Carsten, ich will kein Kind von Dir!

Konservative Mitglieder der evangelischen Kirche dürfen aufatmen. Denn endlich wurde mit Carsten Rentzing ein Landesbischof ins Amt berufen, der etwas gegen Homosexuelle hat. Was er natürlich bestreitet. Denn natürlich hat niemand etwas gegen Homosexuelle. Nur etwas gegen gelebte Homosexualität. Und gegen homosexuelle Pfarrer. Im Pfarrhaus. Weil Gott das nicht will. Oder so.

Die Welt: Herr Rentzing, was haben Sie gegen homosexuelle Paare?

Carsten Rentzing: Gegen homosexuelle Paare habe ich überhaupt nichts.

Unsinn! Wenn Rentzing nichts gegen homosexuelle Paare hätte, würde er sich dafür einsetzen, dass diese in der evangelischen Kirche ebenso wie heterosexuelle Paare behandelt werden.

Die Bibel sagt, dass die homosexuelle Lebensweise nicht dem Willen Gottes entspricht.

Verharmlosung! Die Bibel sagt, dass Menschen, die der homosexuellen Lebensweise frönen, getötet werden sollen.

Diese Aussagen der Bibel machen es mir persönlich schwer, jemandem zu raten, dass er seine Homosexualität leben solle. Dies anzusprechen, müssen wir Christen uns vorbehalten.

Wenn Rentzing nichts gegen homosexuelle Paare hätte, diese Ansicht aber mit dem Willen Gottes und er Bibel für unvereinbar hält, würde er Atheist werden, oder sich einen Gaubensinterpretation wählen, die nichts gegen Homosexuelle hat. Tut er aber nicht. Also hat er was gegen Homosexuelle.

Ich versuche, den Begriff der Sünde in diesem Zusammenhang zu vermeiden, weil man damit schnell beim moralischen Verwerfen bestimmter Lebensweisen ist. Und genau darum geht es nicht! Aber wenn wir homosexuelle Beziehungen in Pfarrhäusern uneingeschränkt zuließen – und dagegen richten sich die kritischen Stimmen –, würde die Kirche das Signal setzen, dass Homosexualität aus Gottes Sicht in Ordnung wäre.

Es geht also nicht um das moralische Verwerfen der Homosexualität, andererseits aber darf man nicht den Eindruck erwecken, dass Homosexualität okay ist, weil das Gott ärgerlich machen würde. Denn dieser findet Homosexualität nun mal verwerflich. Denn Gott ist eine richtige Bitch. Ärgert man den, schickt er eine Flut und bringt jeden Menschen um. Ist halt so.

Die Welt: Sie ist vor Gott nicht in Ordnung?

Rentzing: Das sage ich nicht. Ich maße mir nicht an, Gottes Willen zu definieren. Ich muss aber umgekehrt sagen, dass man auf der Basis der Bibel nicht erklären kann, Homosexualität sei vor Gott in Ordnung.

Rentzing maßt sich also nicht an, Gottes Willen zu definieren, ist sich aber sicher, dass Gott Homosexualität nicht in Ordnung findet. Um das logisch zu finden, muss man offensichtlich Theologie studiert haben.

Die Kirche kann nicht Aussagen treffen, die vor dem Wort der Bibel keinen Bestand haben.

Unsinn! Natürlich kann sie das. Wann hat die evangelische Kirche denn zuletzt eine Debatte über die Sündhaftigkeit von Shrimps, Tattoos oder der Gesichtsrasur geführt? Und wieso hat die evangelische Kirche nichts gegen Frauen in Führungspositionen, wenn es in der Bibel doch eindeutig heißt, dass das Weib in der Gemeinde zu schweigen habe?

Deshalb hielte ich es für falsch, durch die uneingeschränkte Zulassung homosexueller Partnerschaften im Pfarrhaus das Signal zu setzen, dass Gott der Herr die homosexuelle Lebensweise für die Bestimmung dieser Menschen hält.

Man sollte Nachsicht mit Renzing haben. Denn allzuviel ist vom evangelischen Glauben nicht mehr übrig. Aber eine Gruppe, die man diskriminieren und über die man sich moralisch erheben kann, braucht man halt. Sonst ergibt Religion keinen Sinn. Mit Frauen geht das nicht mehr, bei Geschiedenen ist auch nicht so angesagt und vorehelicher Sex macht einfach zu viel Spaß.

Homosexuell aber, das sind wir fast alle nicht. Also bietet es sich geradezu an, mit dem Finger auf deren Verfehlungen zu zeigen, während man selbst seine Hände in Unschuld wäscht und Gott als Entschuldigung für seine Antipathien vorschiebt.

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