Religionsfreiheit erklärt

Zunächst sollte man sich klar machen, dass Religion nur eine Meinung und ein Lebensstil ist. Sie ist nicht mehr als tausend andere Ansichten über die Beschaffenheit der Welt und den „korrekten“ Weg der Lebensführung. Religion hat daher ebensowenig Anspruch auf einen gesonderten Schutz oder eine gesonderte Stellung wie Vegetarismus oder die Verehrung von Bayern München. Religionsfreiheit als gesondertes Rechtsgut dürfte es demnach gar nicht geben; Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und ein Recht auf Privatsphäre reichen vollkommen aus.

Was aber kann unter dieser Maßgabe überhaupt als Religionsfreiheit gelten?

Religionsfreiheit ist es kein Schweinefleisch zu essen, weil Gott Schweine für unrein hält. Religionsfreiheit ist es auch, Homosexualität für einen sündhaften Lebensstil zu halten, weil Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat.

Dürfen religiöse Menschen nun für ihre Überzeugungen werben? Natürlich! Sie dürfen jederzeit dafür eintreten, dass Menschen auf den Genuss von Schweinefleisch und homosexuelle Betätigung verzichten.

Diese Religionsfreiheit gibt religiösen Menschen aber nicht das Recht, anderen den Verzehr von Schweinefleisch zu verbieten oder sich zu weigern Schweinefleisch zu verkaufen, wenn man in einer Metzgerei arbeitet. Es gibt ihnen auch nicht das Recht, die Vergabe von Heiratslizenzen an homosexuelle Paare zu verweigern, wenn sie im Standesamt arbeiten.

Kurz gesagt: Religion bestimmt das Leben der Religiösen. Sie haben aber keinen Anspruch darauf, dass jeder nach der Pfeife ihrer Religion, ihrer Meinung, ihrer Weltanschauung, tanzt.

Eigentlich nicht so schwer, oder?

Gender Armani

Gender ist überall. So auch in den Worten des Modecäsaren Giorgio Armani, der kürzlich verlauten ließ, dass er es suboptimal findet, wenn sich schwule Männer allzu homosexuell kleiden würden:

„Ein homosexueller Mann ist zu 100 Prozent ein Mann. Er muss sich nicht homosexuell kleiden“, so Armani am Wochenende in einem Interview mit dem Magazin der britischen Zeitung „Sunday Times“.

Nun könnte man sich zunächst fragen, was denn eine „homosexuelle Kleidung“ sein soll. Federboa, Ledermütze, Chaps? Und inwiefern ein Mann weniger männlich wird, wenn er sich anders kleidet als – ja, wer eigentlich? Giorgio Armani?

Nur noch einmal zur Erinnerung. Als „Mann“ bezeichnet man

einen erwachsenen Menschen männlichen Geschlechts.

Und das männliche Geschlecht definiert sich folgendermaßen:

Das männliche Geschlecht ist bei der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung dasjenige Geschlecht, das die größere Menge an Keimzellen (Samenzellen) bereitstellt, mit denen die weiblichen Keimzellen (Eizellen) befruchtet werden und einen oder mehrere Nachkommen (Mehrlinge) entstehen lassen.

Kann man sich irgendeine Situation vorstellen, in der ein Kleidungstil diese Definition von Männlichkeit untergräbt? Nicht mal mit dem engsten Tanga, der einem die Samenstränge abschnürt und damit die Bereitstellung von Keimzellen unterbindet, dürfte das gelingen.

In einem stimme ich Armani allerdings zu. Niemand muss sich homosexuell kleiden.

Aber wir dürfen das! Und wenn Ihnen das nicht passt, Giorgio, dann bleiben Sie doch einfach zu Hause!