Religionsfreiheit erklärt

Zunächst sollte man sich klar machen, dass Religion nur eine Meinung und ein Lebensstil ist. Sie ist nicht mehr als tausend andere Ansichten über die Beschaffenheit der Welt und den „korrekten“ Weg der Lebensführung. Religion hat daher ebensowenig Anspruch auf einen gesonderten Schutz oder eine gesonderte Stellung wie Vegetarismus oder die Verehrung von Bayern München. Religionsfreiheit als gesondertes Rechtsgut dürfte es demnach gar nicht geben; Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und ein Recht auf Privatsphäre reichen vollkommen aus.

Was aber kann unter dieser Maßgabe überhaupt als Religionsfreiheit gelten?

Religionsfreiheit ist es kein Schweinefleisch zu essen, weil Gott Schweine für unrein hält. Religionsfreiheit ist es auch, Homosexualität für einen sündhaften Lebensstil zu halten, weil Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat.

Dürfen religiöse Menschen nun für ihre Überzeugungen werben? Natürlich! Sie dürfen jederzeit dafür eintreten, dass Menschen auf den Genuss von Schweinefleisch und homosexuelle Betätigung verzichten.

Diese Religionsfreiheit gibt religiösen Menschen aber nicht das Recht, anderen den Verzehr von Schweinefleisch zu verbieten oder sich zu weigern Schweinefleisch zu verkaufen, wenn man in einer Metzgerei arbeitet. Es gibt ihnen auch nicht das Recht, die Vergabe von Heiratslizenzen an homosexuelle Paare zu verweigern, wenn sie im Standesamt arbeiten.

Kurz gesagt: Religion bestimmt das Leben der Religiösen. Sie haben aber keinen Anspruch darauf, dass jeder nach der Pfeife ihrer Religion, ihrer Meinung, ihrer Weltanschauung, tanzt.

Eigentlich nicht so schwer, oder?

Advertisements

Religionsfrei homofrei

Nach dem Urteil des Supreme Court der USA zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtlichen Paare ist die christliche Rechte wie erwartet durchgedreht. Bar jeder Moral und unfähig zur Demut und Selbstreflektion haben viele von ihnen geschworen, gegen die Homo-Ehe Widerstand und zivilen Umgehorsam zu leisten.

Klingt lustig und ist es auch. Denn wie soll Widerstand gegen die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare aussehen? Werden christlich-Konservative nun Sit-Ins vor Schwulenbars abhalten? Werden sie sich nicht mehr an der Ehe beteiligen? Werden sie sich weigern, Menschen des gleichen Geschlechts zu ehelichen?

Selbstredend wurde nach dem Urteil vielfach kolportiert, dass die Öffnung der Ehe das Recht auf Religionsfreiheit verletzt. Doch welche Freiheit, welches Recht soll das eigentlich sein? Die Freiheit und das Recht, dass andere Menschen nur die Freiheit haben, die der eigene Glaube erlaubt? Wenn die gleichgeschlechtliche Ehe gegen den eigenen Glauben verstößt, dann ist die Lösung doch sehr simpel: Heirate nicht homosexuell! Aber halte Dich aus dem Leben anderer Menschen raus! Denn Dein Glaube betrifft Dich, und nicht andere!

Die ganze Debatte zeigt gleichzeitig, wie fragwürdig das Recht auf Religionsfreiehit als speziell abgegrenztes Rechtsgut ist. Denn was ist Religion? Nicht mehr als eine bestimmte Weltanschaung, Wertvorstellung und Meinung, etwas also, dass jeder Mensch hat und was es milliardenfach auf der Welt gibt.  Wieso nun erhebt man bestimmte Weltanschaungen, Wertvorstellungen und Meinungen in den Rang eines eigenen Rechtsgutes und gibt diesen einen Sonderstatus, zusätzlich zur schon allgemein gültigen Meinungs-, Versammlungs- und Organisationsfreiheit? Wieso also sollte der Glaube, dass Gott Homos nicht mag, spezieller und schützenswerter sein als der Glaube, dass Lord Voldemort ein Veganer ist?