Die Frauen und Ich – Eine Geschichte voller Missverständnisse

Wer mich kennt, dem wird es nicht entgangen sein, dass ich nicht gerade ein Freund des modernen Feminismus bin. Selbstverständlich befürworte ich ohne Umschweife die Gleichstellung von Frau und Mann, in dem Sinne nämlich, dass beide gleich an Rechten, Pflichten und Chancen sind. Aber eben genau deshalb kann ich mit dem real existierenden Feminismus, wie er sich in der westlichen Welt präsentiert, überhaupt nichts anfangen, besteht doch dessen Annahme darin, dass Frauen politisch, rechtlich und gesellschaftlich benachteiligt würden.

Als jemand, der neun Monate in den mecklenburgischen Wäldern seine Zeit verbringen musste, um gegen “Rotland” zu kämpfen, während die gleichaltrigen weiblichen Kollegen zu Hause vor dem Spiegel saßen, um sich für die nächste Party zu schminken, kann ich über ein solche These nur müde lächeln. Nein, Frauen werden in unserer Gesellschaft nicht benachteiligt, sie leben das bessere, gesündere, erfülltere Leben, ja ich gehe sogar so weit zu behaupten, das Leben der westlichen Frau gleicht dem Paradies, und wer mir mit Gegenargumenten hinsichtlich mangelnder politisch-gesellschaftlicher Teilhabe von Frauen kommt, den verweise ich auf den nächstbesten Zeitungsladen, wo man in aller Ruhe anhand von “Vogue”, “Glamour”, “Brigitte” und “Echo der Frau” studieren kann, warum Frauen seltener Karriere machen als Männer – eben weil sie andere Prioritäten setzen.

Egal…

Outet man sich in öffentlicher Runde mit derartigen Einlassungen, wird man sich recht schnell sehr einsam fühlen, denn prinzipiell ist die These, dass die Frau in unserer Gesellschaft benachteiligt sei, und damit eines umfassenden Schutzes bedürfe, unangefochten. Interessant an Diskussionen über dieses Thema ist übrigens die Überraschung, die jedes Mal offenbar wird, wenn bekannt wird, dass jemand als Schwuler derartige Meinungen vertritt. Offenbar glaubt man, nur prügelnde Machos mit ungestilltem Sexhunger auf weibliche Verlockungen könnten sich derartig “frauenfeindlich” äußern. Dass ein Schwuler solche Ergüsse zum Besten gibt, sprengt für viele die über lange Jahre fein säuberlich katalogisierten Schubladen, nach denen der schwule Mann im Geiste des Feminismus erzogen wurde und doch schon vom Grundsatz her, als ebensolches “Opfer” patriarchaler, heteronormativer Verhältnisse, Seite an Seite mit den Frauen kämpfen müsse. Doch da haben wir ja den Dissens: Ich sehe nicht, wofür Frauen hierzulande kämpfen müssten und bislang hat mich noch niemand eines anderen belehren können. Die Gegenargumente überzeugen mich schlicht und einfach nicht.

Als ich vor einiger Zeit in eine lebhafte Debatte mit einer jungen Frau über die Notwendigkeit von “Girl Power” geriet, schleuderte man mir einen sehr interessanten Kontrapunkt entgegen. Mir seien, so die junge Dame aufgebracht, Frauen einfach “scheißegal”, ich sei selbstbezogen, durch meine Homosexualität alleine auf Männer fixiert und würde deshalb das “Leiden” (so wörtlich!) von Frauen nicht zur Kenntnis nehmen. Ich antwortete darauf, dass sie in gewisser Weise Recht hätte, Frauen seien mir irgendwie tatsächlich weniger wichtig als Männer, was allerdings nichts damit zu tun hätte, weil sie mir “scheißegal” wären, sondern ob des Umstandes, dass sie einem entscheidenden Teil meines Lebens, nämlich dem Liebes- und Sexleben, eben keine Rolle spielen.

Mir persönlich erschien dieser Einwand völlig logisch, für die junge Dame war dies allerdings die Bestätigung ihrer Ansicht, dass mich Frauen und die Belange von Frauen absolut nicht interessieren würden. Und ehe ich noch fragen konnte, von welchen “Belangen” denn eigentlich ständig die Rede war, und was denn Frauen heutzutage entbehren würde, da ward ich auch schon wieder alleine gelassen.

Offensichtlich habe ich mit dem Eingeständnis, dass mir Frauen in der Tat nicht so wichtig sind wie Männer, ein Tabu gebrochen, wobei ich bislang noch nicht verstehe, worin denn dieses Tabu eigentlich besteht. Denn sehen wir es doch mal ganz sachlich:

Auf der Welt gibt es Männer und Frauen, beide haben, meiner Meinung nach, das gleiche Recht auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück, beide sollten alle Möglichkeiten haben, ihr Leben nach ihren Maßstäben und ihren individuellen Vorlieben und Interessen zu gestalten, ohne freilich anderen zu schaden oder zu Handlungen zu zwingen. Ich beurteile Menschen nicht nach Geschlecht, glaube aber, dass man bei den beiden Geschlechtern unterschiedliche Prioritäten setzt – die natürlich, von Mensch zu Mensch verschieden, und demnach rein subjektiv sind. Es gibt nun mal Dinge, die kann man mit Frauen besser als mit Männern, und umgekehrt.

Nicht egal…

Mit Frauen z. B. kann man toll shoppen gehen, man kann wunderbar im Café sitzen um beim Latte Macchiatto über Männer und Mode zu tratschen, ja es macht sogar Spaß, sich über den unmöglich designten Schuhmodellen der diesjährigen Saison auszulassen. Das mag alles reichlich klischeehaft klingen, aber ich komme nicht drumherum mir einzugestehen, dass sich meine Kontaktebenen mit Frauen – im Großen und Ganzen – eben auf diese Dinge reduzieren lassen. Will ich über Politik reden, über Wissenschaft, über Wirtschaft, unterhalte ich mich eher mit Männern, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass viel Frauen solche Themen – von Ausnahmen abgesehen – schlicht und einfach weniger interessieren. Und wenn man dann noch berücksichtigt, dass ich Frauen weder für die Liebe noch für den Sex brauche – wie kann man mir dann vorwerfen, dass mir Frauen weniger wichtig sind als Männer?

Doch wie wäre es, die gesamte Sachlage einmal umgekehrt zu betrachten. Vielleicht ist es gar nicht so, dass ich mich weniger für Frauen interessiere, sondern im Gegenteil, dass sich alle anderen eben mehr für Frauen interessieren. Bei Heteromännern ist das klar. Diese brauchen Frauen, brauchen ihre Liebe und ihren Körper, ganz logisch also, dass sie irgendwann auf jeden Zug springen, den Frauen steuern. Mir ist noch sehr genau eine Episode aus meiner Studienzeit in Erinnerung, wo ein junger Mann in einer Runde mit ebenso jungen Frauen leidenschaftlich für die Frauenquote eintrat; wobei ihm anzusehen war, dass er sich als Belohnung dafür nicht weniger als je einen zünftigen Blowjob versprach…

Man könnte also sagen, dass es mitnichten so ist, dass ich mich nicht für die Belange von Frauen interessiere (was auch immer diese “Belange” sein sollen), sondern dass ich Frauen weitaus nüchterner betrachte, eben weil mich ihre Reize nun mal nicht reizen. Eine Frau weckt bei mir weder Beschützerinstinkte, noch das Verlangen, ihr den Stuhl hinzurücken, ihr die Tür aufzuhalten oder ihr die Rechnung  zu bezahlen – was ich allerdings dennoch gelegentlich tue, weil mich eben auch meine Mutter in dem Bewusstsein erzogen hat, dass sich das gegenüber Frauen nun mal so gehört – wobei allerdings auch sie mir nicht sagen kann, warum eigentlich.

Das Klischee jedenfalls, Schwule würden gegenüber Frauen besonders charmant und rücksichtsvoll auftreten, trifft auf mich nicht zu, ganz einfach deshalb, weil ich keinerlei Veranlassung sehe, eine Frau eben als Frau zu behandeln. Genau das ist es aber vermutlich, was mir von Seiten besagter jungen Dame den Vorwurf eingebracht hat, mir seien Frauen “scheißegal”.

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