sind, um auf sie zu verzichten.

P1131

Schwulemiker fragt pelzblog

Der „pelzblog“ hat lange überlegt. Sehr lange. Homosexualität wird ja demnächst allen Kindern in Baden-Württemberg beigebracht werden. Im Namen der Vielfalt. Denn Homosexualität das sei Vielfalt. Heterosexualität aber nicht. So denken die Linken, die Grünen, der Schwulemiker. Das denkt zumindest der „pelzblog“. Also, was tut er, um uns alle argumentativ zu vernichten? Er denkt weiter. Und schreibt:

“Was ich bisher nie verstanden habe: Homosexualität gibt es seit Bestehen des Menschens. Was ist aber an gleichgeschlechtlicher Liebe vielfältig? Zunächst gibt es in dieser Form der Liebe 50 % weniger Geschlechter als in der heterosexuellen Normalsexualität.”

Clever, der „pelzblog“. Ein ideales Aushängeschild für den Maskulismus. Wahrscheinlich ist eine Glühlampe über seinem Kopf angegangen, als er sich das ausgedacht hat…

Ob es wirklich Sinn ergibt, ihm zu erklären, dass „Vielfalt“ sich in dieser Hinsicht darauf bezieht, dass es neben der Heterosexualität noch mehr gibt, und dass das endlich anerkannt werden soll?

Natürlich nicht, denn der „pelzblog“ gibt ja selbst zu, dass es ihm nur darum geht, gemein und bösartig zu sein. Weshalb er sich dann auch über ein Werbeplakat des CSD Stuttgart lustig macht, welches zwei lesbische Frauen zeigt, die offenbar nicht dem Schönheitsideal des „pelzblog“ entsprechen:

Das ist Vielfalt!
Zwei vielfältige Lesben!
Ich weiß, es ist gemein und bösartig von mir. Ich belästige aber niemanden mit solcher Werbung. Man will nicht alles sehen.
Bald müssen wir aber alles sehen.
Die Bildungspläne werden schon dafür sorgen.

Tragisch, wirklich, tragisch. „pelzblog“ fühlt sich von Plakaten belästigt, die Menschen zeigen, welche nicht heterosexuell sind. Und bald muss der „pelzblog“ Lesben sehen. Obwohl er das gar nicht will! Und Schwule auch noch! Und Transen! Und diese komischen Intersexuellen, die weder das eine noch das andere sind.

 Ja, „pelzblog“ bald wirst Du das alles sehen müssen. So wie ich jeden Tag Euch Heteros sehen muss. Eure Händchenhalterei. Eure Küsserei. Eure Beziehungen. Eure Konflikte. Tag für Tag. Auf der Straße, bei der Arbeit, in den Medien. Kein Entrinnen, kein Entkommen – Heterosexualität allerorten. Immer! Überall!

Aber ich bezeichne es nicht als Belästigung. Denn ich respektiere Euch Heteros. Akzeptiere Euch. Euer Leben. Eure Liebe. Eure Menschlichkeit.

Warum kannst Du das umgekehrt nicht auch?

„Ich würde mir eine Normalisierung der Homosexualität wünschen“

Der geschätzte Leser „Nachtschattengewächs“ hat einen schönen Kommentar geschrieben, der meines Erachtens formidabel das Konzept von Toleranz und Akzeptanz beschreibt, und einen Wunsch zum Ausdruck bringt, wie eine Gesellschaft Homosexualität behandeln sollte. Ich habe mir hierbei die Freiheit genommen, bestimmte – für mich besonders wichtige – Passagen fett hervorzuheben:

„Damit weiss ich immer noch nicht wie er auf die Idee kommt man wolle die ‘Zwangsheterosexualität’ durch Homosexualität als ‘neue Normalsexualität’ ersetzen. Ich gebe ja zu dass ich schon die eine oder andere Radfem in die Richtung habe lästern hören, aber das ist meiner Meinung nach als politische Absicht in etwa so glaubhaft wie Femdom-Phantasien aus der Kink-Ecke. Die haben es auch oft mit Emaskulation und Zwangshomosexualität. Prima Comedy-Material, und sicher aufregend wenn man in die Richtung geht, aber weder praktikabel noch von einer signifikanten Menge von Leuten tatsächlich gewünscht.

Zwangsheterosexualität ist, denke ich, mehr ein politisches Schlagwort. Es herrscht zwar immer noch ein starker sozialer Druck homosexuelle Neigungen nicht auszuleben, aber zum Glück ist es nicht mehr strafbar und es wird langsam gesellschaftsfähiger. Trotzdem ‘schwul’ ist immer noch ein beliebtes Schimpfwort.

Ok. Widerspruch? Eigentlich ja. Aus zwei Gründen: Erstens weil ‘gegenseitige Toleranz’ im Sinne von Duldung, mir zu kurz greift. Der Bestand der Duldung wäre ja schon, als Beispiel, mit der Einstellung des Herrn Gabalier erfüllt, der uns Schwule ja gar nicht vom schwulem Zusammenleben abhalten will, solange er uns bloß nicht sehen muss.

Mir ist natürlich klar, dass ich nicht von jemandem verlangen kann dass er seine wie auch immer geartete Abneigung gegen Schwule ablegt und uns jetzt toll findet. Genauso wenig wie ich von jemandem verlangen kann der Türken oder Chinesen für irgendwie eklig hält, seine leicht rassistisch Einstellung abzulegen. Es ist aber, denke ich, hierzulande weitgehend Konsens, dass mein chinesischer Kollege auch von diesem Menschen trotzdem mit Respekt und der angemessenen Höflichkeit behandelt werden sollte, unabhängig davon was der jetzt generell von Chinesen hält.

Das heißt, ich wäre mit dem weiten Halbsatz glücklicher wenn er ‘…und zwar mit den unstrittigen Zielen wechselseitiger Toleranz und gegenseitigem Respekts’ lauten würde.

Zum Zweiten denke ich dass eine Beschränkung auf den Sexualkundeunterricht den kulturellen Aspekt unterschlägt, der doch einen wesentlichen Teil der viel beklagten Heteronormativität ausmacht.

Ich würde mir eine Normalisierung der Homosexualität wünschen. Normalisierung hier bitte nicht als Setzung einer Norm missverstehen. Die Idee ist einfach der Sache den Ruch des Außergewöhnlichen, Verdächtigen und Abweichlerischen zu nehmen. Ich würde es begrüßen, wenn der Umstand, dass jemand sich eher in gleichgeschlechtliche Partner verliebt (oder sich entgegen seines oder ihres Geschlechtsrollenbildes verhält und präsentiert) und das auch selbstverständlich zeigt, nicht mehr Aufregung und sozialen Druck erzeugen würde, wie der Umstand dass jemand natürlich rote Haare hat.

Wenn wir eine solche Normalisierung als Teil des gleichberechtigten Erziehungsauftrags der Schule anstreben, dann wäre es hilfreich, wenn Homosexuelle nicht nur in dem Medien sondern auch in den Lehrmaterialien als selbstverständlich dargestellt werden. Das hieße z.B. eben auch dass Klein-Erna bedarfsweise auch mal mit Papa und Papa zum Jahrmarkt geht, in den Leseübungen, oder das Miss and Miss Smith eventuell auch mal die Hochzeit ihres Sohnes Kevin mit seinem Mann vorbereiten. Nicht ausschließlich oder auch nur mehrheitlich, sondern eben auch. Und das ginge über die vorgeschlagene ‘Abhandlung im angemessenen Umfang’ wohl hinaus.