Die Kriminalisierung des (heterosexuellen) Mannes

Nottinghamshire scheint auf den ersten Blick eine beschauliche englische Grafschaft zu sein. Doch der Schein trügt, denn in Wirklichkeit gibt es dort ein Riesenproblem mit alltäglichem Hass. Hass gegen Frauen. Doch die hiesige Polizei hat sich jetzt endlich dieses gravierenden Problemes angenommen und sich vorgenommen diesem brutalen Hass entgegenzutreten.

Doch wie sieht er aus dieser Hass gegen Frauen?

Misogyny hate crime is classed under the new policy as „incidents against women that are motivated by an attitude of a man towards a woman, and includes behaviour targeted towards a woman by men simply because they are a woman„.

[Frauenfeindlichkeit als Hassverbrechen wird gemäß den neuen Richtlinien definiert als „Vorfälle gegen Frauen, motiviert von einer Haltung eines Mannes gegenüber einer Frau, sowie Verhaltensweisen die gezielt von Männern gegenüber einer Frau ausgeübt werden, nur weil es sich um Frauen handelt“.]

Da kann man die Polizei von Nottinghamshire nur beglückwünschen, sich endlich entschlossen diesen Abscheulichkeiten entgegenzustellen:

  • unwanted or uninvited sexual advances
  • physical or verbal assault
  • unwanted or uninvited physical or verbal contact or engagement
  • use of mobile phones to send unwanted or uninvited messages
  • or take photographs without consent.

[Beispiele derartiger Vorfälle sind:

  • unerwünschte oder ungebetene sexuelle Annäherungsversuche
  • körperliche oder verbale Übergriffe
  • unerwünschte oder ungebetene körperliche oder verbale Kontaktaufnahme
  • Nutzung von Mobiltelefonen um unerwünschte oder ungebetenen Nachrichten zu senden
  • das Fotografieren ohne Zustimmung]

Es sei hier zunächst betont, dass dies alles natürlich nur dann strafbar ist, wenn es Frauen betrifft. Denn eine gesonderte Kategorie „Hassverbrechen gegen Männer“ wird es auch in Nottinghamshire nicht geben, und das obwohl auch (und gerade) Männer attaktiert, angesprochen oder angerufen werden, ohne das sie vorher ihre Zustimmung hierzu erteilt haben.

Der eigentliche Skandal liegt jedoch in der Skandalisierung normaler sozialer Interaktionen. Wir reden hier schließlich nicht mehr nur von einer potentiellen Strafbarkeit unerwünschter sexueller Handlungen. Nein, nach der Maßgabe dieser Richtlinien kann jeder Versuch, mit einer Frau ins Gespräch zu kommen oder mit ihr zu flirten, kriminalisiert werden. Ja, selbst das Senden einer SMS – zum Beispiel an die Freundin, wenn diese gerade auf Shoppingtour ist, und keinen Bock auf  ein Gespräch mit ihrem Freund hat – könnte unter dieser Maßgabe als Hassverbrechen eingestuft werden.

Jeder Mann, erst recht der heterosexuelle, wird künftig mit einem Bein im Gefängnis stehen. Und warum?

Na, weil Feminsimus Gleichberechtigung bedeutet und für alle 75 plus x Geschlechter gut ist. Diese Prämisse  anzuzweifeln könnte – wenn sich der gegenwärtige Trend fortsetzt – in einigen Jahren mit der Todesstrafe geahndet werden. Natürlich nur gegen Männer. Aber die haben es eh nicht besser verdient.

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Kritische Kritik der Kritik

Sie haben ja durchaus recht, Bischof Voderholzer, Homosexualität darf kritisiert werden und die Kritik an der Homosexualität ist noch keine Diskriminierung. Die Frage ist doch vielmehr, warum es einen Grund geben sollte, Homosexualität zu kritiseren; warum man überhaupt irgendetwas kritisieren sollte, was Menschen im gegenseitigen Einvernehmen miteinander tun, zumal, wenn Homosexualität für einige Menschen die einzig stimmige Form von Sexualität und Liebe ist.

Sie können natürlich gerne der Meinung sein, Sexualität sei auf die Weitergabe des Lebens angelegt, und ich stimme durchaus zu, dass dies ein gewichtiger Aspekt der Sexualität ist. Allerdings habe ich bereits den Standpunkt vernommen, welcher der Homosexualität abspricht, überhaupt Sexualität zu sein. Ausgehend von dieser Prämisse würde die Kritik ins Leere gehen, denn wenn Homosexualität gar keine Sexualität ist, kann man sie auch nicht dafür kritisieren, dass sie die Aufgabe der Sexualität nicht erfüllt.

Und selbst wenn man man Homosexualität als Form der Sexualität betrachtet, bemühen wir Homos uns sehr, Leben weiterzugeben, indem wir kräftig unsere Sexualität praktizieren. Es ist schließlich nicht unsere Schuld, dass ein allmächtiger Gott zwar in der Lage ist, in einem Mann das Verlangen nach einem anderen Mann zu entfachen, sich aber außerstande sieht, einen Mann zu schwängern.

Warum man für Analsex keine Kulturanthropologen braucht

Ingelore Ebbenfeld ist eine Sexualwissenschaftlerin und Kulturanthropologin, die sich eine neue Marktlücke erschließen möchte und sich daher der Jahrtausende alten, populären Ansicht angeschlossen hat, dass unsere Welt immer verdorbener und unmoralischer wird, was sich insbesondere im westlichen Verhältnis zur Sexualität widerspiegele. Wie erwartet, lässt sich der Gehalt an Originalität, Intellektualität und Scharfsinn bei einer derartig drögen Philippika nur in Spurenelementen messen:

Wir werden von einer sexuellen Welle überflutet.

Das ist Ansichtssache. Ich finde, dass dies nicht der Fall ist.

Im öffentlichen Raum spielt sich soviel Sexuelles ab, dass wir mehr oder weniger daran ersticken, obwohl wir uns angewöhnt haben, diese sexuellen Zeichen zu übersehen.

Wenn man erstickt, übersieht man die Symptome des Erstickens allerdings nicht. Das Gefühl zu ersticken ist höchst unangenehm und kaum zu ignorieren. Insofern handelt es sich hier um eine mehr als schrägen Vergleich.

Das ist so wie mit dem Straßenverkehr: Im Schilderwald einer Großstadt lernt man nur noch das zu sehen, was man braucht, der Rest wird nur am Rande wahrgenommen. Am Rande wahrgenommen heißt aber nicht, nicht wahrgenommen. Und keine Frage, diese öffentliche Sexualität, die uns Tag für Tag überflutet, verändert uns, auch unsere Sichtweise auf die Geschlechter.

Aha.  Und wie?

Wenn ich eine mit einem sexuellen Gestus beworbene Pizza kaufe, dann hat diese Pizza erst einmal nichts mit Sexualität zu tun.

Korrekt.

Aber wenn ich durch ein sexuelles Signal zum Kauf dieser speziellen Pizza verführt werde, was bedeutet das?

Das bedeutet, dass mich die Werbung so sehr angemacht hat, dass ich diese spezielle Pizza unbedingt kaufen wollte.

Nun, dass eine eigentlich neutrale Sache mit sexuellen Zeichen versehen wird, weil ich gezielt auf der sexuellen Ebene angesprochen werde soll, denn dort bin ich äußerst empfänglich. Das heißt, wenn es darum geht, Produkte an den Mann zu bringen, benutzt der Markt unsere sexuellen Vorstellungen, um Dinge, die gar nichts mit Sex zu tun haben, besser verkaufen zu können. Das geht vom Hamburger über das Auto bis zum Rasenmäher.

Ja, stimmt. So funktioniert Werbung. Seit Jahrtausenden. Und nun?

Obwohl Menschen verschieden veranlagt sind und wenngleich sie altersbedingt Veränderungen hinsichtlich der sexueller Leistungsfähigkeit und sexuellen Lust erfahren, wird so getan, als müssten sich alle Individuen auf dem selben sexuellen Niveau befinden.

Kaum vorstellbar. Ich erwarte zum Beispiel nicht, dass sich meine Oma auf dem selben sexuellen Niveau wie ich befindet. Und wenn ich zum Beispiel bei GayRomeo vorbeischaue, treffe ich dort ebenfalls auf eine Fülle von Menschen, die sich nicht auf dem selben sexuellen Niveau wie ich befinden.

Die Lust, die wir beim sogenannten Blümchensex verspüren, reicht nicht mehr aus, sondern muss immer mehr gesteigert werden.

Vielleicht ist das bei Frau Ebbenfeld so, aber mir würde Blümchensex momentan völlig ausreichen.

Es muss immer etwas Neues her.

Bei mir nicht.  Mein Interesse daran, was Neues auszuprobieren ist relativ gering. So stehe ich zum Beispiel immer noch nicht auf Frauen, BDSM oder Fisting, sondern immer noch so ziemlich auf das Gleiche, wie in den Zeiten, in denen ich meine Sexualität entdeckt habe.

Hier tritt das Individuum in einen Kreislauf ein, in dem es immer stärker unter Druck gerät.

Oder auch nicht. Ich fühle mich durch Sexualität nicht unter Druck gesetzt.

Ich bin der festen Überzeugung, Frauen waren immer bemüht, gut auszusehen und attraktiv zu erscheinen. Aber heutzutage erfahren sie diesbezüglich einen massiven Druck von außen, durch Bilder die ihnen täglich vermittelt werden.

Wer in Berlin lebt, weiß, dass das nicht stimmen kann, weil hier eine Fülle von Frauen (und Männer) leben, die offensichtlich dem vermittelten Bild superattraktiver Menschen nicht entsprechen und auch nicht den Anschein machen, nach diesem Bild zu streben. Was zuweilen bedauerlich ist.

Wobei aus dem Porno-Bereich bestimmte Körper-Standards mittlerweile Einzug in unseren Alltag gefunden haben, denen ein normaler Mensch, auch und gerade in seinem Alterungsprozess überhaupt nicht genügen kann.

Das kann nur jemand behaupten, der keine Pornos konsumiert, denn Pornos sind unglaublich vielfältig, nicht nur was Neigungen und Sexstellungen, sondern auch was Körperbilder angeht.

Wir erliegen also einem speziellen Jugendkult und zwar nicht nur auf der Ebene des Körpers, sondern auch auf der Sexuellen. Das Resultat: Wir sind nicht glücklich damit, wie wir sind, sondern unglücklich darüber, nicht so zu sein, wie wir sein sollten.

Ich nicht.

Ich würde die Frage nicht auf die Werbung beschränken: Medien allgemein zeigen uns beständig, wie wir zu sein haben und wie wir uns mehr Lust verschaffen können.

Ja, aber wenn einem das nicht gefällt, kann man es ja ignorieren. Das ist relativ simpel, denn mir gelingt es auch. Das was mir gefällt spricht mich an, was nicht, das ignoriere ich.

Dabei wird alles gezeigt, was man zeigen kann.

Was einem aber nur auffällt, wenn man den beständigen Drang verspürt, hinzuschauen.

Schamhaftes Verhalten ist passé. Zügelloses Sexualverhalten wird mehr und mehr üblich, zum Beispiel das einer Mylie Cyrus, die mit ihren Reizen wirklich nicht geizt und wer das kritisiert, gilt schon als prüde und verklemmt.

Wer ist Mylie Cyrus?

Zum Beispiel ist Nacktheit im Theater nichts Besonderes mehr. Auch Beine werden gespreizt, es werden Kunstpenisse eingesetzt, um diese anstelle echter zu masturbieren. Performance-Künstler schrecken mittlerweile vor nichts mehr zurück. Vorderhand soll durch ein solches Verhalten geschockt und sollen gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen werden, ich finde derlei einfach nur schamlos.

Das kann man schamlos finden, aber das ist halt nur eine Ansicht unter vielen. Ich finde das, was an unseren Theatern geboten wird, oftmals langweilig und uninspirierend, was der Grund dafür ist, dass ich nicht ins Theater gehe. Aber daraus entwickelt sich kein Drang, einen Kreuzzug zur Durchsetzung meines persönlichen Geschmacks zu starten.

Es gibt Teile in der Pop- und Hip Hop-Musik, die mich sprachlos machen.

Dann hätte diese Musik zumindest etwas Gutes…

Wer sich die Texte anhört oder das Verhalten der entsprechenden Musiker auf der Bühne sieht, mag derlei gar nicht weiter kommentieren.

Und das Schöne an einer freien Gesellschaft ist: Man muss diese Musik weder hören, noch kommentieren.

Es werden obszöne Gesten gezeigt und ein dermaßen rüdes Vokabular benutzt, das weit unter die Gürtellinie geht.

Ich bin erschüttert.

Hier wird keine kulturelle Haltung oder ein Protest mehr angezeigt, sondern es geht einfach nur um das Ausleben von Personen, die sich das alles erlauben können. Diese Menschen werden offiziell auch noch mit Auszeichnungen bedacht. Ich denke nicht, dass dies das richtige Zeichen ist.

Genau! Das richtige Zeichen wäre es, diese Auszeichnungen an hochseriöse Sexualwissenschaftler und Kulturanthropologen zu verteilen, die sich darüber echauffieren, dass es doch tatsächlich Menschen gibt, die Ausdrücke benutzen, welche hochseriösen Sexualwissenschaftlern und Kulturanthropologen nicht gefallen.

Allein die Sprache auf unseren Schulhöfen ist so von sexistischen und abfälligen Termini durchsetzt, dass ich mir schwerlich vorstellen kann, dies hätte keinen Einfluss auf das Verhältnis zwischen den Geschlechtern.

Klar. Alles hat irgendwie Einfluss. Fragt sich bloß welchen.

Es sind nicht nur Jugendliche die verroht sind, sondern auch und gerade Erwachsene. Sie sind es, die immer brutalere Filme produzieren, immer mehr zeigen und Pornos für lau ins Netz stellen: Niemals ist soviel Nacktheit, Intimität und rüdes Vokabular öffentlich ausgebreitet worden wie heute. Um das festzustellen, bedarf es keiner empirischen Studie.

Eine empirische Studie wäre aber ganz gut,  denn bereits Sokrates klagte:

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.
Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor
älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll.
Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten.
Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die
Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Aber alles was wir benutzen, wie wir sprechen, uns öffentlich bewegen und verhalten hat Auswirkungen auf unser Menschsein. Es macht zum Beispiel einen riesigen Unterschied, ob jemand sagt: Hör auf zu heulen oder hör auf zu weinen. Die Sprache zeigt das Verhältnis des Menschen zum anderen und seiner Welt. Veränderungen in diesem Bereich hinterlassen Spuren.

Mag sein. Aber, was folgt daraus?

Das öffentliche Sprechen über Sexualität fing in den 1960er und 1970er Jahren mit den Studien von Kinsey und Masters and Johnson an. Das völlig zurecht, wenn man bedenkt, welche Vorstellungen damals herrschten. Gleichzeitig wurden damit aber auch gewisse Standards gesetzt. Wer diesen Standards nicht genügt, gerät unter Leistungsdruck

Entschuldigung, das ist Blödsinn. Nur weil Mylie Cyrus Musik macht, gerate ich nicht unter den Leistungsdruck, ebenfalls Musik machen zu müssen. Und nur weil Peter aus der Nachbarwohnung Frauen bis zum Quietschen vögelt, muss ich das noch lange nicht selbst tun.

Das gilt auch für den seit einiger Zeit postulierten G-Punkt und die weibliche Ejakulation. Ich hoffe, diese propagierten Lustquellen versiegen ebenso schnell wie die in den 1970ern angepriesenen, die höchste Lust versprachen, nämlich der gemeinsame und der multiple Orgasmus.

Der multiple Orgasmus ist toll. Aber er ist anstrengend. Und kaum einer erwartet ihn. Ebenso ist es beim gemeinsamen Orgasmus. Vielleicht können wir daher irgendwann mal zu einer konstruktiven Aussage gelangen, die sich nicht darin erschöpft, moralisierend anzuprangern, was Ihnen persönlich nicht gefällt, Frau Ebbenfeld ? Wäre das denkbar?

Ich vergleiche Sex-Spielzeuge gerne mit Küchenmaschinen, nehmen wir zum Beispiel einen Eierkocher: Das Simpelste ist, Wasser in den Topf, auf den Herd stellen, Ei hinein und fertig. Wird das Ei durch den Eierkocher besser? Nein.

In gewisser Weise wird das Ei durch den Eierkocher durchaus besser, weil man es mit diesem Instrument schneller der Verwertung zuführen kann.

Beispielsweise wurden Sex-Kugeln bei Frauen zum Renner, nachdem sie in einem dreibändigen Softporno-Roman erwähnt wurden. Und, wen haben sie etwas gebracht?

Einigen Frauen haben diese einen Orgasmus gebracht, den sie ohne Sexkugeln nicht gehabt hätten.

Eindeutig feststellbar ist, dass [Analsex] zugenommen hat und bei Homosexuellen offensichtlich mehr oder weniger zur Regel geworden ist, was in der Vergangenheit nicht der Fall war. In den Kinsey-Studien, die ja Jahrzehnte zurückliegen, war Analsex eine Randerscheinung.

Will Frau Ebbenfeld mir jetzt Analsex madig machen?

Mittlerweile ist dieser aber in Pornofilmen Standard und über das Einsickern dieses Mediums in die Gesellschaft hat sich diese sexuelle Variante immer mehr durchgesetzt. Dadurch wird Analverkehr immer mehr zur Forderung von Männern.

Selbst wenn das so wäre, könnte der Sexualpartner den Wunsch nach Analverkehr durchaus verneinen, wenn er dies nicht möchte. Oder Analverkehr nur unter der Bedingung der passiven Gegenseitigkeit entsprechen.

Das bedeutet wiederum, dass die Sexualität in eine neue Sphäre geführt wird. Und jetzt wird so getan, als sei Analverkehr normal. Aber Analverkehr ist nicht das normalste auf der Welt.

Ich sag dazu einfach mal: Doch, ist es! Und jetzt, Frau Ebbenfeld, was sagen sie nun? Schnappen Sie nun empört nach Luft ob dieser dreisten Anmaßung, selbst über seine sexuellen Vorlieben zu bestimmen?

Was heißt denn „sich einigen“? Nehmen Sie eine junge Frau, die von ihrem Mann aufgefordert wird, Analsex mit ihm zu machen. Diese Frau will es eigentlich nicht, ist aber völlig verunsichert. Jetzt gibt der Mann nicht nach. Wer setzt sich nun ihrer Meinung nach durch, die Frau im Widerstand, oder der Mann, der es will?

Die Frau im Widerstand, denn sie braucht nur „Vergewaltigung“ zu rufen, und der Mann ist für den Rest seines Lebens ruiniert.

Abgesehen davon: Können wir bitte endlich mal von diesem Bild wegkommen, welches Männer nur als tumbe, rohe, emotionslose Sexmaniacs sieht, die Frauen lediglich als Sexpuppen benutzen und über deren Köpfe hinweg zu Sexualpraktiken nötigen, die Frauen gar nicht wollen?

Wie kann es dann sein, dass solche Praktiken vor Jahren überhaupt nicht als Möglichkeit diskutiert wurden und mittlerweile zum Standard gehören? Wer hat das durchgesetzt?

Tja, wie kann es sein, dass die Praktik des ehelosen Geschlechtsverkehrs vor Jahrzehnten überhaupt nicht als Möglichkeit diskutiert wurde? Wieso gibt es heute Pornos en masse? Und wie kann es sein, dass man wegen schwulem Sex nicht mehr ins Gefängnis gesperrt wird? Wer hat das alles durchgesetzt?

Niemand, Frau Ebenfeld! Das sind alles Folgen der individuellen Freiheit der Menschen, die in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen hat. Ich persönlich finde das ja gut. Und Sie?

Früher war Cunnilingus ebenfalls tabuisiert, wurde aber anders als Analverkehr praktiziert. Darüber gibt es Zahlenmaterial zum Beispiel in den Kinsey-Reporten. Ich bin der festen Überzeugung, wäre der Wunsch nach Analsex ebenso dringlich vorhanden gewesen, wäre er auch praktiziert worden. Ich glaube im Übrigen, das Argument, alles sei eine Frage des Agreements, greift zu kurz: Fisting ist heutzutage ein Agreement unter den Agierenden und deswegen soll es okay sein? So ein Quatsch.

Natürlich ist es okay, wenn die Beteiligten darauf verständigen. Da ist kein Quatsch, das ist die Freiheit, sein Leben selbst so zu leben, wie man es möchte. Egal ob Madame Ebbenfeld damit einverstanden ist, oder nicht.

Ein einfacher Kuss auf den Mund von jemanden, den man anhimmelt, in den man verliebt ist, kann beispielsweise hochgradig körperlich und bewegend sein. Er kann auf eine Art in die Psyche des Menschen eindringen, dass er mit einem hochgelobten Zungenkuss eines anderen Menschen überhaupt nicht zu vergleichen ist. Es kommt immer auf die eigene Empfindungswelt an. Das vermeintliche neue Lustvolle wird einem so lange eingeredet, bis sich für die eigenen, harmlosen Vorlieben geschämt wird.

Unsinn! Blödsinn! Schwachsinn! Menschen sind unterschiedlich. Menschen haben unterschiedliche Vorlieben. Ebbenfeld kann mir gerne einen historischen Zeitpunkt nennen, in dem Sexualität vielfältiger war als jetzt, und in der diese Vielfalt in einem größeren amße toleriert und akzeptiert wurde als im hier und heute.

„Die Frage ist doch: Warum sollten Menschen mit dem, womit sie die Natur ausgestattet hat, nicht glücklich sein können?“

Ja gute Frage. Mal überlegen: Die Natur hat mich mit Penis und Faust ausgestattet. Und meinen Mitmenschen mit einem Anus. Die Natur gestattet es mir, meinem Mitmenschen, Penis und/oder Faust in den Anus zu schieben. Und sie gestattet es mir ebenfalls, mir Penis und Faust in den Anus schieben zu lassen. Wenn wir beide es wollen. Und wenn es uns Spaß macht, machen wir weiter. Und es geht mir dabei komplett am Anus vorbei, ob Frau Ebbenfeld das okay findet.

Dieses Konzept des gegenseitigen Einvernehmens, des Individualismus und der Freiheit der Wahl sowie des Experimentierens ist allerdings so revolutionär simpel, dass es Sozialwissenschaftler und Kulturanthropologen mit Hang zur Bettenschnüffelei nicht befriedigen kann.

Warum vögeln Sex ist

In früheren Zeiten war es gang und gebe, homosexuellen Menschen die Fähigkeit zur Liebe und zu emotionalen, romantischen Gefühlen abzusprechen. Insbesondere Schwule wurden rein unter dem Gesichtspunkt einer ausschließlich perversen, triebhaften Lusterfüllung betrachtet.

Diese Definition lässt sich in Zeiten der Forderungen gleichgeschlechtlicher Paare nach Ehe und Familie immer schwerer aufrechterhalten. Was also tut man, wenn man homosexuellen Menshen nicht mehr die Fähigkeit zur Liebe abprechen kann? Korrekt, man dreht den Spieß um und behauptet das Gegenteil, nämlich, dass homosexuelle Menschen gar keine Sexualität hätten:

Sexualität ist auf der Zellebene die Verschmelzung von (weiblichem) Ovarium und (männlichem) Spermium und der daraus folgenden genetischen Neukombination im Prozess der Fortpflanzung.

Korrekt.

Sexualität ist damit identisch mit Heterosexualität.

Was auf der Ebene menschlichen Verhaltens Homo”sexualität” genannt wird, ist daher gar keine Sexualität, sondern Homoerotik. [Hervorhebung im Original, A.]

Nope. Denn, erstens, bezeichnet „Erotik

die sinnliche Anziehung zweier oder mehrerer Menschen.

Homosexualität ist aber nicht nur die sinnliche Anziehung zweier oder mehrere Menschen, sondern auch die Ausübung sexueller Praktiken mit einem oder mehrer Partner gleichen Geschlechts, wobei Sexualpraktik folgendermaßen definiert wird:

Als Sexualpraktik (sexuelle Praktiken) werden alle Handlungen bezeichnet, die subjektiv dem Erreichen sexueller Lust dienen und auf die sexuelle Befriedigung zielen.

Lässt man obige Definition von Sexualität bezüglich der biologischen Ebene als alleinige Definition von Sexualität – und damit Sex – gelten, wären sämtliche Praktiken, die nicht zur Fortpflanzung führen, kein Sex, einschließlich Vaginalverkehr mit Kondom und an nicht fruchtbaren Tagen der Frau, Cunnilingus, Fellatio, Rimmen und Analverkehr. Das sind gute Nachrichten für die überwältigende Zahl der Fremdgeher! Sie könne jetzt ehrlichen Gewissens behaupten, niemals Sex außerhalb der Ehe oder Beziehung gehabt zu haben!

Selbstredend ist das aber alles Unsinn, da Sexualität, zweitens, nicht nur auf der Eben der Fortpflanzung definiert wird, sondern auch eine zusätzliche Definition hat, die da lautet:

Im sozio- und verhaltensbiologischen Sinne bezeichnet der Begriff die Formen dezidiert geschlechtlichen Verhaltens zwischen Geschlechtspartnern. Bei vielen Wirbeltieren hat das Sexualverhalten zusätzliche Funktionen im Sozialgefüge der Population hinzugewonnen, die nichts mehr mit dem Genomaustausch zu tun haben müssen, so dass dann die handelnden Partner auch nicht unbedingt unterschiedlichen Geschlechts sein müssen.

Schachmatt, Professor Dr. Günther Buchholz!

Warum es Geschlechter gibt

Der Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera von der Universität Kassel steht unter Beschuss progressiver, linker und feministischer Kreise, weil er sich kritisch gegenüber der Genderforschung geäußert hat.

Darf man das sagen? Im Jahr 2015? Dass mit der Geschlechterforschung „eine andere, quasi-religiöse Strömung unter der Tarnkappe des Gender Mainstreaming Fuß fasst und immer mehr, gleich einem Krebsgeschwür, sämtliche Fachgebiete erobern möchte“? Ja, findet Ulrich Kutschera.

Natürlich darf man das sagen. Auch im Jahre 2015. Zumal diese Aussage durchaus nicht falsch ist. Die Quasi-Religion, die sich innerhalb der Geschlechterforschung zunehmend austobt, ist die des postmodernen Feminismus, welche von der sozialen Konstruktion der Geschlechter und der Unterdrückung der Frau durch ein soziales System ausgeht, welches von Männern zu deren Vorteil erschaffen wurde. Die Prämisse ist also bereits von vornherein gesetzt, die Ergebnisse werden dieser Prämisse angepasst. Das ist alles, aber keine Wissenschaft.

Genau das beobachtet auch Kutschera:

Wenn er sich die Aktivitäten in der Geschlechterforschung anschaue, dann sei klar, das habe nichts mit Naturwissenschaft zu tun. „Naturwissenschaftler erforschen reale Dinge, die wirklich existieren“, sagte Kutschera. „Unsere Theorien basieren auf Fakten, während in der Sozialkunde eben vor sich hin theoretisiert wird in aller Regel, und Fakten wenig zählen.“

Nun mag man es bedauern, dass Kutschera zu einem Rundumschlag gegen die Sozialkunde an sich ausholt, dennoch gebe ich ihm im Kern recht. Innerhalb der Geschlechterforschung werden biologische Grundlagen zu Geschlechtern so gut wie gar nicht zur Kenntnis genommen. Dabei kann man Geschlecht überhaupt gar nicht ohne Biologie, ohne Evolutionsbiologie, ohne sexuelle Selektion, Fitness und Kosten betrachten. Dass die Geschlechter nur auf der Grundlage der Fortpflanzung existieren gilt in der Genderforschung weitgehend als Tabu. Stattdessen werden geschlechtliche und sexuelle Minderheiten wie Trans-, Inter- und Homosexelle als Beleg für eine soziale Konstruktion von Geschlechtlichkeit überhaupt angeführt; gilt der postmoderne Feminismus und seine Doktrin von der Unterdrückung der Frau vielfach als Leitbild der Geschlechterforschung.

„Das ist eine feministische Sekte, die uns da ihren Unsinn aufdrückt – und alle machen widerstandslos mit.“ Solche Aussagen weckten Widerspruch unter anderem beim Asta, der sich mit einem Brief an die Hochschulleitung wandte und eine Stellungnahme forderte.

Und die antwortete prompt:

„Die Universität Kassel legt in ihrem Entwicklungsplan dar, dass sie Gleichstellung und Diversity als zentrale Themen ihrer Entwicklung begreift“, heißt es in der Erklärung des Uni-Präsidiums. Man habe sich verpflichtet, „eine Organisationskultur zu pflegen, die von gegenseitiger Anerkennung und Teilhabe aller Mitglieder der Hochschule geprägt ist. Die Universitätsleitung wird mit Herrn Prof. Kutschera das Gespräch suchen, um ihn an diese Grundsätze zu erinnern.“

Man beachte zunächst, dass diese Grundsätze der Universität Kassel nichts mit Wissenschaft zu tun haben. „Gleichstellung und Diversity“ sind keine Bestandteile wissenschaftlicher Forschung, sondern politisch Leitlinien. Man kann nur hoffen, dass diese Stellungnahme ein reines Alibi ist, um die  Gegner Kutscheras zu besänftigen. Andernfalls könnte man auf die Idee kommen, dass sich an der Universität Kassel die Forschung politischen Leitlinien unterzuordnen habe.

„Den Lehrenden der Universität steht es grundsätzlich frei, sich an der öffentlichen Debatte zu beteiligen; dieses Recht respektiert die Leitung der Universität Kassel selbstverständlich“, heißt es in der Uni-Stellungnahme dazu. „Die Hochschulleitung ist zugleich der Auffassung, dass diese Debatte in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts stattfinden soll, auch des Respekts gegenüber anderen wissenschaftlichen Disziplinen.“

Glück gehabt. Die Unileitung versucht also tatsächlich lediglich , die Wogen zu glätten, erwartet von Kutschera aber Respekt gegenüber der Genderforschung.

Ich bin sicher, dass Kutschera gewillt ist, dies zu tun, wenn es denn Anlässe zu Respekt gäbe. Und, gibt es die? Laut Kutschera eher nicht:

Es sei allerdings „ungeschickt“ gewesen, „sich zuerst auf Interviews einzulassen, und erst im zweiten Schritt die Faktenlage in Buchform dazulegen“. Das werde er im kommenden Jahr nachholen. Das Buch zum „Gender-Paradoxon“ sei für Anfang 2016 geplant. „Damit werde ich die letzten Nägel in den Sarg der Gender-Ideologie schlagen.“

Und eben jene Kritik an der „Gender-Ideologie“ ist ja das, was den Asta überhaupt bewogen hat, Kutschera bei der Unileitung anzuschwärzen. Sind seine Thesen für sich progressiv gebende Genossen doch einfach zu provokant:

Es gebe etliche Studien, die zeigten, „dass Männer – unabhängig, ob sie jetzt in Arabien leben oder in Israel oder in Deutschland oder Russland – dass Männer über alle Kulturen hinweg deutlich jüngere, attraktive, fertile, nicht besonders wortgewandte Frauen bevorzugen. Männer sind quasi die Urviecher in uns, die Affen… Männer wollen einfach eine nette Frau, mit der man nicht viel diskutieren muss; jung, attraktiv, gut kochen muss sie können, Kinder großziehen.“ Das sei in allen Kulturen so.

Das so etwas provoziert ist eigentlich absurd, denn genau diese Ergebnisse kann man problemlos selbst erleben, wenn man raus auf die Straße geht. Diese Ergebnisse über die Partnerpräferenz bei Männern sind im Schnitt ebenso wahr, wie jene Erkenntnisse, dass Frauen ältere, erfahrene Männer bevorzugen; Männer die sich bewähren, die ihre evolutionäre Fitness beweisen, Männer die bereit sind Frauen zu beschützen und zu umsorgen und welche Ressourcen besitzen, die es Frau ermöglichen ihrem Nestbau- und Brutpflegetrieb nachzugehen.

Biologisch ist das absolut einleuchtend. Denn Geschlechter existieren zum Zwecke der Fortpflanzung. Zu nichts anderem.

Narzisstische Heulsusen

Ich hatte bereits vor einiger Zeit spekuliert, dass im Zuge der fortschreitenden feministischen Sexpanik es irgendwann als Vergewaltigung gelten wird, wenn Frau der Sex nicht gefallen hat. In den USA steht die feministische Theorie mittlerweile kurz vor dieser bahnbrechenden Erkenntnis. Das Stichwort dafür heißt „Grey Rape„:

He slid inside me and I didn’t say a word. At the time, I didn’t know why. Maybe I didn’t want to feel like I’d led him on. Maybe I didn’t want to disappoint him. Maybe I just didn’t want to deal with the “let’s do it, but no, we shouldn’t” verbal tug-of-war that so often happens before sleeping with someone. It was easier to just do it. Besides, we were already in bed, and this is what people in bed do. I felt an obligation, a duty to go through with it. I felt guilty for not wanting to. I wasn’t a virgin. I’d done this before. It shouldn’t have been a big deal–it’s just sex–so I didn’t want to make it one.

Die Aussage ist eigentlich sehr simpel, Mädel: Du hattest mit ihm Sex. Freiwillig. Du hast nichts dagegen gesagt. Du hattest alle Chancen, „Nein“ zu sagen, davor und währenddessen. Du warst aber zu faul, zu bequem, zu erregt, zu unentschlossen. Du wolltest ihm vielleicht einen Gefallen tun, und Sex ist so schlimm nun auch nicht. Das ist uns allen schon passiert. Nicht nur beim Sex. Wir tun öfter mal Dinge, um anderen einen Gefallen zu tun, oder um weiteren Debatten aus dem Weg zu gehen, oder weil wir glauben, das gehört sich jetzt halt so. Kein Drama. So ist das Leben.

It happens to us with consistent hookups, first dates, boyfriends, and one-night stands alike. We have sex with guys, because sometimes it’s just easier to do it than to have the argument about not doing it.

Und wenn man es tut, weil es einfacher ist, als „Nein“ zu sagen, dann hat man zugestimmt. Ende! Aus! Fertig! Da gibt es nicht mehr zu sagen! Wenn ich einem Freund beim Umzug helfe – mit dem Schleppen von schweren Kisten und der Waschmaschine und allem Unbill der dazugehört – obwohl ich eigentlich nicht will (und natürlich würde ich lieber etwas anderes machen wollen), kann ich mich hinterher auch nicht hinstellen, und so tun, als wäre ich zu dieser Arbeit gezwungen worden. Und wenn ich mich hinterher an meinen Schreibtisch setze und Aufsätze darüber verfasse, dass unsere Freunde uns mit ihren Umzugsplänen und der Bitte um Hilfe in Situationen bringen, die an Sklaverei erinnert, dann mache ich mich lächerlich.

But no one talks about it. Talking about it makes it a big deal. It makes us feel like we’re whining.

Das tut Ihr ja auch. Beständig rumjammern, weil Ihr nicht mit Euren eigenen Entscheidungen klar kommt.

We don’t feel entirely violated. It doesn’t affect us forever. We just feel like we got the short end of the stick, and that sometimes, we have to do something we don’t want to do, out of politeness or social obligation.

Aber Ihr habt Euch entschieden, mit ihm zu schlafen! Niemand hat Euch gezwungen! Es war Eure Entscheidung! Kapiert Ihr das nicht? Ihr hättet „Nein“ sagen können. Ein einsilbiges Wort. Nicht schwer zu sagen. Ihr Frauen quatscht doch sonst so viel. Und auf einmal ist das so schwer?

So why bring it up? Why risk wrongfully tagging a guy with a serious, heavy label he doesn’t deserve? And more importantly, why risk being wrongfully tagged as “the girl who cried rape,” when we’re not trying to say it was rape at all? We’re saying we don’t know what it was. We just didn’t like it. But by refusing to acknowledge the existence of these rape-ish situations, we’re continuing to subject ourselves to them indefinitely.

Feminismus ist lächerlich. Feminismus ist gefährlich. Es ist die ultimative Verbindung aus Narzissmus und Verantwortungslosigkeit. Es erlaubt kindischen Heulsusen , die weder menschliche Integrität noch Verantwortungsgefühl kennen, sich mächtig und im Recht zu fühlen und die Regeln zwischenmenschlichen Verhaltens zu bestimmen.

Wie lange soll das noch so weitergehen?

Moralistin gegen Moralist

Wenn sich Moralisten über Moralisten aufregen, weil der eine Moralist den Standpunkt des anderen Moralisten als nicht moralistisch genug einstuft, dann wird es meist lustig. So auch beim Blog „Gedankensalat“, bei dem sich Bloggerin „onyx“ über die Kritik von Gunnar Schupelius aufregt, der in der BZ die Sexalisierung der Gesellschaft anhand eines großformatigen Werbeplakates für einen neuen Vibrator beklagt:

Das Vibrator-Plakat überschreitet diese Grenzen. Es ist absurd, surrealistisch, ein Albtraum. Sind wir sittlich so verwirrt, dass wir nicht mehr wissen, was in die Öffentlichkeit gehört und was nicht?

Was mich angeht: Ja, ich bin so sittlich verwirrt, denn ein Werbeplakat für einen Vibrator stört mich nicht die Bohne.

Schupelius sieht das anders:

Es stört mich. Was stört mich? Dass mir Sex aufgedrängt wird, sehr heftig, sehr massiv. Und dann auch noch mechanisch, aus Plastik, als Lustmaschine. Das bedrängt mich. Geht es anderen auch so?

Nein! Ein Plakat kann mich weder bedrängen, noch mir Sex aufdrängen. Es ist ein Plakat, es kommt nicht auf mich zu, es spricht mich nur an, wenn ich mich angesprochen fühlen will, und ich kann seiner Botschaft leicht entkommen, indem ich einfach wegschaue oder auf etwas anderes schaue. Das sollte gerade in Großstädten nicht so schwer sein.

Was genau kritisiert nun „onyx“ an Schupelius?

Zunächst einmal plakatiert sie ihren Blog mit Beispielen von Reklame, die nackte Frauen als Blickfang für Produkte einsetzen und resümert:

Witzig? Sexy? Harmlos? Ihr versteht die ganze Aufregung um Sexismus in der Werbung nicht, in der Frauen als sexualisierte Deko-Objekte erscheinen, die nichts mit dem zu beworbenen Produkt zu tun haben?

Nein, „onyx“ verstehe ich nicht. Ebensowenig wie ich Schupelius verstehe, der sich über einen Vibrator aufregt, verstehe ich, wieso Du Dich über nackte Frauen aufregst, die als Blickfang dienen, um ein Produkt zu bewerben:

“Mir wird der Sex massiv aufgedrängt”, sagt der Kolumnist der Berliner Zeitung Gunnar Schupelius. “Guck doch nicht hin”, möchte man sagen. Oder “stell dich nicht so an”, oder “warum bist du so prüde?”. Nicht? Warum nicht? Weil Sex nichts in der Öffentlichkeit zu suchen hat? Warum regt sich dann keiner über Werbung wie obige mit den nackten Frauen auf auf?

Aber es gibt doch Leute, die sich über Werbung mit nackten Frauen aufregen. Du zum Beispiel, „onyx“. Dabei brächtest Du einfach nicht hinschauen.

Ist es nicht eher so, dass Schupelius sich nur von aktiver weiblicher Sexualität bedrängt fühlt? Oder fühlt er sich genauso bedrängt, wenn er an obigen Bildern vorbeigeht? Ich vermute nicht. Aha.

Man beachte: „onyx“ vermutet. Sie kann es nicht belegen, sie spekuliert. Und baut auf dieser Spekulation ihren Beitrag auf. Woher will sie wissen, dass Schupelius nicht auch Werbung mit nackten Frauen unschön findet?

Mir scheint, als gehe wiedermal der doppelmoralisierende Zeigefinger um, der sich immer dann erhebt, wenn es um aktive weibliche Sexualität geht, um Frauen mit eigenen Bedürfnissen. Frauen, die aktiv Lust einfordern, stellen einfach eine zu große Gefahr dar.

Ich musste diesen Absatz dreimal lesen, weil ich einfach nicht glauben konnte, was „onyx“ da geschrieben hat. Ein Werbeplakat, der einen Vibrator zeigt, ist also das aktive Einfordern von Frauen auf Lust? Mir würde da eher eine Frau in den Sinn kommen, die sich nackt auszieht und den Vibrator tatsächlich benutzt, aber bitte, ich maße mich nicht an, weibliche Sexualität, oder die von „onyx“, verstehen zu wollen.

Solange sie als hübsche Dekoration nackt von Plakaten lächeln, ist alles gut, da muß man sich nicht aufregen, das ist halt sexy. Das wollen die Leute doch sehen! Aber weibliche Lust ansprechen? Himmel Hilf!

Man beachte erneut, dass „onyx“ diese Kritik auf der Spekulation aufbaut, dass Schupelius die Plaket mit nackten Frauen gutheißt. Wir wissen das nicht. Aber gehen wir, um der Argumentation willen, mal davon aus, dass dem tatsächlich so ist. Dann hätte „onyx“ recht, dann wäre Schupelius in gewisser Weise bigott, weil er sich an halbnackten Frauen nicht stört, an der Abbildung eines Vibrators aber doch.

Andererseits muss eine halbnackte Frau nicht unbedingt etwas mit Sexualität zu tun haben. Dieser Befund ist umso einleuchtender als dass wir momentan Hochsommer haben, und in jedem Winkel der Republik einem massenhaft halbnackte Frauen begegnen, die – sehr zum Bedauern der heterosexuellen Männer – nicht mehr auf Sex aus sind als im Rest des Jahres, wenn sie etwas mehr anhaben.

Halbnackte Fraues sind demnach nicht unbedingt ein Zeichen einer Sexualisierung; und es gibt gute Gründe anzunehemn, dass sie in der Werbung nicht mehr als ein ästhetischer Blickfang sind. Der natürlich, zugegegen, mit männlicher Sexualität zu tun hat, denn die meisten Männer finden halbnackte Frauen irgendwie gut. Was ja auch der Grund ist, dass die Werbeindustrie halbnackte Frauen zeigt.

Kommentator „aranxo“ resümert auf „Gedankensalat“:

Ich kann da nicht wirklich eine Doppelmoral erkennen. Eher wo ganz anders. Auf der einen Seite sollen sich Frauen anziehen bzw. ausziehen dürfen, wie auch immer sie wollen, Stichwort #hotpantsverbot, und wehe ein Kerl glotzt zu viel oder pfeift sogar. Wenn aber Frauen sich völlig selbstbestimmt ausziehen, um sich fotografieren zu lassen und damit Geld zu verdienen, dann ist das auf einmal gar nicht recht. Dann dienen sie angeblich als “stumme willenlose Deko”. Hast Du [onyx] sie gefragt, ob sie sich so sehen?

Guter Punkt. Es ist ja nicht so, dass die Frauen auf den Plakaten dazu gezwungen werden, sich auszuziehen. Und nur weil „onyx“ das nicht gefällt handeln diese Frauen nicht weniger selbstbestimmt.

„onyx“ kontert:

Sexuelle Selbstbestimmung von Frauen wird erst dann interessant, wenn sie dem Vergnügen anderer dient.

Was erneut eine rein spekulative Aussage von „onyx“ ist. Denn Kommentator „aranxo“ hat ja, laut eigener Aussage, weder ein Problem mit halbnackten Frauen noch mit Vibratoren. Ebensowenig haben die Mehzahl der Leser von Schupelius‘ Artikel etwas gegen die Reklame mit dem Vibrator, wie man anhand der beigefügten Umfrage in seinem Artikel nachsehen kann. Es gibt also offenbar keinen großen Widerstand gegen das von „onyx“ kolportierte aktive Einfordern weiblicher Lust.

Wo stehen wir also? Wir haben hier eine Bloggerin, die sich darüber aufregt, dass ein Journalist sich über eine persönlich empfundene Sexualisierung in der Öffentlichkeit echauffiert, während diese Bloggerin sich gleichzeitg darüber aufregt, dass jener Journalist nicht das kritisert, was sie selbst als Sexualisierung empfindet.

Wobei Schupelis allerdings nur ein bräsiges Moralisieren vorzuwerfen ist. „onyx“ dagegen redet zwar viel von sexueller Selbstbestimmung der Frau. Allerdings sollte diese nicht so weit gehen, dass Frauen sich für Geld ausziehen. Denn das mag „onyx“ nicht. Und was „onyx“ nicht mag, das ist irgedenwie schlecht. Wirklich amüsant also, dass sie nicht selbst merkt, dass Schupelius in diesem Fall nur ein Spiegelbild ihrer selbst, nicht mehr als eine „onyx“ mit Penis ist.