Drei Lektionen für Schwule (die keiner hören möchte)

Also nun, wie lebt es sich für Schwule im Jahre 2017 in der westlichen Welt, in Deutschland? Fühlen wir uns gut aufgehoben, behütet, akzeptiert, toleriert? Oder verzweifeln wir, weil die Welt da draußen immer noch so furchtbar heteronormativ ist und alle, die einem begegnen, erst mal glauben man sei hetero?

Im Laufe meines (noch relativ) jungen schwulen Lebens, habe ich mich mit einer ganzen Reihen von Strategien beschäftigt, wie man es als Homo schafft, in einer Welt voller Heteros nicht den Verstand zu verlieren. Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Anerkennung einiger harter Realitäten der beste Weg ist, sich nicht in träumerischen Fantasien zu verlieren. Denn wer eine Utopie als Ziel formuliert, wird in den meisten Fällen enttäuscht werden und alsdann verbittert durchs Leben gehen.

Hier also eine paar Lektionen, die meines Erachtens jeder Schwule verinnerlichen und in sein Leben einplanen sollte:

1. Als Schwuler bist Du eine kleine Minderheit

Die überwältigende Mehrheit Deiner Mitmenschen sind heterosexuell und sie haben weder Interesse noch Neugier irgendwann einmal schwul zu werden. Und weil das so ist, musst Du Dich auch nicht wundern, dass nahezu alles in Deinem Umfeld sich an  Heteros richtet: Gespräche, Medien, Bücher, Filme, Theater. Außerhalb Deines schwulen Freundeskreises bist Du der Außenseiter. Das ist keine böse Verschwörung, die man mit Hilfe der Werke Judith Butlers besiegen könnte, sondern Teil biologischer Realität. Die Heteros können nichts dafür, dass sie so sind. Sie sind es gewohnt, dass fast alle hetero sind. Also behandeln sie Dich zunächst auch so. Und sie wollen Dir damit zumeist auch nichts böses. Aber sie haben halt kein gesteigertes Interesse Deine explizit schwule Perspektive zu hören. Weil sie nicht schwul sind.

2. Die meisten würden es bevorzugen, wenn Du hetero wärst

Das mag hart klingen, aber es stimmt. Trotz allem Gerede von Pluralismus und Diversität mögen die meisten Menschen klare, übersichtliche Verhältnisse. Und sie mögen es besonders gerne, wenn ihr Umfeld möglichst homogen ist. Und da die meisten Menschen hetero sind, wären sie zufrieden damit, wenn Du es auch wärst. Das würde ihren Umgang mit Dir ungemein erleichtern.

Das gilt im Übrigen auch für Deine Eltern. Klar, sie mögen Dich „akzeptieren“ und Dich und Deinen Freund zu Familienfeiern einladen und Deinen Partner gegenüber Bekannten ganz selbstverständlich als Deinen Partner vorstellen. Aber überleg mal: Wenn Du eines Tages mit einer Frau als Partnerin vorbeikommst, glaubst Du Deine Eltern wären enttäuscht und würden Dir vorhalten, dass der Rafael viel besser zu Dir gepasst habe? Glaubst Du sie würden Dich davon überzeugen wollen, dass Du in Wirklichkeit schwul wärest und dass das mit der Frau nur eine Phase sei, die vorübergeht? Nein, denn Deine Eltern sind Hetero. Und sie wünschen sich für ihre Kinder ein ganz normales heterosexuelles Leben. Mit Freundin, Heirat und Enkelkindern.

3. Du bist abhängig von der Gnade der Mehrheitsgesellschaft

Du kannst Dir Toleranz erkämpfen wollen soviel Du willst, Du kannst Auf Deine Rechte pochen wann immer Dir danach ist, Du kommst um einen Fakt nicht herum: Deine Rechte sind immer abhängig von der Gnade und dem Konsens der Mehrheitsgesellschaft. Wenn die Gesellschaft wollte, könnte sie Dich bereits morgen zerquetschen, sie könnte Dich bereits morgen wegen Deiner Homosexualität ins Gefängnis stecken. Und nichts und niemand wird Dir helfen, weder das Grundgesetz, noch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Denn das sind alles menschliche Konstruktionen, die immer nur im Lichte gesellschaftlicher Meinungen interpretiert werden. Kaum jemanden würde es kümmern, wenn eine Handvoll Homos im Gefängnis sitzt oder gesellschaftlich verachtet und marginalisiert ist. Denn für die überwältigende Mehrheit der Gesellschaft würde sich dadurch nichts, aber auch gar nichts, in ihrem Leben ändern.

Übertreib es also nicht. Versuche nicht mit brachialer Gewalt oder intolerantem Moralismus Deine schwulen Vorstellungen durchzusetzen. Und gib der heterosexuellen Gesellschat vor allem niemals das Gefühl, Du wolltest ihr persönliches Leben umstürzen. Das würden sie Dir nicht verzeihen.

 

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Vom Grünen der auszog, den Heten ihre Sünden zu predigen

Für Schwule, Lesben und Bisexuelle wird die Welt immer besser. Was aber für die meisten von uns Homos ein Grund zur Freude ist, stellt für eine Minderheit ein Gräuel dar. Denn mit steigender Akzeptanz der Homosexualität in der westlichen Welt, ergeben sich inbesondere für linkspolitische Berufshomos zwei spezifische Problemlagen.

Erstens verliert das den Homos zugewiesene revolutionäre Potential zum Umsturz der westlichen, liberal-kapitalistischen Ordnung an Zugkraft. Denn welchen Grund sollte es für Homos geben, die westliche Systeme zu stürzen, wenn es sich hier am Besten lebt?

Das zweite Problem ist pragmatischer aber nicht weniger relevant: Wie soll Homopolitik gerechtfertigt werden, wenn Homos immer weniger diskriminiert werden? Die Entpolitisierung von Schwulen und Lesben, die im Wesentlichen positiv ist, weil sie ein Ausdruck von Akzeptanz und Assimilation in die hiesige Gesellschaft darstellt, kann Berufshomos nicht zufriedenstellen, ja muss sie beunruhigen, weil dadurch die Rechtfertigung für Homopolitik verloren geht.

Die Gegenstrategie für diese Dilemma sieht denkbar simpel aus: Die Definition von Diskriminierung und Repression wird ins Absurde gesteigert und an die Gesellschaft werden unerfüllbare Anforderungen gestellt. Es soll ein Zustand herbeigeredete werden, der nicht zu verändern ist, mit dem Ziel, die permanente Repression und Unterdrückung auszurufen, an die man sich bis in alle Ewigkeit mästen kann.

Ein Beispiel für diese Strategie liefert Fabian Goldmann für die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung:

Heterosexuelle sind homophob. Heterosexualität wird nicht von irgendeinem Gen an- und ausgeschaltet. Es ist ein kulturelles Konzept, das erst durch die Abwertung gleichgeschlechtlicher Liebe, Sex und Zuneigung entstanden ist. Ein feministischer Zwischenruf.

Dass Goldmann hier als Feminist angekündigt wird, ist kein Zufall. Denn die gesellschaftliche Analyse großer Teil  des Feminismus weist mit der  links-queeren Weltsicht einige Schnittmengen auf: Als Feindbild gilt für beide das liberal-kapitalistische westliche System, von weißen Männern erfunden und aufrechterhalten, um Frauen und Minderheiten zu unterdrücken.

In letzter Zeit hätte man die Welt für Homosexuellen-freundlich halten können. Politiker_innen setzen sich öffentlich für die Homo-Ehe ein. Regenbogen-Fahnen prangen von Facebook-Profilbildern und der Eiffel-Turm erstrahlt in ihnen. Auf den Straßen demonstrieren Tausende für mehr LGBTQI-Rechte. Und ständig versichert irgendein Kumpel, „selbstverständlich kein Problem mit Schwulen“ zu haben. Nur der Nachsatz, der dann meist folgt, zerstört dann doch ebenso selbstverständlich die Illusion einer schwulenfreundlichen Wert: „Ich bin aber Hetero.“

Wenn aber der Ausweis einer Heterosexualität das Gegenteil einer schwulenfreundlichen Welt ist, dann hätten wir genau den Zustand wie oben beschrieben: Die permanente, nie endende Schwulenfeindlichkeit, und damit eine kontinuierliche Rechtfertigung für die nie endende Revolution.

Heterosexuelle sind homophob. Nein, nicht nur jene 25 Prozent, die laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage Homosexualität für „unmoralisch“ halten. Auch nicht nur die 40 Prozent, die es „ekelhaft“ finden, wenn sich Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit küssen. Nein, alle Heteros sind homophob. Alle! Und das nicht nur, weil sie in einer homophoben Gesellschaft aufwachsen. Heteros sind homophob, weil sie Heteros sind. Oder besser: Weil sie zu Heteros gemacht wurden.

Heterosexualität ist demnach keine sexuelle Orientierung, sondern eine gesellschaftliche Konstruktion; erfunden, um Homosexuelle zu unterdrücken.

„Ich steh nun mal nur auf Frauen“, würde mein Kumpel jetzt erwidern. Daran ist nichts verkehrt. Die Frage ist nur: Warum tut er das? Ginge es nicht auch anders? Natürlich ginge es anders. Heterosexualität wird nicht von irgendeinem Gen an- und ausgeschaltet. Es ist ein kulturelles Konzept, das erst durch die Abwertung gleichgeschlechtlicher Liebe, Sex und Zuneigung entstanden ist.

Empathie ist die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Goldmann besitzt die Fähigkeit nicht. Denn wenn er sie besitzen würde, wäre ihm beim Niederschreibn seiner Zeilen folgender Dialog in die Sinn gekommen:

Schwuler: „Ich steh nun mal nur auf Männer“

Hetero: „Aber warum tust Du das? Ginge es nicht auch anders? Natürlich ginge es anders. Homosexualität wird nicht von irgendeinem Gen an- und ausgeschaltet. Es ist ein kulturelles Konzept, das erst durch die Abwertung gegengeschlechtlicher Liebe, Sex und Zuneigung entstanden ist.“

Rein logisch, kann es für Goldmanns These nur zwei Ausgangszustände geben. Entweder ist die Homosexualität das normale Sexualempfinden aller Menschen, oder jeder Mensch ist bei Geburt bisexuell. In beiden Fällen wären es alleine kulturelle und gesellschaftliche Faktoren, welche den Großteil der Menschen eine überwiegend bis ausschließlich heterosexuellen Lebensweise aufzwingen.

Doch welche Belege hat Goldmann für diese steile These?

Um das zu verstehen, hilft ein Blick in die Geschichte: Wann die Idee von einer „heterosexuellen“ Normalität in die Welt kam, ist schwer zu sagen.

Dabei ist die Antwort auf diese Frage so schwer nicht: Heterosexualität als Normalzustand entstand vor etwa 600 Millionen Jahren im Proterozoikum im Zuge der evolutionären Entwicklung der Sexualität. Da der Mensch ein sich sexuell fortpflanzendes Lebewesen dieses Planeten darstellt, liegt die Vermutung nahe, dass sein Normalzustand die Heterosexualität ist, da es andernfalls unnötig kompliziert wäre, sich fortzupflanzen. Das Schöne an dieser Hypothese ist überdies, dass sie sich wissenschaftlich und durch die Realität belegen lässt.

In Europa begann die katholische Kirche im 13. Jahrhundert massiv ihre Vorstellung von einer gottgewollten Sexualmoral zu propagieren. Diese orientierte sich damals zwar noch eher an den Praktiken (anal=schlecht, vaginal=gut), aber die Idee von einer „natürlichen“ und „widernatürlichen“ Sexualität war geboren. Sich neben der Ehefrau noch einen Liebhaber gönnen? Das endete im mittelalterlichen Europa oft mit dem Scheiterhaufen.

Hier übersieht Goldmann dreierlei: Erstens die Tatsache, dass nicht nur Homosexualität, sondern auch Heterosexualität außerhalb der monogamen Ehe von der Katholischen Kirche als sündhaft angesehen wurde (und wird); dass es also weniger um die Abwertung der Homosexualität an und für sich ging, sondern eher um die Aufrechterhaltung des katholische Dogmas von  der Sexualität zum alleinigen Zwecke der Fortpflanzung innerhalb einer stabile Ehe.

Daraus ergibt sich zweitens, dass innerhalb dieser katholischen Sichtweise Homosexualität zwangsläufig als widernatürlich angesehen werden muss, weil sie eben nicht der Fortpflanzung dienen kann.

Drittens ist auffällig, dass Goldmann nicht auf die Idee kommt, dass Homosexuelle deshalb verfogt wurden, weil sie die Abweichler von der Norm darstellten und eben nicht die Norm.

600 Jahre später waren es Psychiater, die im 19. Jahrhunderts aus der religiös legitimierten Zweiteilung der Sexualität eine medizinische machten. „Heterosexualität“ wurde zum Symptom einer gesunden Lebensweise, jede Abweichung zur Krankheit erklärt. Die psychiatrische Zwangseinweisung ersetzte die Verfolgung von Sodomiten, die medizinische Behandlung die Teufelsaustreibung. Aus der Ablehnung sexueller Praktiken wurde die Ablehnung einer „kranken“ sexuellen Identität. „Normal“ war nur der, der sich zur „gesunden“ Form von Liebe und Sex bekannte: der Heterosexuelle.

Aber auch hier lässt sich fragen, was wäre die einleuchtendere, sparsamere Erklärung? Dass alle Menschen homo- oder bisexuell sind und ihre Sexualität im Auftrag eines gesellschaftlichen Konstrukts unterdrücken und diejenigen verfolgen, die sich offensichtlich nicht an diese Spielregeln halten? Oder dass Homosexuelle die Abweichung sind, und es der Mehrheit der Heterosexuellen daher leicht fällt, die Minderheit der Homosexuellen zu pathologisieren?

Es war und ist das Verdienst der Lesben- und Schwulen-Bewegung diese Zuschreibungen verändert zu haben. Aus „pervers“ machten sie „anders“, aus „unnatürlich“ „gleichberechtigt“. Doch die Zweiteilung aufheben, konnten auch sie nicht.

Natürlich konnten sie die Zweiteilung nicht aufheben, weil das Bekenntnis zur Homosexualität diese Zweiteilung ja ebenfalls reproduziert: Hier wir Homos, dort Ihr Heteros.

Dass diese Zweiteilung eine kulturelle und soziale und keine biologische ist, zeigt auch der Blick auf Zeiten und Orte, in der sie keinen Bestand hatte: Über 1.000 Jahre lang überlieferten Dichter von Andalusien bis Persien eine homoerotische und homosexuelle Selbstverständlichkeit, die Europa völlig fremd ist und war. Von China bis Äthiopien konnten Männer bis ins 19. Jahrhundert andere Männer lieben, ohne von einer gesellschaftlichen Norm abzuweichen. Dass es weit mehr von ihnen als im heutigen Europa auch taten, lag nicht daran, dass in China mehr Schwule geboren werden. Es liegt daran, dass es die Stigmatisierung von Sexualpraktiken, die Idee einer heterosexuellen Normalität, die Vorstellung man könne nur das eine oder das andere sein, lange Zeit nicht gab.

Doch das beweist nicht mehr, als das andere Kulturen Wege gefunden haben, mit Abweichungen anders umzugehen. Aber Linkshänder als Menschen zu behandeln, belegt nicht, dass Linkshänder die Norm sind. 

„Männer lassen sich nicht in zwei voneinander getrennte Populationen teilen: heterosexuell und homosexuell. Nur der menschliche Verstand erfindet Kategorien…. Die echte Welt ist ein Kontinuum“, schrieb Alfred Charles Kinsey 1948. Seine Thesen lösten nicht nur in den 60er Jahren die sexuelle Revolution mit aus, sie wurden später auch von Neurobiologen bestätigt: Es gibt keinen hetero/homo-Schalter im Kopf.

Die Realität belegt aber weiterhin das Gegenteil: Dass sich nämlich die überwältigende Mehrheit der Männer sexell zu Frauen hingezogen fühlt. 

Dies dürften auch die meisten „Heter“o-Männer schon einmal gemerkt haben. Dann zum Beispiel, wenn sie im Suff ihren pubertierenden Kumpels gestanden, doch manchmal homoerotische Fantasien zu pflegen. Trotz Homo-Ehe und Regenbogenfahnen-Inflation: Der Anteil jener Männer, die diesen Fantasien auch nachgehen, ist historisch gering ist: Noch in den 70ern machte in Deutschland jeder fünfte männliche Pubertierende gleichgeschlechtliche Erfahrungen. Heute ist es nur noch jeder zwanzigste.

Und würde diese Erkenntis nicht belegen, dass Heterosexuelität der Normalzustand für die meisten Männer ist? Dass sie nämlich umso heterosexueller agieren, je leichter der Zugang zu Frauen ist?

Dies liegt nicht daran, dass heute mehr Heteros geboren werden, sondern daran, dass Heterosexualität heute den Charakter einer Bekenntnisreligion mit Ausschließlichkeitsanspruch angenommen hat. Das Bekenntnis „Hetereo“ spiegelt nicht die eigene sexuelle Identität wider. Stattdessen generiert sich die eigene sexuelle Identität zum großen Teil aus einem gesellschaftlichen Zwang zum Bekenntnis. Heterosexualität bedeutet, sich selbst zu vergewissern, nicht „pervers“, „krank“, „anders“, oder einfach nur „so“ zu sein. Sie ist die Eintrittskarte in den Club der Normalen. Und diese kann einem mit nur einem falschen Kuss, einer zu innigen Umarmung, einer Nacht jederzeit abgenommen werden.

Doch warum sollte das zwanghafte Bekenntnis zur Heterosexualität in einer Welt zunehmen, die Homosexualität immer mehr akzeptiert und in der Homosexuelle eben nicht mehr als „pervers“, „krank“, oder im schlechten Sinne „anders“ ansieht?

Die sparsamste Erklärung ist wiederum denkbar simpel und besteht aus zwei Teilen: Die Mehrheit der Männer ist heterosexuell, und sie bekennen sich zur Heterosexualität, weil es Homosexuelle gibt, und ein heterosexueller Mann keinen Vorteil davon hat, sich zur Homosexualität zu bekennen, wenn er es nicht ist. Genau so wenig, wie ein Homosexueller einen Vorteil davon hätte, sich zur Heterosexualität zu bekennen, wenn er es nicht ist.

Oder anders gesagt: Eben weil in unserer Zeit  heterosexuelle Männer immer häufiger mit Homosexuellen soziale Kontakte pflegen, ergibt sich das implizite oder explizite „Bekenntis“ zur Heterosexualität gleichsam von selbst. Denn was würde im Zuge der sozialen Dynamik geschehen, wenn sich Heteros und Homos nicht ihrer eigenen Sexualität versichern? Es würde sinnlose Avancen und sexuelle Enttäuschungen geben. Und da Männer  sparsam und effezient sind, lässt sich dem durch ein Bekenntis zur eigenen Sexualität leicht vorbeugen. Jeder weiß dann, woran er mit dem anderen ist.

Wie der Umgang mit dem gleichen Geschlecht zumindest etwas besser gelingen kann, kann der „heterosexuelle“ Mann übrigens von jenen Menschen lernen, zu denen er sich vermeintlich ausschließlich hingezogen fühlt: Frauen. Mit Absicht handelt dieser Text weder von Lesben noch von heterosexuellen Frauen. Denn auch wenn der gesellschaftliche Zwang zum Bekenntnis auch auf Frauen lastet: Frauen, die sich als Hetero bekennen, gehen oft unverkrampfter mit dem eigenen Geschlecht um, können sich umarmen, küssen, in einem Bett schlafen und zumindest während der Pubertät mit der besten Freundin knutschen, ohne sozial geächtet zu werden. Der Grund: Wie so vieles in patriarchalischen Gesellschaften wurde auch das Konzept der Hetereoesexualität um Männer herum konstruiert.

Oder es liegt einfach daran, dass sich  männliche und weibliche Sexualität und Intimität voneinander unterscheiden und Männer kein intrinsisches Interesse daran haben, miteinander zu knutschen, zu kuscheln, zu kichern, zu tratschen und sich gegenseitig die Haare schön zu machen. Ich kann verstehen, dass heterosexuelle Männer das nicht mit anderen Männern tun, weil ich als Schwuler auch kein Interesse daran habe, dies mit Frauen zu tun. Ich möchte keine „weiblichen“ Intimitäten mit Frauen pflegen. Warum sollten Hetero-Männer das mit anderen Männern tun? Warum sollten Frauen der Maßstab für das sein, was sich für Männer ziemt?

Noch bessere Rolemodel findet der Hetero-Mann allerdings dort, wo die meisten schon an der Türschwelle in Identitätskonflikte gestürzt werden: im nächsten Gay-Club. Denn Homosexualität ist in der Praxis nicht nur das Gegenstück zu Heterosexualität, Es ist dessen Aufhebung. Kaum ein Homosexueller dürfte ein schlechtes Gewissen wegen eines hetero-erotischen Traums haben. Kaum ein Schwuler dürfte auf die Idee kommen, sich vor seinen Eltern als „straight“ zu outen, weil er auf der letzten Party mit einer Frau rumgeschnutscht hat. Und kaum jemand, der „einfach mehr Lust auf Männer hat“ muss dies seinen „heterosexuellen“ Kumpels und sich selbst ständig versichern. Das soll nicht heißen, dass Mann schwul sein muss, um seiner Homophobie zu entkommen. Es reicht, sich von der Idee zu verabschieden, ein Hetero zu sein.

Goldmann hat Unrecht. Auch ich hatte bereits erotische Träume mit Frauen und ich hatte sehr wohl ein schlechtes Gewissen danach. Nicht weil ich Heterosexualität als schlecht oder minderwertig betrachte, sondern weil Homosexualität eben Teil meiner Identität ist und ein potentielles Abweichen von dieser Identität ein Eindringen in unbekannte, fremde Territorien bedeutet.

Ich habe am Anfnag dieses Beitrages die These fomuliert, der Zweck Goldmann sei es, die permanente Revolution führen zu wollen. Und auch wenn diese implizite  Zielführung viele Linken eigen ist, möchte ich abschließend eine alternative bzw. zusätzliche These in den Raum werfen. Nämlich die, das Goldmann einfach nur ein empathieloser, egozentrischer Narzisst ist.

Empathielos deshalb, weil er von Hetero die Aufgabe ihrer sexuellen Identität verlangt, etwas das, würde es Richung Homos gehen, zurecht als Homophobie bezeichnet werden würde.

Egozentrisch deshalb, weil er dies von Heteros verlangt, nur damit er sich nicht mehr als Minderheit fühlen muss.

Narzisstisch deshalb, weil er eine Gesellschaft anstrebt, in der Schwule nicht einfach mit Heteros in einer Gesellschaft zusammenleben, sondern in der sich Heteros seinen Maßstäben unterwerfen müssen, um nicht als schlechte Menschen zu gelten.

Von der Zumutung homoerotischer Infamie für das Seelenheil nicht-feministischer Kämpfer der Privatsphäre zum Schutze der Intimsphäre unserer Kinder

Man kann machen, was man will. Manche werden niemals müde. Dazu gehört auch der „Nicht-Feminist“, der eine Verlinkung auf einen seiner älteren Beiträge zum Anlass für einen neuen Beitrag nimmt, indem er sich wundert, warum Homos sich nicht endlich mit ihrer Existenz als gesellschaftliche Randgruppen zufrieden geben.

Okay, ich versuch es noch einmal zu erklären:

In einem sehr alten Artikel der Kehrseite habe ich mich explizit mit der wissenschaftlichen Definition des Begriffes “Sexualität” auseinandergesetzt, da dieses Thema in den letzten Jahren eine politische Dimension angenommen hat. Obwohl es eines der intimsten zwischenmenschlichen Angelegenheiten ist, ist es gerade zu infam, wie dieses Thema von der Politik für erzieherische Maßnahmen instrumentalisiert wird. Wenn ich mich recht erinnere, waren es gleichgeschlechtliche Aktivisten, die ihre intimen Angelegenheiten heraus auf die Straße gezerrt haben. In beispiellosen Kampagnen auf medialer und politischer Bühne sind die Anliegen dieser Randgruppe in der Öffentlichkeit beworben worden.

Der Nicht-Feminist tut hier gerade so, als wäre die gesamte Menschheitsgeschichte für Homos immerzu Friede, Freude, Eierkuchen gewesen, als hätte es niemals ein Veranlassung gegeben, unsere intimen Angelegenheiten auf die Straße zu zerren. Selbstredend hat man uns immerfort akzeptiert, hat uns niemals politisch verfolgt, hat unsere Liebe, unsere Erotik (Sexualität schreibe ich hier bewusst nicht, denn laut Ansicht des Nicht-Feministen haben Homos keine Sexualität), unsere Beziehungen niemals infrage gestellt, hat uns stets mit dem gleichen Respekt behandelt, den Heterosexuelle selbstverständlich für sich in Anspruch nehmen, wenn es um deren intimen Angelegenheiten geht.

Damals wie heute vertrete ich die Auffassung, dass es niemanden etwas angeht, was zwei erwachsene Menschen in gegenseitigem Einvernehmen zu tun gedenken, so lange diese Taten keine strafrechtlichen Aspekte berühren.

Eine kryptische Aussage, die mich nicht vollständig zufrieden stellen kann, weil sie nichts darüber aussagt, wie der Nicht-Feminist zum Beispiel über Homos im Iran denkt, da deren Leben dort sehr wohl strafrechtliche Aspekte berührt.

Da homoerotisch veranlagte Menschen in diesem Land keinerlei juristische Konsequenzen für ihr Tun befürchten müssen, sehe ich auch keinen Grund für diese Menschen sich in ihrer gewohnten Manier diskriminiert zu fühlen.

Wenn aber heterosexuelle Menschen in diesem Land mehr tun dürfen, als homoerotisch veranlagte Menschen – heiraten, adoptieren, ihre intimen Angelegenheiten in die Öffentlichkeit zerren, ohne dass der Nicht-Feminist deshalb kritische Beiträge schreibt – , wieso sollten sich letztere dann nicht diskriminiert fühlen?

Wenn diese Privatangelegenheiten einer gesellschaftlichen Randgruppe sogar in die Schulen getragen und allumfassend in die Lehrpläne eingebunden werden soll. Spätestens dann ist dieses Thema eben keine einvernehmliche Angelegenheit zwischen zwei Erwachsenen mehr, sondern ein Politikum.

Bis auf den Aspekt mit der „Randgruppe“ könnte der Nicht-Feminist das Gleiche über Heteros schreiben. Wenn deren Privatangelegenheiten  sogar in die Schulen getragen und allumfassend in die Lehrpläne eingebunden werden soll  – was bereits geschehen ist – spätestens dann ist dieses Thema eben keine einvernehmliche Angelegenheit zwischen zwei Erwachsenen mehr, sondern ein Politikum.

Hat nun eine Randgruppe weniger Rechte als die Mehrheit?

Wenn hier von Eltern Kritik auf die Straße getragen wird, betrifft diese nicht die Privatangelegenheiten der Schwulen und Lesben, sondern die der von solchen Eingriffen in die Intimsphäre betroffenen Kinder.

Kein Mensch hat sich um meine „Intimsphäre“ gekümmert, als mir in der Schule beigebracht wurde, wie man ein Kondom über den Penis zieht, damit man ihn dann sicher in die Mumu eines weiblichen Wesens stecken kann…

Und ja, ich glaube, dass gerade in unserer heutigen Zeit, in der  Sexualität und Eotik allgegenwärtig ist, es wichtig ist, bereits Kinder, ab einem angemessenen Alter, über Sexualität und Erotik aufzuklären. Und sei es alleine deshalb, weil einige dieser Kinder später homoerotisch leben werden.

Nicht die Tatsache, dass es gleichgeschlechtliche Neigungen gibt steht zur Kritik. Auch die intimen Betätigungen der Homoerotiker hat vor der massiven politischen Einflussnahme ihrer Lobbygruppen auf die Schulbildung kaum einen interessiert. Den Demonstranten gegen den Bildungsplan 2015 ist es, genau wie mir persönlich, vollkommen egal was andere Menschen privat tun. Das geht keinen etwas an!

Und dennoch richten sich weder der Nicht-Feminist noch die Gegner des Bildungsplans gegen eine heterosexuelle Indoktrinierung von Schülern.

Wenn man jedoch ein solches Thema wie die Sexualität in den Lehrplan an Schulen einbaut, sollte das auf eine Weise geschehen, dass die maßgeblich davon Betroffenen (Kinder und deren Eltern) im Einvernehmen mit dem Bildungstr[ä]ger sind.

Und da Homosexualität keine Sexualität ist, braucht sie im Sexualkundeunterricht der Schule auch nicht berücksichtigt werden. Denn ob Peter sich mit 14 in einen Jungen verliebt; dass er versucht, dieses Gefühl einzuordnen; sich darüber bewusst wird, dass er eine „Randgruppe“ ist, und schlussendlich mit Jerome ohne Kondom Analverkehr betreibt, das ist alleine seine Privatsache und geht niemanden etwas an. Denn solange Saskia und Ramon sexualkundlich gebildet werden, auf das sie in ihrem Ehebett fleißig für schwäbischen Nachwuchs sorgen, brauchen uns Peter und Jerome mit ihrer randständigen Homoerotik nicht zu interessieren.

Als Hinweis darauf, dass die emotionalen und irrationalen Ansichten der Buchstabenmenschen keinen Eingang in die Lehrpläne von Bildungseinrichtungen finden sollten, sei auf folgendes Zitat aus dem Schwulemiker-Blog verwiesen:

“Und selbst wenn man man Homosexualität als Form der Sexualität betrachtet, bemühen wir Homos uns sehr, Leben weiterzugeben, indem wir kräftig unsere Sexualität praktizieren. Es ist schließlich nicht unsere Schuld, dass ein allmächtiger Gott zwar in der Lage ist, in einem Mann das Verlangen nach einem anderen Mann zu entfachen, sich aber außerstande sieht, einen Mann zu schwängern.” (Hervorhebungen: Die Kehrseite)

Ein polemisch-heiteres Zitat meinerseits muss jetzt also als Beleg dafür herhalten, dass der Bildungsplan falsch ist? Ich persönlich finde dieses Zitat  außerordentlich gut, zumal es sich – selbstredend dem Alter der Schüler angemessen – für den Religions- und den Sexualkundeunterricht gleichermaßen eignet.

Niemand wird in unserer Gesellschaft wegen dieser Neigungen diskriminiert, ganz im Gegenteil.

I beg to differ.

Heute genießen die gleichgeschlechtlich Geneigten eine Vorrangstellung in den gehobenen gesellschaftlichen Kreisen, allein aufgrund dieser Neigung.

Mag sein, ich zum Beispiel bewege mich allerdings nicht in gehobenen gesellschaftlichen Kreisen. Und auch der Bildungsplan ist nicht alleine zur Lektüre für gehobene gesellschaftlichen Kreise gedacht.

Bei einem Coming-Out bekommen sie automatisch den Nimbus der Unangreifbarkeit verpasst

Klaro. Insbesondere wenn man in Köln-Chorweiler oder Berlin-Marzahn Hand in Hand mit seinem Freund spazieren geht. Aber selbst schuld, warum tragen wir unsere privaten Intimitäten auch in die Öffentlichkeit? Tun Heteros ja auch nicht, oder?

und sind auch gegen sachliche Kritik in anderen Bereichen immun. Kaum jemand hat es zum Beispiel gewagt Klaus Wowereit wegen seiner kommunalpolitischen Verfehlungen anzugreifen, um nur ja nicht in den Verdacht der “Homophobie” zu geraten.

Auch das ist natürlich falsch, denn gerade in den letzten Jahren seiner Amtszeit ist die Beliebtheit Wowereits massiv gesunken, wurde er massiv kritisiert, insbesondere im Zusammenhang mit dem Berliner Flughafen-Desaster.

Eines sei über Regenbögen noch gesagt. Man kann sie nur sehen wenn Regen und Sonne zusammenkommen. Und sie sind sehr schnell vergänglich.

Ich betrachte das jetzt mal als ein Hoffnungsseufzer über die kommenden Zeiten, in denen sich Heteros nicht mehr mit frechen Randgruppen herumschlagen müssen, die ihre Erotik schamlos in die Öffentlichkeit tragen, ohne an die Intimsphäre der Kinder zu denken.

Wenn es anders gemeint sein sollte, darf mich der Nicht-Feminist gerne aufklären.

Homophile Scheinfamilien

Prof. Dr. Günter Buchholz, von der „Frankfurter Erklärung“, klärt auf:

“Regenbogenfamilein” [sic] sind objektiv: Scheinfamilien. Es wird so getan, als ob, und der Rest wird verleugnet.

Es sind aber nur dann Scheinfamilien, wenn man Familie lediglich als Organisationseinheit bestehend aus biologischem Vater, biologischer Mutter und biologischem Kind versteht. Der deutsche Staat jedenfalls sieht das nicht ganz so eng und kennt durchaus die soziale Eternschaft. Und ich vermute mal, zu seinen Gunsten, ein solches Statement über objektiver Scheinfamilien würde Buchholz nicht gegenüber Eltern mit adoptierten Kindern oder Patchworkfamilien abgeben.

Im Hinblick auf biologische Fortpflanzung ist und bleibt Homosexualität steril und dysfunktional.

Das kommt darauf an, wie man Homosexualität versteht. Versteht man darunter nur den sexuellen Aspekt, dann ja. Andererseits hindert mich meine Homosexualität nicht daran, eine Frau auf biologischem Weg zu schwängern. Der Akt wäre zwar objektiv heterosexuell, ich aber wäre es nicht. Und meine Homosexuelität hindert mich erst recht nicht daran, in Kondome zu ejakulieren und mit meinem Sperma Tausende von Lesben zu befruchten.

Im Übrigen verstehe ich Buchholz‘ Verweis auf „biologische“ Fortpflanzung nicht. Gibt es auch nichtbiologische Fortpflanzung?

Homosexualität kann zwar als soziokultureller Lebensstil normalisiert werden, nicht aber biologisch: das bleibt ausgeschlossen.

Nicht ganz. Wenn die Ursache der Homosexualität biologisch ist, dann kann sie durchaus biologisch normalisiert werden.

Die gesamte Homophilie-Kampagne ist ein einziger Verweis auf eine subjektiv-selbstbezügliche Mangelerfahrung, die aus biologischer Sicht tatsächlich berechtigt ist.

Die gesamte „Homophilie-Kampagne“ basiert auf dem Umstand, dass Homosexuelle existieren, dass Regenbogenfamilien existieren, dass diese also eine Realität darstellen. Und Realitäten lassen sich nicht langfristig ausblenden. Auch nicht von Professoren der Fachhochschule Hannover.

Lose straight

Aus Seattle erreicht uns eine Meldung, die lustig und in ihrer Idiotie tragisch zugleich ist.

Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA entschieden hat, dass die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet werden muss, fühlte sich Blogger Anthony Rebello in seinen Rechten als Hetero verletzt. So sehr, dass er ein Zeichen setzen wollte, mit der ersten Straight-Pride-Parade der Stadt:

„in the name of equality [and] equal rights … to celebrate our right to be heterosexual, and to encourage younger heterosexuals that they should be proud of their heterosexuality.“

Der Erfolg ließt allerdings zu wünschen übrig, denn obwohl es über Facebook 169 Zusagen gab, wa Rebello letztendlich der einzige Teilnehmer. Was allerdings auch nicht verwundern sollte, denn inwiefern wird das Recht irgendeines Menschen auf Heterosexualität mit Füßen getreten? Gibt es ein Eheverbot für Heteros? Ein Adoptionsverbot für Heteros? Ein Blutspendeverbot für Heteros? Kann man gefeuert werden, weil man Hetero ist? Werden heterosexuelle Paare, die in der Öffentlichkeit Händchen halten, doof angemacht, bespuckt oder gar zusammengeschlagen? Muss sich irgendjemand dafür rechtfertigen, dass er Hetero ist?

„Gay Pride“ ist das Eintreten für gleiche Rechte. Man beachte aber, was der Auslöser für Rebellos „Straight Pride“ gewesen ist: der Umstand, dass Homos mit der Ehe nun die gleichen Rechte haben wie er. Sein „Pride“ konstituiert sich also aus einer empfundenen Höherwertigkeit seiner selbst. Seinen „Pride“ bezieht er aus der Diskriminierung anderer Menschen.

Was für ein armes Würstchen!

Heterosexualität und Prostitution

Von Schwulenfeinden wird Homosexualität ja in schöner Regelmäßigkeit mit anderen Übeln verglichen, bspw. Alkoholkonsum, Gewaltkriminalität und Prostitution. Gerade letzterer Vergleich ist dabei besonders putzig, wenn man sich vergegenwärtigt, was Prostitution eigentlich ist. So schreibt etwa die Wikipedia:

Prostitution (von lateinisch prostituere „nach vorn/ zur Schau stellen, preisgeben“) – früher Gewerbsunzucht – bezeichnet die Vornahme sexueller Handlungen gegen Entgelt.

Klarer Fall also, Sex gegen Geld. Nur was hat das mit Homosexualität zu tun? Offenbar kennen sich unsere homophoben Freunde nicht so gut in den Sexualbeziehungen von Schwulen aus, denn Sex gegen Geld ist da die absolute Ausnahme. Wenn zwei schwule Männer scharf sind, und sich gegenseitig anziehend finden (zuweilen ist das auch gar nicht mal nötig), dann wird halt gevögelt. Worin soll also der Sinn bestehen, das noch unnötig mit Geld zu verkomplizieren, wenn sowieso alle beide Sex wollen?

Bei genauerer Betrachtung ist es weniger die Homosexualität, als vielmehr die Heterosexualität, die untrennbar mit Prostitution verknüpft ist, ein Umstand der natürlich damit zu tun hat, dass Frauen und Männer andere Prioritäten setzen, was den Sex angeht. Wenn der Sexualtrieb der Frauen geringer ist, als der der Männer, dann ist es logisch, dass es zu einem Tauschgeschäft zwischen den Geschlechtern kommt, dass also der Mann der Frau etwas dafür bieten muss, um mehr Sex zu bekommen, als Frau ohne eine Gegenleistung anbieten würde.

Die Realität bestätigt das. Im Verhältnis gibt es weitaus mehr Bordelle für heterosexuelle Männer, als für schwule Männer, von Bordellen für heterosexuelle Frauen ganz zu schweigen. Schwule Männer und heterosexuelle Frauen brauchen ja auch keine Bordelle, weil sie Sex ohnehin überall kostenlos bekommen können. Sex gegen Geld ist also eine überwiegend heterosexuelle Domäne und nicht nur das. Polemisch könnte man sogar behaupten, dass die Sexualbeziehung zwischen Frau und Mann an sich gar nichts anderes ist als Prostitution.

So schrieb bereits Anfang der 70er Jahre die unnachahmliche Esther Vilar:

„Die Frau kontrolliert ihren Sex, weil sie für Sex all das bekommt, was ihr noch wichtiger ist als Sex.“

und

„Für eine Frau gibt es wichtigere Dinge als einen Orgasmus, zum Beispiel den Kauf von einem Paar auberginefarbenen Lackstiefelchen.“

Ausführlicher wird die Beziehung Sex und Geld in heterosexuellen Beziehungen von Arne Hoffmann in seinem epochalen Werk „Sind Frauen bessere Menschen?“ beschrieben:

Angenommen, beide sind noch Single, wollen einander kennen lernen und gehen zusammen aus. Beide haben ihren Spaß, aber natürlich ist es seine Aufgabe, die Finanzierung des Abends zu gestalten – je teurer das Restaurant, desto häufiger zahlt der Mann. Man nennt das „romantisch“ oder „Kavaliersverhalten“. „Würde ein Mann bei unserer ersten Verabredung von mir erwarten, dass wir die Rechnung teilen, würde ich kein zweites Mal mit ihm ausgehen“, ist ein oft gehörtes Statement, wie die Paarpsychologin, Susan Jeffkers bestätigt. Für einen gemeinsamen Kinobesuch mit Benzinkosten (klar, dass er sie abholt), Abendessen und ein paar Drinks können dann locker 150,- DM zusammenkommen. Mit anderen Worten: Der Mann darf, je nach Einkommenshöhe, schon einmal ein Viertel seines Wocheneinkommens dafür aufwenden, dass sie sich überhaupt mit ihm abgibt. Wenn eine Frau sich atemberaubend fortschrittlich dünkt, dann ist sie schon einmal bereit, die Hälfte zu übernehmen – ihre Hälfte. Mehr nicht.“[1] […]

Das angeblich so romantische Geschlecht scheint sich für den Marktwert von Zärtlichkeiten durchaus zu interessieren. Natürlich bleibt das nicht unbemerkt. So stellte die amerikanische Sexualforscherin Shere Hite für eine ihrer Studien Männern die folgende Frage: „Hatten Sie je Geschlechtsverkehr mit einer Prostituierten? Was empfanden Sie dabei, für Sex zu bezahlen? Die Antworten brachten eine, wie Hite es nennt, „überraschende Meinung zutage, was die Beziehung zwischen Mann und Frau anbetrifft: Die häufigste Reaktion war: ‚Man zahlt doch sowieso immer.““[2]

So gesehen, gibt es zwischen Heterosexualität und Prostitution also eine Symbiose, die weitaus offenkundiger ist und faktenreicher begründet werden kann, als es bei der Homosexualität der Fall ist. Wobei ich das nicht wertend verstanden wissen möchte. Denn prinzipiell ist Prostitution nichts schlimmes, und eben nicht mehr als ein simples Tauschgeschäft. Allerdings muss man zugeben, dass in heterosexuellen Beziehungen die Frauen dabei weitaus besser wegkommen. Denn, so Arne Hoffmann:

Das Verrückte an diesem Geschäft ist, dass die Frauen dabei beides bekommen. Den Lohn der [männlichen] Arbeit und den Sex.[3]

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[1] Zitiert nach, Arne Hoffmann „Sind Frauen bessere Menschen“, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH, Berlin 2001, Seite 393 ff

[2] Zitiert nach, ebenda, Seite 395 ff

[3] Zitiert nach, ebenda, Seite 397

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Apokalypse der Heterosexualität – Erkenntnisgewinn

Der“pelzblog“ ist pikiert darüber, dass ich ihm ob seines Beitrages über das Ende von Heterosexualität und klassischer Familie nicht enthusiastisch um den Hals gefallen bin und ihm zum neuen Papst der allumfassenden Weisheit auserkoren habe. Er ist pikiert darüber, dass ich ihn nicht verstehe:

Nach meinem Beitrag über die Zukunft nach der Homoehe, hat ein schwuler Blogger direkt reagiert und sein Nicht-Verstehen meines Artikels deutlich zum Ausdruck gebracht. Ich verlinke nicht dorthin: Es bringt keinerlei Erkenntnisgewinn. [Hervorhebung im Original, A.]

Einen Text zu verlinken, auf den man sich bezieht, ist ja auch überflüssig. Es reicht allein das Wort des „pelzblog“, der par ordre de mufti festlegt, dass mein Beitrag keinerlei Erkenntnisgewinn verspricht. Glaubt ihm ruhig, liebe Leser, der „pelzblog“ weiß es am Besten und möchte nicht, dass ihr womöglich einen Link zu einem Beitrag anklickt, der eine andere Ansicht als seine zum Ausdruck bringt.

Immerhin erkennt er, dass meine Sicht auf die Zukunft aus der Sicht eines Heterosexuellen apokalyptisch ist. Der Rest ist dann aber völliges Unverständnis.

Nein, aus meinem Text spricht nicht völliges Unverständnis, ich habe lediglich dagegen argumentiert.

Er muss aber auch völliges Unverständnis zeigen: Er ist schwul. Daher liegt eine völlige Gleichstellung mit Heterosexuellen in seinem Interesse.

Und umgekehrt liegt die Privilegierung der Ehe nur für Heteros im Interesse aller Heteros?

Die Frage ist nur die: Was fehlt Schwulen denn nach der Möglichkeit der “Verpartnerung” noch? Einige Gesetze können noch angepasst werden, das ist richtig. Das habe ich aber auch schon in meinem Artikel gesagt.

Was „Schwulen“ fehlt, weiß ich nicht, mir persönlich fehlt die absolute Gleichstellung mit der Ehe, das heißt die Öffnung der Ehe mit allen Rechten und Pflichten auch für gleichgeschlechtliche Paare.

Hier kommen nun meine weiteren Schlussfolgerungen über die Adoption zu tragen. Jener Blogger hat offensichtlich nicht verstanden, dass Kinder generell in heterosexuellen Beziehungen gezeugt werden. Das habe ich nicht erfunden. Das hat die Natur sich so gedacht.

Sofern man unter „heterosexuellen Beziehungen“ auch das Abspritzen in eine Petrischale einer Samenbank versteht. Aber ja, ich habe das verstanden. Zum Kinder machen benötigt man Spermium und Eizelle. Aber was hat das mit der Ehe zu tun?

Da die Geburtenrate in Deutschland die niedrigste weltweit ist, haben wir andere Sorgen als die Ehe für Homosexuelle zu öffnen. “Verpartnern” können sie sich doch.

Ja, aber ein Argument für die Öffnung der Ehe ist ja eben, dass die Ehe eben nicht (mehr) an die Geburtenrate oder das Kinder bekommen gekoppelt ist. Angela Merkel ist verheiaretet und darf verheiratet bleiben, obwohl sie, aller biologischen Voraussicht nach, keine Kinder mehr bekommen wird. Sabrina und Martin, beide im besten fortpflanzungsfähigen Alter, dürfen heiraten, ohne sich auf Kinder zu verpflichten. Peter und Johannes dürfen das nicht, selbst dann nicht, wenn Peter und Johannes Kinder hätten, die gemeinsam bei ihnen aufwachsen. Wo liegt  also der unauflösliche Zusammenhang zwischen Ehe, Fortpflanzung und Kindern?

Abschließend sei noch einmal zu betonen, dass die Geburtenrate in Deutschland die niedrigste weltweit ist, obwohl die Ehe hier nur heterosexuellen Paaren zusteht. Die höchste Geburtenrate der Europäischen Union weisen Irland und Island auf. Beide Länder haben die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare nebst Adoptionsrecht legalisiert. In Irland sogar per Referendum. Offenbar sind irische und isländische Frauen und Männer multitaskingfähig und können sowohl Kinder machen, als auch in guter Nachbarschaft mit ihren völlig gleichgestellten homosexuellen Landsleuten leben. Eiderdaus, wer hätte da gedacht?